Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
AMD behandeln: die Injektion ins Auge — Ablauf, Abstände, Grenzen
Bei der feuchten AMD zählt jede Woche. Behandelt wird sie mit einem Medikament, das direkt ins Auge gegeben wird — eine Injektion von wenigen Sekunden, unter örtlicher Betäubung, ambulant, und nicht ein einziges Mal, sondern über Jahre in Abständen, die sich nach Ihrem Befund richten. Was diese Behandlung leisten kann, ist viel: das Fortschreiten bremsen, Flüssigkeit in der Netzhaut zurückdrängen und in vielen Fällen das Sehen stabilisieren oder teilweise verbessern. Was sie nicht leistet, sagen wir genauso deutlich — sie macht die Erkrankung nicht rückgängig, und für die trockene AMD gibt es derzeit keine heilende Therapie. Diese Seite beschreibt beides: den Ablauf im Detail und die Grenzen ohne Beschönigung.
Das Therapieziel: die Mitte halten
Die Makula ist die kleine Netzhautmitte, mit der Sie lesen, Gesichter erkennen und Auto fahren. Eine altersbedingte Makuladegeneration greift genau dort an — und genau deshalb steht das Ziel jeder Behandlung fest, bevor die erste Spritze gegeben wird: Es geht darum, das Sehen zu halten, das heute noch da ist. Was die Erkrankung an Gewebe in der Netzhautmitte bereits zerstört hat, bringt keine Behandlung zurück. Was sie an Aktivität noch zeigt, lässt sich bei der feuchten Form heute in vielen Fällen kontrollieren.
Diese Seite beschreibt die Behandlung. Was eine AMD überhaupt ist, wie sie entsteht, woran man sie bemerkt und mit welcher Diagnostik sie beurteilt wird, steht ausführlich auf der übergeordneten Seite: Makuladegeneration (AMD) — Warnzeichen, trockene und feuchte Form, Diagnostik. Wer noch gar keine Diagnose hat, findet den Rahmen der Kontrollen unter der Augenvorsorge, die eine AMD sucht, bevor sie Beschwerden macht. Hier setzen wir hinter der Diagnose an.
Eine Behandlung gibt es nur für eine der beiden Formen. Das ist die Unterscheidung, an der auf dieser Seite alles hängt, und sie wird gleich im nächsten Abschnitt ausgeführt: Die feuchte AMD wird mit einem Medikament behandelt, das ins Auge gegeben wird. Für die trockene AMD gibt es derzeit keine heilende Therapie — dort bestehen die Massnahmen aus Verlaufskontrollen, aus dem Erkennen eines Übergangs in die feuchte Form und aus dem Umgang mit den Risikofaktoren.
Und ein Satz, den viele Betroffene zuerst hören sollten, weil er die Angst trifft, mit der sie kommen: Eine AMD führt fast nie zur vollständigen Erblindung. Betroffen ist die Mitte des Bildes; das äussere Gesichtsfeld bleibt erhalten. Das macht die Erkrankung nicht harmlos — Lesen, Gesichter und Autofahren hängen an dieser Mitte —, aber es räumt mit der Vorstellung auf, am Ende stehe zwangsläufig Dunkelheit.
Trocken oder feucht: zwei Formen, zwei Behandlungswirklichkeiten
Nicht jede Form der AMD muss sofort aktiv behandelt werden. Entscheidend ist: ob es sich um eine trockene oder eine feuchte AMD handelt, wie aktiv die Erkrankung ist und wie stark das Sehen bereits beeinträchtigt ist. Diese drei Fragen beantwortet die Untersuchung, nicht das Beschwerdebild — und die erste davon entscheidet, ob auf dieser Seite überhaupt eine Therapie beschrieben wird oder eine Strategie.
Die trockene AMD: keine kausale Therapie, und das gehört gesagt
Die trockene Form ist die häufigere und die langsamere. Stoffwechselablagerungen schwächen die Netzhautmitte über Jahre; im Spätstadium geht Gewebe flächig zugrunde. Für die trockene AMD gibt es derzeit keine heilende Therapie. Diesen Satz schreiben wir absichtlich ohne Weichzeichner, weil er sonst zwischen Hoffnungsformulierungen verschwindet — und weil Betroffene, denen etwas anderes versprochen wird, Geld und Zeit in Angebote stecken, die den Verlauf nicht ändern.
Was es stattdessen gibt, ist keineswegs nichts, aber es ist etwas anderes als eine Therapie:
- Regelmässige Verlaufskontrollen — der einzige Weg, einen Übergang in die feuchte Form zu bemerken, solange er noch behandelbar ist. Bei der trockenen AMD ist die Kontrolle die eigentliche Behandlung.
- Die Selbstkontrolle mit dem Amsler-Gitter, jedes Auge einzeln, als Frühwarnung zwischen den Terminen. Wie sie geht, steht weiter unten in einem eigenen Abschnitt dieser Seite.
- Die Risikofaktoren, allen voran das Rauchen — der stärkste beeinflussbare Risikofaktor und der einzige Punkt dieser Liste, der den Verlauf selbst betrifft.
- Unterstützende Massnahmen für das Sehen im Alltag: mehr und besser gerichtetes Licht, Kontrast, vergrössernde Sehhilfen, Vorlesefunktionen. Sie ändern den Befund nicht und ändern den Tag sehr wohl.
Zur Forschung, ehrlich gesagt: Für die geografische Atrophie — die Spätform der trockenen AMD, bei der Netzhautgewebe flächig zugrunde geht — sind in den USA seit 2023 erste Medikamente zugelassen. Sie zielen darauf, das Wachstum dieser Fläche zu verlangsamen; verlorenes Sehen stellen sie nicht wieder her. In der Schweiz ist dafür derzeit kein Präparat zugelassen. Es gibt hier also keine solche Behandlung, die wir Ihnen anbieten könnten, und wir stellen Ihnen auch keine in Aussicht. Was die Forschung entwickelt, verfolgen wir; ändert sich der Zulassungsstand, sagen wir es Ihnen ohne Umweg — heute wäre alles andere ein Versprechen auf etwas, das es hier nicht gibt.
Die feuchte AMD: die Form, für die es eine Behandlung gibt
Bei der feuchten AMD wachsen unter oder in der Netzhaut neue, undichte Gefässe. Sie geben Flüssigkeit und manchmal Blut in die Netzhautmitte ab, das Gewebe hebt sich ab, und das zentrale Sehen verändert sich rasch: Linien verbiegen sich, in der Mitte entsteht ein grauer oder verschwommener Fleck, Buchstaben fehlen mitten im Wort. Unbehandelt kann das zentrale Sehen innert Wochen bis Monaten stark abnehmen — und am Ende dieses Weges steht eine Narbe in der Makula, die keine Behandlung mehr zurückholt.
