Sehklinik

Hornhaut

Hornhauterkrankungen — wenn das klarste Gewebe des Auges leidet

Ein Auge, das sticht, tränt und jedes Licht zu grell findet — und dabei so weh tut, dass Sie es kaum offen halten können. Wenn Schmerz und Lichtscheu im Vordergrund stehen und nicht bloss die Rötung, ist häufig die Hornhaut beteiligt: das klare Fenster ganz vorne im Auge. Sie hat keine einzige Blutader, dafür mehr Nervenenden als jedes andere Gewebe des Körpers. Das erklärt beides — warum sie durchsichtig ist, und warum schon ein winziger Defekt so wehtut.

Aufbau und Funktion der Hornhaut

Die Hornhaut — medizinisch Cornea — ist die klare, leicht vorgewölbte Scheibe ganz vorne am Auge, genau dort, wo eine Kontaktlinse aufliegt. In der Mitte misst sie rund einen halben Millimeter, zum Rand hin wird sie etwas dicker. Im Spiegel sehen Sie sie nicht: Sie ist vollständig durchsichtig. Sichtbar wird sie erst in dem Moment, in dem sie das nicht mehr ist.

Ihre Aufgabe ist eine doppelte. Sie ist die Schutzschicht des Auges gegen Staub, Wind, Fingerkuppen und Krankheitserreger. Und sie ist zugleich die stärkste Linse, die das Auge besitzt: Rund zwei Drittel der gesamten Brechkraft des Auges entstehen an der Hornhaut — mehr als in der Augenlinse dahinter. Gebrochen wird das Licht dabei vor allem an der Grenze zwischen Luft und Tränenfilm; deshalb wird das Bild schon dann unscharf, wenn bloss der Tränenfilm aufreisst, obwohl die Hornhaut selbst klar ist. Jede Veränderung ihrer Form wirkt unmittelbar auf das Sehen. Eine Delle, eine Narbe oder eine Vorwölbung verhält sich wie ein verzogenes Brillenglas, das man nicht abnehmen kann.

Gebaut ist sie aus mehreren Schichten, von denen drei den Alltag bestimmen. Aussen liegt das Epithel, eine Deckschicht, die sich etwa alle ein bis zwei Wochen vollständig erneuert — deshalb heilt eine oberflächliche Abschürfung meist spurlos ab. Darunter liegt das Stroma, das mit Abstand dickste Stockwerk; es gibt der Hornhaut Stabilität und Form, heilt aber nicht spurlos, sondern mit einer Narbe. Ganz innen sitzt das Endothel, eine einzige Lage Zellen, die pausenlos Wasser aus dem Gewebe herauspumpt und die Hornhaut dadurch klar hält.

Diese innerste Zellschicht ist die verletzlichste, weil der Körper sie nicht nachbildet. Verlorene Endothelzellen werden nicht ersetzt; die verbliebenen vergrössern sich und decken die Fläche mit. Fällt die Zelldichte im Lauf des Lebens, durch eine Erkrankung oder nach einer Operation im Augeninneren unter eine kritische Grenze, versagt die Pumpe: Die Hornhaut nimmt Wasser auf und trübt ein. Betroffene beschreiben das typischerweise als Nebel, der morgens am dichtesten ist und im Lauf des Tages nachlässt.

Bemerkenswert ist noch etwas: Die Hornhaut enthält keine Blutgefässe. Genau das macht sie durchsichtig — Gefässe würden Licht streuen. Versorgt wird sie stattdessen über den Tränenfilm von aussen und das Kammerwasser von innen, den Sauerstoff nimmt sie direkt aus der Luft auf. Kontaktlinsen liegen exakt auf dieser Grenzfläche, und das ist der Grund, weshalb Trageverhalten und Hygiene bei Linsen keine Nebensache sind, sondern der Kern der Sache.

