Kinderaugenheilkunde
Kinderaugenheilkunde — weil Kinder nicht sagen, dass sie schlecht sehen
Ein Kind, das mit einem Auge unscharf sieht, beschwert sich nicht. Es kennt nichts anderes und hält das für normal — und weil das zweite Auge ein einwandfreies Bild liefert, fällt im Alltag oft jahrelang nichts auf. Genau deshalb ist die Kinderaugenheilkunde einer der wenigen Bereiche, in denen eine Untersuchung ohne jeden Anlass etwas ändert: Das Sehen reift in den ersten Lebensjahren, und was in dieser Zeit nicht angelegt wird, lässt sich später nur noch begrenzt nachholen.
Warum Kinderaugen anders untersucht werden
Bei Erwachsenen beginnt eine Augenuntersuchung mit einer Beschwerde. Jemand berichtet, dass die Ferne unscharf geworden ist, dass abends die Buchstaben verschwimmen, dass ein Auge brennt — und die Untersuchung klärt, woran das liegt. Bei Kindern fehlt dieser Anfang. Ein Kind meldet keine Beschwerde, weil es keinen Vergleich hat.
Dazu kommt ein zweiter Unterschied, der die Kinderaugenheilkunde von der Erwachsenenmedizin trennt: Das Sehen ist bei der Geburt nicht fertig. Es reift in den ersten Lebensjahren, und es reift nur, wenn beide Augen ein scharfes Bild liefern und das Gehirn lernt, aus diesen beiden Bildern ein einziges räumliches zu machen. Fehlt einem Auge in dieser Phase das scharfe Bild — durch eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit, durch eine Abweichung der Augenstellung oder durch ein Hindernis im Strahlengang —, dann übergeht das Gehirn dieses Auge zunehmend. Später lässt sich das nur noch begrenzt nachholen.
Aus diesen beiden Sätzen folgt die ganze Arbeitsweise. Untersucht wird jedes Auge einzeln, mit abgedecktem Partnerauge, weil sich ein schwaches Auge hinter dem starken versteckt, solange beide offen sind. Gemessen wird bei entsprechender Fragestellung unter Augentropfen, weil die kindliche Linse eine Weitsichtigkeit bei Kindern und das akkommodative Innenschielen sonst überspielt. Und beurteilt wird nicht nur die Sehschärfe, sondern die Augenstellung, die Beweglichkeit und das Zusammenspiel beider Augen.
Nicht zuletzt ist der Ablauf ein anderer. Statt Buchstaben zeigen wir Bilder, Symbole oder Ringe mit einer Öffnung, die ein Kind mit der Hand nachzeigen darf — das funktioniert lange, bevor ein Kind lesen kann. Wie eine solche Untersuchung Schritt für Schritt abläuft, steht unter Wie ein Sehtest bei Kindern tatsächlich abläuft.
Wann zum ersten Mal — und wann früher
Die ehrlichste Fassung dieser Antwort besteht aus zwei Regeln, die gleichzeitig gelten. Die eine hängt am Kalender, die andere an dem, was Ihnen auffällt — und die zweite schlägt die erste immer.
Die ersten Lebenswochen und Monate
In dieser Zeit läuft die Augenkontrolle über die kinderärztliche Vorsorge: Zur Basisuntersuchung des Neugeborenen gehört die Beurteilung des roten Pupillenreflexes, und dabei fallen angeborene Linsentrübungen und andere Hindernisse im Strahlengang auf. Eine augenärztliche Untersuchung ist in diesem Alter kein Routineschritt, sondern die Folge eines Befundes oder eines Verdachts — dann allerdings zügig. Wir untersuchen Kinder ab Kindergartenalter; bei Säuglingen und Kleinkindern klären wir am Telefon, ob eine auf Kinderaugenheilkunde spezialisierte Sprechstunde der bessere Ort ist.
