Hornhaut
Hornhautentzündung: wenn das rote Auge schmerzt und schlechter sieht
Ein Auge ist rot, es tut wirklich weh, Licht wird unangenehm — und das Sehen ist schlechter als gestern. Das ist nicht mehr das Bild einer Bindehautentzündung. Entzündet sich die Hornhaut, medizinisch Keratitis, zählen Stunden bis Tage statt Wochen: Eine Infektion kann in kurzer Zeit eine Narbe hinterlassen, und liegt diese Narbe in der Sehachse, bleibt sie. Wer Kontaktlinsen trägt, nimmt sie sofort heraus und ruft am selben Tag an.
Warum eine Hornhautentzündung ein Notfall ist
Die Hornhaut ist das klare Fenster vorne am Auge — jene Wölbung, über die eine Kontaktlinse sitzt. Sie enthält keine Blutgefässe, und ihre Fasern liegen in einer hochgeordneten Struktur — beides zusammen macht sie durchsichtig. Zugleich bündelt sie als stärkste Linse des Auges das Licht. Dafür ist sie dicht von feinen Nerven durchzogen, empfindlicher als fast jedes andere Gewebe des Körpers. Aus beidem folgt, was diese Erkrankung von den meisten roten Augen unterscheidet: Sie tut weh — und sie heilt nicht immer spurlos.
Der medizinische Name für die Entzündung der Hornhaut ist Keratitis; im Gespräch sagen die meisten Menschen Hornhautentzündung. Gemeint ist dasselbe. Anders als bei einer Bindehautentzündung ist «abwarten und beobachten» hier keine sichere Strategie: Eine bakterielle Hornhautinfektion kann innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen an Fläche und Tiefe zunehmen. Was danach zurückbleibt, ist nicht Rötung, sondern eine Trübung.
Und die Lage dieser Trübung entscheidet über das Sehen. Eine Narbe am Rand der Hornhaut bemerken viele Menschen ihr Leben lang nicht. Dieselbe Narbe in der Sehachse — direkt vor der Pupille — streut das Licht, macht das Bild flau, erzeugt Blendung bei Gegenlicht und mindert die Sehschärfe. Sie lässt sich später nicht wegtropfen. Deshalb behandeln wir den Verdacht, nicht erst die Bestätigung.
Rufen Sie uns noch am selben Tag an, wenn eines davon zutrifft:
- Schmerz im Auge — nicht Brennen, nicht Jucken, sondern Schmerz
- Das Sehen ist schlechter geworden, verschwommen oder wie hinter einem Schleier
- Ausgeprägte Lichtscheu, die Sie das Auge zukneifen lässt
- Rotes Auge und Kontaktlinsen — die Linse sofort heraus und anrufen
- Ein weisslicher oder grauer Fleck auf der sonst klaren Hornhaut
- Ein gelblicher Spiegel im unteren Teil der vorderen Augenkammer
- Nach einer Verletzung, besonders mit Ast, Zweig, Erde oder Pflanzenmaterial
- Bei bekannter Herpes-Erkrankung des Auges und erneut rotem, schmerzendem Auge
Ein Anruf, der sich als unnötig herausstellt, kostet zehn Minuten. Eine verschleppte Hornhautentzündung kann Sehschärfe kosten. Diese Rechnung geht nur in eine Richtung.
Symptome, die eine Keratitis von einer Bindehautentzündung unterscheiden
Sehr viele Menschen, die mit einer Hornhautentzündung zu uns kommen, haben zu Hause zuerst «Bindehautentzündung» nachgeschlagen — verständlicherweise, denn beide Krankheitsbilder machen ein rotes, tränendes Auge. Der Unterschied steckt nicht in der Farbe, sondern in drei Beschwerden, die zur Bindehaut nicht gehören: Schmerz, Sehverschlechterung und starke Lichtscheu.