Und sie ist das am dichtesten mit Nerven versorgte Gewebe des menschlichen Körpers. Deshalb schmerzt schon ein Defekt, der kleiner ist als ein Stecknadelkopf, so heftig. Die Stärke des Schmerzes sagt allerdings wenig über den Ernst des Befundes. Eine harmlose Abschürfung kann kaum auszuhalten sein, während eine tiefe, gefährliche Veränderung erstaunlich wenig weh tut. Das ist einer der Gründe, weshalb wir bei Hornhautbeschwerden lieber einmal zu früh schauen.

Woran Sie merken, dass die Hornhaut betroffen ist

  • Schmerz — nicht nur Brennen oder Jucken, sondern ein stechender, schneidender Schmerz
  • Ausgeprägte Lichtscheu, die Sie die Augen zukneifen lässt
  • Fremdkörpergefühl, das sich nicht wegblinzeln lässt
  • Schleiersehen — Sehen wie durch Milchglas, oft mit Höfen und Strahlenkränzen um Lichter bei Nacht
  • Verzerrtes Sehen, das eine neue Brille nicht mehr sauber korrigiert
  • Rötung als Kranz direkt rund um die Regenbogenhaut, statt gleichmässig über das Augenweiss verteilt
  • Starker Tränenfluss und ein Auge, das sich kaum öffnen lässt

Diese Kombination trennt eine harmlose Bindehautentzündung — bei der Rötung und Sekret im Vordergrund stehen und weder Schmerz noch Sehverschlechterung dazugehören — von einer Gruppe dringlicher Befunde. Die Hornhaut ist nur einer davon. Dasselbe Muster aus Schmerz, Lichtscheu, Rötungskranz und schlechterem Sehen entsteht auch bei einer Entzündung der Regenbogenhaut (Iritis, Uveitis) — dort typischerweise ohne eitriges Sekret — und bei einem plötzlichen Anstieg des Augeninnendrucks. Von aussen sieht all das zunächst gleich aus. Welche Struktur betroffen ist — Hornhaut, Regenbogenhaut oder der Druck im Auge —, zeigt sich an der Spaltlampe, in aller Regel nach dem Anfärben der Oberfläche mit einem Farbstoff, der jeden Defekt sichtbar macht, und zusammen mit einer Druckmessung: eine Untersuchung, die wenige Minuten dauert und über die gesamte weitere Behandlung entscheidet.

Eine Ausnahme verträgt keinen Aufschub. Kommen plötzlich heftige Schmerzen, Regenbogenfarben und Höfe um Lichtquellen, ein steinhart wirkendes Auge, Übelkeit oder Erbrechen und ein stark verschwommenes Sehen zusammen — oft mit einer mittelweiten, starren Pupille —, steht der Verdacht auf einen Glaukomanfall im Raum. Die Höfe entstehen dort durch dieselbe Wassereinlagerung in der Hornhaut wie bei einem Hornhautbefund; der Unterschied ist der Druck dahinter. Das gehört nicht «noch heute» angeschaut, sondern sofort in augenärztliche Behandlung — Sehen geht in dieser Situation innerhalb von Stunden verloren.

Die häufigsten Hornhauterkrankungen

Die Hornhaut kann auf sehr unterschiedliche Weise erkranken: Sie kann sich entzünden, sie kann ihre Form verlieren, sie kann eintrüben, und sie kann austrocknen. Die vier Bilder fühlen sich für Betroffene ähnlich an — und verlangen völlig verschiedene Behandlungen.

Keratitis — die Entzündung der Hornhaut

Eine Keratitis ist die Entzündung der Hornhaut, und sie ist der Befund dieser Gruppe, der am wenigsten Aufschub verträgt. Auslöser sind Bakterien, Viren, seltener Pilze oder Amöben; das mit Abstand grösste Risiko tragen Kontaktlinsenträgerinnen und -träger. Anders als eine Bindehautentzündung tut eine Keratitis weh, macht deutlich lichtscheu und verschlechtert das Sehen — und sie kann eine Narbe hinterlassen, die bleibt. Antibiotische oder kortisonhaltige Tropfen «auf Verdacht» sind hier keine harmlose Überbrückung, sondern können den Verlauf entscheidend verschlechtern. Alles zur Hornhautentzündung: Ursachen, Warnzeichen und Behandlung.

