Sehklinik

Fehlsichtigkeit

Alterssichtigkeit — wenn die Arme zu kurz werden, und was dagegen hilft

«Die Arme sind zu kurz geworden.» So beschreiben es die meisten: Die Speisekarte rückt weg, im Restaurant ist das Licht plötzlich zu schwach, und die Dosierung auf der Packungsbeilage lässt sich nur noch mit gestrecktem Arm entziffern. Dahinter steckt fast immer die Alterssichtigkeit — keine Erkrankung, sondern ein Alterungsvorgang der Augenlinse, der ab etwa Mitte vierzig jeden Menschen erreicht. Ausgleichen lässt er sich auf mehreren Wegen. Welcher zu Ihnen passt, entscheidet weniger die Technik als Ihr Alltag.

Was bei Alterssichtigkeit im Auge passiert

Ein gesundes Auge stellt scharf, indem es seine Linse verformt. Beim Blick in die Ferne ist die Linse flach; wandert der Blick in die Nähe, spannt sich ein ringförmiger Muskel an, die Aufhängefasern der Linse entspannen sich, und die Linse wölbt sich stärker. Ihre Brechkraft steigt, und das Bild eines nahen Gegenstands landet wieder genau auf der Netzhaut. Dieser Vorgang heisst Akkommodation, und er läuft so selbstverständlich ab, dass die meisten Menschen erst dann von ihm erfahren, wenn er nicht mehr reicht.

Und genau das passiert. Die Augenlinse wächst ein Leben lang weiter, Schicht um Schicht, und wird dabei dichter und fester. Was nachlässt, ist deshalb nicht die Kraft des Muskels, sondern die Verformbarkeit der Linse: Der Muskel zieht, und die Linse gibt immer weniger nach. Der Punkt, an dem Sie noch scharf sehen, rückt weg — erst unmerklich, dann bis an die Grenze Ihrer Armlänge, und schliesslich darüber hinaus.

Der medizinische Name dafür ist Presbyopie, aus dem Griechischen für «Alter» und «Auge». Umgangssprachlich hört man auch Altersweitsichtigkeit. Gemeint ist dieselbe Sache, aber das Wort führt in die Irre: Mit der Weitsichtigkeit hat sie nichts zu tun — dort geht es um den Bau des Auges, hier um die Elastizität einer einzigen Struktur darin. Warum diese Unterscheidung im Alltag zählt, steht weiter unten.

Der wichtigste Satz zuerst: Alterssichtigkeit ist keine Erkrankung des Auges und kein Zeichen dafür, dass etwas schiefgelaufen ist. Sie betrifft ausnahmslos alle Menschen — auch die, die ihr Leben lang ohne Brille zurechtkamen. Darin unterscheidet sie sich von den übrigen Formen der Fehlsichtigkeit: Diese hat man oder hat man nicht, die Alterssichtigkeit dagegen erreicht jeden. Einen Überblick über die übrigen und über die Wege, sie auszugleichen, gibt unsere Übersicht zu Fehlsichtigkeit und ihren Korrekturwegen.

Ein Sonderfall verdient eine eigene Zeile, weil er so oft für Verwirrung sorgt: Wer kurzsichtig ist und die Nähe deshalb länger scharf behält, merkt die Alterssichtigkeit später oder kaum — die Kurzsichtigkeit gleicht den fehlenden Nahanteil eine Weile aus, weshalb viele Kurzsichtige zum Lesen einfach die Brille abnehmen. Verschont sind sie nicht; sie haben nur eine eingebaute Lesebrille, die ihnen niemand wegnehmen sollte, ohne vorher darüber gesprochen zu haben.

Woran Sie Alterssichtigkeit erkennen

Die Beschwerden sind so gleichförmig, dass sich viele Menschen selbst diagnostizieren — meist zu Recht. Typisch ist:

  • Der Leseabstand wächst. Speisekarte, Beipackzettel und Handydisplay wandern nach vorn, bis der Arm nicht mehr reicht.
  • Kleine Schrift bei schwachem Licht zuerst. Am Fenster geht es noch, im Restaurant am Abend nicht mehr.
  • Ermüdung nach dem Lesen — Brennen, ein Druck über den Brauen, ein dumpfer Kopfschmerz am späten Nachmittag.
  • Verzögertes Umstellen vom Buch auf die Uhr an der Wand und zurück.
  • Abends schlechter als morgens, weil die knapp gewordene Reserve nach einem langen Tag noch knapper ist.
  • Beide Augen gleichermassen, langsam über Jahre, ohne Schmerz und ohne Rötung. Kleine Seitenunterschiede sind normal, wenn Ihre Brillenwerte sich ohnehin unterscheiden — neu aufgetretene Einseitigkeit ist es nicht.