| Merkmal | Eher Bindehautentzündung | Eher Hornhautentzündung |
|---|---|---|
| Empfinden | Brennen, Jucken, Sandgefühl | Echter Schmerz, oft stechend und stark |
| Sehen | Unverändert, höchstens durch Sekret verschleiert | Deutlich schlechter, verschwommen, wie durch Milchglas |
| Licht | Leichte Empfindlichkeit | Ausgeprägte Lichtscheu, das Auge kneift zu |
| Rötung | Gleichmässig über das ganze Augweiss, zu den Lidern hin stärker | Tiefer, bläulich-roter Kranz direkt um die Hornhaut |
| Hornhaut | Klar und spiegelnd | Möglicher weisslicher oder grauer Fleck, matte Stelle |
| Sekret | Wässrig, schleimig oder eitrig, Lider morgens verklebt | Sekret sagt hier wenig aus — von starkem Tränen bis zu deutlich eitrigem Sekret ist alles möglich. Entscheidend bleiben Schmerz, Sehen und Lichtscheu. |
| Seite | Springt oft nach ein bis zwei Tagen aufs zweite Auge über | Meist einseitig — an dem Auge, das die Linse getragen hat |
| Zeitfenster | Ohne Schmerz, Lichtscheu, Sehverschlechterung und ohne Kontaktlinsen: ein bis zwei Tage beobachten in der Regel vertretbar | Abklärung noch am selben Tag |
Das eine kontaktlinsentragende Auge ist dabei das verräterischste Zeichen von allen. Eine ansteckende Bindehautentzündung wandert typischerweise weiter; eine Keratitis bleibt dort, wo die Ursache sass. Wenn Sie also am Linsenauge rot werden, Schmerz haben und das zweite Auge ruhig bleibt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Hornhaut beteiligt ist.
Wie eine echte Bindehautentzündung verläuft, welche Formen es gibt und wie lange sie ansteckt, steht ausführlich auf der eigenen Seite: Bindehautentzündung — Symptome, Ansteckung und Behandlung. Dort finden Sie auch, was Sie sich sparen können. Umgekehrt gilt: Nicht jedes schmerzende rote Auge ist die Hornhaut. Auch eine Entzündung im Augeninneren (Uveitis) macht Schmerz, Lichtscheu und schlechteres Sehen — und ist ebenso wenig ein Fall fürs Abwarten. Welche Entzündung wo sitzt, trennt die Spaltlampe in wenigen Minuten; einen Überblick über die übrigen Formen gibt die Seite Augenentzündungen.
Die Formen der Keratitis — und warum die Unterscheidung alles ändert
«Hornhautentzündung» sagt, welches Gewebe entzündet ist, aber noch nichts darüber, wodurch. Genau daran hängt jedoch die Behandlung: Was gegen Bakterien wirkt, tut gegen Viren nichts, und was einer viralen Form hilft, kann eine Amöbeninfektion monatelang übersehen lassen. Deshalb ist die Bestimmung der Ursache kein akademischer Zwischenschritt, sondern der eigentliche Punkt der Untersuchung.
Bakterielle Keratitis
Die häufigste infektiöse Form in unseren Sprechstunden — und fast immer bei Menschen, die weiche Kontaktlinsen tragen. Typisch ist der rasche Beginn: Innerhalb eines Tages werden Schmerz, Rötung und Lichtscheu deutlich stärker, das Sehen trübt sich ein, häufig zeigt sich ein weisslicher Fleck auf der Hornhaut. Manche Erreger, die im feuchten Milieu von Linsenbehältern und Wasser gut gedeihen, gelten als besonders aggressiv und können die Hornhaut schnell tiefer schädigen. Behandelt wird mit antibiotischen Augentropfen, zu Beginn in sehr dichter Folge — anfangs stündlich, in schweren Fällen auch nachts — und mit Kontrollen im Abstand von Stunden bis Tagen, bis der Befund sicher rückläufig ist.
Virale Keratitis, insbesondere Herpes
Das Herpes-simplex-Virus tragen sehr viele Menschen unbemerkt in sich; es kann in Nervenknoten ruhen und von dort aus das Auge befallen. Deshalb ist die Herpes-Keratitis typischerweise keine Neuansteckung, sondern eine Reaktivierung — und deshalb kommt sie wieder. Auslöser können Fieber, starke UV-Belastung, Stress, andere Erkrankungen oder eine geschwächte Abwehr sein. Charakteristisch ist ein verzweigtes, an ein Ästchen erinnerndes Muster im Hornhautepithel, das sich mit Farbstoff sichtbar machen lässt; auffällig oft ist zugleich das Gefühl im Auge herabgesetzt, sodass die Beschwerden geringer wirken, als der Befund ist.