Keratokonus — wenn die Hornhaut ihre Form verliert

Beim Keratokonus wird die Hornhaut an einer Stelle dünner und wölbt sich kegelförmig vor. Das Sehen wird dadurch nicht einfach schwächer, sondern verzerrt: Buchstaben verdoppeln sich, Lichter ziehen Schweife, und die Brillenwerte ändern sich in kurzen Abständen — oft ist genau das das erste Zeichen. Die Erkrankung beginnt meist in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter und schreitet in dieser Lebensphase am ehesten fort. Früh erkannt lässt sich das Fortschreiten in vielen Fällen aufhalten, was die Untersuchung im Zweifel wertvoller macht als jede Behandlung danach. Alles zum Keratokonus: Anzeichen, Vermessung und Behandlungswege.

Flügelfell (Pterygium)

Ein Flügelfell ist eine flügelförmige Gewebefalte, die vom Augenweiss her auf die Hornhaut wächst — fast immer von der Nasenseite. Begünstigt wird es durch jahrelange UV-Belastung, Wind, Staub und trockene Luft; es ist deshalb kein Zeichen für eine Infektion und auch nicht ansteckend. Solange es klein ist und nicht reizt, wird es beobachtet und die Oberfläche befeuchtet. Wächst es in Richtung Sehachse, verzieht es die Hornhaut und erzeugt eine Hornhautverkrümmung; dann kann eine Entfernung sinnvoll sein. Offen gesagt gehört dazu, dass ein Flügelfell nach der Entfernung wiederkommen kann — was den Zeitpunkt zu einer Abwägung macht und nicht zu einer Selbstverständlichkeit.

Trockene Hornhautoberfläche

Die häufigste Ursache für eine gereizte Hornhaut ist keine Krankheit im engeren Sinn, sondern ein Tränenfilm, der die Oberfläche nicht mehr gleichmässig benetzt. Die Beschwerden ähneln denen einer Entzündung — Brennen, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, schwankende Sehschärfe, die sich nach dem Blinzeln kurz bessert — und werden entsprechend oft mit dem falschen Präparat behandelt. Bleibt die Oberfläche über längere Zeit ungeschützt, entstehen feine Defekte im Epithel, die sich anfärben lassen und den Weg für Infektionen öffnen. Was dahintersteckt und was tatsächlich hilft, steht auf der Seite zu trockenen Augen.

Hornhautdystrophien und Endothelschwäche

Unter den Dystrophien fasst man erbliche Veränderungen zusammen, die die Hornhaut langsam eintrüben lassen — meist an beiden Augen, meist über Jahre und ohne auslösendes Ereignis. Die im Alltag wichtigste betrifft das Endothel, die innerste Pumpschicht: Lässt deren Leistung nach, quillt die Hornhaut nachts auf und klart im Lauf des Vormittags wieder auf. Diesen typischen Tagesverlauf berichten Betroffene oft, bevor irgendetwas messbar ist. Eine Endothelschwäche kann sich auch nach einer Operation im Augeninneren zeigen, etwa nach einer Behandlung des Grauen Stars; deshalb wird die Zelldichte vor solchen Eingriffen mitbeurteilt.

Narben, Verformungen und der Unterschied zur Fehlsichtigkeit

Nach einer schweren Entzündung, einer Verätzung oder einer tiefen Verletzung bleibt im Stroma eine Narbe zurück. Liegt sie am Rand, stört sie oft gar nicht; liegt sie in der Blickachse, streut sie das Licht und lässt sich durch keine Brille wegkorrigieren. Davon zu unterscheiden ist die gewöhnliche Hornhautverkrümmung, bei der die Hornhaut regelmässig unrund geformt ist — sie ist eine Fehlsichtigkeit und keine Erkrankung, und sie wird mit Brille oder Kontaktlinsen ausgeglichen. Der Unterschied klingt akademisch, entscheidet aber darüber, ob jemand eine Sehhilfe braucht oder eine Behandlung.

