Sehklinik

Netzhaut & Glaskörper

Netzhaut und Glaskörper — was hinter Blitzen und Russregen steckt

Die Netzhaut meldet sich selten mit Schmerzen. Sie meldet sich mit Lichtblitzen, mit plötzlich neuen schwarzen Punkten, mit einem Schatten, der von der Seite ins Blickfeld wandert. Diese Zeichen sind harmlos — oder der Beginn einer Netzhautablösung. Von aussen ist das nicht zu unterscheiden, an der erweiterten Pupille schon.

Was Netzhaut und Glaskörper im Auge tun

Die Netzhaut (Retina) ist die innerste Schicht des Auges: eine hauchdünne Nervenschicht, die Licht in Signale umwandelt und über den Sehnerv ans Gehirn weitergibt. In ihrer Mitte liegt die Makula, die Stelle für scharfes Sehen — Lesen, Gesichter, Verkehrsschilder. Verletzt oder unterversorgt regeneriert sich Nervengewebe kaum. Deshalb entscheidet bei Netzhautbefunden oft nicht die Behandlungsmethode über das Ergebnis, sondern der Zeitpunkt.

Der Glaskörper (Corpus vitreum) füllt den Raum davor. Er besteht überwiegend aus Wasser und einem feinen Gerüst aus Kollagenfasern und ist im jungen Auge gleichmässig gelartig. Mit den Jahren verflüssigt er sich und schrumpft. Dabei löst er sich von der Netzhaut ab — in den allermeisten Fällen folgenlos. Manchmal aber zieht er an einer Stelle so stark, dass die Netzhaut einreisst.

Genau deshalb werden Netzhaut und Glaskörper zusammen beurteilt: Die meisten akuten Netzhautprobleme beginnen an dieser Grenzfläche zwischen den beiden. Wo dieser Bereich innerhalb unseres Fachgebiets steht, zeigt die Übersicht der Augenheilkunde.

Diese Warnzeichen gehören noch heute in die Sprechstunde

  • Lichtblitze (Photopsien) — meist am Rand des Blickfelds, oft im Dunkeln deutlicher
  • Russregen — viele neue schwarze Punkte, Flocken oder ein «Schwarm», der plötzlich auftaucht
  • Ein Schatten oder Vorhang, der von aussen ins Blickfeld hineinwandert
  • Plötzlich verzerrtes Sehen — gerade Linien wirken gewellt, Buchstaben verspringen
  • Rasche, schmerzlose Verschlechterung des Sehens auf einem Auge

Keines dieser Zeichen tut weh. Genau darin liegt die Gefahr: Beschwerden ohne Schmerz werden aufgeschoben. Bei einer beginnenden Netzhautablösung zählen aber Tage, nicht Wochen. Welche vier Warnsignale in welcher Reihenfolge auftreten und wann der Anruf nicht bis zum nächsten Tag warten darf, beschreibt die eigene Seite dazu: Netzhautablösung erkennen — die vier Warnsignale und der Weg zur Notfallabklärung.

Wenn eines dieser Zeichen bei Ihnen neu auftritt, rufen Sie uns an: +41 44 500 69 00 (Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30). Ausserhalb dieser Zeiten wenden Sie sich bitte an den augenärztlichen Notfalldienst oder direkt an die Notfallstation einer Augenklinik. Warten Sie damit nicht bis zum nächsten regulären Termin.

Was dahinterstecken kann

Netzhautablösung (Amotio retinae) — der Notfall unter den Netzhautbefunden

Bei einer Netzhautablösung hebt sich die Netzhaut von ihrer Unterlage ab und wird von der Versorgung abgeschnitten. Typisch ist die Reihenfolge: erst Blitze, dann Russregen, dann ein Schatten, der grösser wird. Eine abgelöste Netzhaut legt sich nicht von selbst wieder an — sie muss operativ versorgt werden, und zwar rasch. Ist die Makula noch nicht beteiligt, ist das Zeitfenster besonders wertvoll. Bei diesem Verdacht gehen Sie noch heute zur augenärztlichen Untersuchung, nicht morgen.