Warum Kortison hier gefährlich ist: Kortisonhaltige Augentropfen dämpfen die Entzündungsreaktion — die Rötung geht zurück, das Auge fühlt sich besser an. Die Virusvermehrung bremsen sie nicht; sie können sie begünstigen. Aus einem kleinen Befund kann so ein flächiges Geschwür werden, während alles nach Besserung aussieht. Bei Herpesverdacht steht deshalb die antivirale Behandlung im Vordergrund; wenn tiefere Hornhautschichten mitbetroffen sind, kann Kortison Teil der Therapie sein — dann aber ausschliesslich augenärztlich verordnet, kombiniert und engmaschig kontrolliert. Alte Tropfenfläschchen aus dem Medikamentenschrank haben bei einem schmerzenden roten Auge nichts verloren.
Auch Adenoviren, die häufigsten Erreger der sehr ansteckenden Bindehautentzündung, können die Hornhaut mitbefallen. Dann bleiben nach dem Abklingen der Rötung oft wochen- bis monatelang feine Trübungen zurück, die als Schleier und Blendung wahrgenommen werden und meist von selbst wieder verschwinden.
Akanthamöben-Keratitis
Akanthamöben sind winzige Einzeller, die in Leitungswasser, Schwimmbädern, Seen, Whirlpools und Erde vorkommen. Für ein gesundes Auge sind sie kein Thema — für ein Auge mit Kontaktlinse können sie es sehr wohl werden. Die typische Vorgeschichte ist immer dieselbe: mit Linsen geduscht, geschwommen, den Behälter mit Leitungswasser gespült oder Linsen darin aufbewahrt. Kennzeichnend ist ein Schmerz, der deutlich stärker ist, als es der sichtbare Befund erwarten liesse, und ein Verlauf über Wochen statt Tage.
Diese Form ist selten, aber sie wird häufig zunächst für Herpes gehalten und entsprechend behandelt — was Zeit kostet. Der Nachweis erfordert spezielle Untersuchungen, die Behandlung ist langwierig und gehört an ein darauf spezialisiertes Zentrum. Wenn wir diesen Verdacht haben, sagen wir Ihnen das deutlich und organisieren die Weiterbetreuung, statt eigene Versuche zu unternehmen.
Pilzkeratitis
In der Schweiz selten. Sie tritt vor allem nach Verletzungen mit organischem Material auf — dem Ast beim Heckenschnitt, dem Zweig beim Waldlauf, Erde beim Gärtnern —, ausserdem bei geschwächter Abwehr und nach längerer Anwendung kortisonhaltiger Tropfen. Typisch ist der schleichende Verlauf: Über Tage bis Wochen wird es langsam schlechter statt rasch schlimmer, was dazu verleitet, zu lange zuzuwarten. Die Therapie ist antimykotisch, dauert lang und braucht Geduld auf beiden Seiten.
Nicht jede Keratitis ist eine Infektion
Die Hornhaut kann sich auch ohne Erreger entzünden. Ein stark gestörter Tränenfilm reizt und schädigt die Oberfläche mechanisch; wer über Monate trockene Augen hat, zeigt an der Spaltlampe oft feine Defekte über die ganze Hornhaut verteilt. Wer beim Schweissen ohne Schutz gearbeitet oder einen Tag im Schnee ohne Brille verbracht hat, kennt die Folgen: Stunden später beginnen heftige Schmerzen, weil UV-Licht die oberste Zellschicht geschädigt hat. Und wenn die Lider nachts nicht vollständig schliessen — etwa bei einer Lidfehlstellung — trocknet die Hornhaut im unteren Bereich aus und entzündet sich. Steht dabei das Oberlid zu hoch, statt dass der Lidschluss ausfällt, ist das ein eigener Befund mit eigenen Ursachen: ein zu hoch stehendes Oberlid, das nachts nicht vollständig schliesst. Diese Formen sind keine Infektionen, aber sie gehören ebenso beurteilt: Auch eine gereizte, defekte Oberfläche kann sich sekundär infizieren. Einen Überblick über die weiteren Erkrankungen dieser Schicht — von der Verformung bis zur Trübung — finden Sie auf der Seite Hornhaut, unter anderem zum Keratokonus.