Genau hier greift die Injektionstherapie an, und genau deshalb ist sie eine Behandlung mit Uhr: Was sie schützen kann, muss zum Zeitpunkt der ersten Spritze noch vorhanden sein. Die feuchte AMD entsteht übrigens in der Regel nicht neben der trockenen, sondern aus ihr — auch wenn sie bei einem Teil der Betroffenen die erste Form ist, die überhaupt auffällt, weil die trockenen Veränderungen vorher nie Beschwerden gemacht haben. Deshalb ist eine bekannte trockene AMD kein Grund zur Beruhigung, sondern der Grund, warum die Kontrollen stattfinden — und deshalb steht auf dieser Seite bei jedem Warnzeichen «heute» und nicht «demnächst».
Beide Formen können an beiden Augen unterschiedlich weit fortgeschritten sein. Das ist der Grund, warum wir jedes Auge einzeln beurteilen und Sie bitten, es zu Hause ebenso einzeln zu prüfen: Ein gutes Auge gleicht die Ausfälle des anderen im Alltagssehen so vollständig aus, dass eine deutliche Verschlechterung monatelang unbemerkt bleiben kann.
Wann eine Behandlung beginnt — und warum die Woche zählt
Am Anfang steht immer eine gründliche Untersuchung. Wir beurteilen, welche Form der AMD vorliegt, wie aktiv die Erkrankung ist und welche Therapie medizinisch sinnvoll ist. Auf dieser Basis besprechen wir mit Ihnen in Ruhe und verständlich, welches Vorgehen für Ihre Situation in Frage kommt. Wie eine solche Abklärung abläuft und was dabei gemessen wird, steht unter Augenuntersuchungen: was bei einer augenärztlichen Kontrolle geprüft wird.
Drei Befunde führen zur Entscheidung, und keiner davon ist Ihr Sehempfinden allein:
- Die Form. Eine Injektionstherapie kommt bei der feuchten AMD in Frage. Zeigt die Untersuchung eine trockene AMD ohne Hinweis auf Aktivität, wäre eine Spritze nicht der zurückhaltendere, sondern der falsche Weg.
- Die Aktivität. Sichtbar wird sie in der Schichtaufnahme der Netzhaut (OCT): Flüssigkeit in oder unter der Netzhaut, eine Abhebung, eine Zunahme der Dicke. Diese Bilder entscheiden über Beginn, Fortsetzung und Abstand der Behandlung — sie sind der eigentliche Taktgeber der Therapie.
- Die Funktion. Wie stark ist das Sehen betroffen, und wie viel funktionsfähiges Gewebe ist in der Makula noch da? Bei einer vollständig vernarbten Netzhautmitte holt eine Injektion das verlorene zentrale Sehen nicht zurück; sie kann dann höchstens noch verhindern, was ohne sie zusätzlich passieren würde. Ob das eine Serie rechtfertigt, sagen wir Ihnen offen — mit dem Ziel dazu, statt eine Serie zu beginnen, ohne zu benennen, wogegen sie noch schützt.
Insbesondere bei der feuchten AMD ist eine rasche Behandlung wichtig, da sich das Sehen sonst innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlechtern kann. Das ist keine Dringlichkeitsrhetorik, sondern der Grund, warum wir für neu aufgetretene Verzerrungen kurzfristige Termine freihalten. Wenn Sie bei sich neue Veränderungen des zentralen Sehens bemerken, rufen Sie an, statt online einen der nächsten regulären Termine zu suchen. Ist die Diagnose gestellt und die Indikation klar, sollte die erste Injektion nicht Wochen später erfolgen.
Vor der ersten Behandlung steht das Aufklärungsgespräch. Wir erklären Ihnen, was das Medikament tut, wie oft es voraussichtlich gegeben wird, welche Risiken dazugehören und welche Zeichen danach sofort gemeldet gehören — offen und transparent, bevor eine Behandlung beginnt. Ihre Einwilligung gehört zu dieser Behandlung wie die Spritze selbst: Sie geben sie schriftlich, Sie können Fragen stellen, bis Sie zufrieden sind, und Sie können die Behandlung auch später jederzeit unterbrechen. Wir sagen Ihnen dann, was das für den Befund bedeutet — und entscheiden tun Sie.
Wenn Sie zugewiesen werden oder zuweisen: Für Kolleginnen und Kollegen, die eine Patientin oder einen Patienten mit Makulabefund schicken möchten, stehen die Wege für zuweisende Ärztinnen und Ärzte bereit. Bringen Sie vorhandene Vorbefunde und frühere Schichtaufnahmen mit — für den Vergleich sind sie mehr wert als jede neue Einzelmessung, auch wenn sie aus einer anderen Praxis stammen.
Die Medikamente: was im Auge tatsächlich passiert
Die feuchte AMD wird heute in der Regel mit medikamentösen Injektionen ins Auge behandelt. Die verwendeten Wirkstoffe richten sich gegen einen körpereigenen Botenstoff, der Gefässe undicht macht und neue Gefässe wachsen lässt — im Fachwort gegen den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor, abgekürzt VEGF, woher die Sammelbezeichnung Anti-VEGF stammt. In Berichten und Unterlagen begegnet Ihnen für die Behandlung selbst oft die Abkürzung IVOM (intravitreale operative Medikamenteneingabe) oder die Formulierung «intravitreale Injektion» — beides meint dasselbe: die Eingabe eines Medikaments in den Glaskörperraum des Auges, also genau das, was diese Seite beschreibt. Wenn Sie einen dieser Begriffe auf einem Papier lesen, ist nichts anderes gemeint als die Spritze, über die wir mit Ihnen gesprochen haben.
Was diese Medikamente können: Sie hemmen krankhafte Gefässneubildungen und können das Fortschreiten der Erkrankung bremsen, Flüssigkeit in der Netzhaut reduzieren und in vielen Fällen das Sehen stabilisieren oder teilweise verbessern. Jedes Wort dieser Aufzählung ist bewusst gewählt — «können», «in vielen Fällen», «stabilisieren oder teilweise verbessern». Eine Zusage, dass Ihr Sehen besser wird, steckt nicht darin, und wir machen sie auch mündlich nicht.
Warum das Medikament ins Auge gegeben wird und nicht als Tablette geschluckt: Der Wirkstoff muss dort ankommen, wo die undichten Gefässe sind, und in einer Konzentration, die im Rest des Körpers nichts zu suchen hat. Die Injektion in den Glaskörperraum ist der kurze Weg dorthin — und der Grund, warum die Gesamtmenge des Medikaments winzig ist.
Verschiedene Wirkstoffe — und wie wir auswählen
Es gibt mehrere zugelassene Anti-VEGF-Wirkstoffe. Sie unterscheiden sich im Aufbau des Moleküls, in der Bindung an den Botenstoff und in den Abständen, die in ihren Zulassungsstudien geprüft wurden; zu einzelnen von ihnen existieren inzwischen Nachfolgepräparate mit demselben Wirkprinzip. Eine Rangliste geben wir Ihnen nicht — welches Präparat für Sie in Frage kommt, ist eine Entscheidung am Befund und nicht am Namen. Diese Punkte fliessen ein:
- Der Befund und seine Aktivität in der Schichtaufnahme: wie viel Flüssigkeit, wo genau, und wie sie sich zwischen zwei Terminen verhält.