Hintere Glaskörperabhebung

Die häufigste Ursache für plötzlich neue «Mücken» und Blitze — und in der Regel altersbedingt und harmlos. Der Glaskörper löst sich von der Netzhaut, was Sie als bewegliche Schatten wahrnehmen. Harmlos ist sie allerdings erst, wenn die Netzhaut in Mydriasis (bei erweiterter Pupille) rundum kontrolliert wurde: In einem kleinen Teil der Fälle reisst die Netzhaut dabei ein. Die Untersuchung ist die eigentliche Leistung, nicht die Diagnose.

Makulapucker (epiretinale Gliose)

Eine feine Membran wächst auf die Netzhautmitte und zieht sie in Falten. Das Sehen wird nicht dunkler, sondern verzogen: Linien wellen sich, Bilder wirken verzerrt (Metamorphopsien). Viele Befunde bleiben über Jahre stabil und werden nur kontrolliert. Stört die Verzerrung im Alltag, kann die Membran im Rahmen einer Operation im Augeninneren entfernt werden — ein Eingriff, der vor allem das Verzerrtsehen bessert und die Sehschärfe selten ganz zurückbringt. Verzerrtes Sehen kann auch von anderen Veränderungen der Netzhautmitte kommen — dazu gehört die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) mit ihren zwei Verlaufsformen.

Makulaloch (Makulaforamen)

Hier reisst die Netzhaut in der Mitte selbst ein — meist durch Zug des Glaskörpers. Betroffene beschreiben einen grauen Fleck genau dort, wo sie hinschauen, und verzerrte Buchstaben. Ein Makulaloch bildet sich selten von selbst zurück; die Versorgung erfolgt operativ, und der Zeitpunkt beeinflusst das Ergebnis.

Diabetische Retinopathie

Ein langjährig erhöhter Blutzucker schädigt die feinsten Gefässe der Netzhaut. Das tut lange nicht weh und macht lange keine Beschwerden — und ist trotzdem eine der häufigsten Ursachen für Sehverlust im Erwerbsalter. Deshalb gehören Menschen mit Diabetes in regelmässige augenärztliche Kontrolle, auch wenn sie gut sehen. Wie oft, hängt vom Befund und vom Verlauf ab; das legen wir gemeinsam fest. Welche Stadien es gibt, welche Warnzeichen nicht bis zum nächsten Termin warten und wie behandelt wird, lesen Sie auf der eigenen Seite dazu, warum die Netzhaut bei Diabetes lange schweigt und was die Jahreskontrolle findet. Für eine solche Kontrolle ohne akute Beschwerden können Sie einen Termin zur Netzhautkontrolle online vereinbaren — bei neuen Blitzen, Russregen oder einem Schatten rufen Sie stattdessen an.

Wie wir Netzhaut und Glaskörper untersuchen

  • Untersuchung des Augenhintergrunds in Mydriasis. Ohne erweiterte Pupille lässt sich die Netzhautperipherie — dort, wo Risse und Löcher entstehen — nicht zuverlässig beurteilen. Planen Sie dafür Zeit ein und kommen Sie nicht mit dem Auto: Die Tropfen wirken mehrere Stunden nach und machen lichtempfindlich.
  • OCT (optische Kohärenztomografie). Ein Schnittbild der Netzhaut in mikroskopischer Auflösung, ohne Berührung und ohne Strahlung. Sie zeigt Flüssigkeit, Membranen, Löcher und Schwellungen der Makula — und macht den Verlauf über Jahre vergleichbar.
  • Fundus-Autofluoreszenz (FAF). Macht den Stoffwechsel der Netzhaut sichtbar. Andrea von Rückmann hat dieses Verfahren mitentwickelt und 1995 als Erstautorin publiziert; heute gehört es neben der OCT zur Standarddiagnostik der Makula.
  • Fluoreszenzangiografie (FAG). Eine Darstellung der Netzhautgefässe mit einem Farbstoff. Sie zeigt undichte und minderdurchblutete Bezirke — vor allem bei diabetischer Retinopathie und Gefässverschlüssen. Wir setzen sie gezielt ein, wenn die Antwort die Therapie ändert, nicht routinemässig.