Der zeitliche Verlauf ist ebenso charakteristisch: Es beginnt um Mitte vierzig, nimmt über die folgenden Jahre zu und kommt etwa zwischen dem 60. und 65. Lebensjahr zum Stillstand, weil dann nichts mehr nachlässt, was nachlassen könnte. Praktisch heisst das: Die ersten Lesebrillen halten selten lange, die späteren dafür umso länger.

Ebenso charakteristisch ist das Alter, und dieser Punkt wird oft übersehen: Wer deutlich vor dem 40. Lebensjahr in der Nähe nicht mehr zurechtkommt, ist nicht alterssichtig. Dann steckt etwas anderes dahinter, und das gehört gemessen statt mit einer Lesebrille überdeckt — die Möglichkeiten stehen unten unter Warnzeichen.

Was ebenfalls nicht zur Alterssichtigkeit gehört: eine Verschlechterung innerhalb von Tagen, verzerrte Linien, ein grauer Fleck in der Bildmitte, Schmerz, ein rotes Auge, neue Doppelbilder oder ein Befund, der neu und nur an einem Auge auftritt. Diese Zeichen sind unten aufgeführt — sie gehören nicht zur Brillenberatung, sondern zur Untersuchung.

Alterssichtigkeit oder Weitsichtigkeit?

Kaum eine Frage stellen uns Patientinnen und Patienten häufiger, und das aus gutem Grund: Wer erklärt bekommt, er sei «altersweitsichtig», hört ein Wort, das nach Weitsichtigkeit klingt und keine ist. Die beiden haben nichts miteinander zu tun, und welche von beiden vorliegt, entscheidet darüber, was auf dem Rezept steht — und ab welchem Alter der Befund überhaupt zusammenpasst.

Weitsichtigkeit ist ein Bauverhältnis

Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von Augenlänge und Brechkraft: Das Auge ist im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz, das scharfe Bild entstünde hinter der Netzhaut. Das ist von Geburt an angelegt und ändert sich nach dem Wachstum kaum noch. Ein Zwanzigjähriger kann weitsichtig sein, ein Kind ebenso — und weil junge Augen noch viel Akkommodation übrig haben, gleichen sie den Fehler oft jahrelang unbemerkt aus. Wie das im Einzelnen aussieht, warum es bei Kindern anders zu bewerten ist und womit es korrigiert wird, steht auf der eigenen Seite: Weitsichtigkeit — Ursachen, Anzeichen und Korrektur im Detail.

Alterssichtigkeit ist eine Alterung der Linse

Hier spielt der Bau des Auges keine Rolle. Der Vorgang kommt zu jeder Ausgangslage hinzu, bei Kurzsichtigen wie bei Normalsichtigen, und er lässt sich nicht dadurch vermeiden, dass man bisher keine Brille brauchte. Was schrumpft, ist der Bereich, in dem überhaupt scharfgestellt werden kann — die Ferne bleibt davon unberührt.

Die Faustregel — und wo sie endet

Die brauchbare Kurzfassung lautet: Wer schon in jungen Jahren beim Lesen rasch ermüdete oder eine Plusbrille brauchte, ist weitsichtig; wer bis Mitte vierzig mühelos alles sah und nun den Arm ausstrecken muss, wird alterssichtig. Das trifft meistens zu und hilft beim Einordnen. Die Umkehrung gilt allerdings strenger, als die Faustregel klingt: Nahbeschwerden deutlich vor dem 40. Lebensjahr sind keine Alterssichtigkeit, auch wenn sie sich genau so anfühlen.

Es hilft nur nicht immer, aus drei Gründen. Erstens kommt beides zusammen vor, und zwar häufig — dann addieren sich die Werte, statt sich abzulösen. Zweitens spüren Weitsichtige die Alterssichtigkeit früher als andere: Ein Teil ihrer Reserve war bereits dafür verbraucht, den eigenen Baufehler auszugleichen, und geht sie zur Neige, fehlt sie doppelt. Und drittens gibt es Ursachen für unscharfes Nahsehen, die mit beidem nichts zu tun haben — ein beginnender Grauer Star, eine unruhige Augenoberfläche bei trockenen Augen oder, seltener, eine Veränderung an der Stelle des schärfsten Sehens.