- Das bisherige Ansprechen. Bleibt der Befund unter einem Wirkstoff trotz regelmässiger Behandlung aktiv oder lässt sich das Intervall nie verlängern, ist ein Wechsel auf einen anderen Wirkstoff eine der Optionen, die wir mit Ihnen besprechen.
- Ihre übrigen Diagnosen und Medikamente. Nennen Sie uns insbesondere durchgemachte Schlaganfälle und Herzinfarkte — möglichst mit dem Datum, denn wie kurz ein solches Ereignis zurückliegt, geht in die Abwägung ein — sowie alles, was Sie blutverdünnend einnehmen. Beides gehört in die Wahl des Präparats und in die Planung des Termins.
- Die Zulassung und die Kostenübernahme. Was in der Schweiz für welche Indikation zugelassen und kassenpflichtig ist, ändert sich über die Jahre. Wir sagen Ihnen, welches Medikament Sie erhalten und warum — vor der Behandlung, nicht danach.
Was Sie in Gesprächen und im Internet an Vergleichen zwischen Präparaten finden, ist oft älter als der aktuelle Stand und fast immer aus dem Zusammenhang gelöst. Fragen Sie uns lieber direkt — auch dann, wenn Sie anderswo behandelt wurden und wissen möchten, was Sie eigentlich bekommen haben.
Was ausserhalb der Injektionen bleibt
Bei bestimmten Sonderformen der feuchten AMD kommen ergänzende Verfahren zur Sprache, etwa eine Laserbehandlung mit einem lichtaktivierten Medikament. Sie sind heute die Ausnahme und stehen nicht anstelle der Injektionen, sondern in ausgewählten Situationen daneben. Ob das Ihre Situation betrifft, ergibt sich aus der Bildgebung — und wenn ein Verfahren in spezialisierte Hände gehört, sagen wir das und organisieren die Zuweisung, statt den Fall zu behalten.
Der Behandlungstag: wie eine Injektion abläuft
Bei der feuchten AMD erfolgt die Therapie in der Regel mittels Injektion ins Auge unter lokaler Betäubung. Der Eingriff dauert nur wenige Minuten und erfolgt ambulant. Die Bildgebung (OCT) planen wir, wann immer möglich, auf einen separaten Termin und nicht auf den Injektionstag. Für den Behandlungstag selbst rechnen Sie mit ungefähr einer halben Stunde.
Was in dieser halben Stunde passiert, in der Reihenfolge, in der Sie es erleben:
- Kontrolle vor der Injektion. Am Behandlungstag prüfen wir Sehschärfe und Befund an der Spaltlampe und entscheiden daran, ob heute gespritzt wird. Die Schichtaufnahme der Netzhaut (OCT) liegt dann in aller Regel schon vor, weil wir sie auf einen eigenen Termin legen. Ein Injektionstermin ohne Beurteilung des Befundes ist bei uns nicht vorgesehen.
- Ein entzündetes Auge wird an diesem Tag nicht gespritzt. Eine Infektion am oder um das Auge und eine akute Entzündung im Auge selbst sind Gründe, den Termin zu verschieben — bei jedem Anti-VEGF-Präparat, weil die Injektion Keime von der Oberfläche nach innen tragen könnte. Wenn das Auge am Morgen des Termins rot ist, klebt oder verklebt aufwacht, wenn der Lidrand akut entzündet ist oder ein Gerstenkorn daneben sitzt: sagen Sie es beim Eintreffen, statt still zu warten, ob es auffällt. Ein verschobener Termin ist ein verschobener Termin. Ein Termin, den wir mit einem entzündeten Auge durchziehen, ist etwas anderes.
- Betäubung. Das Auge wird mit Tropfen betäubt, meist mehrfach über einige Minuten. Eine Narkose braucht es nicht, und Sie sind während der ganzen Behandlung wach.
- Desinfektion und Abdeckung. Auge, Lidränder und Umgebung werden gründlich desinfiziert, das Auge steril abgedeckt und die Lider mit einem kleinen Halter offen gehalten, damit Sie nicht blinzeln müssen. Dieser Teil ist der, der sich am ungewohntesten anfühlt — und der wichtigste, denn er hält Keime von der Einstichstelle fern.
- Die Injektion. Das Medikament wird mit einer sehr feinen Nadel durch die weisse Lederhaut in den Glaskörperraum gegeben, seitlich und in einem festgelegten Abstand zum Hornhautrand. Das dauert Sekunden. Die meisten Menschen spüren einen kurzen Druck. Sie sollen dabei in eine vorgegebene Richtung schauen — mehr wird von Ihnen nicht verlangt.
- Danach. Das Auge wird gespült, oft mit einer Salbe versorgt, und je nach Situation wird der Augeninnendruck kontrolliert, bevor Sie gehen. Sie bekommen gesagt, worauf Sie in den nächsten Tagen achten, und wann der nächste Termin ist.
Welcher unserer Standorte Ihre Injektionen übernimmt, sagen wir Ihnen konkret, bevor die Behandlung beginnt — zusammen mit der Frage, wer sie durchführt und wie die Kontrollen dazwischen organisiert sind. Abklärung und Verlaufskontrolle übernehmen wir wohnortnah an unseren drei Standorten in Zürich, Wetzikon und Meilen; eine Übersicht mit Anfahrt und Öffnungszeiten finden Sie unter Standorte.
Die 24 Stunden danach
Ein gereiztes, tränendes, leicht drückendes Auge gehört zum normalen Verlauf, ebenso ein Fremdkörpergefühl wie von einem Sandkorn — das ist die Nachwirkung der Desinfektionslösung und des Einstichs, und es klingt in der Regel über Nacht ab. Ein roter Fleck auf dem Weiss des Auges ist eine harmlose Einblutung unter der Bindehaut: Sie sieht dramatisch aus, tut nicht weh und verschwindet in der Regel innert ein bis drei Wochen von selbst. Neue schwarze Punkte oder Schlieren, die mit dem Blick mitwandern, kommen ebenfalls vor; sie stammen meist von kleinen Luft- oder Medikamentenbläschen im Glaskörper und werden in den nächsten Tagen weniger.
- Nicht reiben. Das ist die einzige Regel, die wirklich zählt — auch wenn das Auge juckt oder sich fremd anfühlt.
- Sauber halten. Auf Schwimmbad, Sauna und Whirlpool verzichten Sie in den ersten Tagen; Duschen und Haarewaschen sind kein Problem, solange kein Wasser mit Druck ins Auge läuft. Augen-Make-up lassen Sie bis zum nächsten Tag weg.
