Sehklinik

Netzhaut & Glaskörper

Diabetes am Auge: warum die Netzhaut lange schweigt — und was die Jahreskontrolle findet

Diabetes am Auge macht jahrelang keine Beschwerden. Kein Schmerz, kein rotes Auge, oft nicht einmal schlechteres Sehen — und trotzdem verändern sich in dieser Zeit die feinsten Gefässe der Netzhaut. Wer erst kommt, wenn das Sehen nachlässt, kommt an einem Punkt, an dem sich vieles nicht mehr zurückholen lässt. Deshalb ist die regelmässige Kontrolle des Augenhintergrunds bei Diabetes keine Vorsichtsmassnahme am Rand, sondern ein Teil der Behandlung.

Warum Diabetes ausgerechnet die Netzhaut betrifft

Die Netzhaut ist eine hauchdünne Nervenschicht, die innen an der Augenwand anliegt und Licht in Signale umwandelt. Sie ist eines der stoffwechselaktivsten Gewebe des Körpers und hängt dafür an einem Netz aus sehr feinen Blutgefässen. Genau diese feinen Gefässe sind es, denen ein über Jahre erhöhter Blutzucker zusetzt.

Der Ablauf ist in allen Formen ähnlich. Zuerst gehen den kleinsten Gefässen die Zellen verloren, die ihre Wand stabilisieren; die geschwächte Wand buchtet sich aus. Diese Mikroaneurysmen sind die früheste Veränderung, die sich am Augenhintergrund überhaupt erkennen lässt, und daneben stehen punktförmige Blutungen. Erst danach wird die Wand auch undicht: Flüssigkeit und Fettbestandteile treten ins Gewebe aus. Später verschliessen sich einzelne Gefässe ganz — Netzhautbezirke bekommen zu wenig Sauerstoff. Der Körper beantwortet diesen Mangel mit dem, was ihm zur Verfügung steht: Er lässt neue Gefässe wachsen. Diese neuen Gefässe sind aber brüchig, sie wachsen an der falschen Stelle, sie bluten und sie bilden Narbenstränge, die an der Netzhaut ziehen. Was als Reparaturversuch beginnt, wird damit selbst zum Problem.

In Arztberichten und Zuweisungen finden Sie dafür mehrere Namen. Am häufigsten steht dort diabetische Retinopathie; im deutschen Wortlaut heisst dasselbe diabetische Netzhauterkrankung, und abgekürzt wird sie als DRP geführt. Alle drei meinen genau das, was diese Seite beschreibt. Wie Netzhaut und Glaskörper überhaupt zusammenhängen und welche anderen Befunde dort ihren Ursprung nehmen, lesen Sie in der Übersicht dazu, wie Netzhaut und Glaskörper zusammenspielen.

Zwei Eigenheiten erklären, weshalb daraus so oft eine späte Diagnose wird. Erstens beginnt die Erkrankung aussen. Die Netzhautmitte, mit der Sie lesen und Gesichter erkennen, bleibt lange verschont — und solange sie verschont ist, ist das Sehen gut. Zweitens sehen Sie mit zwei Augen. Ein Ausfall auf einer Seite wird vom anderen Auge zugedeckt, solange beide offen sind. Beides zusammen führt dazu, dass die Erkrankung genau in der Phase unsichtbar bleibt, in der sich am meisten erreichen lässt. Sie ist trotzdem keine Randnotiz: Diabetische Netzhautveränderungen gehören zu den häufigsten Ursachen für Sehverlust im Erwerbsalter.

Ein Nebeneffekt ist bemerkenswert genug, um ihn zu nennen: Nirgendwo sonst am Körper lassen sich kleine Blutgefässe im lebenden Gewebe ansehen, ohne Schnitt und ohne Kontrastmittel — durch die Pupille hindurch geht genau das. Was dort sichtbar wird, sagt deshalb nicht nur etwas über Ihre Augen, sondern auch etwas über die Gefässe an Nieren, Nerven und Herz — ein Grund, weshalb der Augenbefund in der Diabetesbetreuung einen festen Platz hat.