Auseinanderhalten lassen sich diese Möglichkeiten nicht am Gefühl, sondern an der Messung — und die dauert weniger lange, als die meisten befürchten.

Korrektur mit Brille und Kontaktlinsen

Alle Korrekturen für die Nähe machen dasselbe: Sie liefern die Brechkraft nach, die die Linse nicht mehr aufbringt. Sie unterscheiden sich darin, wo sie das tun und wie viele Entfernungen sie gleichzeitig bedienen — und darin, was Sie dafür in Kauf nehmen.

Lesebrille

Die einfachste Lösung und für viele die passendste: ein Glas für eine Entfernung, optisch ruhig, günstig, jederzeit änderbar. Der Preis ist die Reichweite — mit einer reinen Lesebrille sehen Sie in die Ferne unscharf, was beim Aufblicken stört. Wer nur zum Zeitunglesen eine Brille braucht, kommt damit meist bestens zurecht.

Zur fertigen Brille aus dem Regal sagen wir nichts Abwertendes: Als Zweitbrille ist sie brauchbar. Sie hat aber auf beiden Seiten dieselbe Stärke, einen fest eingestellten Augenabstand, und sie kann weder eine Hornhautverkrümmung noch einen Unterschied zwischen Ihren Augen ausgleichen. Wer sie über Stunden trägt und nicht versteht, warum das Lesen anstrengt, findet die Erklärung meist genau dort.

Gleitsichtbrille

Ein Glas, in dem die Stärke von oben nach unten zunimmt: oben die Ferne, in der Mitte der Zwischenbereich, unten die Nähe. Das ist die bequemste Lösung für Menschen, die ohnehin ständig eine Brille tragen. Sie verlangt eine Eingewöhnung, denn die seitlichen Zonen sind unscharf, und man lernt, den Kopf zu drehen statt nur die Augen. Treppen, Bordsteine und der Blick auf die eigenen Füsse fühlen sich in den ersten Wochen ungewohnt an. Diese Eingewöhnung gelingt den allermeisten Menschen — wichtig ist, sie nicht abzubrechen und die Brille nicht «nur zum Lesen» zu benutzen.

Arbeitsplatz- und Bildschirmbrille

Der Bildschirm liegt weiter weg als ein Buch und näher als die Wand — also genau dort, wo eine Gleitsichtbrille den schmalsten Teil ihres Glases hat. Wer viele Stunden am Computer arbeitet, sitzt deshalb häufig mit erhobenem Kinn da und spürt das abends im Nacken. Eine Arbeitsplatzbrille bedient stattdessen den Bereich zwischen Tastatur und Bildschirm grosszügig und verzichtet auf die Ferne. Sie ersetzt die Alltagsbrille nicht, sie entlastet den Arbeitstag.

Kontaktlinsen und Monovision

Auch mit Kontaktlinsen lässt sich die Nähe bedienen. Multifokale Linsen verteilen das Licht auf mehrere Entfernungen; bei der Monovision wird ein Auge auf die Ferne und das andere auf die Nähe eingestellt, und das Gehirn wählt aus. Beides funktioniert für einen Teil der Menschen sehr gut und für einen anderen Teil nicht — das lässt sich nicht vorhersagen, sondern nur ausprobieren, weshalb an dieser Stelle eine Trageprobe zur Anpassung gehört.

Der Preis gehört vor die Trageprobe, nicht danach: Eine dauerhafte Ungleichheit zwischen den Augen kostet räumliches Sehen, und multifokale Optiken kosten Kontrast. Beides fällt am ehesten bei Nachtfahrten auf — Blendung, Lichthöfe um Scheinwerfer, ein Abstand, der sich schlechter einschätzen lässt. Wer beruflich oder viel im Dunkeln fährt, sollte das ausdrücklich ansprechen, damit die Trageprobe genau diese Situation abdeckt und nicht nur den Schreibtisch.