- Verordnete Tropfen anwenden, falls Sie welche bekommen, und Ihre übrigen Augentropfen weiterführen, solange nichts anderes besprochen wurde.
- Arbeiten, lesen, fernsehen dürfen Sie, sobald das Sehen wieder klar ist. Es gibt keine Schonzeit für die Augen als Organ — nur für das behandelte Auge in den ersten Stunden.
Wie oft und wie lange: Aufsättigung, Abstände, Treat-and-Extend
Die Behandlung erfolgt wiederholt in bestimmten Abständen und wird individuell an den Verlauf angepasst. Das ist der Satz, an dem sich die meisten Rückfragen entzünden, deshalb hier ausgeschrieben, was er praktisch heisst.
Am Anfang steht die Aufsättigung. Üblich sind mehrere Injektionen in kurzen, festen Abständen — meist monatlich —, damit der Befund überhaupt erst zur Ruhe kommt. In dieser Phase wird nicht nach Bedarf entschieden: Es wird behandelt, weil eine begonnene, aber nicht durchgehaltene Aufsättigung das Schlechteste aus beiden Welten ist. Erst danach beginnt die Feinsteuerung.
Danach richtet sich das Intervall nach Ihrem Auge. Der Weg, der heute üblicherweise gewählt wird, heisst «treat and extend»: Bei jedem Termin wird behandelt, und je nachdem, was die Schichtaufnahme zeigt, wird der Abstand bis zum nächsten Mal verlängert oder wieder verkürzt. Der Vorteil ist, dass Sie nie mit unbehandelter Aktivität nach Hause gehen; der Preis ist, dass Sie zu jedem Termin kommen müssen, auch wenn Sie sich gut fühlen.
| Vorgehen | Wie es funktioniert | Wofür es gedacht ist |
|---|---|---|
| Aufsättigung («Upload») | Mehrere Injektionen in kurzen, festen Abständen zu Beginn, unabhängig vom Tagesbefund | Den aktiven Befund überhaupt erst zur Ruhe bringen |
| Feste Abstände | Injektion nach einem festgelegten Intervall, ohne dass der Abstand laufend verändert wird | Planbarkeit bei regelmässigem Verlauf; auch dort, wo Anfahrt und Organisation eine feste Struktur brauchen |
| Treat-and-Extend | Es wird bei jedem Termin behandelt; das Intervall wird bei ruhigem Befund schrittweise verlängert und bei neuer Aktivität wieder verkürzt | Der heute übliche Weg: so wenige Injektionen wie möglich, ohne die Aktivität unbehandelt zu lassen |
| Beobachten und behandeln | Kontrolle ohne Injektion; behandelt wird erst, wenn die Schichtaufnahme wieder Aktivität zeigt | Verlangt sehr zuverlässige, engmaschige Kontrollen — zwischen zwei Terminen bleibt neue Aktivität sonst unbemerkt |
Eine Gesamtzahl kann Ihnen zu Beginn niemand seriös nennen. Sie ergibt sich aus dem, was das Auge zeigt. Manche Menschen kommen nach der Aufsättigung über Jahre mit wenigen Injektionen aus, andere brauchen dauerhaft kurze Abstände. Wir sagen Ihnen bei jedem Termin, wie es weitergeht, und begründen jede Änderung des Intervalls — auch die Verlängerung, die sich zunächst wie ein Risiko anfühlen kann.
Und wann hört es auf? Die AMD ist eine chronische Erkrankung. Deshalb sind regelmässige Kontrollen wichtig, auch wenn die Injektionen seltener werden oder eine Zeit lang ganz pausieren. Ein Behandlungsende wird nicht nach Kalender festgelegt, sondern dann besprochen, wenn der Befund über längere Zeit ruhig geblieben ist oder wenn eine weitere Behandlung dem Auge nichts mehr bringt. Beides sagen wir Ihnen offen — auch das Zweite.
Termine, die stattfinden, sind Teil der Behandlung. Eine ausgefallene Injektion hinterlässt keine Lücke, die man später sieht; sie hinterlässt eine Lücke im Verlauf, an der später niemand sagen kann, wann die Aktivität zurückgekommen ist. Wenn ein Termin nicht passt, verschieben Sie ihn lieber, als ihn verfallen zu lassen: Termin online anfragen.
Risiken, Nebenwirkungen und die Zeichen danach
Die Injektionen erfolgen unter lokaler Betäubung und sind in der Regel gut tolerierbar. Die meisten Patientinnen und Patienten empfinden die Behandlung eher als unangenehm, aber nicht als schmerzhaft. Die modernen AMD-Therapien gelten als sehr sicher. Dennoch gilt: Kein medizinischer Eingriff ist ohne Risiko. Darüber informieren wir Sie offen und transparent, bevor eine Behandlung beginnt — und deshalb steht das hier und nicht im Kleingedruckten.
Häufig, harmlos, vorübergehend
- Reizung, Tränen, Fremdkörpergefühl für einige Stunden bis zu einem Tag — die häufigste Begleiterscheinung überhaupt, und meist eine Folge der Desinfektionslösung, nicht der Spritze.
- Eine Einblutung unter der Bindehaut, sichtbar als roter Fleck auf dem Weiss des Auges. Harmlos, schmerzlos, in der Regel in ein bis drei Wochen weg. Wenn Sie blutverdünnende Medikamente einnehmen, kommt sie häufiger vor und braucht eher länger — dass sie in der dritten Woche noch zu sehen ist, heisst nicht, dass etwas schiefgelaufen ist.
- Neue Punkte oder Schlieren im Blickfeld in den Tagen nach der Injektion, meist von kleinen Bläschen im Glaskörper.
- Verschwommenes Sehen für einige Stunden, unter anderem durch die Salbe und die Betäubung.
Selten — und der Grund für die Warnzeichen
Seltene Komplikationen können zum Beispiel Entzündungen oder Druckveränderungen im Auge sein. Die wichtigste davon ist eine Entzündung im Augeninneren. Sie ist selten, und sie wird sofort behandelt — aber sie ist auch die einzige Komplikation dieser Behandlung, die dem Auge dauerhaft schaden kann: Sie kann trotz sofortiger Behandlung bleibenden Sehverlust hinterlassen. Genau deshalb nennt diese Seite dreimal dieselben drei Zeichen, und genau deshalb zählt hier jeder Tag. Sie zeigt sich typischerweise in den ersten Tagen nach der Injektion mit einem Auge, das schmerzhafter, röter und schlechter wird statt besser. Genau das ist der Unterschied zum normalen Verlauf: Der normale Verlauf klingt ab.
