Sehklinik

Fehlsichtigkeit

Fehlsichtigkeit korrigieren — Brille, Kontaktlinsen oder Eingriff?

«Ich sehe die Tafel nicht mehr.» «Die Speisekarte ist plötzlich zu klein.» «Abends verschwimmen die Rücklichter.» Dahinter steckt fast immer eine Fehlsichtigkeit — keine Krankheit, sondern eine Frage der Optik: Das Auge bündelt das Licht nicht genau dort, wo die Netzhaut liegt. Korrigieren lässt sich das auf mehreren Wegen. Welcher zu Ihnen passt, entscheidet nicht der Wunsch, sondern der Befund.

Wie das Auge scharf stellt

Scharfes Sehen ist Optik, und an dieser Optik sind drei Grössen beteiligt. Die Hornhaut — die klare Wölbung ganz vorne — bricht das einfallende Licht am stärksten und liefert den grössten Teil der Brechkraft des Auges. Die Linse dahinter übernimmt den Rest, und sie ist die einzige verstellbare Komponente: Über den Ziliarmuskel verändert sie ihre Form und stellt damit von der Ferne auf die Nähe um. Diese Fähigkeit heisst Akkommodation. Die dritte Grösse ist die Achsenlänge, also die Strecke von der Hornhaut bis zur Netzhaut.

Damit ein Bild scharf wird, müssen diese drei zusammenpassen. Das Auge braucht keine «guten» Werte, es braucht zueinander passende. Ein an sich völlig normal gewölbtes Hornhautprofil erzeugt in einem etwas zu langen Auge ein unscharfes Bild, und ein kurzes Auge mit starker Brechkraft sieht ebenso scharf wie ein langes mit schwacher. Die Toleranz ist dabei klein: Schon ein Unterschied von deutlich unter einem Millimeter in der Augenlänge verschiebt den Brennpunkt so weit, dass Sie es merken.

Passt es nicht zusammen, liegt der Brennpunkt vor der Netzhaut, dahinter — oder er ist gar kein Punkt. Genau das meint das Wort Fehlsichtigkeit; der medizinische Begriff dafür ist Ametropie oder Refraktionsfehler. Und hier liegt der wichtigste Satz dieser Seite: Eine Fehlsichtigkeit ist ein optischer Befund, keine Erkrankung des Auges. Ein kurzsichtiges Auge ist nicht krank, es ist anders gebaut. Es muss deshalb auch niemand behandelt werden, der ohne Korrektur gut zurechtkommt.

Zwei Einschränkungen gehören trotzdem dazu. Erstens ist eine ausgeprägte Kurzsichtigkeit mit einem höheren Risiko für Netzhautbefunde verbunden — deshalb gehört zur Betreuung stark kurzsichtiger Augen die regelmässige Kontrolle von Netzhaut und Glaskörper und nicht nur die Bestimmung der Brillenwerte. Zweitens ändert keine Korrektur die Form des Auges: Eine Brille, eine Kontaktlinse und auch ein Eingriff an der Hornhaut gleichen die Optik aus, das Auge selbst bleibt so lang, wie es ist. Wer stark kurzsichtig war, bleibt es aus Sicht der Netzhaut auch nach einer Laserkorrektur. Diesen Punkt hören Betroffene selten, und er ist wichtig.

Was an einer Fehlsichtigkeit nichts ändert: Augenübungen, Sehtrainings, das bewusste Weglassen der Brille, Heidelbeerpräparate oder Nahrungsergänzungsmittel. Es gibt kein Training, das ein zu langes Auge kürzer macht. Wir sagen das nicht, um Ihnen etwas zu verkaufen — im Gegenteil, wir haben nichts davon im Angebot.

Woran Sie eine Fehlsichtigkeit bemerken — und woran nicht

Fehlsichtigkeit tut nicht weh. Sie meldet sich über Umwege, und viele Menschen deuten diese Umwege jahrelang anders:

  • Zusammenkneifen der Augen, um in der Ferne oder Nähe schärfer zu sehen — der klassische, oft unbewusste Trick
  • Kopfschmerzen und brennende Augen nach längerer Bildschirm- oder Lesearbeit, typischerweise gegen Nachmittag
  • Der Leseabstand wächst: Das Handy wandert Zentimeter für Zentimeter weiter weg
  • Schlechtes Sehen in der Dämmerung, Blendung durch entgegenkommende Scheinwerfer, Lichthöfe um Strassenlampen
  • Bei Kindern: sehr nahes Sitzen vor dem Bildschirm, Abschreiben beim Nachbarn, ungewohnte Kopfschieflage, nachlassende Lust am Lesen
  • Rasche Ermüdung bei Tätigkeiten, die konzentriertes Sehen verlangen