Vom Krabbeln bis zum Kindergarten
In diesen Jahren gilt die zweite Regel praktisch allein: untersuchen lassen, sobald etwas auffällt. Ein Kind, dessen Auge zeitweise nach innen oder aussen abweicht, das den Kopf beim Schauen schief hält, das auffallend nah an Bilderbuch und Bildschirm rückt oder auf der Treppe unsicher wirkt, braucht keinen Termin «zur Sicherheit im nächsten Jahr», sondern jetzt. Und der auffälligere Befund ist nicht automatisch der gefährlichere: Ein zeitweises Auswärtsschielen, bei dem die Augen die meiste Zeit zusammenarbeiten, ist meist weniger dringlich als ein kleiner, aber ständiger Winkel auf immer demselben Auge — gerade weil der kleine, ständige Winkel niemandem auffällt und das betroffene Auge dauerhaft übergangen wird. Untersuchen lassen sollte man beide.
Im Vorschulalter, auch wenn nichts auffällt
Dies ist der eine Termin, für den es keinen Anlass braucht. Eine augenärztliche Kontrolle im Vorschulalter ist auch dann sinnvoll, wenn zu Hause und im Kindergarten niemandem etwas aufgefallen ist — weil eine einseitige Schwäche genau dann unbemerkt bleibt, wenn das andere Auge gut sieht. Geprüft werden Sehschärfe jedes Auges einzeln, Augenstellung, beidäugiges Zusammenspiel und der Augenhintergrund.
Schulalter und Jugend
Ab dem Schuleintritt verschiebt sich die Frage. Jetzt geht es weniger um die Entwicklung des Sehens als um den Verlauf einer Fehlsichtigkeit, die sich verändert — in dieser Lebensphase vor allem um eine Kurzsichtigkeit, die zunimmt. Ein auffälliger Sehtest in der Schule, eine Tafel, die nicht mehr lesbar ist, oder Kopfschmerzen gegen Abend sind gute Gründe für einen Termin.
Früher als beschrieben kommen Kinder, in deren Familie eine hohe Fehlsichtigkeit, ein Schielen, eine Schwachsichtigkeit oder eine erbliche Augenerkrankung bekannt ist, sowie Kinder mit einer Frühgeburtlichkeit in der Vorgeschichte oder mit einer Entwicklungsverzögerung. Hier gibt der Befund den Takt vor, nicht der Kalender. Welche Untersuchungen dabei zusammenkommen, steht im Überblick über unsere Augenuntersuchungen.
Warnsignale für Eltern
Die folgende Liste ist keine Diagnoseliste. Sie ist die Antwort auf die Frage, die Eltern uns am häufigsten stellen: Ist das noch normal, oder soll ich anrufen? Sie hat drei Stufen — und die oberste ist die einzige, die nicht mit einem Anruf bei uns beginnt.
Sofort in eine Notfallstation — nicht anrufen, sondern hinfahren:
- Jede Verletzung des Auges und jede Chemikalie im Auge. Bei Säure, Lauge, Kalk oder Reinigungsmittel sofort und mindestens 15 Minuten mit klarem Wasser spülen — bei Laugen, Kalk und Reinigungsmitteln deutlich länger — und das Spülen auf dem Weg in die Behandlung fortsetzen, statt dafür abzubrechen. Bei Verdacht auf eine durchgreifende Verletzung gilt das Gegenteil: nicht spülen und nicht drücken, das Auge locker abdecken, ab diesem Moment nichts mehr essen und trinken — die Versorgung erfolgt meist in Narkose — und direkt in die Notfallstation einer Augenklinik.
- Ein neu hängendes Oberlid zusammen mit einer weiten Pupille auf derselben Seite, mit Doppelbildern oder mit einer eingeschränkten Beweglichkeit des Auges. Diese Kombination hat eine kleine Zahl möglicher Ursachen, von denen mindestens eine keinen Aufschub verträgt — sie gehört noch in derselben Nacht beurteilt und nicht am nächsten Morgen.
- Ein neu schielendes Auge zusammen mit Kopfschmerzen, Erbrechen, auffälliger Schläfrigkeit, einer neuen Kopfzwangshaltung oder Doppelbildern. Diese Kombination kann für einen erhöhten Druck im Schädelinneren sprechen. Sie wartet weder auf einen Termin noch auf die Sprechzeiten — und schon gar nicht auf den Montag.