- Ein Anstieg des Augeninnendrucks unmittelbar nach der Injektion, meist kurz und von selbst rückläufig; bei bekanntem Grünem Star gehört diese Diagnose in die Planung, weil dort auch kurze Druckspitzen mehr Gewicht haben. Bei vielen Injektionen über Jahre kann der Druck ausserdem dauerhaft ansteigen und dann eine eigene Behandlung nötig machen — deshalb wird er im Verlauf mitkontrolliert und nicht nur am Tag der Spritze.
- Eine Verletzung der Linse oder ein Riss in der Netzhaut — sehr selten, und der Grund für die festgelegte Einstichstelle und die vorgegebene Blickrichtung.
- Eine Blutung im Augeninneren, die das Sehen vorübergehend stark eintrübt.
- Fragen zum übrigen Körper. Ein Teil des Wirkstoffs gelangt in geringer Menge in den Kreislauf. Die Fachinformationen der Anti-VEGF-Präparate weisen deshalb auf arterielle thromboembolische Ereignisse hin — Schlaganfall und Herzinfarkt. Durchgemachte Ereignisse gehören darum in die Abwägung, und wie kurz ein solches Ereignis zurückliegt, bestimmt den Zeitpunkt mit: Kurz danach kann es ein Grund sein, die Behandlung anders zu terminieren, anders zu wählen oder das Vorgehen mit Ihrer Kardiologie oder Neurologie abzustimmen. Deshalb fragen wir danach — und deshalb ist das eine Entscheidung an Ihrem Befund, die diese Seite Ihnen nicht abnehmen kann. Sagen Sie uns solche Ereignisse mit dem Datum, wenn Sie es wissen.
Was Sie daraus mitnehmen sollen, ist keine Angst vor der Spritze, sondern eine Regel: Was in den Tagen nach einer Injektion besser wird, ist normal. Was schlechter wird, gehört noch am selben Tag angeschaut. Diese eine Unterscheidung ersetzt jede Liste — und sie ist der Grund, warum wir Ihnen bei jedem Termin sagen, wo Sie uns ausserhalb der Sprechzeiten erreichen.
Kontrollen zwischen den Spritzen: was gemessen wird und was es entscheidet
Die AMD ist eine chronische Erkrankung. Deshalb sind regelmässige Kontrollen wichtig, um den Verlauf zu überwachen und die Therapie bei Bedarf anzupassen. Die Kontrolle ist bei dieser Behandlung nicht das Beiwerk der Injektion — sie ist die Instanz, die über die nächste Injektion entscheidet.
- Die Sehschärfe zeigt die Funktion. Sie schwankt von Tag zu Tag und darf deshalb nicht allein gelesen werden — aber eine Reihe von Werten sagt sehr wohl etwas.
- Die Schichtaufnahme der Netzhaut (OCT) zeigt die Struktur: Flüssigkeit in oder unter der Netzhaut, die Dicke der Netzhautmitte, eine Abhebung. Sie erkennt neue Aktivität oft, bevor Sie selbst etwas bemerken, und sie ist gut vergleichbar, solange dasselbe Gerät verwendet wird.
- Die Untersuchung des Augenhintergrundes in Erweiterung der Pupille beurteilt, was ausserhalb des kleinen Ausschnitts der Schichtaufnahme passiert — auch am zweiten Auge. Die Tropfen brauchen rund 20 bis 30 Minuten und wirken danach mehrere Stunden nach: In dieser Zeit nicht selbst Auto fahren, in der Nähe unscharf sehen, lichtempfindlich sein. Das gilt auch an einem reinen Kontrolltermin, an dem gar nicht gespritzt wird — planen Sie die Rückfahrt also nicht nur an Injektionstagen.
- Wo es die Fragestellung verlangt, kommen weitere Verfahren dazu, etwa eine Darstellung der Netzhautgefässe oder die Fundus-Autofluoreszenz, die unsere Klinikleiterin mitentwickelt hat. Welche davon sinnvoll sind, entscheidet der Befund und nicht die Ausstattung.
Der Wert dieser Untersuchungen liegt in der Wiederholung. Eine einzelne Aufnahme sagt, wo Sie heute stehen; erst die Reihe sagt, ob sich etwas bewegt — und nur das entscheidet, ob das Intervall verlängert, gehalten oder verkürzt wird. Nach Möglichkeit dasselbe Gerät und dieselbe Fachperson: Bei dieser Erkrankung ist Vergleichbarkeit die halbe Diagnostik.
Das zweite Auge wird immer mitbeurteilt, auch wenn es beschwerdefrei ist. Eine feuchte AMD am einen Auge erhöht die Aufmerksamkeit für das andere, und das andere kompensiert im Alltagssehen so gut, dass eine Veränderung dort spät auffällt. Genau deshalb kommt im nächsten Abschnitt die Selbstkontrolle — jedes Auge einzeln.
Selbstkontrolle mit dem Amsler-Gitter
Zwischen zwei Terminen sind Sie die einzige Person, die eine Veränderung bemerken kann — und das Amsler-Gitter ist das Werkzeug dafür. Es ist ein quadratisches Linienraster mit einem Punkt in der Mitte. So wenden Sie es an: gegebenenfalls die Lesebrille aufsetzen, das Gitter auf etwa halbe Armlänge halten, ein Auge abdecken, mit dem offenen Auge den Mittelpunkt fixieren — und dann, ohne den Blick wandern zu lassen, das Raster ringsherum wahrnehmen. Wellige Linien, ein verbogenes Feld, eine graue Stelle oder ein fehlendes Stück sind auffällig. Danach das andere Auge, einzeln.
Ein Gitter samt Anleitung ist Teil unseres Online-Angebots: das Amsler-Gitter im kostenlosen Augen- & Lidcheck. Der Check ist ausdrücklich nicht-diagnostisch und ersetzt keine Untersuchung — er hilft Ihnen, eine Veränderung überhaupt zu bemerken und sie uns genauer zu beschreiben. Umgekehrt gilt: Ein unauffälliges Gitter ist keine Entwarnung. Es übersieht Veränderungen und ersetzt die Kontrolle nicht — die Termine bleiben also auch dann bestehen, wenn der Selbsttest zu Hause immer normal aussieht.
Wenn das Gitter neu verzogen aussieht oder eine Stelle fehlt: Das ist kein Fall für den nächsten freien Termin — melden Sie sich damit noch am selben Tag. Das gilt, bevor die Ursache feststeht: Hinter denselben Zeichen kann neben der feuchten AMD auch ein Makulaloch oder eine andere Veränderung der Netzhautmitte stecken, und die Unterscheidung trifft die Bildgebung. Rufen Sie uns an: +41 44 500 69 00.
Praktisch bewährt hat sich, den Test an einen festen Anker im Tag zu hängen — das Gitter an den Kühlschrank oder neben den Spiegel, geprüft wird beim Zähneputzen. Ein Wochentag im Kalender trägt weiter als der Vorsatz, «regelmässig» zu schauen. Und notieren Sie, was Ihnen auffällt: «Seit Dienstag ist die dritte Linie von oben verbogen» ist eine Information, mit der wir arbeiten können; «irgendwie schlechter» ist es weniger.