Kontaktlinsen: der wichtigste Risikofaktor
Kontaktlinsen sind ein gutes und sicheres Hilfsmittel — wenn die Regeln eingehalten werden. Der Grossteil der bakteriellen Hornhautinfektionen, die wir sehen, hat jedoch mit ihnen zu tun. Der Grund ist simpel: Die Linse liegt direkt auf der Hornhaut, verringert den Sauerstoffnachschub, verändert den Tränenfilm und bietet Keimen eine Fläche, auf der sie sich halten können. Kommt eine kleine Verletzung der Oberfläche dazu, ist der Weg für eine Infektion frei.
Wasser und Kontaktlinsen vertragen sich nicht. Das ist die wichtigste Regel, und sie wird am häufigsten gebrochen — meist ohne böse Absicht, weil «Leitungswasser ist doch sauber» plausibel klingt. Trinkwasserqualität heisst aber nicht keimfrei für das Auge: Leitungswasser kann Bakterien und Akanthamöben enthalten, die im Magen harmlos sind und auf der Hornhaut nicht.
- Nicht mit Linsen duschen — auch nicht «nur kurz» und mit geschlossenen Augen.
- Nicht mit Linsen schwimmen, weder im Hallenbad noch im See. Wenn es nicht anders geht: dicht schliessende Schwimmbrille über Tageslinsen, die Sie danach entsorgen.
- Behälter und Linsen nie mit Leitungswasser spülen — nur mit frischer Pflegelösung.
- Pflegelösung nie auffüllen, sondern jedes Mal vollständig ersetzen. «Nachgiessen» verdünnt nur die verbrauchte Lösung.
- Behälter regelmässig ersetzen, etwa alle drei Monate, und ihn nach dem Ausleeren offen und mit der Öffnung nach unten trocknen lassen.
- Hände waschen und abtrocknen, bevor Sie Linsen anfassen.
- Kein Speichel, um eine Linse anzufeuchten. Mund und Auge sind zwei sehr verschiedene Milieus.
Tragedauer ist keine Empfehlung, sondern eine Grenze. Monatslinsen nach dem Monat wechseln, Tageslinsen abends wegwerfen, auch wenn sie sich noch gut anfühlen — eine ältere Linse trägt mehr Ablagerungen und mehr Keime. Ebenso wenig verhandelbar: nicht mit Linsen schlafen, und das schliesst das Nickerchen auf dem Sofa und den Kurzschlaf im Flugzeug ein. Über Nacht bekommt die Hornhaut spürbar weniger Sauerstoff, und der Tränenfilm spült nicht mehr — Übernachttragen gilt als einer der stärksten Risikofaktoren für eine bakterielle Hornhautinfektion.
Und die Regel, die im Ernstfall zählt: Wird ein Auge rot, kommt die Linse sofort heraus — und sie kommt nicht wieder hinein, bis das Auge untersucht ist. Die Linse «zur Beruhigung» noch einen Tag weiterzutragen, weil man ohne sie schlecht sieht, ist der Schritt, der aus einer beginnenden Entzündung eine ernste macht. Bringen Sie zum Termin bitte Linsen, Behälter und Pflegemittel mit; im Zweifel untersuchen wir sie mit.
Was nicht hilft — und was schadet
Bei einem schmerzenden roten Auge ist der Griff zum Hausmittel oder zur Restpackung verständlich. Beides verzögert hier nur.
- Kortisonhaltige Augentropfen ohne gesicherte Diagnose. Das ist der gefährlichste einzelne Fehler bei diesem Krankheitsbild: Sie nehmen die Rötung, während eine Infektion ungestört weiterläuft.
- Antibiotische Tropfen aus der letzten Episode oder aus dem Schrank von Angehörigen. Angebrochene Fläschchen sind zudem oft selbst keimbesiedelt.
- Kamillentee-Umschläge und Augenbäder. Kamille ist ein häufiges Kontaktallergen und reizt zusätzlich; ein Augenbad spült nichts aus der Hornhaut heraus.
- Das Auge zukleben oder abdecken, um Ruhe zu geben. Bei einer Kontaktlinsen-assoziierten Infektion ist das keine gute Idee — feucht und warm sind genau die Bedingungen, unter denen Keime sich vermehren.
- Reiben. Es lindert für Sekunden und schädigt die Oberfläche weiter.
- Warten, bis die Sprechstunde besser passt. Der einzige Punkt dieser Seite, der wirklich zählt.
Sinnvoll ist dagegen nur weniges, und das ist einfach: Linse heraus, Auge in Ruhe lassen, Sonnenbrille gegen die Lichtempfindlichkeit, bei Bedarf ein gewohntes Schmerzmittel — und anrufen. Befeuchtende Tropfen ohne Wirkstoff schaden nicht, ersetzen aber keine Abklärung.