Warnzeichen, die nicht bis zum nächsten Termin warten

Eine diabetische Netzhauterkrankung schweigt lange — aber wenn sie sich meldet, meldet sie sich meist plötzlich. Die folgenden Zeichen gehören noch am selben Tag abgeklärt und nicht beim nächsten regulären Termin. Keines davon wartet eine Woche, und beim letzten warten Sie auch nicht auf unseren Rückruf:

  • Neue Lichtblitze — kurze helle Blitze oder Bögen am Rand des Blickfelds, im Dunkeln deutlicher, besonders zusammen mit neuen schwarzen Punkten. Sie entstehen durch Zug an der Netzhaut. Diesen Zug haben Menschen mit Diabetes genauso häufig wie alle anderen — und zusätzlich noch den, der von Narbensträngen ausgeht. Am selben Tag anrufen.
  • Plötzlich viele neue schwarze Punkte, Flocken oder ein «Russregen». Dahinter kann eine Blutung in den Glaskörper stecken, wie sie aus neuen, brüchigen Gefässen entsteht. Am selben Tag anrufen.
  • Ein dunkler Schatten oder Vorhang, der ins Blickfeld wandert oder grösser wird. Dahinter kann eine Netzhautablösung und ihre Warnzeichen stecken — bei Diabetes vor allem die Form, bei der Narbenstränge an der Netzhaut ziehen. Am selben Tag anrufen.
  • Plötzlich verzerrtes Sehen — gerade Linien wellen sich, Buchstaben verspringen, ein grauer Fleck sitzt genau dort, wo Sie hinschauen. Das spricht für eine Beteiligung der Netzhautmitte, sagt aber nicht, welche: Ein Makulaödem, eine feuchte Makuladegeneration und ein Loch in der Netzhautmitte machen dieselbe Beschwerde und sind unterschiedlich dringend. Genau deshalb wird das nicht nach Vermutung eingeordnet. Noch am selben Tag anrufen.
  • Rasche, schmerzlose Sehverschlechterung auf einem Auge, ohne Rötung und ohne äusseren Anlass. Noch am selben Tag. Neben einer Blutung, einer Netzhautablösung und einem Makulaödem kommt hier ein Gefässverschluss der Netzhaut in Frage — dessen Risiko ist bei Diabetes erhöht, und bei ihm zählen Stunden.
  • Ein rotes, schmerzendes Auge mit Druckgefühl, Übelkeit oder Regenbogenringen um Lichtquellen. Wachsen neue Gefässe auf der Iris und im Kammerwinkel, kann der Augeninnendruck stark ansteigen — eine Sonderform des Grünen Stars, die bei fortgeschrittener diabetischer Netzhauterkrankung vorkommt und ein Notfall ist. Nehmen Sie hier einen Weg, der nicht davon abhängt, ob wir offen haben: die Notfallstation einer Augenklinik oder den augenärztlichen Notfalldienst. Nicht auf einen Rückruf warten. Wie ein Grüner Star sonst verläuft und kontrolliert wird, lesen Sie auf der Seite dazu.

Und ein Zeichen, das noch davor kommt: Ein plötzlicher, kompletter Sehverlust auf einem Auge — besonders zusammen mit Kopfschmerzen, Sprach-, Sprech- oder Lähmungserscheinungen — gehört nicht in unsere Sprechstunde, sondern sofort auf die Notfallstation: rufen Sie den Rettungsdienst (144).

Umgekehrt gilt genauso: Verschwommenes Sehen über einige Tage, das kommt und geht, ist bei stark schwankendem Blutzucker häufig und meist kein Notfall — der Wassergehalt der Augenlinse ändert sich mit dem Zuckerspiegel und damit die Brechkraft. Lassen Sie sich in dieser Phase keine neue Brille anpassen; die Werte sind nicht stabil. Wenn Ihnen unklar ist, in welche der beiden Kategorien Ihre Beschwerde fällt, rufen Sie an und beschreiben Sie, was sich verändert hat und seit wann. Diese Einordnung ist unsere Aufgabe, nicht Ihre.

Die Stadien — zuerst in verständlichen Worten

Auf Befunden stehen Abkürzungen, die selten jemand erklärt. Sie beschreiben, wie weit die Gefässveränderungen fortgeschritten sind — und daraus ergibt sich das Kontrollintervall und die Frage, ob behandelt wird. Wichtig vorweg: Das Stadium sagt wenig darüber aus, wie gut Sie im Moment sehen. Beides läuft nicht parallel.

Die frühe Form: Schäden an den Gefässen, noch keine neuen Gefässe

Auf dem Bericht steht dafür nicht-proliferative diabetische Retinopathie, abgekürzt NPDR — «nicht-proliferativ» heisst schlicht: Es wachsen noch keine neuen Gefässe. Sichtbar sind kleine Ausbuchtungen der Gefässwände, punktförmige Blutungen, Fettablagerungen und Bezirke, die schlechter durchblutet sind. Beschwerden macht das in aller Regel keine. Je nach Ausmass wird diese Form in leicht, mässig und schwer unterteilt; die schwere Form geht mit einem deutlich erhöhten Risiko einher, in die nächste Stufe überzugehen, und wird entsprechend enger kontrolliert. Behandelt wird hier meist nicht am Auge, sondern am Stoffwechsel.