Noch am selben Tag anrufen — hier wird nicht beobachtet. Für jeden einzelnen Punkt der folgenden Liste gilt dabei dieselbe Einschränkung. Geht es um einen Säugling oder ein Kleinkind, rufen Sie nicht zuerst uns an, sondern melden sich direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation. Wir untersuchen Kinder ab Kindergartenalter und helfen beim Weg dorthin, wenn Sie uns erreichen — aber der Umweg über uns kostet in diesem Alter einen Tag, den niemand hat.
- Ein weisslicher oder fehlender roter Pupillenreflex, etwa auf einem Blitzlichtfoto.
- Ein Auge, das plötzlich neu schielt, ohne die oben genannten Begleitzeichen — auch dann, wenn es nur auf einem Foto zu sehen war.
- Ein neu hängendes Oberlid mit einer engeren Pupille auf derselben Seite. Beim Kind gehört dazu eine pädiatrische Abklärung und nicht nur eine augenärztliche — sagen Sie uns am Telefon, dass beides zusammen aufgetreten ist.
- Ein Säugling oder Kleinkind, das tränt, das Licht scheut und die Lider zusammenkneift — besonders, wenn ein Auge grösser wirkt als das andere oder die Hornhaut matt statt klar aussieht. Diese Kombination gehört noch am selben Tag abgeklärt, in diesem Alter direkt in einer Kinderaugenklinik.
- Ruckartige, unwillkürliche Augenbewegungen («Augenzittern»), die neu auftreten — besonders zusammen mit Kopfnicken.
- Eine neu aufgetretene schiefe Kopfhaltung, die es vorher nicht gab.
- Ein rotes, schmerzendes oder eitriges Auge in den ersten Lebenswochen. In diesem Alter ist ein rotes Auge nie eine Sache des Abwartens.
- Eine Sehverschlechterung innerhalb von Stunden oder Tagen, Lichtblitze, ein plötzlicher Schwarm schwarzer Punkte (Russregen) oder ein Schatten, der von aussen ins Blickfeld wächst — sie können Zeichen einer Netzhautablösung sein.
Einen Termin vereinbaren, aber ohne Eile am selben Tag:
- Schielen, auch nur zeitweise oder nur bei Müdigkeit — bekannt und seit längerem gleichbleibend
- Eine seit längerem bestehende schiefe Kopfhaltung beim Fernsehen, Lesen oder Spielen
- Ein Augenzittern, das in den ersten Lebensmonaten aufgefallen ist und seither unverändert besteht — bei einem Säugling oder Kleinkind gehört auch das in eine auf Kinderaugenheilkunde spezialisierte Sprechstunde
- Sehr naher Leseabstand, Zusammenkneifen der Augen, häufiges Blinzeln oder Augenreiben
- Kopfschmerzen gegen Abend oder rasche Ermüdung beim Lesen und bei den Hausaufgaben
- Ein auffälliger Sehtest in der Schule oder beim Kinderarzt
- Unsicherheit auf der Treppe oder beim Ballspiel, wenn sie neu ist
- Ein Schulkind, das beim Lesen oder in der Sonne ein Auge zukneift oder wenn es sich konzentriert
Und die Gegenrichtung, weil sie genauso dazugehört: Nicht jedes rote Auge ist ein Notfall. Ein rotes, tränendes, morgens verklebtes Auge bei einem sonst munteren Kindergartenkind ist meistens eine Bindehautentzündung bei Kindern: Kita, Kindergarten und Schule — unangenehm, ansteckend, aber selten gefährlich. Ins Sprechzimmer gehört es, wenn Schmerzen, Lichtscheu, schlechteres Sehen, Fieber oder eine starke Lidschwellung dazukommen.
Orthoptik und Sehschule: was das ist — und was davon bei uns stattfindet
Orthoptik ist das Fachgebiet, das sich mit der Stellung der Augen, ihrer Beweglichkeit und dem Zusammenspiel beider Augen befasst. Es beantwortet eine Frage, die eine gewöhnliche Sehschärfenmessung gar nicht stellt: Arbeiten die beiden Augen zusammen — und entsteht aus ihren zwei Bildern ein einziges, räumliches? Es ist ein eigenes Fachgebiet mit eigener Ausbildung, und wir betreiben keine eigene orthoptische Sprechstunde: Bei uns findet die augenärztliche Vorabklärung statt, die Zuweisung in die Orthoptik organisieren wir.