Wie wir abklären: Spaltlampe, Anfärbung und Abstrich
Die Untersuchung beginnt mit Ihrer Geschichte, und die ist bei diesem Krankheitsbild ungewöhnlich aussagekräftig: seit wann, welches Auge, Kontaktlinsen ja oder nein und wie getragen, Wasserkontakt, Verletzung, frühere Episoden am selben Auge, Vorerkrankungen und Medikamente. Danach messen wir die Sehschärfe — nicht als Formalität, sondern als Ausgangswert, an dem sich der weitere Verlauf messen lässt.
An der Spaltlampe wird die Hornhaut mit einem schmalen Lichtspalt Schicht für Schicht durchgemustert. Wir beurteilen, wo die Entzündung sitzt, wie gross sie ist, wie tief sie reicht und — die entscheidende Frage — ob sie in der Sehachse liegt. Wir schauen zugleich in die vordere Augenkammer: Zellen oder gar ein Eiterspiegel dort sprechen für einen schweren Verlauf.
Mit einem Farbstoff (Fluoreszein) färben wir anschliessend die Oberfläche an. Unter blauem Licht leuchten Stellen auf, an denen die oberste Zellschicht fehlt — so wird sichtbar, was vorher nur zu erahnen war: der verzweigte Defekt bei Herpes, der runde Substanzverlust über einem Infiltrat, die feinen Punkte des ausgetrockneten Auges. Bei Verdacht auf eine Herpesbeteiligung prüfen wir zusätzlich die Empfindlichkeit der Hornhaut.
Beim Abstrich wird Material direkt von der betroffenen Stelle gewonnen und ins Labor gegeben — für Kultur und, je nach Fragestellung, für einen Erregernachweis mittels PCR. Nicht jede kleine, oberflächliche Entzündung braucht das. Sinnvoll ist es vor allem bei grösseren oder zentralen Befunden, bei Linsenträgerinnen und Linsenträgern, bei Verläufen, die auf die begonnene Therapie nicht ansprechen, und immer dann, wenn der Verdacht auf einen ungewöhnlichen Erreger besteht. Bringen Sie Linsen und Behälter mit: Auch daraus lässt sich ein Nachweis führen.
Warum das besser ist als Tropfen auf Verdacht: Eine gezielte Therapie trifft den Erreger, den man tatsächlich hat. Blind gewählte Tropfen können beim einen Erreger wirken und beim nächsten nichts ausrichten — und die Tage, in denen sie nicht wirken, sind genau die Tage, in denen die Entzündung tiefer geht. Weil Ergebnisse Zeit brauchen, beginnen wir bei einem behandlungsbedürftigen Befund natürlich sofort und passen an, sobald das Labor antwortet. Zuweisende Ärztinnen und Ärzte erreichen uns für solche Fälle direkt — die Wege dazu stehen unter Zuweisende.
Therapie und Verlauf
Behandelt wird erregerspezifisch: antibiotisch bei bakterieller Ursache, antiviral bei Herpes, antimykotisch bei Pilzbefall, und mit einer speziellen, langwierigen Therapie bei Akanthamöben. Das ist keine Feinheit für Fachpublikum — es ist der Grund, warum die Abklärung vor der Behandlung steht.
Der Beginn ist bei infektiösen Formen typischerweise intensiv: Augentropfen in sehr dichter Folge, anfangs stündlich und in schweren Fällen auch nachts. Das ist anstrengend, und es ist der Teil, an dem eine Behandlung scheitert, wenn niemand vorher erklärt, warum das nötig ist. Sobald der Befund zurückgeht, wird die Häufigkeit schrittweise reduziert. Zusätzlich können pupillenerweiternde Tropfen gegen den Schmerz und befeuchtende Präparate zur Pflege der Oberfläche zum Einsatz kommen.
Engmaschige Kontrollen gehören zur Therapie, nicht zur Nachsorge. Wir sehen Sie zu Beginn oft täglich oder jeden zweiten Tag wieder, messen erneut die Sehschärfe und vergleichen Grösse und Tiefe des Befundes mit dem Vortag. So wird früh erkennbar, ob die Behandlung greift oder ob umgestellt werden muss. Kontaktlinsen bleiben in dieser Zeit vollständig draussen — auch am gesunden Auge, wenn die Ursache in der Handhabung lag. Angebrochene Linsen, Behälter und Pflegemittel ersetzen Sie danach.