Die Grenze setzt fast immer die Augenoberfläche. Ab der Lebensmitte nehmen Beschwerden durch einen instabilen Tränenfilm und trockene Augen zu, und das macht jede Linse abends unbequem und jede multifokale Optik zusätzlich unruhig. Hier lohnt es sich, zuerst die Oberfläche zu behandeln und erst danach über Linsen zu sprechen. Und unabhängig davon gilt die Regel für alle Linsentragenden: rotes oder schmerzendes Auge heisst Linse heraus und Anruf am selben Tag.

Wenn die Linse selbst zum Thema wird

Weil die Alterssichtigkeit von der Linse kommt, ist die Linse der einzige Ort, an dem sich etwas an der Ursache ändern lässt. Ob das sinnvoll ist, hängt entscheidend von einer Frage ab, die nichts mit dem Lesen zu tun hat: Ist Ihre eigene Linse noch klar?

Wenn die Linse ohnehin getrübt ist

Trübt sich die Linse ein — der Graue Star —, steht die Operation aus medizinischem Grund an, und die getrübte Linse wird durch eine klare Kunstlinse ersetzt. Deren Stärke lässt sich so wählen, dass sie eine bestehende Fehlsichtigkeit gleich mit ausgleicht; eine Hornhautverkrümmung kann über eine torische Linse berücksichtigt werden. Wer also in der zweiten Lebenshälfte über die Nähe nachdenkt und gleichzeitig eine beginnende Trübung hat, sollte nicht zwei Eingriffe planen, sondern einen. Wie eine Linsenoperation beim Grauen Star bei uns abläuft, steht ausführlich auf der Behandlungsseite — einschliesslich Vorbereitung, Nachkontrollen und der Frage nach dem Nachstar, der sich Monate bis Jahre später zeigen kann.

Wenn die Linse klar ist: der refraktive Linsenaustausch

Technisch ist es derselbe Eingriff, medizinisch eine andere Situation: Hier wird eine klare Linse entfernt, allein um die Brechkraft zu ändern. Zwei Dinge sind dann anders zu gewichten. Erstens ist der Verlust der Akkommodation kein Argument mehr, wenn sie ohnehin aufgebraucht ist — bei jüngeren Menschen dagegen sehr wohl. Zweitens bleibt es eine Operation im Auge, mit den Risiken einer Operation im Auge, und bei kurzsichtigen Augen steigt danach zusätzlich das Risiko einer Netzhautablösung. Rückgängig macht man eine implantierte Linse nur mit einem weiteren Eingriff.

Einen Linsenaustausch an einer klaren Linse — also einen Eingriff, dessen einziger Zweck die Brillenkorrektur ist — führen wir in der Sehklinik nicht selbst durch. Was wir übernehmen, ist dasselbe wie bei den Laserverfahren: die vollständige Abklärung und eine ehrliche Einordnung — ob Ihre Linse bereits verändert ist, ob Hornhaut, Tränenfilm und Netzhaut die Voraussetzungen erfüllen, und ob ein Eingriff in Ihrer Situation überhaupt das Richtige wäre. Kommt er infrage und wollen Sie ihn, nennen wir Ihnen eine geeignete Stelle und begleiten Sie augenärztlich weiter. Kommt er nicht infrage, sagen wir Ihnen das ebenso deutlich und begründen es mit dem Befund.

Welche Kunstlinse für welche Entfernung

Diese Frage stellt sich in aller Regel im ersten der beiden Fälle — bei der Operation des Grauen Stars, die wir selbst durchführen. Es stehen verschiedene Linsentypen zur Verfügung, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viele Entfernungen sie gleichzeitig bedienen:

  • Standardlinse (monofokal) — eine Entfernung wird scharf, meist die Ferne; für die Nähe bleibt eine Lesebrille. Optisch die ruhigste Lösung und der Normalfall zulasten der Grundversicherung.
  • Linsen mit erweitertem Sehbereich — sie dehnen den scharfen Bereich aus, statt zwei getrennte Brennpunkte zu erzeugen. Der Zwischenbereich gewinnt, das Kleingedruckte braucht oft trotzdem noch eine Brille.
  • Mehrstärkenlinsen (multifokal) — sie verteilen das einfallende Licht auf mehrere Entfernungen. Für viele Menschen funktioniert das gut; möglich sind aber Lichthöfe um Lichtquellen bei Nacht und ein weicherer Kontrast.
  • Torische Linsen — sie korrigieren zusätzlich eine Hornhautverkrümmung und werden mit den anderen Bauformen kombiniert.