Die fortgeschrittene Form: neue, brüchige Gefässe

Hier steht proliferative diabetische Retinopathie auf dem Bericht, abgekürzt PDR. «Proliferativ» meint das Wachstum neuer Gefässe als Antwort auf den Sauerstoffmangel. Diese Gefässe sind dünnwandig und wachsen dorthin, wo sie nichts zu suchen haben — auf die Netzhautoberfläche, in den Glaskörper, manchmal bis auf die Iris. Zwei Dinge können daraus folgen: eine Blutung in den Glaskörper, die das Sehen von einem Moment auf den anderen verschleiert, und Narbenstränge, die an der Netzhaut ziehen und sie abheben können. Diese Form ist der Grund, weshalb überhaupt so konsequent kontrolliert wird — sie ist behandelbar, und sie ist es umso besser, je früher sie erkannt wird.

Das Makulaödem: unabhängig vom Stadium, und das, was Sie merken

Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens, wenige Millimeter gross und für Lesen, Gesichter und Verkehrsschilder zuständig. Lagert sich dort Flüssigkeit ein, heisst das diabetisches Makulaödem. Das kann bereits bei früher Retinopathie passieren und ist die häufigste Ursache dafür, dass Menschen mit Diabetes eine Verschlechterung tatsächlich bemerken: Buchstaben verschwimmen, gerade Linien wellen sich, Farben wirken matter. Sichtbar und messbar wird eine solche Schwellung vor allem in der Schichtaufnahme der Netzhaut, der OCT — von aussen und an der Sehschärfe allein ist sie nicht zuverlässig zu beurteilen.

Verzerrtes Sehen ist im Übrigen kein Beweis für ein Makulaödem. Dieselbe Beschwerde entsteht bei mehreren Veränderungen der Netzhautmitte, darunter die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) und die Faltenbildung durch eine feine Membran auf der Netzhaut. Beides kommt neben einem Diabetes vor, und beides wird anders behandelt. Welche der Ursachen vorliegt, trennt die Untersuchung — nicht die Beschreibung der Beschwerde.

Die Jahreskontrolle: was dabei untersucht wird

Die Kontrolle des Augenhintergrunds bei Diabetes beantwortet vier Fragen: Sind Veränderungen da? Wenn ja, in welchem Stadium? Ist die Netzhautmitte beteiligt? Und wann muss die nächste Kontrolle sein? Aus den Antworten ergibt sich alles Weitere — das Intervall, eine allfällige Behandlung und der Bericht an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder Ihre diabetologische Betreuung.

  • Vorgeschichte und Sehschärfe. Seit wann ist der Diabetes bekannt, wie ist er eingestellt, welche Medikamente nehmen Sie, besteht ein Bluthochdruck, sind die Nieren betroffen? Diese Angaben bestimmen mit, wie genau hingeschaut und wie eng kontrolliert wird. Bringen Sie Ihren aktuellen Langzeitwert und Ihre Medikamentenliste mit, wenn Sie sie haben.
  • Weitstellung der Pupille (Mydriasis). Ohne sie ist die Netzhautperipherie — dort, wo die Veränderungen beginnen — nicht zuverlässig beurteilbar. Die Tropfen brauchen rund 20 bis 30 Minuten. Danach gilt für mehrere Stunden: nicht selbst Auto fahren, in der Nähe unscharf sehen, lichtempfindlich sein. Das ist der ehrliche Preis dieser Untersuchung, und wir sagen ihn lieber vorher als nachher.
  • Beurteilung des gesamten Augenhintergrunds. Die Netzhaut wird bis weit an den Rand angeschaut: Ausbuchtungen, Blutungen, Fettablagerungen, minderdurchblutete Bezirke, neue Gefässe. Hier entscheidet sich das Stadium.
  • OCT (optische Kohärenztomografie). Ein berührungsloses Schnittbild der Netzhaut in mikroskopischer Auflösung, ohne Strahlung und ohne Spritze. Es beantwortet vor allem die Frage nach der Makula — ob dort Wasser eingelagert ist — und macht den Verlauf über Jahre vergleichbar. Genau diese Vergleichbarkeit ist der Grund, weshalb der Vorbefund so viel wert ist.
  • Fluoreszenzangiografie (FAG), wo sie die Therapie ändert. Eine Darstellung der Netzhautgefässe mit einem Farbstoff, die undichte und minderdurchblutete Bezirke sichtbar macht. Sie gehört nicht in die Routine, sondern dorthin, wo die Antwort das weitere Vorgehen wirklich verändert — und das hat einen Grund: Der Farbstoff wird in eine Armvene gespritzt, kann Übelkeit auslösen und färbt Haut und Urin für ein bis zwei Tage. Selten sind allergische Reaktionen, die aber vorkommen. Wenn wir Ihnen eine FAG vorschlagen, sagen wir Ihnen vorher, welche Frage sie beantworten soll.
  • Augeninnendruck und vorderer Augenabschnitt. Mit beurteilt werden Linse und Iris: ob sich die Linse eintrübt, was bei Diabetes früher vorkommen kann, und ob neue Gefässe auf der Iris zu sehen sind — ein Befund, der sofort etwas ändert.