Im Alltag heisst dasselbe Sehschule. Das Wort ist eingebürgert und leicht irreführend, denn geübt wird dort nicht das Lesen von Buchstaben und schon gar nicht «besser sehen wollen». Eine Sehschule ist kein Trainingsraum, sondern eine Sprechstunde mit einem eigenen Untersuchungsrepertoire.
Was dabei untersucht wird
- Die Augenstellung in verschiedenen Blickrichtungen — beim Blick geradeaus, zur Seite, nach oben und unten
- Der Schielwinkel, gemessen und nicht geschätzt, und ob er in allen Blickrichtungen gleich bleibt
- Das beidäugige Zusammenspiel und die Frage, ob ein Auge im Bild unterdrückt wird
- Das räumliche Sehen — die Fähigkeit, Tiefe zu erkennen, die nur aus zwei zusammenarbeitenden Augen entsteht
- Die Beweglichkeit der Augenmuskeln, besonders bei einer schiefen Kopfhaltung oder bei Doppelbildern
- Die Sehschärfe jedes Auges einzeln, mit kindgerechten Zeichen statt Buchstaben
Was daraus folgt
Die Behandlung, die sich aus einer solchen Untersuchung ergibt, ist unspektakulärer, als der Begriff «Schule» vermuten lässt. An erster Stelle steht fast immer die genau bestimmte Brille — bei einem akkommodativen Innenschielen ist sie nicht Sehhilfe, sondern die Behandlung selbst. An zweiter Stelle steht die Bevorzugung des schwächeren Auges: Das stärkere Auge wird stundenweise abgedeckt oder mit Tropfen ausgebremst, damit das schwächere arbeiten muss. Dazu kommt die Verlaufskontrolle in festen Abständen.
Orthoptische Übungen unter Anleitung haben daneben einen engen, aber echten Platz: bei einer Schwäche des Zusammenspiels beider Augen im Nahbereich, wie sie sich beim längeren Lesen mit verschwimmenden oder doppelten Buchstaben zeigt. Angeleitet werden sie in einer orthoptischen Sprechstunde und nicht bei uns; wo sie infrage kommen, sagen wir das und organisieren die Zuweisung. Auf eine Fehlsichtigkeit und auf eine Schwachsichtigkeit haben sie dagegen keinen Einfluss — dafür braucht es die Korrektur und die gezielte Bevorzugung des schwächeren Auges. Diese beiden Dinge werden regelmässig verwechselt, und die Verwechslung kostet Behandlungszeit im offenen Zeitfenster.
Was gar nicht dazugehört, sagen wir genauso deutlich: Augentrainings aus dem Internet, kommerzielle Sehübungsprogramme und Nahrungsergänzungsmittel verändern weder eine Fehlsichtigkeit noch eine Schwachsichtigkeit, und sie ersetzen keine angeleitete orthoptische Behandlung. Wo eine spezialisierte Abklärung des Zusammenspiels beider Augen nötig ist, sagen wir das und organisieren die Zuweisung, statt es selbst zu versuchen — das gilt besonders bei Säuglingen und Kleinkindern, bei ausgeprägtem Schielen und bei komplexen Formen der Schwachsichtigkeit. Was davon bei uns stattfindet und was in einer spezialisierten Sprechstunde, sagen wir Ihnen vor dem Termin und nicht danach.
Schwachsichtigkeit (Amblyopie) und das Zeitfenster
Schwachsichtigkeit heisst: Ein Auge sieht schlechter, obwohl an ihm selbst nichts kaputt ist. Der medizinische Name dafür ist Amblyopie. Entstanden ist sie nicht im Auge, sondern im Gehirn — weil dieses Auge in der Reifungsphase des Sehens kein brauchbares Bild geliefert hat und das Gehirn gelernt hat, es zu übergehen.
Die Wege dorthin sind überschaubar, und es sind im Wesentlichen drei:
- Eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit, vor allem eine einseitige oder eine deutliche Weitsichtigkeit oder Hornhautverkrümmung. Das ist die tückischste Variante, weil das gesunde Auge ein einwandfreies Bild liefert und deshalb niemandem etwas auffällt.