Der ehrliche Rahmen dazu: Keine Kunstlinse akkommodiert. Was sich planen lässt, ist eine Verteilung — welche Entfernung ohne Brille auskommen soll und welche nicht. Nicht jedes Auge eignet sich für jede Bauform; Befunde an der Netzhautmitte, eine unregelmässige Hornhaut oder ein instabiler Tränenfilm sprechen gegen die anspruchsvolleren Optiken. Das ist ein Gespräch vor dem Eingriff, kein Zusatz auf dem Kostenvoranschlag.

Laserverfahren: was sie können, und was nicht

Refraktive Laserchirurgie führen wir in der Sehklinik nicht selbst durch. Was bei uns stattfindet, ist die vollständige Voruntersuchung, die Einschätzung Ihrer Eignung — ohne wirtschaftliches Interesse im Rücken — und die augenärztliche Begleitung der Entscheidung, in welche Richtung sie auch ausfällt. Fällt sie für einen Eingriff aus, nennen wir Ihnen eine geeignete Stelle und übernehmen auf Wunsch die Kontrollen danach. Sie müssen sich die weiteren Schritte also nicht selbst zusammensuchen.

Für die Alterssichtigkeit ist die entscheidende Einsicht anatomisch: Ein Laser verändert die Hornhaut, also die Brechkraft ganz vorne. Die nachlassende Verformbarkeit sitzt aber in der Linse, ein Stück weiter hinten. Daraus folgt der Satz, der in kaum einem Prospekt steht: Ein Hornhauteingriff hält die Alterssichtigkeit nicht auf — sie schreitet darunter weiter fort. Wer sich mit vierzig die Ferne korrigieren lässt, braucht einige Jahre später trotzdem eine Lesebrille.

Was Laserverfahren stattdessen versuchen, ist eine Umverteilung: eine gezielte Ungleichheit zwischen beiden Augen — dieselbe Idee wie bei der Monovision mit Kontaktlinsen — oder ein Hornhautprofil, das mehrere Entfernungen zugleich bedient. Beides sind Kompromisse mit einem Preis, der vor der Entscheidung auf den Tisch gehört: Kontrast, Sehen in der Dämmerung und der räumliche Eindruck können darunter leiden, und ein Teil der Menschen verträgt eine dauerhafte Ungleichheit zwischen den Augen schlecht. Deshalb wird sie sinnvollerweise erst mit Kontaktlinsen ausprobiert, bevor irgendetwas Bleibendes geschieht.

Und es gibt Konstellationen, in denen wir von einem Hornhauteingriff abraten: eine zu dünne oder unregelmässige Hornhaut, ein Verdacht auf einen Keratokonus, schwankende Werte, eine instabile Augenoberfläche oder eine Linse, die ohnehin schon eintrübt. Im letzten Fall wäre der Eingriff nicht falsch gemacht, sondern am falschen Ort — die Frage ist dann nicht die Hornhaut, sondern die Linse.

Wie wir Ihre Nahwerte bestimmen

Die Alterssichtigkeit selbst festzustellen ist einfach. Die Arbeit besteht darin, den richtigen Zusatz für Ihren tatsächlichen Alltag zu finden — und alles auszuschliessen, was sich dahinter verstecken kann. Dazu gehört:

  • Die Ferne zuerst. Der Nahwert baut auf dem Fernwert auf; wer den Fernanteil überspringt, misst den Zusatz auf einer falschen Grundlage. Wie eine solche Bestimmung abläuft, steht unter Sehtest.
  • Der Nahzusatz an Ihrem echten Arbeitsabstand. Deshalb die Bitte, mitzubringen, was Sie wirklich lesen — Buch, Noten, Handy, Werkstück. «Nähe» ist bei einer Cellistin eine andere Entfernung als bei einem Goldschmied.
  • Die Linse an der Spaltlampe. Eine beginnende Trübung ändert die Beratung grundlegend, auch wenn sie noch keine eigene Behandlung braucht.
  • Tränenfilm und Augenoberfläche. Ein unruhiger Tränenfilm erzeugt genau die Beschwerden, die man der Lesebrille zuschreibt — und er entscheidet darüber, ob Kontaktlinsen überhaupt in Frage kommen.
  • Augeninnendruck, Sehnervenkopf und Netzhaut je nach Befund. Das Lebensjahrzehnt der ersten Lesebrille ist auch das, in dem ein Grüner Star erstmals auffällt — ohne dass er Beschwerden macht.