Diagnostik: wie wir die Hornhaut beurteilen

Am Anfang steht immer dasselbe, und es ist die wichtigste Untersuchung überhaupt: die Spaltlampe. Unter starker Vergrösserung und mit einem schmalen Lichtspalt lässt sich die Hornhaut Schicht für Schicht durchmustern; ein Farbstoff macht Defekte der Oberfläche sichtbar, die sonst unsichtbar bleiben. Erst wenn dieser Befund eine offene Frage hinterlässt, kommen die vermessenden Verfahren dazu. Welche das sind, richtet sich nach der Frage — und einige davon veranlassen wir bei einem spezialisierten Zentrum, statt sie zu improvisieren.

Topographie — die Landkarte der Oberfläche

Die Hornhauttopographie vermisst die Wölbung der Hornhaut Punkt für Punkt und stellt sie als Farbkarte dar: Steile Bereiche erscheinen warm, flache kühl. Berührt wird dabei nichts, die Aufnahme dauert Sekunden. Sie ist das entscheidende Verfahren beim Verdacht auf einen Keratokonus, weil sie eine beginnende Vorwölbung zeigt, lange bevor sie an der Spaltlampe auffällt. Ebenso wichtig ist sie im Verlauf: Ob eine Vorwölbung zunimmt, ist keine Einschätzung, sondern ein Vergleich zweier Karten. Und sie erklärt, warum eine Brille an einer verformten Hornhaut irgendwann nicht mehr sauber korrigiert.

Pachymetrie — die Dickenmessung

Die Pachymetrie misst, wie dick die Hornhaut an einer bestimmten Stelle ist. Beim Keratokonus zeigt sie die Ausdünnung am Kegel und entscheidet mit darüber, welche Behandlungen überhaupt infrage kommen. Bei einer Endothelschwäche belegt eine Zunahme der Dicke, dass die Hornhaut Wasser einlagert — oft messbar, bevor die Trübung im Alltag stört. Und sie hat eine Rolle, die viele überrascht: Die Hornhautdicke beeinflusst den gemessenen Augeninnendruck. Ohne sie kann ein Druck beim Verdacht auf einen Grünen Star zu hoch oder zu niedrig eingeschätzt werden.

Endothelmikroskopie — die Zellzählung

Dieses Verfahren fotografiert die innerste Zellschicht und zählt aus, wie viele Zellen auf einer definierten Fläche liegen und wie regelmässig sie geformt sind. Es ist das Standardverfahren, um die Reserve dieser Schicht zu beziffern — und weil verlorene Endothelzellen nicht nachwachsen, ist das eine Reserve im Wortsinn. Angezeigt ist sie beim Verdacht auf eine Endotheldystrophie, bei unerklärter Eintrübung, vor Operationen im Augeninneren und in der Kontrolle nach einer Hornhauttransplantation.

Konfokale Mikroskopie — der Blick auf die einzelne Zelle

Die konfokale Mikroskopie stellt die Hornhaut am lebenden Auge in einer Auflösung dar, die einzelne Zellen und Nervenfasern erkennen lässt. Sie ist kein Verfahren für den Regelfall, sondern für eine kleine Zahl schwieriger Situationen: bei einer Hornhautentzündung, die auf die Behandlung nicht anspricht, beim Verdacht auf Pilze oder Amöben und bei unklaren Ablagerungen im Gewebe. Sie steht nicht in jeder Praxis; wo der Befund sie verlangt, organisieren wir die Untersuchung an einem spezialisierten Zentrum. Der Grundsatz bleibt derselbe wie bei jeder Zusatzdiagnostik hier: Sie wird gemacht, wenn ihr Ergebnis die Behandlung verändert.

Wann eine Hornhauttransplantation nötig wird

Eine Hornhauttransplantation (Keratoplastik) steht am Ende einer Reihe von Möglichkeiten, nicht an ihrem Anfang. Sie wird erwogen, wenn die Hornhaut ihre Klarheit oder ihre Form dauerhaft verloren hat, das Sehen dadurch im Alltag ernsthaft eingeschränkt ist — und alles Erhaltende ausgereizt wurde: Brille, formstabile oder sklerale Kontaktlinsen, Behandlung der Grunderkrankung, Stabilisierung eines fortschreitenden Keratokonus.