Diese Kontrolle ist kein Sehtest mit Zusatz. Ein Sehtest misst, was die Netzhautmitte gerade leistet; er sagt nichts über die Peripherie und nichts über die Gefässe. Wer bei bekanntem Diabetes eine Untersuchung ohne Weitstellung erhalten hat, hat die entscheidende Untersuchung nicht erhalten. Welche Untersuchungen bei welcher Ausgangslage wann anstehen und was davon medizinisch begründet ist, ordnet unsere Seite dazu ein, welche Kontrolle bei Diabetes wann fällig ist.

Wenn Sie nicht sagen können, wann Ihr Augenhintergrund zuletzt mit erweiterter Pupille untersucht wurde, ist das der Moment für den Termin — nicht der Moment für das nächste Warten auf ein Symptom, das lange ausbleibt: Termin für die Netzhautkontrolle vereinbaren oder anrufen unter +41 44 500 69 00. Sie erreichen uns in Zürich, Wetzikon und Meilen, Mo–Fr 08:00–12:00 und 13:00–17:30; in Meilen ist der Mittwoch variabel, fragen Sie dort telefonisch nach.

Wann engmaschiger kontrolliert wird

Die Jahreskontrolle ist der Normalfall, nicht die Regel für alle. Es gibt Konstellationen, in denen ein Jahr zu lang ist — und in denen wir Ihnen deshalb ein kürzeres Intervall vorschlagen:

  • Schwangerschaft und Kinderwunsch. Bei vorbestehendem Diabetes kann sich eine Netzhautveränderung in der Schwangerschaft rascher entwickeln oder verschlechtern. Sinnvoll ist eine Kontrolle möglichst früh — idealerweise schon bei Kinderwunsch — und danach in Abständen nach Befund. Ein reiner Schwangerschaftsdiabetes gehört ausdrücklich nicht dazu.
  • Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Die Regel «spätestens fünf Jahre nach der Diagnose» ist die für Erwachsene. Im Kindesalter richtet sich der Beginn nach der Pubertät: Die Kontrolle startet üblicherweise etwa ab dem elften Lebensjahr oder mit dem Pubertätsbeginn, je nachdem, was zuerst eintritt. Vor der Pubertät entstehen behandlungsbedürftige Veränderungen nur ausnahmsweise.
  • Ein bereits erhobener Befund. Je weiter die Veränderungen fortgeschritten sind, desto kürzer das Intervall: bei mässiger nicht-proliferativer Form etwa halbjährlich, bei schwerer nicht-proliferativer Form eher alle drei Monate, bei einer Beteiligung der Netzhautmitte nach Befund und Verlauf. Die proliferative Form ist kein Intervall mehr, sondern eine Behandlungsentscheidung — sie gehört zeitnah beurteilt und nicht in den nächsten Kalenderturnus. Nach einer Behandlung richtet sich der Takt nach dem Verlauf.
  • Lange Diabetesdauer und schwierige Einstellung. Beides erhöht die Wahrscheinlichkeit von Veränderungen. Ein hoher Langzeitwert über längere Zeit ist der stärkste Grund, nicht ein Jahr verstreichen zu lassen.
  • Eine rasche Verbesserung der Einstellung. Das klingt widersprüchlich und ist es nicht: Wird ein sehr hoher Langzeitwert innerhalb kurzer Zeit deutlich gesenkt, kann sich eine bestehende Netzhautveränderung vorübergehend verschlechtern. Die bessere Einstellung bleibt richtig — sie gehört nur augenärztlich begleitet.
  • Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, eingeschränkte Nierenfunktion. Diese Faktoren wirken auf dieselben Gefässe wie der Zucker und verstärken die Veränderungen. Sie gehören in die Beurteilung des Intervalls hinein.
  • Vor und nach einer Operation am Auge. Steht eine Behandlung des Grauen Stars an, gehört der Augenhintergrund vorher beurteilt und danach kontrolliert — eine bestehende Netzhautveränderung kann sich nach dem Eingriff verändern, und ein Makulaödem erklärt manche Enttäuschung über das Ergebnis.
  • Neue Beschwerden, unabhängig vom Kalender. Jedes der Zeichen aus dem Abschnitt weiter oben setzt das Intervall ausser Kraft. Ein Termin in vier Monaten ist kein Grund, mit einem neuen Schatten vier Monate zu warten.