Genau deshalb ist der Termin für die Lesebrille oft der Anlass, bei dem etwas anderes gefunden wird. Welche Untersuchungen in diesem Lebensabschnitt zusammenkommen und in welchen Abständen sie sinnvoll sind, beschreibt unsere Übersicht der augenärztlichen Untersuchungen.

Was Sie mitbringen sollten: alle Brillen, die Sie aktuell benutzen, samt Brillenpässen; eine Liste Ihrer Medikamente; und wenn Sie Kontaktlinsen tragen, lassen Sie diese vor der Messung möglichst einige Stunden weg — sie verändern die Hornhaut vorübergehend und damit auch die gemessenen Werte.

Und planen Sie den Rückweg ohne Auto, falls für die Beurteilung des Augenhintergrunds die Pupille erweitert wird. Sie sehen dann mehrere Stunden lang in der Nähe unscharf und sind stark blendempfindlich; öffentlicher Verkehr, eine Abholung und eine Sonnenbrille in der Tasche sind die einfache Lösung. Sehr selten löst die Erweiterung bei sehr engem Kammerwinkel einen Glaukomanfall aus: Wenn in den Stunden nach dem Termin das Auge stark schmerzt, rot wird, hart wirkt, Sie Farbringe um Lichtquellen sehen oder Ihnen übel wird, rufen Sie sofort an — ausserhalb der Sprechzeiten den augenärztlichen Notfalldienst oder die Notfallstation einer Augenklinik, nicht bis zum nächsten Tag warten.

Wann es keine Alterssichtigkeit ist

Alterssichtigkeit ist beidseitig, schleichend, schmerzlos, betrifft nur die Nähe und beginnt ab Mitte vierzig. Alles, was von diesem Muster abweicht, ist etwas anderes und gehört untersucht — die Frage ist nur, wie schnell. Deshalb drei Stufen statt einer Liste.

Sofort, auch nachts und am Wochenende

Diese drei Konstellationen warten nicht bis zum nächsten freien Termin und nicht bis zum Morgen. Sie stehen ausdrücklich auf dieser Seite, weil sie genau in dem Lebensabschnitt häufiger werden, in dem auch die Alterssichtigkeit beginnt — und weil bei ihnen nicht Tage, sondern Stunden über den Ausgang entscheiden.

  • Plötzlicher Sehverlust auf einem Auge — vor allem zusammen mit Kopfschmerz, Schmerzen beim Kauen, Sprach-, Sprech- oder Lähmungserscheinungen. Das gehört nicht in unsere Sprechstunde, sondern auf die Notfallstation: rufen Sie den Rettungsdienst (144). Dahinter kann ein Gefässverschluss oder eine Gefässentzündung stecken, bei denen Minuten und Stunden zählen. Das gilt ausdrücklich auch dann, wenn es wieder vergangen ist: Ein Vorhang, der über Minuten von oben herunterzieht und dann verschwindet, ist kein Grund zur Entwarnung, sondern ein Warnzeichen, das noch in derselben Stunde in die Notfallstation gehört.
  • Heftiger Augen- oder Kopfschmerz mit Übelkeit, rotem Auge, hart wirkendem Augapfel und Farbringen um Lampen — das kann ein akuter Glaukomanfall sein. Der Augeninnendruck steigt dabei plötzlich sehr stark an und schädigt den Sehnerv innerhalb von Stunden. Behandelt gehört das innert Stunden, nicht am nächsten Tag — ausserhalb unserer Sprechzeiten über den augenärztlichen Notfalldienst oder direkt auf der Notfallstation einer Augenklinik.
  • Neue Doppelbilder, die verschwinden, sobald Sie ein Auge zuhalten — besonders mit Schielstellung, hängendem Lid, ungleich grossen Pupillen, Kopfschmerz oder Schwindel. Hier stehen die beiden Augen nicht mehr zusammen, und die Ursachen dafür liegen bei den Nerven, den Augenmuskeln und den Gefässen — nicht am Auge selbst. Das ist ein Fall für sofort, nicht für morgen.