Wie lange es dauert, hängt vom Erreger, von der Ausdehnung und vom Zeitpunkt ab, zu dem die Behandlung begann. Oberflächliche bakterielle Verläufe beruhigen sich unter wirksamer Therapie meist innerhalb weniger Tage deutlich; tiefere Befunde, Herpesverläufe mit Beteiligung des Hornhautgewebes, Pilz- und Akanthamöbeninfektionen brauchen Wochen bis Monate. Seriös nennen lässt sich eine Dauer erst am Befund. Was wir zusagen können, ist, dass Sie von uns hören, was wir sehen — auch dann, wenn es langsamer geht als erhofft.
Narben und Sehschärfe — was ehrlicherweise gesagt werden muss
Die Hornhaut heilt nicht überall gleich. Ihre oberste Zellschicht, das Epithel, erneuert sich zuverlässig: Ein reiner Oberflächendefekt schliesst sich meist innerhalb von Tagen und hinterlässt nichts. Reicht die Entzündung tiefer, in das tragende Hornhautgewebe, ist das anders. Dieses Gewebe verdankt seine Klarheit einer hochgeordneten Faserstruktur; Reparaturgewebe ist ungeordnet — und ungeordnete Fasern streuen Licht. Genau das ist eine Narbe.
Ob eine Narbe das Sehen beeinträchtigt, entscheidet vor allem ihre Lage. Am Rand der Hornhaut bleibt sie oft ein Leben lang unbemerkt. Direkt vor der Pupille, in der Sehachse, kann dieselbe Narbe die Sehschärfe dauerhaft mindern, das Bild flau machen und bei Gegenlicht, nachts und beim Autofahren blenden. Das lässt sich später nicht wegtropfen, und niemand sollte Ihnen etwas anderes sagen.
Wie eine Hornhautentzündung ausgeht, hängt qualitativ an mehreren Dingen: am Erreger und seiner Aggressivität; an Grösse, Tiefe und Lage des Befundes; daran, wie früh eine wirksame, gezielte Therapie begonnen wurde; daran, ob die Behandlung konsequent durchgehalten und kontrolliert wurde; und an Begleitfaktoren wie Vorerkrankungen, gestörtem Tränenfilm, unvollständigem Lidschluss oder einer geschwächten Abwehr. Prozentzahlen dazu nennen wir nicht — sie hängen so stark vom Einzelfall ab, dass jede Zahl mehr verspricht, als sie halten kann.
Von diesen Faktoren ist genau einer in Ihrer Hand, und es ist der wirksamste: der Zeitpunkt, an dem Sie anrufen. Eine Entzündung, die früh und gezielt behandelt wird, bleibt viel eher oberflächlich — und was oberflächlich bleibt, heilt in der Regel ohne bleibende Trübung ab.
Bleibt doch eine störende Narbe zurück, ist damit nicht alles gesagt. Manche Trübungen werden über Monate blasser. Unregelmässigkeiten der Oberfläche lassen sich teils mit formstabilen Kontaktlinsen ausgleichen, sobald das Auge vollständig beruhigt ist. Für ausgeprägte zentrale Narben besteht die Möglichkeit einer Hornhauttransplantation; das ist ein planbarer Eingriff in einem dafür spezialisierten Zentrum und keine Routinemassnahme, die man leichthin in Aussicht stellt. Wenn es so weit kommt, besprechen wir das offen, mit allen Vor- und Nachteilen — und mit der Frage, ob es Ihnen den Aufwand wert ist.
Kosten & Krankenkasse
Was bezahlt die Kasse — und was nicht?