Was Sie selbst beeinflussen können — und was nicht
Bei der AMD gibt es wenige Stellschrauben in Ihrer Hand, und ausgerechnet die unspektakulärsten sind die wirksamsten. Alles andere entscheidet der Befund.
- Zu den Terminen kommen — bei einer laufenden Injektionstherapie ist das der wichtigste Punkt überhaupt. Die Behandlung wirkt in dem Rhythmus, in dem sie stattfindet.
- Nicht rauchen. Rauchen ist der stärkste beeinflussbare Risikofaktor der AMD. Ein Rauchstopp ist der einzige Punkt auf dieser Liste, der den Verlauf der Erkrankung selbst betrifft — und er lohnt sich in jedem Alter und in jedem Stadium.
- Blutdruck und Stoffwechsel im Blick behalten. Das gehört ohnehin zur Betreuung durch Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt; bei einer Netzhauterkrankung gibt es einen Grund mehr dafür. Besteht ein Diabetes, kommt eine zweite Netzhautfrage dazu — siehe Diabetes und Auge: Kontrollen, Befunde und Behandlung.
- Das Amsler-Gitter benutzen, jedes Auge einzeln, und Auffälligkeiten sofort melden statt beim nächsten regulären Termin zu erwähnen.
- Verwandte informieren. Wer Eltern oder Geschwister mit AMD hat, trägt ein höheres Risiko und sollte sich früher und regelmässiger untersuchen lassen — was dabei geprüft wird, steht unter Vorsorgeuntersuchung: eine AMD finden, bevor sie Beschwerden macht. Das ist der einzige Punkt dieser Liste, der jemand anderem hilft als Ihnen.
Zur Ernährung und zu Nahrungsergänzungsmitteln, ehrlich: Für Präparate nach der AREDS-Zusammensetzung gibt es Studien, und sie sind kein Scharlatanerie-Thema — aber sie sind auch nicht für jedes Stadium gedacht, sie ersetzen keine Behandlung, und für die Vorbeugung bei gesunden Augen taugen sie nicht. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob sie in Ihrem Stadium etwas bringen; sie sind eine Selbstzahlerleistung. Wenn Ihnen jemand ein Präparat als Ersatz für die Injektionen oder als Mittel gegen die feuchte AMD verkauft, ist das der Moment, uns zu fragen.
Und ein Sicherheitspunkt, der bei diesem Thema fast immer fehlt — gerade auf einer Seite, die zwei Absätze weiter oben zum Rauchstopp rät: Es gibt zwei Zusammensetzungen. Die ursprüngliche enthielt Betacarotin, das in den Studien bei Rauchenden und ehemals Rauchenden mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko einherging; die spätere Zusammensetzung (AREDS2) ersetzt es deshalb durch Lutein und Zeaxanthin. Wenn Sie rauchen oder geraucht haben, greifen Sie darum nicht zu einem betacarotinhaltigen Präparat, ohne es vorher besprochen zu haben — auf der Packung steht, was drin ist, und wir schauen es mit Ihnen an, wenn Sie unsicher sind.
Und was ehrlicherweise dazugehört: Für Augentraining, Sehschulungen und Geräte, die «die Makula regenerieren» sollen, gibt es keinen Beleg, dass sie den Verlauf einer AMD aufhalten. Wir raten Ihnen nicht davon ab, gesund zu leben — aber wir lassen niemanden in dem Glauben, das ersetze eine Behandlung.
Wenn die Behandlung nicht reicht — und was dann bleibt
Nicht jedes Auge spricht auf die Injektionen ausreichend an, und nicht jeder Befund lässt sich über die Jahre ruhig halten. Wenn die Schichtaufnahme trotz regelmässiger Behandlung aktiv bleibt oder sich das Intervall nie verlängern lässt, ist das kein Grund, einfach weiterzumachen wie bisher: Dann wird die Behandlung überprüft — der Wirkstoff, der Abstand, die Diagnose selbst. Manchmal steckt hinter einem hartnäckigen Befund eine andere Ursache als die AMD.
Und es gibt den Punkt, an dem eine weitere Injektion nichts mehr bringt. Ist die Netzhautmitte vernarbt, holt auch ein gut wirkendes Medikament das verlorene zentrale Sehen nicht zurück. Ob eine fortgesetzte Serie dann noch schützt, was rundherum liegt, oder nur noch eine Belastung ohne Gegenwert ist, ist genau die Frage — und wir sprechen sie an, statt sie zu umgehen. Ein Behandlungsende ist keine Kapitulation und kein Urteil über Ihr Sehvermögen; es ist die Feststellung, dass der Nutzen die Termine nicht mehr rechtfertigt. Sie entscheiden mit, und Sie können sich dafür Zeit nehmen.
Was danach bleibt, ist mehr, als viele erwarten. Das äussere Gesichtsfeld bleibt erhalten — Orientierung, Bewegung und Selbstständigkeit hängen daran. Für das zentrale Sehen gibt es vergrössernde Sehhilfen, Beleuchtung und Kontrastlösungen, Vorlesefunktionen und Beratungsangebote für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen. Das ist keine Trostkategorie, sondern eine eigene Fachrichtung, und wir stellen Ihnen die Unterlagen aus, die Sie für Hilfsmittel und Kostenträger brauchen.
Auch die Frage der Fahreignung gehört dazu, und wir sprechen sie von uns aus an, statt sie Ihnen zu überlassen. Sie ist unangenehm und sie ist wichtig; wir beurteilen sie am Befund und sagen Ihnen, was gilt — offen, aber ohne Sie mit dem Ergebnis allein zu lassen. Wer sich unsicher ist, ob das eigene Sehen zum Autofahren noch reicht, fragt uns — nicht sich selbst.
Der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin bleibt für Sie dieselbe Person — bei der Abklärung, bei den Kontrollen und in dem Gespräch, in dem entschieden wird, wie es weitergeht. Eine Behandlung über Jahre besteht nicht nur aus Spritzen, sondern auch daraus, dass jemand Ihren Verlauf kennt.
Kosten & Krankenkasse
Was bezahlt die Kasse — und was nicht?