Ein Intervall ist kein Versprechen und keine Zusicherung — es ist eine Abwägung, die wir mit Ihnen und, wo es sinnvoll ist, mit Ihrer diabetologischen Betreuung zusammen treffen. Wir halten es im Bericht fest, damit es nachvollziehbar bleibt und damit Sie nicht raten müssen, wann Sie das nächste Mal fällig sind.

Behandlung: was möglich ist, und wo wir zuweisen

Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium und danach, ob die Netzhautmitte betroffen ist. Ein Punkt vorweg, weil er in Broschüren gerne untergeht — und weil er je nach Verfahren anders lautet.

Die Laserbehandlung erhält, sie verbessert nicht. Sie soll den weiteren Verlust aufhalten und macht bereits verlorenes Sehvermögen nicht wieder gut. Wer nach einer Laserbehandlung schärfer zu sehen erwartet, wird enttäuscht — auch dann, wenn sie genau das getan hat, was sie soll. Bei einer Wassereinlagerung in der Netzhautmitte ist das anders: Die medikamentöse Injektion kann die Schwellung zurückdrängen, und ein Teil der Behandelten sieht danach wieder besser. Am ehesten gelingt das, wenn früh behandelt wird; je länger die Schwellung bestanden hat und je mehr Gewebe bereits geschädigt ist, desto weniger lässt sich zurückholen. Zusagen lässt sich das niemandem im Voraus — die ehrliche Auskunft lautet, dass eine Verbesserung möglich ist und keine Erwartung sein sollte.

Zuerst: Blutzucker, Blutdruck, Blutfette

Die wirksamste Behandlung der frühen Formen findet nicht am Auge statt. Eine über längere Zeit bessere Einstellung von Blutzucker und Blutdruck beeinflusst den Verlauf stärker als jeder Eingriff, den wir Ihnen anbieten könnten. Das ist keine Vertröstung, sondern die Reihenfolge, in der die Dinge wirken. Diesen Teil führen Sie mit Ihrer Hausärztin, Ihrem Hausarzt oder Ihrer diabetologischen Betreuung — wir liefern dazu den Augenbefund, der zeigt, ob die Anstrengung ankommt.

Laserbehandlung der Netzhaut

Bei der Laserkoagulation werden gezielt feine Herde auf die Netzhaut gesetzt. Bei der fortgeschrittenen Form dient das dazu, minderdurchblutete Bezirke stillzulegen, damit der Reiz zum Wachstum neuer Gefässe nachlässt — die neuen Gefässe bilden sich dadurch häufig zurück. Der Eingriff erfolgt ambulant an der Spaltlampe, mit betäubenden Augentropfen und einem Kontaktglas. Laserbehandlungen an der Netzhaut führen wir selbst durch; wie umfangreich eine Behandlung ausfällt, in wie vielen Sitzungen sie erfolgt und ob sie bei Ihrem Befund im Haus oder in einem netzhautchirurgischen Zentrum sinnvoller aufgehoben ist, sagen wir Ihnen vorher und nicht nachher.

Ehrlich dazugehört, was eine solche Behandlung kostet — nicht in Franken, sondern an Sehvermögen: Eine ausgedehnte Laserbehandlung kann das Gesichtsfeld am Rand und das Sehen in der Dämmerung beeinträchtigen. Das ist ein bewusster Tausch, der Ihnen vorher erklärt gehört: peripheres Sehen gegen die Erhaltung des zentralen.

Bei einer Wassereinlagerung in der Netzhautmitte spielt der Laser heute nur noch eine Nebenrolle. Er kommt in ausgewählten Fällen zum Einsatz — etwa bei einzelnen, von der Mitte entfernten undichten Stellen — und dann meist ergänzend zur medikamentösen Behandlung, nicht an ihrer Stelle.