Noch am selben Tag anrufen

  • Sehverschlechterung innerhalb von Stunden oder Tagen, in der Nähe oder in der Ferne
  • Verzerrte Linien — gerade Kanten wirken krumm — oder ein grauer Fleck in der Bildmitte
  • Lichtblitze, ein plötzlicher Schwarm schwarzer Punkte oder ein Schatten, der von der Seite ins Blickfeld wandert
  • Ein neuer Befund, der nur ein Auge betrifft — prüfen Sie das, indem Sie die Augen abwechselnd zuhalten. Gemeint ist eine Einseitigkeit, die vorher nicht da war; wer seit jeher unterschiedliche Werte hat, liest mit dem einen Auge auch legitim besser als mit dem anderen.

Zeitnah, aber ohne Anruf am selben Tag

  • Doppelbilder oder Schattenbilder, die bestehen bleiben, wenn Sie das andere Auge zuhalten. Das ist das umgekehrte Zeichen zu oben und meist deutlich harmloser: Es zeigt auf das betroffene Auge selbst — auf eine beginnende Linsentrübung, auf eine Hornhautverkrümmung, auf einen unruhigen Tränenfilm oder auf eine unregelmässige Hornhaut wie beim Keratokonus. Ein Termin in den nächsten Wochen genügt dafür in aller Regel.
  • Mühe in der Nähe deutlich vor dem 40. Lebensjahr. Das ist keine Alterssichtigkeit, egal wie sehr es sich so anfühlt, und es sollte nicht mit einer Lesebrille zugedeckt werden. Die häufigste Erklärung ist eine bisher unkorrigierte Weitsichtigkeit. Daneben kommen eine Schwäche der Naheinstellung, ein entgleister Blutzucker, Nebenwirkungen von Medikamenten — etwa gegen Allergien, Blasenschwäche, Depression oder Migräne —, seltener eine Pupillenstörung oder eine neurologische Ursache in Frage. Und wenn sich Ihre Werte in jungen Jahren immer wieder verschieben, gehört die Hornhaut mitbeurteilt.
  • Eine rasche Änderung Ihrer Lesefähigkeit über Wochen — ein Tempo, das nicht zur Alterssichtigkeit passt.
  • Eine unerwartete Verbesserung. Wer nach Jahren plötzlich wieder ohne Lesebrille zurechtkommt, hat meist keine gute Nachricht, sondern eine Veränderung der Linse.

Unsere Telefonnummer: +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Beschreiben Sie uns die Beschwerden, dann ordnen wir sie mit Ihnen ein. Für die erste Stufe rufen Sie bitte nicht uns zuerst an, sondern den Rettungsdienst (144) beziehungsweise den augenärztlichen Notfalldienst — dort wird Ihnen schneller geholfen, und niemand wird Ihnen übelnehmen, dass Sie gekommen sind.

Wo Sie uns finden

Bestimmung der Nahwerte, Untersuchung der Linse und die Beratung zur Alterssichtigkeit bieten wir an allen drei Standorten an. Eine Übersicht mit Anfahrt und Öffnungszeiten finden Sie unter Standorte.

Sehklinik Zürich

Hallenstrasse 8, 8008 Zürich
Telefon: +41 44 422 25 55
Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30
Tram 11/15 bis «Zürich, Kreuzplatz», drei Minuten zu Fuss — Anfahrt und Details

Sehklinik Wetzikon

Bahnhofstrasse 126, 8620 Wetzikon
Telefon: +41 44 930 61 00
Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30
Bus 850/851/852 bis «Wetzikon ZH, Schloss», eine Minute zu Fuss — Anfahrt und Details

Sehklinik Meilen

Dorfstrasse 94, 8706 Meilen
Telefon: +41 44 923 03 81
Mo, Di, Do, Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30; am Mittwoch variabel, bitte telefonisch erfragen
S6/S7 bis Bahnhof Meilen, zwei Minuten zu Fuss — Anfahrt und Details

Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst. Wer lieber schreibt als telefoniert, erreicht uns über das Kontaktformular; zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die nötigen Angaben unter Zuweiser.

Kosten & Krankenkasse

Was bezahlt die Kasse — und was nicht?