Eine feuchte AMD ist eine Krankheit, und ihre Abklärung, Kontrolle und Behandlung sind Krankenbehandlungen. Bei medizinischer Indikation läuft das über die Grundversicherung; Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch — und weil beide an das Kalenderjahr gebunden sind, fallen sie bei einer Behandlung über Jahre in jedem dieser Jahre erneut an. Was nicht dazugehört, sagen wir Ihnen vorher, nicht auf der Rechnung; und wenn die Kosten Sie beschäftigen, sprechen Sie uns darauf an, bevor Sie einen Termin absagen.
| Leistung | Vergütung | Das heisst für Sie |
|---|---|---|
Makula-Abklärung: Untersuchung, Schichtaufnahme der Netzhaut (OCT), wo sinnvoll Fundus-Autofluoreszenz | Grundversicherung bei Indikation | Bei begründetem Verdacht, bei bekannter AMD und bei neu aufgetretenen Verzerrungen ist die Abklärung medizinisch indiziert und wird übernommen. Kommen Sie ohne Beschwerden und ohne Indikation zu einer reinen Vorsorgeuntersuchung, klären wir die Kostenfrage vorher mit Ihnen. |
Injektion ins Auge samt Medikament (Anti-VEGF, IVOM) | Grundversicherung bei Indikation | Bei gesicherter Indikation eine Pflichtleistung — auch dann, wenn die Behandlung über Jahre in Serien erfolgt. Welches Medikament Sie erhalten und warum, sagen wir Ihnen vor der Behandlung. Franchise und Selbstbehalt fallen in jedem Kalenderjahr an, in dem behandelt wird. |
Verlaufskontrollen zwischen den Injektionen | Grundversicherung | Engmaschig nach Ihrem ärztlichen Behandlungsplan. Die Kontrolle entscheidet über die nächste Injektion und ist deshalb Teil der Behandlung, nicht ein Zusatz dazu. |
Nahrungsergänzungsmittel nach AREDS-Zusammensetzung | Selbstzahlerleistung | Keine Pflichtleistung. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob sie in Ihrem Stadium etwas bringen — und sie ersetzen in keinem Stadium eine indizierte Behandlung. Für Rauchende und ehemals Rauchende ist ausserdem die Zusammensetzung entscheidend: kein betacarotinhaltiges Präparat ohne Rücksprache. |
Vergrössernde Sehhilfen und Hilfsmittel bei eingeschränktem Sehvermögen | An Bedingungen geknüpft | Ob und in welchem Umfang ein Hilfsmittel übernommen wird, hängt vom Kostenträger und von der Indikation ab. Wir stellen die Unterlagen aus, die dafür gebraucht werden, und sagen Ihnen vorher, womit erfahrungsgemäss zu rechnen ist. |
Komfort- und Wahlleistungen rund um eine Behandlung | An Bedingungen geknüpft | Freie Arzt- oder Spitalwahl und ähnliche Wünsche betreffen die Zusatzversicherung, nicht die Grundversicherung. Ob Ihre Police das trägt, sagt Ihnen Ihr Versicherer; fragen Sie vorher, nicht danach. |
Vor einer laufenden Behandlung erhalten Sie von uns eine verständliche Aufstellung dessen, was auf Sie zukommt — bevor Sie sich entscheiden. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihr aktuelles Injektionsschema noch passt, bringen Sie Ihre Vorbefunde mit; dann beurteilen wir das gemeinsam.
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Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann
Häufige Fragen
- Nein. Weder die trockene noch die feuchte Form lässt sich beseitigen, und wer Ihnen etwas anderes in Aussicht stellt, sagt Ihnen etwas Falsches. Bei der feuchten AMD lässt sich der Verlauf heute allerdings oft gut kontrollieren: Die Injektionen hemmen krankhafte Gefässneubildungen und können Flüssigkeit in der Netzhaut reduzieren und in vielen Fällen das Sehen stabilisieren — bei einem Teil der Behandelten wird es in den ersten Monaten auch wieder besser. Das ist eine Kontrolle über die Aktivität der Erkrankung, keine Beseitigung ihrer Ursache: Werden die Spritzen weggelassen, kann die Aktivität zurückkommen, und was an Netzhautmitte vernarbt ist, bleibt vernarbt. Für die trockene AMD gibt es derzeit keine heilende Therapie; hier geht es um regelmässige Kontrollen, um das Erkennen eines Übergangs in die feuchte Form und um das Umgehen mit dem, was an Sehvermögen da ist. Der Unterschied zwischen «nicht heilbar» und «nicht behandelbar» ist bei der AMD gross — und er entscheidet sich daran, ob Sie rechtzeitig kommen.
- Zu Beginn meist monatlich: Üblich ist eine Aufsättigung mit mehreren Injektionen in kurzen, festen Abständen, damit der Befund überhaupt erst zur Ruhe kommt. Danach wird das Intervall an Ihren Verlauf angepasst — bei ruhiger Netzhaut wird es schrittweise verlängert, zeigt die Schichtaufnahme wieder Flüssigkeit, wird es wieder verkürzt. Dieses Vorgehen heisst «treat and extend», und es ist der Grund, warum niemand Ihnen zu Beginn eine Gesamtzahl nennen kann: Die Zahl der Injektionen ergibt sich aus dem, was das Auge zeigt, nicht aus einem Plan, der am ersten Tag geschrieben wird. Ehrlich dazu gehört: Bei vielen Betroffenen geht die Behandlung über Jahre, und manche brauchen dauerhaft Kontrollen und wiederholte Injektionen. Das ist keine schlechte Nachricht über Ihren Befund, sondern die Natur einer chronischen Erkrankung — dasselbe gilt für einen erhöhten Blutdruck. Wir behandeln so oft wie nötig und so selten wie möglich, und jede Verlängerung des Intervalls wird mit Ihnen besprochen, nicht über Sie hinweg entschieden.
- Die Vorstellung ist für die meisten Menschen deutlich schlimmer als der Termin. Das Auge wird vorher gründlich mit Tropfen betäubt, die Injektion selbst dauert Sekunden, und was die meisten beschreiben, ist ein kurzer Druck — unangenehm, aber nicht das, was sie erwartet hatten. Ein Versprechen, dass Sie nichts spüren, geben wir trotzdem nicht: Einzelne empfinden den Moment als schmerzhaft, und in den Stunden danach ist das Auge oft gereizt, es tränt, es fühlt sich an, als wäre ein Sandkorn darin. Das kommt von der Desinfektionslösung und dem kleinen Einstich an der Lederhaut und klingt in der Regel über Nacht ab. Ein roter Fleck auf dem Weiss des Auges gehört ebenfalls zu den harmlosen Begleiterscheinungen; er sieht dramatischer aus, als er ist, und verschwindet in der Regel innert ein bis drei Wochen von selbst — unter blutverdünnenden Medikamenten eher am längeren Ende. Was dagegen nicht dazugehört: zunehmende statt abklingende Schmerzen, ein zunehmend rotes Auge oder deutlich schlechteres Sehen in den Tagen nach der Injektion. Damit melden Sie sich sofort, nicht beim nächsten Termin.