Diese Zeichen entwickeln sich langsam, über Monate bis Jahre. Genau daran unterscheidet sich eine Fehlsichtigkeit von allem, was dringend ist. Nicht zu einer Fehlsichtigkeit passen: eine Verschlechterung innerhalb von Stunden oder Tagen, ein Ausfall in einem Teil des Blickfelds, verzerrte oder gewellte Linien, plötzliche Doppelbilder, Lichtblitze mit vielen neuen Punkten, Schmerzen oder ein rotes Auge. Solche Beschwerden sind ein Befund und keine Frage der Brillenstärke — sie können unter anderem auf eine Netzhautablösung hinweisen und gehören noch am selben Tag untersucht.

Und eine häufige Verwechslung zum Schluss: Schwankendes, im Tagesverlauf mal besseres, mal schlechteres Sehen ist selten ein Refraktionsproblem. Dahinter steckt oft ein instabiler Tränenfilm — siehe trockene Augen. Eine neue Brille löst das nicht; eine Behandlung der Augenoberfläche schon.

Die vier Fehlsichtigkeiten

Vier Formen decken praktisch alles ab, was in der Sprechstunde vorkommt. Sie schliessen sich nicht gegenseitig aus — Kurzsichtigkeit mit Hornhautverkrümmung ist eine der häufigsten Kombinationen überhaupt, und die Alterssichtigkeit kommt ab einem gewissen Alter zu jeder anderen dazu.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Das Auge ist im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang; der Brennpunkt liegt vor der Netzhaut. In der Ferne wird alles unscharf, in der Nähe bleibt das Sehen gut — daher der Name. Sie beginnt meist im Schulalter, nimmt während des Wachstums zu und stabilisiert sich in der Regel im jungen Erwachsenenalter. Wie stark sie wird, hängt von der familiären Veranlagung ab und, nach heutigem Kenntnisstand, auch davon, wie viel Zeit ein Kind draussen im Tageslicht verbringt. Nimmt sie bei einem Kind nachweislich zu, lässt sich der Verlauf beeinflussen — niedrig dosiertes Atropin, Spezialgläser und Ortho-K-Linsen gehören zum Myopie-Management, das auf der Seite zur Kurzsichtigkeit im Abschnitt «Myopie-Management bei Kindern» beschrieben ist.

Was bei der Kurzsichtigkeit über die Brillenwerte hinausgeht: Ab höheren Werten wird das Auge nicht nur länger, sondern auch dünnwandiger. Damit steigt die Häufigkeit von Netzhautlöchern, Netzhautablösungen und Veränderungen an der Makula. Deshalb gehört zu einer stark kurzsichtigen Augenkontrolle immer auch der Blick auf die Netzhautperipherie bei erweiterter Pupille. Alles zur Kurzsichtigkeit — Verlauf, Korrektur und was bei Kindern zählt.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Hier ist das Auge im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz; der Brennpunkt läge hinter der Netzhaut. Das Tückische daran: Ein junges Auge kann diesen Fehler über die Akkommodation selbst ausgleichen, und zwar oft vollständig. Der Sehtest fällt dann unauffällig aus, während das Auge dauernd Muskelarbeit leistet. Bemerkbar macht sich das nicht als Unschärfe, sondern als Anstrengung: Kopfschmerzen, Konzentrationsabfall, brennende Augen am Abend.

Mit den Jahren lässt diese Ausgleichsfähigkeit nach — dann wird zuerst das Lesen unscharf und später auch die Ferne. Bei Kindern ist eine unerkannte, stärkere Weitsichtigkeit ausserdem einer der häufigsten Gründe für ein Schielen und für eine Schwachsichtigkeit des betroffenen Auges, weshalb sie früh gesucht und nicht abgewartet gehört. Was bei der Weitsichtigkeit über die Brillenwerte hinausgeht: Das kurze Auge hat einen engeren Kammerwinkel, was das Risiko für einen Engwinkelglaukom-Anfall erhöht — mehr dazu auf der Seite zur Weitsichtigkeit. Alles zur Weitsichtigkeit — warum sie oft übersehen wird.

Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Eine ideal geformte Hornhaut ist in alle Richtungen gleich stark gewölbt. Ist sie in einer Achse stärker gekrümmt als in der anderen, entsteht kein einzelner Brennpunkt, sondern ein in die Länge gezogener Bereich: Ein Punkt wird als kurzer Strich abgebildet, Buchstaben wirken verzogen, Lichtquellen ziehen Strahlen. Meist liegt die Ursache in der Hornhaut, seltener in der Linse. Eine geringe Verkrümmung hat fast jedes Auge, und sie ist ohne Bedeutung. Erst ab einem gewissen Ausmass stört sie — dann aber in allen Entfernungen, nicht nur in der Ferne oder nur in der Nähe.

Korrigiert wird eine regelmässige Hornhautverkrümmung mit zylindrischen Brillengläsern, mit torischen Kontaktlinsen oder, bei einer Linsenoperation, mit einer torischen Kunstlinse. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen regelmässig und unregelmässig: Nimmt die Verkrümmung über Monate zu, ändert sich die Achse, oder zeigt die Hornhauttopographie ein asymmetrisches Muster, steht die Frage nach einem Keratokonus im Raum. Das ist keine gewöhnliche Fehlsichtigkeit mehr, sondern eine Hornhauterkrankung — und in dieser Konstellation sind refraktive Laserverfahren ausdrücklich nicht angezeigt. Hornhautverkrümmung im Detail — regelmässig, unregelmässig und was daraus für die Korrektur folgt.

Alterssichtigkeit (Presbyopie)

Ab etwa dem fünfundvierzigsten Lebensjahr verliert die Linse an Elastizität und kann sich beim Blick in die Nähe nicht mehr ausreichend verformen. Der Leseabstand wächst, kleine Schrift wird bei schwachem Licht zuerst unlesbar, und die Arme werden — so beschreiben es die meisten — «zu kurz». Das betrifft ausnahmslos alle Menschen, auch die, die zeitlebens immer scharf gesehen haben. Alterssichtigkeit ist damit keine Störung, sondern ein Alterungsvorgang wie das Ergrauen der Haare.

Sie wird häufig mit der Weitsichtigkeit verwechselt, weil beide das Lesen erschweren — der Mechanismus ist aber ein anderer: Weitsichtigkeit ist eine Frage der Baulänge und besteht oft von Geburt an, Alterssichtigkeit eine Frage der Linsenelastizität und kommt mit den Jahren. Korrigiert wird sie mit Lesebrille, Gleitsicht- oder Arbeitsplatzbrille, mit multifokalen Kontaktlinsen, mit Monovision — oder, wenn die Linse ohnehin zum Thema wird, im Rahmen einer Linsenoperation. Alterssichtigkeit: welche Korrektur zu welchem Abstand passt — und wann die Linse zum Thema wird.

Korrekturwege im Überblick

Es gibt vier Wege, eine Fehlsichtigkeit auszugleichen: vor dem Auge, auf dem Auge, an der Hornhaut oder an der Linse. Alle vier funktionieren — und alle vier haben Grenzen, die vor der Entscheidung auf den Tisch gehören und nicht danach.

Brille

Die Brille ist der einzige Korrekturweg, der nichts am Auge verändert und sich jederzeit rückgängig machen oder anpassen lässt. Sie korrigiert Kurz- und Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Alterssichtigkeit, in beliebiger Kombination, ohne Infektionsrisiko und ohne Eingriff. Ändern sich die Werte, ändert man die Gläser.

Ihre Nachteile sind praktischer Natur: Sie beschlägt, sie stört beim Sport, sie schränkt das Blickfeld an den Rändern ein, und bei starken Korrekturen werden die Gläser dick und verändern die wahrgenommene Bildgrösse. Unterscheiden sich beide Augen deutlich in ihrer Stärke, kann dieser Grössenunterschied das beidäugige Sehen stören — eine der wenigen Situationen, in denen Kontaktlinsen medizinisch klar im Vorteil sind. Für die meisten Menschen bleibt die Brille dennoch die vernünftigste Lösung, und sie bleibt es auch dann, wenn anderswo etwas anderes beworben wird.