Medikamentöse Injektionen ins Auge

Bei einer Wassereinlagerung in der Netzhautmitte ist heute die medikamentöse Injektion ins Auge das übliche Vorgehen. Das Medikament wirkt gegen den Botenstoff, der die Gefässe undicht macht und neue Gefässe wachsen lässt. Die Injektion erfolgt unter örtlicher Betäubung, dauert wenige Minuten und wird ambulant durchgeführt. Sie ist keine einmalige Sache: Behandelt wird in Serien und über längere Zeit, mit Kontrollen dazwischen, die über die nächsten Abstände entscheiden. Wer das vorher weiss, empfindet es als Therapie; wer es nicht weiss, als Zumutung.

Ein Zeichen gehört zu dieser Behandlung dazu, und es gehört gesagt, bevor die erste Spritze gegeben wird: Nehmen in den Tagen nach einer Injektion Schmerz, Rötung oder Sehverschlechterung zu, statt abzunehmen, melden Sie sich sofort — ausserhalb der Sprechzeiten beim augenärztlichen Notfalldienst oder direkt auf der Notfallstation einer Augenklinik. Dahinter kann eine Entzündung im Augeninneren stecken. Sie ist selten, und sie ist der Grund, weshalb niemand damit bis zum nächsten Kontrolltermin wartet.

Was wir übernehmen, ist die Diagnostik, die eine solche Behandlung überhaupt erst begründet, das Gespräch darüber, ob sie in Ihrer Situation angezeigt ist, und die Verlaufskontrollen wohnortnah in Zürich, Wetzikon oder Meilen. Wo die Injektionen selbst stattfinden, sagen wir Ihnen konkret, bevor eine Behandlung beginnt — und wenn ein anderes Zentrum der richtige Ort dafür ist, organisieren wir die Zuweisung, ohne dass Sie sich selbst darum kümmern müssen.

Operation im Augeninneren

Bleibt eine Blutung im Glaskörper bestehen, sodass die Netzhaut nicht mehr beurteilbar ist, oder ziehen Narbenstränge die Netzhaut von ihrer Unterlage weg, führt kein Weg an einer Operation im Augeninneren vorbei — der Vitrektomie, bei der der Glaskörper entfernt und die Netzhaut von innen versorgt wird. Operationen im Augeninneren führen wir nicht selbst durch. Wenn Ihr Befund eine verlangt, sagen wir es Ihnen im selben Gespräch und organisieren die Zuweisung an ein netzhautchirurgisches Zentrum. Die Diagnostik davor und die Kontrollen danach übernehmen wir wohnortnah an unseren drei Standorten.

Ein Ergebnis versprechen wir Ihnen bei keinem dieser Wege. Was wir zusagen können, ist die zügige Abklärung, eine begründete Empfehlung und ein klarer nächster Schritt — auch dann, wenn dieser Schritt aus unserem Haus hinausführt.

Was Sie selbst tun können

Der grösste Teil dessen, was den Verlauf am Auge beeinflusst, wird nicht am Auge entschieden. Das ist die unbequeme und zugleich die ermutigende Nachricht dieser Seite: Vieles davon liegt in Ihrer Hand, und nichts davon verlangt ein Gerät.

  • Den Langzeitwert im Blick behalten. Eine über Jahre bessere Blutzuckereinstellung wirkt sich auf die Netzhautgefässe aus. Welcher Zielwert für Sie sinnvoll ist, gehört in die Hand Ihrer Hausärztin, Ihres Hausarztes oder Ihrer diabetologischen Betreuung — den setzen wir Ihnen nicht am Auge fest.
  • Den Blutdruck ernst nehmen. Er wirkt auf dieselben feinen Gefässe wie der Zucker. Ein gut behandelter Bluthochdruck gehört zu den wirksamsten Massnahmen für die Netzhaut, und er kostet Sie keinen zusätzlichen Termin bei uns.
  • Blutfette und Rauchen. Erhöhte Blutfette begünstigen Ablagerungen in der Netzhaut. Rauchen belastet die Gefässe zusätzlich; ein Rauchstopp ist eine der wenigen Massnahmen, die gleichzeitig auf Augen, Herz und Nieren wirken.
  • Termine einhalten, auch wenn nichts weh tut. Genau das ist die Eigenart dieser Erkrankung. Tragen Sie die Kontrolle fest ein, wie Sie einen Zahnarzttermin eintragen — und verschieben Sie sie nicht, weil Sie im Moment gut sehen.
  • Jedes Auge einmal wöchentlich einzeln prüfen. Halten Sie ein Auge zu und schauen Sie mit dem anderen auf ein Muster mit geraden Linien, etwa Fensterkreuz oder Fliesenfugen; dann wechseln. Fällt Ihnen eine neue Verzerrung, ein Fleck oder eine Unschärfe auf, melden Sie sich. Das ersetzt keine Untersuchung — es findet nur das, was zwischen zwei Terminen entsteht.
  • Keine neue Brille bei schwankendem Blutzucker. Die Brechkraft verändert sich mit dem Zuckerspiegel. Warten Sie, bis die Werte über einige Wochen stabil sind — sonst zahlen Sie eine Brille, die schon beim Abholen nicht mehr passt.