Die Trennlinie verläuft hier besonders klar: Die ärztliche Abklärung eines Befundes ist Krankenbehandlung, die Sehhilfe, mit der Sie anschliessend lesen, bei Erwachsenen in der Regel nicht. Was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen vor der Untersuchung — nicht mit der Rechnung.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Augenärztliche Abklärung bei nachlassendem Nahsehen

Grundversicherung

Bei medizinischer Indikation — wenn Beschwerden bestehen, sich das Sehen verändert hat oder ein Befund abgeklärt oder kontrolliert werden muss. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Bestimmung der Brillen- oder Nahwerte ohne Krankheitsverdacht

Selbstzahlerleistung

Die reine Bestimmung von Korrekturwerten ist bei Erwachsenen keine Pflichtleistung. Ergibt sich dabei ein krankhafter Befund, ändert sich die Beurteilung: Der weitere Abklärungsteil ist dann medizinisch indiziert.

Lesebrille, Gleitsicht- oder Arbeitsplatzbrille: Gläser und Fassung

Selbstzahlerleistung

Bei Erwachsenen zahlt die Grundversicherung Brillen in der Regel nicht — unabhängig davon, wie stark der Nahzusatz ist. Einzelne Zusatzversicherungen leisten einen Beitrag; das ist Vertragssache und sollte vor dem Kauf geklärt sein.

Multifokale Kontaktlinsen oder Monovision: Anpassung und Material

Selbstzahlerleistung

Wie bei der Brille, einschliesslich der Trageprobe, die zu einer seriösen Anpassung dazugehört. Enge Ausnahmen bestehen bei bestimmten medizinischen Befunden; das braucht eine ärztliche Begründung und eine Anfrage bei Ihrer Kasse vor der Anpassung, nicht danach.

Linsenoperation bei Grauem Star mit medizinischer Indikation

Grundversicherung

Besteht eine Indikation, ist der Eingriff eine Pflichtleistung — mit der Standardlinse. Speziallinsen, die zusätzlich eine Hornhautverkrümmung oder die Nähe mitbedienen, gehen darüber hinaus: Die Differenz und die zugehörigen Zusatzuntersuchungen tragen Sie selbst. Was das bei Ihnen bedeutet, rechnen wir Ihnen vor dem Eingriff vor.

Refraktiver Linsenaustausch ohne Linsentrübung

Selbstzahlerleistung

Ein Eingriff, dessen Zweck es ist, eine Sehhilfe überflüssig zu machen, ist keine Pflichtleistung der Grundversicherung. Manche Zusatzversicherungen beteiligen sich anteilig und knüpfen das an Bedingungen — holen Sie die Zusage schriftlich ein, bevor ein Termin steht. Diesen Eingriff führen wir nicht selbst durch; wir beraten und untersuchen.

Eignungsabklärung für einen geplanten refraktiven Eingriff

Selbstzahlerleistung

Die Untersuchung, die klärt, ob Sie für einen Eingriff zur Brillenkorrektur geeignet sind, dient keiner Krankheitsbehandlung und wird privat abgerechnet. Den Umfang sagen wir Ihnen vorher. Zeigt die Abklärung einen behandlungsbedürftigen Befund, wird dieser Teil als das abgerechnet, was er ist.

Franchise und Selbstbehalt. Von den Kosten, die über die Grundversicherung laufen, tragen Sie zuerst Ihre gewählte Franchise vollständig selbst, danach den Selbstbehalt von zehn Prozent bis zum gesetzlichen Höchstbetrag pro Jahr. Ein Termin «auf Kassenkosten» ist deshalb selten kostenlos — das ist keine Besonderheit unserer Klinik, sondern die Systematik der Schweizer Grundversicherung.

Unsicher, in welche Kategorie Ihr Anliegen fällt? Rufen Sie an — +41 44 500 69 00. Wir sagen Ihnen am Telefon, womit Sie rechnen müssen, und mit derselben Auskunft fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Eine Rechnung, die überrascht, ist ein vermeidbares Ärgernis.

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann

Häufige Fragen

Erst messen, dann über Brille oder Linse reden.

Bringen Sie mit, was Sie tatsächlich lesen — Ihr Buch, Ihre Noten, Ihr Handy — und Ihre bisherigen Brillen. Wir bestimmen Ihre Nahwerte an Ihrem echten Arbeitsabstand, schauen die Linse und die Netzhaut an und sagen Ihnen, was zu Ihrem Alltag passt. Auch dann, wenn die ehrlichste Antwort «eine gut gemachte Lesebrille» lautet.

Termin online vereinbaren

+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Oder Termin online vereinbaren.