Eine Hornhautentzündung ist eine Krankheit, und ihre Abklärung und Behandlung sind Krankenbehandlungen. Bei medizinischer Indikation läuft das über die Grundversicherung; Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch. Was nicht dazugehört, sagen wir Ihnen vorher — im Notfall allerdings erst, nachdem das Auge versorgt ist.
| Leistung | Vergütung | Das heisst für Sie |
|---|---|---|
Notfallabklärung bei rotem, schmerzendem Auge | Grundversicherung | Untersuchung an der Spaltlampe, Sehschärfe, Anfärbung der Hornhaut und die ärztliche Beurteilung — bei medizinischer Indikation eine Leistung der Grundversicherung. Dass die Abklärung am Ende «nur» eine harmlose Ursache zeigt, ändert daran nichts. |
Abstrich und Erregernachweis im Labor | Grundversicherung | Kultur und, wo nötig, molekularer Nachweis werden bei entsprechender Fragestellung übernommen. Die Laborrechnung kann getrennt von unserer kommen; auch sie läuft über Franchise und Selbstbehalt. |
Verordnete Augentropfen und Medikamente | Grundversicherung (kassenpflichtige Präparate) | Sie beziehen sie in der Apotheke; die Kostenbeteiligung richtet sich nach Ihrer Franchise. Einzelne Spezialzubereitungen, wie sie etwa bei seltenen Erregern nötig werden, sind nicht in jedem Fall kassenpflichtig — wir sagen es Ihnen, bevor Sie sie holen. |
Engmaschige Verlaufskontrollen | Grundversicherung | Die kurzfristigen Wiedervorstellungen sind Teil der Behandlung und keine Zusatzleistung. Sie sind der Grund, warum eine Umstellung rechtzeitig erfolgen kann. |
Neue Kontaktlinsen, Pflegemittel, Linsenanpassung | Selbstzahlerleistung | Linsen, Behälter und Lösung ersetzen Sie nach einer Hornhautentzündung in jedem Fall — als gewohnte Sehhilfe gehen sie auf Ihre Rechnung. Anders liegt der Fall, wenn nach einer Entzündung eine Narbe oder eine unregelmässige Hornhaut zurückbleibt: Dann sind formstabile Speziallinsen eine medizinisch begründete Sehhilfe, an die die Grundversicherung nach den geltenden Ansätzen einen begrenzten Beitrag leistet. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir vorher. |
Kommen Sie im Zweifel, auch wenn Sie unsicher sind, ob es «schlimm genug» ist. Bei Schmerz, Lichtscheu, schlechterem Sehen oder rotem Auge mit Kontaktlinsen gilt: heute anrufen, nicht morgen. Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst — wenden Sie sich an ihn oder direkt an die Notfallstation einer Augenklinik.
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Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Dietlind Friedrich · Zuletzt geprüft am
Häufige Fragen
- An drei Zeichen, die bei einer einfachen Bindehautentzündung nicht dazugehören: echter Schmerz statt Brennen oder Jucken, eine spürbare Verschlechterung des Sehens und ausgeprägte Lichtscheu. Dazu kommt die Verteilung der Rötung — bei einer Hornhautentzündung liegt sie oft als tiefer, bläulich-roter Kranz direkt um die Hornhaut, während die Bindehautentzündung das ganze Augweiss gleichmässig rot färbt. Ein weisslicher oder grauer Fleck auf der sonst klaren Hornhaut ist ein sehr deutliches Zeichen und gehört sofort untersucht. Und wenn nur das eine Auge betroffen ist, an dem eine Kontaktlinse sass, gehen Sie bis zum Beweis des Gegenteils von der Hornhaut aus. Im Zweifel rufen Sie an, statt zu Hause zu vergleichen. Am Telefon klären wir in zwei Minuten, wie schnell Sie kommen sollten — was es ist, sieht man erst an der Spaltlampe.
- Das hängt vollständig vom Erreger ab. Die klassische Kontaktlinsen-assoziierte bakterielle Hornhautentzündung entsteht aus Keimen, die über Linse, Behälter oder Wasser ins Auge gelangen — sie wird nicht wie eine Erkältung von Mensch zu Mensch weitergegeben. Virale Formen können übertragbar sein: Adenoviren sind sehr ansteckend, Herpesviren tragen die meisten Menschen ohnehin in sich und werden meist nicht neu übertragen, sondern reaktiviert. Akanthamöben und Pilze stecken andere Menschen praktisch nie an. Solange die Ursache nicht feststeht, sind eigenes Handtuch, gründliches Händewaschen und der Verzicht aufs Augenreiben in jedem Fall vernünftig.