Was Sie sich sparen können: Nahrungsergänzungsmittel, die Besserung der Netzhaut bei Diabetes in Aussicht stellen. Für diese Erkrankung gibt es dafür keine belastbare Grundlage, und das Geld ist in einem Blutdruckmessgerät besser angelegt. Wenn Sie etwas gesehen haben, das Ihnen plausibel vorkommt, bringen Sie die Packung zum Termin mit — wir schauen sie mit Ihnen an, statt sie pauschal abzutun.

Für zuweisende Ärztinnen und Ärzte

Dieser Abschnitt richtet sich an Hausarztpraxen, diabetologische Sprechstunden und Optikerinnen und Optiker. Er beschreibt, was Sie von einer Zuweisung zur diabetischen Netzhautuntersuchung erwarten können — und er beschreibt bewusst nichts, was über das hinausgeht, was unser Zuweiserbereich für Praxen und Optikbetriebe ohnehin zusagt.

Was wir zusagen — und was nicht

Drei Punkte gelten für jede Zuweisung an uns, unabhängig von der Fragestellung:

  • Schnelle Terminvergabe. Für dringende Fälle stellen wir kurzfristige Termine bereit und stimmen uns direkt mit Ihrer Praxis ab. Bei Verdacht auf eine Glaskörperblutung, eine traktive Netzhautablösung oder neue Gefässe auf der Iris ist der Anruf der schnellste Weg — nicht das Formular.
  • Strukturierte Berichte. Sie erhalten zeitnah einen ausführlichen Befundbericht zu jeder zugewiesenen Patientin und jedem Patienten.
  • Enge Zusammenarbeit. Wir verstehen uns als Partner Ihrer Praxis und stimmen Diagnostik und Therapie eng mit Ihnen ab. Bei Diabetes heisst das konkret: Das Kontrollintervall legen wir nicht gegen Ihre Planung fest, sondern mit ihr.

Zu den Rückmeldefristen sagen wir hier bewusst keine Zahl. Was im Zuweiserbereich steht, gilt: zeitnah ein ausführlicher Befundbericht, und bei dringenden Fällen die direkte Abstimmung mit Ihrer Praxis. Eine Frist in Arbeitstagen, die wir hier hinschreiben und andernorts nicht führen, wäre für Sie wertlos. Wenn Sie für einen konkreten Fall wissen müssen, bis wann der Bericht bei Ihnen ist, fragen Sie am Telefon danach — dann bekommen Sie eine Antwort, die für diesen Fall stimmt.

Woran sich ein Bericht bei dieser Fragestellung orientiert

Ein augenärztlicher Bericht zur diabetischen Netzhautuntersuchung ist in Ihrer Praxis dann brauchbar, wenn er vier Fragen beantwortet. An diesen orientieren wir uns:

  • Stadium, seitengetrennt. Frühe oder fortgeschrittene Form, und bei der frühen Form deren Ausmass — für jedes Auge einzeln.
  • Netzhautmitte beteiligt oder nicht. Die Frage, die über die Dringlichkeit und über die Behandlungsoption entscheidet, mit dem Befund der Schichtaufnahme.
  • Was veranlasst wurde. Ob eine Behandlung eingeleitet, eine weitere Diagnostik angesetzt oder eine Zuweisung an ein netzhautchirurgisches Zentrum organisiert wurde.
  • Das nächste Intervall, mit Begründung. Damit in Ihrer Praxis nicht das Datum, sondern der Grund dafür bekannt ist — und damit die Kontrolle nicht zwischen zwei Zuständigkeiten verloren geht.

Umgekehrt bitten wir um zwei Angaben auf der Zuweisung, weil sie den Termin verändern: seit wann der Diabetes besteht und wie er aktuell eingestellt ist, sowie eine bestehende oder geplante Schwangerschaft. Beides verschiebt die Dringlichkeit deutlich, und beides erfahren wir sonst erst in der Sprechstunde. Das Formular dafür liegt im Zuweiserbereich bereit: Zuweisungsformular (PDF).