Die Gründe, die dorthin führen, sind überschaubar:

  • ein weit fortgeschrittener Keratokonus, bei dem Kontaktlinsen nicht mehr sitzen oder nicht mehr vertragen werden, oder bei dem eine Narbe entstanden ist
  • tiefe Narben nach einer schweren Entzündung, einer Verletzung oder einer Verätzung, die in der Blickachse liegen
  • ein Versagen der Endothelschicht, bei dem die Hornhaut Wasser aufnimmt und dauerhaft eintrübt
  • seltene erbliche Trübungen, die im Lauf der Jahre zunehmen

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Wege. Bei der perforierenden Keratoplastik wird die Hornhaut in ihrer gesamten Dicke ersetzt — der klassische Eingriff, der weiterhin nötig ist, wenn alle Schichten betroffen sind. Bei den lamellären Verfahren wird nur die erkrankte Schicht ausgetauscht: entweder die vorderen Anteile, wenn das Endothel gesund ist, oder ausschliesslich die innerste Zellschicht, wenn genau diese versagt hat. Der Gedanke dahinter ist einfach: Was gesund ist, bleibt im Auge. Lamelläre Verfahren gelten deshalb in der Regel als schonender, mit rascherer Erholung des Sehens und geringerem Risiko einer Abstossung — welches Verfahren im Einzelfall möglich ist, entscheidet aber der Befund und nicht der Wunsch.

Zur Ehrlichkeit gehört, wie das praktisch abläuft. Das Gewebe stammt von einer Spenderin oder einem Spender und wird über eine Hornhautbank vermittelt; je nach Verfahren und Verfügbarkeit kann eine Wartezeit entstehen. Nach dem Eingriff beginnt eine lange Nachsorge: Augentropfen über Monate, engmaschige Kontrollen, bei der perforierenden Form Fäden, die häufig über ein Jahr im Auge bleiben. Die Sehschärfe stabilisiert sich langsam und in Stufen — nach einer Vollschicht-Transplantation über viele Monate. Wer eine Transplantation als Austausch eines Bauteils erwartet, wird enttäuscht; wer sie als Beginn einer Betreuung versteht, erlebt sie realistisch.

Weil die Hornhaut keine Blutgefässe hat, ist sie immunologisch vergleichsweise geschützt, und Medikamente in Tropfenform genügen meist. Eine Abstossungsreaktion bleibt trotzdem jederzeit möglich, auch Jahre später. Deshalb lernt jede transplantierte Patientin, jeder transplantierte Patient vier Zeichen auswendig: neue Rötung, Schmerz, Lichtscheu, schlechteres Sehen. Tritt eines davon auf, wird am selben Tag angerufen — früh behandelt hat eine Abstossungsreaktion eine deutlich bessere Aussicht als spät erkannt.

Die Operation selbst führen wir nicht im eigenen Haus durch. Wenn Ihr Befund sie verlangt, sagen wir Ihnen das direkt und organisieren die Zuweisung an ein spezialisiertes Hornhautzentrum, ohne dass Sie sich selbst darum kümmern müssen. Die Abklärung davor und die Kontrollen danach übernehmen wir wohnortnah in Zürich, Wetzikon oder Meilen. Zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die Angaben zur Anmeldung auf der Seite für Zuweiser.

Hornhautverletzungen und Fremdkörper

Verletzungen der Hornhaut sind der häufigste Grund, aus dem Menschen ungeplant in eine Augenarztpraxis kommen: ein Zweig im Gesicht, ein Fingernagel beim Anziehen des Kindes, ein Sandkorn im Wind, ein Funken beim Flexen. Die gute Nachricht ist, dass die Oberfläche sich schnell repariert — eine reine Abschürfung (Erosio) heilt meist innerhalb von ein bis drei Tagen ohne bleibende Spur ab. Die schlechte ist, dass sich Tiefe und Ernst der Sache am Schmerz nicht ablesen lassen — und dass bei einem Teil der Betroffenen die Oberfläche danach empfindlich bleibt: Monate später kann beim Augenöffnen am Morgen plötzlich derselbe Schmerz auftreten, eine rezidivierende Erosio. Das ist behandelbar; melden Sie sich, wenn es passiert.