Kontaktlinsen

Kontaktlinsen sitzen direkt auf dem Tränenfilm und korrigieren daher ohne Randverzerrung und ohne Bildgrössenunterschied. Sie beschlagen nicht, stören beim Sport nicht und sind bei starken Fehlsichtigkeiten sowie bei grossen Unterschieden zwischen den Augen oft die bessere Optik. Formstabile Linsen können ausserdem eine unregelmässige Hornhaut ausgleichen, was mit einer Brille nicht gelingt.

Der Preis dafür ist Disziplin. Kontaktlinsen sind die einzige Sehhilfe ohne Eingriff, die ein eigenes Risiko mitbringt: Über die Hornhaut können Infektionen entstehen, und die gefährlichen darunter — etwa durch Bakterien oder Amöben — hinterlassen Narben. Übernachten mit Linsen, Duschen, Schwimmen oder Leitungswasser im Behälter sind die typischen Auslöser. Deshalb dieselbe Regel für alle Linsenträgerinnen und -träger: rotes oder schmerzendes Auge bedeutet Linse raus und Anruf am selben Tag — Näheres unter Hornhautentzündung. Wer zu trockenen Augen neigt oder viele Stunden am Bildschirm verbringt, erreicht ausserdem häufig keine komfortable Tragezeit; hier lohnt es sich, zuerst die Augenoberfläche zu behandeln.

Augenlasern: refraktive Laserverfahren — und unsere Rolle dabei

Bei den Laserverfahren wird die Hornhaut umgeformt, sodass ihre Brechkraft zur Länge des Auges passt. Die gebräuchlichen Techniken unterscheiden sich darin, wie der Zugang zum Gewebe erfolgt — mit einem Hornhautdeckel, an der Oberfläche oder über einen kleinen Schnitt. Welche Technik für welchen Befund geeignet ist, entscheidet die Voruntersuchung; die Namen der Verfahren sind dabei der letzte Schritt, nicht der erste.

Refraktive Laserchirurgie führen wir in der Sehklinik nicht selbst durch. Wir sagen das offen, weil es die Beratung ehrlicher macht: Unsere Empfehlung hat an dieser Stelle kein wirtschaftliches Interesse im Rücken. Was bei uns stattfindet, ist die vollständige Voruntersuchung, die Einschätzung Ihrer Eignung und die augenärztliche Betreuung rund um eine solche Entscheidung.

Und die Grenzen, die selten im Prospekt stehen:

  • Die Alterssichtigkeit bleibt. Ein Eingriff an der Hornhaut ändert nichts an der Elastizität der Linse. Wer sich mit vierzig lasern lässt, braucht mit fünfundvierzig trotzdem eine Lesebrille.
  • Das Risikoprofil der Netzhaut bleibt. Ein langes, stark kurzsichtiges Auge bleibt lang. Die Kontrollen der Netzhaut werden dadurch nicht überflüssig — im Gegenteil, sie bleiben genauso wichtig wie vorher.
  • Trockene Augen können vorübergehend zunehmen, weil die Hornhautnerven im Behandlungsbereich betroffen sind. Wer bereits vorher eine instabile Augenoberfläche hat, muss das besonders ernst nehmen.
  • Nachtsichtphänomene wie Blendung oder Lichthöfe sind möglich, insbesondere bei grossen Pupillen und hohen Korrekturen.
  • Nicht jedes Auge ist geeignet. Zu dünne oder unregelmässige Hornhaut, ein Verdacht auf Keratokonus, schwankende Werte, bestimmte Augenerkrankungen und die Zeit von Schwangerschaft und Stillzeit sprechen dagegen.

Linsenbasierte Verfahren

Wo die Hornhaut nicht infrage kommt oder die Fehlsichtigkeit sehr hoch ist, kann die Korrektur im Auge selbst erfolgen. Zwei Wege sind gebräuchlich: Bei der phaken Intraokularlinse wird zusätzlich zur eigenen Linse eine Kunstlinse eingesetzt, die eigene Linse bleibt erhalten und damit auch ein Teil der Nahsehfähigkeit. Beim refraktiven Linsenaustausch wird die eigene Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt — technisch derselbe Eingriff wie die Operation des Grauen Stars.