- Eine Abweichung der Augenstellung — das schielende Auge liefert ein Bild, das nicht zum anderen passt, und wird unterdrückt, damit keine Doppelbilder entstehen.
- Ein Hindernis im Strahlengang, etwa eine angeborene Linsentrübung oder ein dauerhaft hängendes Lid.
Das Entscheidende an der Amblyopie ist nicht ihre Schwere, sondern ihr Zeitfenster. Das Sehen reift in den ersten Lebensjahren, und in dieser Phase ist das System formbar: Bekommt das schwächere Auge ein scharfes Bild und wird es gezielt gefordert, holt es auf. Mit dem Abschluss der Sehentwicklung im Schulalter schliesst sich dieses Fenster allmählich; danach lässt sich ein Rückstand nur noch begrenzt aufholen. Das ist der ganze Grund, weshalb in diesem Fachgebiet so oft von Terminen die Rede ist, für die es keinen akuten Anlass gibt.
Behandelt wird in der Regel in zwei Schritten, und der erste ist der wichtigste: die genaue Korrektur. Erst wenn beide Augen ein scharfes Bild bekommen können, ergibt der zweite Schritt Sinn — das stärkere Auge stundenweise abzudecken oder mit Tropfen auszubremsen, damit das schwächere arbeiten muss. Kontrolliert wird das in festen Abständen, weil sich Dosis und Dauer nach dem gemessenen Fortschritt richten und nicht nach einem Schema. Eine Schwachsichtigkeit, die auf diesem Weg nicht aufholt, gehört in eine spezialisierte Sprechstunde — das sagen wir, sobald es sich abzeichnet.
Ist das Ziel erreicht, hört die Behandlung nicht an einem Tag auf, sondern wird ausgeschlichen — und die Kontrollen laufen danach noch eine Weile weiter. Der Grund ist unspektakulär und wichtig: Ein Teil der erfolgreich behandelten Kinder fällt im ersten Jahr nach dem Ende wieder zurück, und das merkt man nur, wenn man nachschaut. Wer ein gutes Ergebnis erreicht hat, verabschiedet sich deshalb nicht, sondern bekommt einen nächsten Termin — und wenn wirklich nichts mehr nötig ist, sagen wir auch das.
Ein Wort zu Ihrer Rolle dabei: Der Erfolg dieser Behandlung hängt weniger an der Verordnung als daran, ob sie zu Hause tatsächlich stattfindet. Wir planen sie deshalb lieber mit Ihnen zusammen realistisch, als sie ambitioniert aufzuschreiben.
Kurzsichtigkeit bei Kindern: was sich beeinflussen lässt
Bei Erwachsenen ist eine Kurzsichtigkeit vor allem eine Frage der Korrektur. Bei Kindern ist sie eine Frage des Tempos: Die Werte steigen in der Wachstumsphase am schnellsten, und je länger ein Auge am Ende ist, desto höher ist über das ganze Leben das Risiko für eine Netzhautablösung, für Veränderungen an der Stelle des schärfsten Sehens, für einen Grünen Star und für einen früher auftretenden Grauen Star. Dieses Risiko steigt allmählich, nicht sprunghaft — deshalb zählt jede Dioptrie, die ein Kind am Ende nicht hat.
Beeinflussen lässt sich dieses Tempo bei vielen Kindern, und das fasst der Begriff Myopie-Management zusammen: niedrig dosiertes Atropin, formstabile Nachtlinsen (Ortho-K) und speziell aufgebaute Brillengläser oder weiche Speziallinsen. Ebenso klar gehört der zweite Satz dazu: Keine dieser Massnahmen heilt. Ein kurzsichtiges Auge wird nicht wieder normalsichtig, und kein Verfahren stoppt das Wachstum vollständig. Worum es geht, ist eine Verlangsamung im Mittel und über Jahre.
Voraussetzung für all das ist eine Zahl, keine Vermutung: die gemessene Zunahme über die Zeit, bei Kindern ergänzt durch die berührungslose Messung der Augenlänge. Ohne diesen Verlauf lässt sich weder begründen, warum eine Behandlung beginnt, noch erkennen, ob sie wirkt. Welche Massnahme wofür belegt ist, was sie im Alltag bedeutet und wo ihre Grenzen liegen, steht ausführlich unter Kurzsichtigkeit bei Kindern und das Myopie-Management.