Kosten & Krankenkasse

Was bezahlt die Kasse — und was nicht?

Die Kontrolle des Augenhintergrunds bei bekanntem Diabetes ist medizinisch begründet — sie ist Verlaufskontrolle bei einer Grunderkrankung und nicht reine Vorsorge. Das ist der Unterschied, der über die Abrechnung entscheidet. Was Sie wissen sollten, betrifft deshalb vor allem Franchise, Selbstbehalt und die wenigen Leistungen, die nicht über die Grundversicherung laufen.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Jahreskontrolle des Augenhintergrunds bei Diabetes

Grundversicherung

Untersuchung mit erweiterter Pupille und Beurteilung des gesamten Augenhintergrunds. Bei bekanntem Diabetes besteht eine medizinische Indikation, auch wenn Sie gut sehen und keine Beschwerden haben. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Schichtaufnahme der Netzhautmitte (OCT)

Grundversicherung

Keine Zusatzleistung, die man dazubucht, sondern eine Untersuchung, die eine Fragestellung verlangt — hier die nach einer Wassereinlagerung in der Makula. Liegt eine solche Fragestellung vor, läuft sie über die Grundversicherung; im reinen Screening ohne Indikation nicht.

Fluoreszenzangiografie (FAG)

Grundversicherung

Darstellung der Netzhautgefässe mit Farbstoff bei gesicherter Indikation. Wir setzen sie gezielt ein, wenn die Antwort das weitere Vorgehen ändert, und nicht routinemässig.

Laserbehandlung der Netzhaut

Grundversicherung

Ambulanter Eingriff bei gesicherter Indikation. Er wird über dieselbe Franchise abgerechnet wie die Abklärung, aus der er hervorgeht. Sind mehrere Sitzungen nötig, ändert das an der Abrechnungsgrundlage nichts.

Medikamentöse Injektionen ins Auge

Grundversicherung

Bei gesicherter Indikation eine Pflichtleistung — auch dann, wenn die Behandlung über längere Zeit in Serien erfolgt. Wo die Injektionen durchgeführt werden, besprechen wir vorher mit Ihnen; erfolgen sie in einem anderen Zentrum, rechnet dieses Zentrum sie ab.

Operation im Augeninneren (Vitrektomie)

Grundversicherung

Die Operation rechnet das operierende Zentrum ab. Erfolgt sie stationär, richten sich Zimmer und Arztwahl nach Ihrem Versicherungsmodell — die Operation selbst ist davon nicht betroffen. Bei stationärer Behandlung kommt zusätzlich der gesetzliche Spitalkostenbeitrag von CHF 15 pro Tag dazu (Erwachsene).

Neue Brillengläser bei veränderten Werten

In der Regel nicht

Brillengläser sind für Erwachsene in der Regel keine Leistung der Grundversicherung. Für einzelne medizinische Indikationen sieht die MiGeL Beiträge vor; ob Ihre Situation dazugehört, klären Sie mit Ihrer Kasse, und wir stellen Ihnen die nötigen Angaben zusammen. Bei stark schwankendem Blutzucker lohnt sich das Warten ohnehin: Die Werte sind dann nicht stabil.

Franchise und Selbstbehalt tragen Sie selbst. Ob eine Zusatzversicherung etwas beiträgt, sagt Ihnen Ihre Krankenkasse — und wenn Sie es vor dem Termin genau wissen möchten, fragen Sie uns: +41 44 500 69 00 oder über das Kontaktformular. Uns ist lieber, Sie stellen die Kostenfrage vorher, als dass Sie eine Kontrolle deswegen aufschieben.

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann

Häufige Fragen

Die Netzhaut meldet sich nicht. Der Termin muss von Ihnen kommen.

Wenn Sie Diabetes haben und nicht sicher sind, wann Ihr Augenhintergrund zuletzt untersucht wurde, ist das schon die Antwort. Sagen Sie uns am Telefon, seit wann der Diabetes bekannt ist und wann die letzte Kontrolle war — wir sagen Ihnen, wie dringend der nächste Termin ist. Und wenn Sie plötzlich Lichtblitze, Russregen, einen Schatten oder verzerrte Linien sehen, gehört das nicht in die Jahresplanung, sondern an denselben Tag.

Netzhautkontrolle vereinbaren

+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Oder Termin online vereinbaren.