Beides sind Operationen im Auge, mit den Risiken einer Operation im Auge, und beide gehören ausführlich besprochen und nicht nebenbei entschieden. Der Austausch einer klaren Linse nimmt ausserdem endgültig die Fähigkeit zur Akkommodation — das ist der Grund, weshalb dieser Weg bei jüngeren Menschen zurückhaltend beurteilt wird und in der zweiten Lebenshälfte eine ganz andere Rolle spielt. Bei kurzsichtigen Augen erhöht der Austausch einer klaren Linse zudem das Risiko einer Netzhautablösung — deutlicher als bei einer Operation, die wegen einer getrübten Linse ohnehin ansteht.

Was für wen infrage kommt

Die folgende Übersicht ist eine Orientierung, keine Empfehlung für Ihr Auge — dafür braucht es Messwerte. Sie zeigt vor allem, dass die Lebenssituation und der Befund gemeinsam entscheiden und nicht der Wunsch allein.

Lebenssituation oder BefundSinnvolle OptionenWas dagegen spricht
Kind oder Jugendliche mit zunehmender KurzsichtigkeitBrille; Kontaktlinsen je nach Reife und Hygiene; bei nachgewiesener Progression Myopie-Management (niedrig dosiertes Atropin, Spezialgläser, Ortho-K) nach VerlaufsmessungRefraktive Eingriffe: Die Werte sind noch nicht stabil, jede Korrektur wäre nach kurzer Zeit überholt
Erwachsene zwischen 20 und 40 mit seit Jahren stabilen WertenBrille, Kontaktlinsen — und je nach Befund ein refraktives Verfahren nach EignungsprüfungEin Eingriff bei schwankenden Werten, dünner oder unregelmässiger Hornhaut oder deutlich trockenen Augen
Hohe Kurzsichtigkeit, Hornhaut für einen Laser zu dünnBrille, Kontaktlinsen; nach Abklärung eine phake Intraokularlinse als MöglichkeitLaserverfahren: Es bliebe zu wenig tragfähiges Hornhautgewebe zurück
Unregelmässige Hornhaut oder Verdacht auf KeratokonusFormstabile Kontaktlinsen; hornhautspezifische Abklärung und VerlaufskontrolleRefraktive Laserverfahren — hier ausdrücklich nicht, unabhängig vom Wunsch
Ab etwa 45: die Arme werden «zu kurz»Lesebrille, Gleitsicht- oder Arbeitsplatzbrille, multifokale Kontaktlinsen, MonovisionDie Erwartung, ein Hornhauteingriff mache die Lesebrille dauerhaft überflüssig
Ab etwa 55, mit beginnender Trübung der eigenen LinseAbklärung des Grauen Stars; Linsenoperation mit passender Kunstlinse, sobald eine Indikation bestehtEin Eingriff an der Hornhaut, der die trübe Linse im Auge belässt — das Problem sässe danach immer noch dort
Deutlich trockene Augen, viele Stunden BildschirmarbeitBrille; zuerst Behandlung der Augenoberfläche, danach neu beurteilenLange Kontaktlinsen-Tragezeiten; ein Eingriff, bevor der Tränenfilm stabil ist
Schwangerschaft und StillzeitBrille, gegebenenfalls KontaktlinsenRefraktive Eingriffe: Die Werte können sich in dieser Zeit verändern, die Beurteilung wartet

Sie werden in dieser Tabelle keinen Satz finden, der ein Verfahren anpreist. Das hat einen einfachen Grund: Refraktive Laserchirurgie führen wir nicht selbst durch — und eine Korrektur, die nicht zum Befund passt, ist zu keinem Preis günstig. Was wir Ihnen anbieten, ist die Untersuchung, aus der eine begründete Empfehlung folgt.

Voruntersuchung: was über die Eignung entscheidet

Ob eine Korrektur infrage kommt und welche, ergibt sich nicht aus der Brillenstärke, sondern aus dem gesamten Befund. Diese Punkte prüfen wir, bevor über ein Verfahren überhaupt gesprochen wird:

  • Stabile Refraktion. Die gemessenen Werte sollten über einen längeren Zeitraum — üblicherweise mindestens ein Jahr — im Wesentlichen gleichgeblieben sein. Wandert die Kurzsichtigkeit noch, korrigiert ein Eingriff einen Zustand, den es bald nicht mehr gibt.
  • Hornhauttopographie und Hornhautdicke. Die Topographie bildet die Wölbung der gesamten Hornhautoberfläche ab und zeigt Unregelmässigkeiten, die kein Sehtest sichtbar macht — vor allem einen beginnenden Keratokonus. Die Dicke entscheidet darüber, wie viel Gewebe überhaupt umgeformt werden dürfte.
  • Pupillengrösse in der Dunkelheit. Eine im Dunkeln weite Pupille blickt an den Rändern über die behandelte Zone hinaus. Das ist einer der Gründe für Blendung und Lichthöfe beim Nachtfahren — und lässt sich vorher messen statt nachher bedauern.
  • Tränenfilm und Augenoberfläche. Eine instabile Oberfläche verfälscht bereits die Messwerte, begrenzt die Kontaktlinsen-Tragezeit und verschlechtert den Verlauf nach einem Eingriff. Deshalb wird sie zuerst behandelt und dann neu gemessen, nicht umgekehrt.
  • Netzhautbefund bei erweiterter Pupille. Besonders bei Kurzsichtigkeit: Löcher und dünne Stellen in der Netzhautperipherie gehören gefunden, bevor irgendetwas anderes geplant wird. Mehr dazu unter Netzhaut und Glaskörper.
  • Augeninnendruck, Sehnerv und Linse. Der Ausgangsdruck ist wichtig, weil die Messung nach einer Hornhautbehandlung niedriger ausfällt als der wahre Wert — eine spätere Glaukomabklärung braucht diesen Vergleichswert. Und eine bereits eintrübende Linse verändert die ganze Überlegung.

Der Ablauf, die einzelnen Verfahren und die Frage, wie oft welche Untersuchung sinnvoll ist, sind unter Augenuntersuchungen beschrieben; was beim Sehtest genau gemessen wird, steht dort im Detail. Planen Sie für einen Termin mit erweiterter Pupille Zeit ein und kommen Sie nicht mit dem Auto: Die Tropfen wirken mehrere Stunden nach, Sie sehen in der Nähe unscharf und sind lichtempfindlich. Eine Sonnenbrille hilft.

Wenn ohnehin die Linse das Thema wird

Ab der zweiten Lebenshälfte verschiebt sich die Frage. Trübt sich die eigene Linse ein — der Graue Star —, wird sie im Rahmen der Operation ohnehin durch eine Kunstlinse ersetzt, und deren Stärke lässt sich so wählen, dass sie eine bestehende Fehlsichtigkeit gleich mit ausgleicht. Eine Hornhautverkrümmung kann dabei über eine torische Linse berücksichtigt werden. Wer also mit sechzig über eine Brillenkorrektur nachdenkt und gleichzeitig eine beginnende Linsentrübung hat, sollte nicht zwei Eingriffe planen, sondern einen — wie das im Einzelnen abläuft, steht unter Behandlung des Grauen Stars.

Ehrlich dazugesagt: Eine Kunstlinse kann nicht akkommodieren. Mehrstärkenlinsen verteilen das Licht auf mehrere Entfernungen, was für viele funktioniert und für manche nicht — Lichthöfe und ein weicherer Kontrast sind die möglichen Kehrseiten, und rückgängig macht man eine implantierte Linse nur mit einer weiteren Operation. Das ist ein Gespräch, kein Verkaufsargument, und es gehört vor den Eingriff.

Kosten & Krankenkasse

Was bezahlt die Kasse — und was nicht?

Der wichtigste Satz zuerst: Sehhilfen und refraktive Eingriffe sind bei Erwachsenen grundsätzlich Selbstzahlerleistungen. Die Grundversicherung zahlt die medizinische Abklärung, nicht die Brille — und nicht den Eingriff, der die Brille ersetzen soll.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Brille: Gläser und Fassung

Selbstzahler

Erwachsene bezahlen Brillen in der Regel vollständig selbst. Einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich mit einem jährlichen oder mehrjährigen Beitrag — das ist Vertragssache und wird von der Grundversicherung nicht berührt. Für Kinder und Jugendliche sowie bei bestimmten medizinischen Konstellationen bestehen eigene Regelungen; fragen Sie uns oder Ihre Kasse, bevor Sie kaufen.

Kontaktlinsen und deren Anpassung

Selbstzahler, mit engen Ausnahmen

Die Anpassung und das Material tragen Sie in der Regel selbst. Bei besonderen medizinischen Befunden — etwa einer unregelmässigen Hornhaut oder einem Zustand nach Hornhauteingriffen — kann eine Kostenbeteiligung geprüft werden. Dafür braucht es eine ärztliche Begründung und eine Anfrage bei Ihrer Kasse vor der Anpassung, nicht danach.