Zwei Dinge, die Sie ohne uns tun können und die zu den wenigen gut begründeten gehören: Zeit draussen im Tageslicht — als Grössenordnung werden rund zwei Stunden pro Tag genannt, am besten belegt für das Hinauszögern des Beginns — und ein vernünftiger Leseabstand statt Nase am Heft. Dass Tablets und Handys für sich genommen kurzsichtig machen, ist dagegen nicht belegt; was sich belegen lässt, ist der Rahmen: Bildschirmzeit findet drinnen statt, auf kurze Distanz und ohne Blick in die Ferne. Wer sein Kind vom Tablet holt und vor den Fernseher setzt, hat wenig gewonnen.
Und die Sorge, die wir am häufigsten hören, dürfen wir Ihnen nehmen: Eine Brille «zu früh» gibt es nicht, und eine absichtlich zu schwach verordnete Brille bremst nichts — das ist untersucht worden und hat sich nicht bestätigt. Ein Kind, das schlecht sieht, gewöhnt sich nicht an die Brille; es gewöhnt sich an das schlechte Sehen. Ob hinter der Unschärfe überhaupt eine Kurzsichtigkeit steckt oder eine Hornhautverkrümmung, die bei Kindern früher korrigiert wird, entscheidet die Messung.
Schielen — auch wenn es nur manchmal auffällt
Schielen heisst, dass die beiden Augen nicht in dieselbe Richtung blicken. Das kann auffällig sein und jedem im Raum ins Auge springen; es kann aber auch so gering ausfallen, dass es nur auf Fotos, nur bei Müdigkeit oder nur beim Blick in eine bestimmte Richtung sichtbar wird. Für die Frage, wie dringend es abgeklärt gehört, macht diese Grösse erstaunlich wenig Unterschied: Auch ein kleiner, nur zeitweise sichtbarer Winkel kann dazu führen, dass ein Auge unterdrückt wird.
Zwei Missverständnisse halten sich hartnäckig, und beide kosten Zeit. Das erste: «Das wächst sich aus.» Ein Schielen, das über die ersten Lebensmonate hinaus besteht oder das neu auftritt, wächst sich nicht aus und gehört untersucht. Das zweite: «Es schielt ja nur manchmal.» Gerade das zeitweise Schielen wird spät bemerkt — und die Uhr, die dabei läuft, ist die der Sehentwicklung.
Häufig steckt eine unkorrigierte Weitsichtigkeit dahinter: Das Kind muss kräftig scharfstellen, und das Scharfstellen ist im Gehirn mit dem Einwärtsdrehen der Augen gekoppelt. Bei dieser Form normalisiert eine korrekt verordnete Brille die Augenstellung häufig ganz oder teilweise — die Brille ist dann keine Sehhilfe, sondern die Behandlung. Welche Formen es sonst gibt, wie der Schielwinkel gemessen wird und was jeweils daraus folgt, steht unter Schielen: Formen, Abklärung und Behandlung bei Kindern.
Ob am Ende ein Eingriff an den Augenmuskeln nötig wird, entscheidet sich erst nach dieser Phase und nie am ersten Termin. Wo er nötig ist, sagen wir Ihnen das direkt und organisieren die Zuweisung an eine spezialisierte Stelle; die Abklärung davor und die Kontrollen danach übernehmen wir wohnortnah. Eine Übersicht mit Anfahrt und Öffnungszeiten finden Sie unter Standorte, Anfahrt und Öffnungszeiten der Sehklinik.
Ablauf eines Kindertermins
Kinder kommen selten aus eigenem Antrieb zum Augenarzt, und viele kommen mit einer Erwartung, die sich aus dem Zahnarztstuhl speist. Deshalb hier, konkret, was passiert — Sie dürfen es Ihrem Kind vorher erzählen, das nimmt am meisten Spannung heraus.
- Zuhören. Was ist Ihnen aufgefallen, seit wann, in welchen Situationen? Gibt es in der Familie Schielen, starke Fehlsichtigkeit oder eine Schwachsichtigkeit? Fotos, auf denen Ihnen etwas aufgefallen ist, schauen wir uns an.