Was Sie sofort tun können:

  1. Bei Chemikalien im Auge: spülen, bevor Sie irgendetwas anderes tun. Klares Wasser oder Kochsalzlösung, sofort und mindestens 15 Minuten — bei Laugen, Kalk und Reinigungsmitteln deutlich länger. Kontaktlinsen dabei herausnehmen, Lid offenhalten und das Auge in alle Richtungen bewegen. Sichtbare Kalk- oder Pulverreste vor dem Spülen aus dem Bindehautsack auswischen — mit einem feuchten Wattestäbchen, Ober- und Unterlid dazu umklappen lassen —, sonst brennen sie unter dem Wasserstrahl weiter. Nicht neutralisieren: keine Säure gegen Lauge und umgekehrt. Hören Sie zum Losfahren nicht auf, sondern spülen Sie auf dem Weg in die augenärztliche Behandlung weiter — mit der Angabe, um welches Mittel es sich handelte.
  2. Bei losem Staub oder Sand: mit sauberem Wasser oder Kochsalzlösung ausspülen. Bleibt danach ein Fremdkörpergefühl, sitzt etwas fest, das gesehen werden muss.
  3. Kontaktlinsen heraus — sofort und für die gesamte Dauer der Beschwerden.
  4. Das Auge ruhig halten, notfalls locker abdecken, und anrufen: +41 44 500 69 00 (Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30). Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten:

  • Nicht reiben. Reiben schiebt einen Fremdkörper tiefer und macht aus einem kleinen Defekt einen grossen. Es ist der häufigste Fehler und der mit den meisten Folgen.
  • Einen eingespiessten oder festsitzenden Fremdkörper nie selbst entfernen — nicht mit Pinzette, Wattestäbchen, Taschentuchzipfel oder Zungenspitze. Was auf der Hornhaut haftet, wird unter Vergrösserung und mit betäubenden Tropfen entfernt, nicht am Küchentisch.
  • Bei Verdacht auf eine durchgreifende Verletzung nicht spülen und nicht drücken. Wenn ein Gegenstand mit hoher Geschwindigkeit unterwegs war — Hämmern auf Metall, Rasenmäher, Trennscheibe —, decken Sie das Auge locker ab, ohne Druck, und fahren Sie direkt in die Notfallstation einer Augenklinik. Essen und trinken Sie ab diesem Moment nichts mehr — die Versorgung erfolgt meist in Narkose, und ein nüchterner Magen erspart Ihnen Wartezeit.
  • Keine alten Augentropfen aus dem Schrank, insbesondere kein Kortison. Bei einer offenen Hornhaut oder einer beginnenden Infektion kann es erheblich schaden.
  • Keine betäubenden Tropfen zur Selbstbehandlung. Sie nehmen den Schmerz — und mit ihm die Warnung — und verzögern die Heilung der Oberfläche.

Eine eigene Kategorie ist die Verblitzung: eine UV-Verbrennung der Hornhaut nach Schweissen ohne Schutz, nach einem Tag auf dem Gletscher oder im Solarium. Typisch ist, dass die Beschwerden erst Stunden später beginnen, meist am Abend oder mitten in der Nacht, dafür mit heftigem Schmerz an beiden Augen. Sie heilt in der Regel innerhalb von ein bis zwei Tagen ab; behandelt wird der Schmerz und die Oberfläche. Wer regelmässig schweisst oder in den Bergen arbeitet, spart sich die Wiederholung mit Schutzbrille und UV-Filter — die wirksamste Massnahme ist hier die einfachste.

Noch am selben Tag anrufen gilt bei jedem Fremdkörper, der sich nicht ausspülen lässt, bei jedem Auge, das nach einer Verletzung schmerzt, lichtscheu ist oder schlechter sieht, bei jeder Chemikalie im Auge und bei jedem roten Auge unter Kontaktlinsen. Beschreiben Sie uns am Telefon, was passiert ist — wir sagen Ihnen, ob es bis morgen Zeit hat. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr Befund überhaupt hierher gehört, hilft die Übersicht über unsere Augenuntersuchungen oder die Seite zu Augenentzündungen.