Bestimmung der Korrekturwerte ohne Krankheitsverdacht

Selbstzahler

Die reine Bestimmung von Brillen- oder Kontaktlinsenwerten ist bei Erwachsenen keine Pflichtleistung. Ergibt sich dabei ein krankhafter Befund, ändert sich die Beurteilung: Der weitere Abklärungsteil ist dann medizinisch indiziert und läuft über die Grundversicherung.

Augenärztliche Untersuchung bei Beschwerden oder Verdacht

Grundversicherung

Wer mit einem Symptom kommt — rasch schlechteres Sehen, Doppelbilder, Lichtblitze, Schmerzen — oder wer eine bekannte Augendiagnose kontrollieren lässt, hat eine medizinische Indikation. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Eignungsabklärung für einen geplanten refraktiven Eingriff

Selbstzahler

Die Untersuchung, die klärt, ob Sie für einen Eingriff zur Brillenkorrektur geeignet sind, dient keiner Krankheitsbehandlung und wird deshalb privat abgerechnet. Wir sagen Ihnen den Umfang vorher. Zeigt die Abklärung einen behandlungsbedürftigen Befund, wird dieser Teil selbstverständlich als das abgerechnet, was er ist.

Refraktive Laserchirurgie oder Linsenimplantation zur Brillenkorrektur

Selbstzahler

Eingriffe, deren Zweck es ist, eine Sehhilfe überflüssig zu machen, sind keine Pflichtleistung der Grundversicherung. Manche Zusatzversicherungen beteiligen sich anteilig, oft an Bedingungen geknüpft — holen Sie die Zusage schriftlich ein, bevor ein Termin steht. Diese Eingriffe führen wir nicht selbst durch; wir beraten und untersuchen.

Linsenoperation bei Grauem Star mit medizinischer Indikation

Grundversicherung, Sonderlinsen als Aufpreis

Besteht eine medizinische Indikation, ist der Eingriff eine Pflichtleistung. Speziallinsen, die zusätzlich eine Hornhautverkrümmung oder die Alterssichtigkeit mitkorrigieren, gehen darüber hinaus; die Differenz und die zugehörigen Zusatzuntersuchungen tragen Sie selbst. Was das in Ihrem Fall bedeutet, rechnen wir Ihnen vor dem Eingriff vor.

Franchise und Selbstbehalt. Von den Kosten, die über die Grundversicherung laufen, tragen Sie zuerst Ihre gewählte Franchise vollständig selbst, danach den Selbstbehalt von zehn Prozent bis zum gesetzlichen Höchstbetrag pro Jahr. Eine Untersuchung «auf Kassenkosten» ist deshalb für Sie selten kostenlos — das ist keine Besonderheit unserer Klinik, sondern die Systematik der Schweizer Grundversicherung.

Die ehrliche Rechnung. Ein häufiges Verkaufsargument lautet, ein Eingriff rechne sich gegenüber jahrzehntelangen Brillen- und Linsenkosten. Diese Rechnung lässt sich aufstellen, und sie gehört Ihnen — aber sie beantwortet die falsche Frage zuerst. Zuerst kommt, ob Ihr Auge geeignet ist; die Kostenüberlegung kommt danach. Ein Verfahren, das zu Ihrem Befund nicht passt, ist zu keinem Preis eine Ersparnis, und ein Verfahren, das passt, wird durch den Preis nicht schlechter.

Fragen Sie vorher, nicht mit der Rechnung. Sagen Sie bei der Terminvereinbarung, weshalb Sie kommen — dann sagen wir Ihnen, in welche Kategorie Ihr Termin fällt. Schriftlich erreichen Sie uns über das Kontaktformular, für einen Termin genügt die Online-Vereinbarung; wir beraten Sie an allen drei Standorten in Zürich, Wetzikon und Meilen.

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann · Zuletzt geprüft am

Häufige Fragen

Erst messen, dann entscheiden.

Bringen Sie Ihre bisherigen Brillenpässe mit. Wir bestimmen Ihre Werte, beurteilen Hornhaut, Tränenfilm, Linse und Netzhaut — und sagen Ihnen, welche Korrektur zu Ihnen passt. Auch dann, wenn die ehrlichste Antwort «Ihre Brille» lautet.

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