Netzhaut-Lasertherapie: wann Lasern wirklich hilft

Zeigt die Untersuchung einen Netzhautriss oder ein Loch ohne bereits abgelöste Netzhaut, kann eine Laserkoagulation (Retinopexie) sinnvoll sein. Der Laser setzt rund um den Riss feine Herde, aus denen in den folgenden Tagen eine Narbe entsteht. Diese Narbe verklebt die Netzhaut mit ihrer Unterlage — der Riss bleibt bestehen, kann sich aber nicht mehr ausbreiten. Der Eingriff erfolgt ambulant an der Spaltlampe, mit betäubenden Augentropfen und einem Kontaktglas, und dauert in der Regel wenige Minuten.

Zwei Dinge sagen wir dabei offen:

Ein Laser verbessert das Sehen nicht. Er verhindert eine Verschlechterung. Wer nach der Behandlung schärfer zu sehen erwartet, wird enttäuscht — obwohl die Behandlung genau das getan hat, was sie tun soll.

Eine bereits abgelöste Netzhaut lässt sich nicht anlasern. Dann ist eine Operation nötig. Wer in dieser Situation einen Lasertermin in zwei Wochen bekommt, ist falsch beraten.

Und noch eine Klarstellung, weil die Suchbegriffe dieselben sind: «Augen lasern» meint im Alltag meist die Korrektur einer Fehlsichtigkeit Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung. Das ist ein Eingriff an der Hornhaut, also ganz vorne im Auge, und hat mit der Netzhaut-Lasertherapie nichts zu tun ausser dem Wort «Laser». Zwei verschiedene Strukturen, zwei verschiedene Ziele, zwei verschiedene Indikationen. Augen lasern zur Brillenkorrektur bieten wir nicht an. Wenn Sie das suchen, sind Sie hier auf der falschen Seite — und wenn Sie Blitze oder Schatten sehen, auf der richtigen.

Behandlungswege im Überblick — und wo wir überweisen

BefundÜbliches Vorgehen
Netzhautriss ohne AblösungLaserkoagulation, danach Kontrollen
NetzhautablösungOperation im Augeninneren, dringlich
Makulapucker, MakulalochBeobachtung oder Operation, je nach Beschwerden
Diabetisches MakulaödemMedikamentöse Injektion ins Auge, Laser in ausgewählten Fällen
Proliferative diabetische RetinopathiePanretinale Laserkoagulation, teils zusätzlich Injektionen

Operationen im Augeninneren — die Vitrektomie, bei der der Glaskörper entfernt und die Netzhaut von innen versorgt wird — führen wir nicht selbst durch. Wenn Ihr Befund das verlangt, sagen wir es Ihnen sofort und organisieren die Zuweisung an ein netzhautchirurgisches Zentrum, ohne dass Sie sich selbst darum kümmern müssen. Die Diagnostik davor und die Kontrollen danach übernehmen wir wohnortnah in Zürich, Wetzikon oder Meilen.

Diagnostik und Behandlung von Netzhaut- und Glaskörpererkrankungen sind medizinische Leistungen. Die Kostenübernahme erfolgt bei medizinischer Indikation über die Grundversicherung; Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Verwandte Themen

Verwandte Krankheitsbilder

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann · Zuletzt geprüft am

Häufige Fragen

Blitze, Russregen, Schatten: heute anrufen, nicht morgen.

Beschreiben Sie uns am Telefon, was Sie sehen und seit wann. Wir sagen Ihnen sofort, ob es bis morgen Zeit hat — oder ob wir Sie noch heute untersuchen sollten.