- Nein — und das sind die zwei Gewohnheiten, die wir bei Hornhautentzündungen am häufigsten hören. Über Nacht bekommt die Hornhaut deutlich weniger Sauerstoff und der Tränenfilm spült nicht mehr, was das Risiko einer bakteriellen Infektion erheblich erhöht; das gilt auch für ein kurzes Nickerchen auf dem Sofa. Wasser und Linsen vertragen sich grundsätzlich nicht: Dusche, Schwimmbad, See und Leitungswasser können Keime und Akanthamöben an die Linse bringen. Nehmen Sie die Linsen vor dem Duschen und vor dem Schwimmen heraus, oder tragen Sie im Wasser eine dicht schliessende Schwimmbrille über Tageslinsen, die Sie danach wegwerfen. Und wenn ein Auge rot wird: Linse sofort heraus und nicht wieder einsetzen, bis das Auge untersucht wurde.
- Bei Schmerz, Lichtscheu, schlechterem Sehen oder rotem Auge mit Kontaktlinsen: noch am selben Tag. Eine bakterielle Hornhautinfektion kann innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen an Fläche und Tiefe zunehmen, und jede Stunde ohne wirksame Therapie ist Zeit, in der aus einer oberflächlichen Entzündung eine tiefere werden kann. Über Nacht oder übers Wochenende zu warten, weil «es morgen vielleicht besser ist», ist bei genau diesen Beschwerden die falsche Entscheidung. Rufen Sie uns an und beschreiben Sie, was Sie sehen und spüren; ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst — wenden Sie sich an ihn oder direkt an die Notfallstation einer Augenklinik.
- Viele oberflächliche Entzündungen heilen bei rechtzeitiger, gezielter Behandlung ohne bleibende Folgen ab — die Hornhaut ersetzt ihre oberste Zellschicht sehr zuverlässig. Reicht die Entzündung tiefer in das Hornhautgewebe, heilt sie dagegen mit Narbe, weil dieses Gewebe sich nicht spurlos erneuert. Ob das Sehen darunter leidet, hängt vor allem von der Lage ab: Eine Narbe am Rand bleibt oft unbemerkt, dieselbe Narbe direkt vor der Pupille streut das Licht und kann Sehschärfe und Kontrast dauerhaft mindern. Weitere Faktoren sind der Erreger, die Tiefe und Grösse des Befundes, wie früh die Therapie begann und ob Begleiterkrankungen die Heilung bremsen. Eine Prognose lässt sich seriös erst am Befund stellen, nicht am Telefon.
- Die Entzündung frisst sich weiter in die Tiefe, aus dem Infiltrat kann ein Hornhautgeschwür werden, und in schweren Verläufen droht ein Durchbruch der Hornhaut — eine Situation, die dann chirurgisch versorgt werden muss. Selbst wenn es nicht so weit kommt, bleibt nach einer tiefen Entzündung eine Trübung zurück, die sich später nicht mehr wegtropfen lässt. Besonders tückisch sind Verläufe, die unter kortisonhaltigen Augentropfen zunächst «besser» wirken: Die Rötung geht zurück, während die Infektion ungestört weiterläuft. Genau deshalb behandeln wir den Verdacht früh und kontrollieren engmaschig, statt abzuwarten, ob es sich von selbst gibt.
- Ja. Die Abklärung eines schmerzenden roten Auges und die Behandlung einer Hornhautentzündung sind Krankenbehandlungen und werden bei medizinischer Indikation über die Grundversicherung abgerechnet, ebenso Abstrich, Labor und die Verlaufskontrollen. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch. Nicht über die Grundversicherung laufen die Dinge rund um die gewohnte Kontaktlinse selbst: neue Linsen, Pflegemittel und die Anpassung sind Selbstzahlerleistungen. Anders liegt der Fall, wenn nach der Entzündung eine Narbe oder eine unregelmässige Hornhaut zurückbleibt: Dann sind formstabile Speziallinsen eine medizinisch begründete Sehhilfe, an die die Grundversicherung nach den geltenden Ansätzen einen begrenzten jährlichen Beitrag leistet. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir vorher — auch dann, wenn bei einer Therapie ausnahmsweise ein Präparat nötig ist, das nicht kassenpflichtig ist.
Ein schmerzendes rotes Auge ist kein Fall fürs Abwarten.
Rufen Sie an und beschreiben Sie uns die Beschwerden. Bei Verdacht auf eine Hornhautentzündung sehen wir Sie noch am selben Tag — mit Kontaktlinsen erst recht.
+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst — wenden Sie sich an ihn oder direkt an die Notfallstation einer Augenklinik. Oder Termin online anfragen.