- Bei der feuchten AMD ist das die Frage mit der klarsten Antwort auf dieser Seite: Unbehandelt kann das zentrale Sehen innert Wochen bis Monaten stark abnehmen, weil undichte Gefässe weiter Flüssigkeit in die Netzhautmitte abgeben und das Gewebe dort schliesslich vernarbt. Eine Narbe in der Makula ist der Punkt, an dem auch eine später begonnene Behandlung nichts mehr zurückholt — sie kann dann nur noch das verhindern, was ohne sie zusätzlich passieren würde. Deshalb ist bei der feuchten Form der Zeitpunkt der ersten Behandlung so wichtig, und deshalb sagen wir bei neu aufgetretenen Verzerrungen: heute anrufen, nicht auf den nächsten freien Routinetermin warten. Bei der trockenen AMD ist der Verlauf langsamer und die Antwort eine andere: Hier gibt es keine Behandlung, die man versäumen könnte, aber es gibt einen Übergang in die feuchte Form, der sich nur bemerken lässt, wenn kontrolliert wird. Wer die Kontrollen ausfallen lässt, verliert nicht Behandlung, sondern Zeit — und Zeit ist bei der feuchten AMD genau das, was zählt.
- Zur ersten Frage: Oft zeigt sich bereits nach kurzer Zeit eine Stabilisierung. Was sich zuerst bewegt, ist dabei meist der Befund und nicht das Sehempfinden — die Schichtaufnahme zeigt Veränderungen häufig früher, als Sie selbst etwas merken, und deshalb ist die Kontrolle nach den ersten Injektionen so wichtig. Zur zweiten Frage: In manchen Fällen ja — häufig ist aber das Ziel vor allem die Stabilisierung, und mit dieser Erwartung fahren Sie ehrlicher. Wenn Flüssigkeit aus der Netzhautmitte zurückgeht, kann sich die Sehschärfe in den ersten Monaten der Behandlung verbessern; verzerrte Linien können gerader werden. Ob das bei Ihnen eintritt, hängt vor allem davon ab, wie viel funktionsfähiges Gewebe in der Makula noch vorhanden ist, als die Behandlung begann. Ist die Netzhautmitte bereits vernarbt oder ausgedünnt, bringt auch eine gut wirkende Therapie das verlorene Sehen nicht zurück — sie schützt dann das, was noch da ist. Genau darum ist die erste Frage nie «wie viel wird besser», sondern «wie schnell fangen wir an». Und es gibt einen zweiten Grund, die Erwartung nüchtern zu halten: Ein gutes Ergebnis kann auch bedeuten, dass sich über Jahre nichts verändert. Das fühlt sich nach wenig an, wenn man monatlich zur Injektion kommt — und ist bei dieser Erkrankung ein Erfolg.
- Die Abklärung, die Verlaufskontrollen und die Injektionstherapie bei einer feuchten AMD sind Krankenbehandlungen und werden bei medizinischer Indikation über die Grundversicherung abgerechnet — das Medikament ebenso wie der Eingriff. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch, und dazu gehört ein Punkt, der bei einer Dauerbehandlung wichtiger ist als jeder andere: Beide sind an das Kalenderjahr gebunden und beginnen am 1. Januar wieder von vorn. Bei einer Behandlung, die über Jahre läuft, fallen Franchise und Selbstbehalt also in jedem dieser Jahre erneut an — nicht einmal am Anfang und dann nie wieder. Wie schnell die Franchise innerhalb eines Jahres erreicht ist, hängt davon ab, wie viele Termine in dieses Jahr fallen und wie hoch Sie Ihre Franchise gewählt haben. Nicht über die Grundversicherung laufen Nahrungsergänzungsmittel sowie Komfort- und Wahlleistungen rund um einen Eingriff, die eine Zusatzversicherung betreffen. Bei vergrössernden Sehhilfen hängt die Übernahme vom Kostenträger und von der Indikation ab — wir stellen die Unterlagen aus, die dafür gebraucht werden, und sagen Ihnen vorher, was erfahrungsgemäss gedeckt ist und was nicht. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir vor der Behandlung mit Ihnen ab, nicht auf der Rechnung. Und wenn die Kosten Sie beschäftigen: Sagen Sie es uns, bevor Sie einen Termin absagen. Über die Kostenfrage lässt sich reden, ein versäumtes Injektionsintervall lässt sich nicht zurückholen.
- Vier Dinge, und keines davon ist ein Ersatz für eine Therapie, die es nicht gibt. Erstens die Verlaufskontrolle: Sie ist der einzige Weg, einen Übergang in die feuchte Form früh genug zu bemerken, und sie ist bei der trockenen AMD die eigentliche Behandlung. Zweitens die Selbstkontrolle mit dem Amsler-Gitter, jedes Auge einzeln — sie ersetzt keine Untersuchung, aber sie macht eine neue Verzerrung überhaupt erst bemerkbar. Drittens die Risikofaktoren, und dort steht das Rauchen an erster Stelle: Es ist der stärkste beeinflussbare Risikofaktor der AMD, und ein Rauchstopp ist der einzige Punkt auf dieser Liste, der den Verlauf selbst betrifft. Viertens der Umgang mit dem, was ist: Beleuchtung, Kontrast, vergrössernde Sehhilfen, Vorlesefunktionen. Zu Nahrungsergänzungsmitteln nach der AREDS-Zusammensetzung sagen wir Ihnen ehrlich, was sie in Ihrem Stadium können und was nicht — sie sind eine Selbstzahlerleistung, und sie sind nicht für jedes Stadium sinnvoll. Wichtig, wenn Sie rauchen oder geraucht haben: Die ursprüngliche AREDS-Zusammensetzung enthält Betacarotin, das für diese Gruppe nicht geeignet ist; die spätere Zusammensetzung ersetzt es durch Lutein und Zeaxanthin. Fragen Sie uns, bevor Sie ein Präparat kaufen.
- Das wird individuell entschieden, und die Entscheidung fällt nicht nach Bequemlichkeit, sondern nach Sicherheit. Ist an beiden Augen eine feuchte AMD aktiv, ist eine Behandlung beider Augen am selben Termin grundsätzlich möglich und wird vielerorts so gehandhabt — mit getrenntem Material, getrennter Vorbereitung und getrennter Desinfektion für jedes Auge, damit eine Komplikation nicht beide Augen gleichzeitig treffen kann. Dagegen sprechen können der Zustand des zweiten Auges, Ihre bisherige Verträglichkeit, die Frage, wie Sie nach dem Termin nach Hause kommen, und schlicht die Belastung: Zwei Injektionen an einem Tag sind für manche Menschen ein Termin weniger, für andere ein Termin zu viel. Wir besprechen das mit Ihnen, bevor der erste Termin steht, und ändern es auch wieder, wenn sich zeigt, dass der andere Weg für Sie besser passt.
Bei der feuchten AMD entscheidet die Zeit bis zur ersten Behandlung mit.
Wenn gerade Linien neu verbogen aussehen oder in der Bildmitte ein grauer Fleck steht, warten Sie nicht auf den nächsten freien Routinetermin. Rufen Sie an — und wenn Sie zu einem laufenden Injektionsschema eine zweite Meinung möchten, ist das ein vernünftiges Anliegen, kein heikles.
+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Oder Termin online anfragen.