Kosten & Krankenkasse

Was die Grundversicherung übernimmt — und was nicht

Abklärung und Behandlung von Hornhauterkrankungen sind medizinische Leistungen. Bei medizinischer Indikation erfolgt die Kostenübernahme über die Grundversicherung; Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Augenärztliche Untersuchung bei Hornhautbeschwerden

Grundversicherung

Schmerz, Lichtscheu, Fremdkörpergefühl oder eine Sehverschlechterung sind eine medizinische Indikation. Das gilt auch für den kurzfristigen Termin und für die Untersuchung im Notfalldienst.

Spaltlampenuntersuchung mit Anfärben der Oberfläche

Grundversicherung

Teil der Untersuchung und nicht gesondert zu verhandeln. Sie ist der Schritt, der eine Hornhautbeteiligung überhaupt erst sichtbar macht.

Entfernung eines Fremdkörpers, Versorgung einer Erosio

Grundversicherung

Inklusive Entfernung eines Rostrings und der notwendigen Nachkontrolle am Folgetag, wenn der Befund sie verlangt.

Topographie, Pachymetrie, Endothelmikroskopie

Grundversicherung bei Indikation

Übernommen, wenn ein begründeter Verdacht oder eine bekannte Erkrankung vorliegt — etwa Keratokonus, Endothelschwäche oder eine Kontrolle nach Transplantation. Als reine Vorsorgemessung ohne Befund sind sie keine Pflichtleistung.

Vernetzung der Hornhaut bei fortschreitendem Keratokonus

An Bedingungen geknüpft

Voraussetzung ist ein dokumentiertes Fortschreiten und ein geeigneter Befund. Wir klären die Kostenübernahme vor der Behandlung schriftlich mit Ihrer Kasse ab — Näheres auf der Seite zum Keratokonus.

Speziell angepasste Kontaktlinsen bei Keratokonus oder Narben

Begrenzter Beitrag

Bei medizinisch begründeter Indikation ist ein Beitrag vorgesehen, dessen Höhe begrenzt ist; die Differenz tragen Sie selbst. Wir sagen Ihnen vor der Anpassung, womit Sie rechnen müssen.

Hornhauttransplantation im spezialisierten Zentrum

Grundversicherung bei Indikation

Die Indikation stellen wir gemeinsam mit dem Zentrum. Abklärung, Zuweisung und die Kontrollen danach laufen über die Grundversicherung; die Zuweisung selbst kostet Sie nichts extra.

Brillengläser und Kontaktlinsen zur reinen Sehkorrektur

Keine Leistung

Bei Erwachsenen ohne besondere medizinische Indikation zahlt die Grundversicherung keine Sehhilfen. Für Kinder und für einzelne definierte Erkrankungen gelten Sonderregelungen.

Laserbehandlung zur Brillenfreiheit

Keine Leistung

Ein Eingriff, der allein die Brille ersparen soll, ist keine Pflichtleistung und wird selbst getragen. Wir bieten die refraktive Laserchirurgie nicht an und sagen das lieber vorher als nachher.

Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch, auch bei einer Notfallkonsultation. Was in Ihrem Fall über die Grundversicherung läuft und was nicht, besprechen wir vor der Behandlung — nicht danach.

Für Untersuchungen ohne Beschwerden und ohne Indikation, etwa eine reine Vermessung der Hornhaut aus Interesse, klären wir die Kosten vorher mit Ihnen ab, damit Sie keine Überraschung auf der Rechnung finden.

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Dietlind Friedrich · Zuletzt geprüft am

Häufige Fragen

Schmerz, Lichtscheu, unscharfes Sehen: heute anrufen.

Beschreiben Sie uns am Telefon, was Sie spüren und seit wann. Wir sagen Ihnen sofort, ob es bis morgen Zeit hat — oder ob wir Ihr Auge noch heute an der Spaltlampe anschauen sollten.