- Sehschärfe, jedes Auge einzeln. Statt Buchstaben zeigen wir Bilder, Symbole oder Ringe mit einer Öffnung, deren Richtung Ihr Kind mit der Hand nachzeigen darf. Ein Auge wird dabei abgedeckt — das ist der wichtigste Teil des Termins und der Grund, weshalb er nicht abgekürzt wird.
- Augenstellung und Zusammenspiel. Ihr Kind schaut auf ein Licht oder ein Spielzeug, während wir abwechselnd ein Auge abdecken und die Bewegungen beobachten. Das dauert Sekunden und tut nichts.
- Messung der Brillenwerte am Gerät. Ihr Kind schaut in ein Gerät auf ein Bild; gemessen wird berührungslos.
- Augentropfen, wenn die Fragestellung sie verlangt. Sie brennen kurz und wirken dann ein: Die Pupillen werden weit, die Naheinstellung wird vorübergehend ausgeschaltet. Dazwischen liegt eine Wartezeit — nehmen Sie etwas zum Spielen oder ein Buch mit, das Ihr Kind sich anschauen mag, solange es das noch gut kann.
- Beurteilung des Augenhintergrunds mit weiter Pupille, mit einem hellen Licht und in wenigen Minuten.
- Besprechung. Was gemessen wurde, was es bedeutet, was daraus folgt — und wann die nächste Kontrolle sinnvoll ist. Wenn nichts zu tun ist, sagen wir das genauso deutlich.
Nach dem Termin gilt bei Tropfen: Die Pupillen bleiben weit und das Nahsehen unscharf, bei Kindern häufig bis zum nächsten Tag — je nach verwendetem Präparat auch deutlich länger, und dann sagen wir Ihnen das vorher — und Ihr Kind ist blendempfindlich. Planen Sie den Rest des Tages ohne Hausaufgaben und ohne Bildschirmarbeit. Sehr selten machen diese Tropfen ein Kind für ein paar Stunden rot im Gesicht, unruhig oder etwas fiebrig; das geht von selbst vorüber, und wenn es Sie beunruhigt, rufen Sie an. Bei ausgeprägter Schläfrigkeit, Verwirrtheit, hohem Fieber oder Unsicherheit beim Gehen warten Sie dagegen nicht ab: Das gehört ärztlich beurteilt, ausserhalb der Sprechzeiten in einer Notfallstation.
Planen Sie für einen Kindertermin mit Tropfen mehr Zeit ein als für einen Erwachsenentermin — die Wartezeit zwischen Eintropfen und Messung gehört dazu und lässt sich nicht abkürzen. Am ruhigsten läuft es erfahrungsgemäss, wenn der Termin nicht in die Mittagsschlafzeit fällt.
Wenn Sie so weit sind: Termin für Ihr Kind online vereinbaren — oder rufen Sie an unter +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die Angaben zur Anmeldung für zuweisende Kolleginnen und Kollegen.
Kosten & Krankenkasse
Was bei Kindern über die Grundversicherung läuft
Bei Kindern gilt die Selbstzahler-Regel für Untersuchungen ohne Beschwerden nicht unbesehen: Die Abklärung von Schielen, einseitiger Fehlsichtigkeit und Schwachsichtigkeit ist eine medizinische Fragestellung. Was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen vor dem Termin — nicht mit der Rechnung.
| Leistung | Vergütung | Das heisst für Sie |
|---|---|---|
Augenärztliche Untersuchung bei Verdacht auf Schielen oder Schwachsichtigkeit | Grundversicherung | Abklärung, Refraktion und die Verlaufskontrollen sind bei dieser Fragestellung Krankenbehandlung. Das gilt auch dann, wenn sich der Verdacht am Ende nicht bestätigt. |
Messung der Brillenwerte unter Augentropfen (zykloplegische Refraktion) | Grundversicherung bei Indikation | Bei Kindern ist dieser Schritt regelmässig nötig, weil die kindliche Linse eine Weitsichtigkeit sonst verdeckt. Er ist Teil der Untersuchung und keine Zusatzleistung, die man dazubucht. |
Augenärztliche Vorabklärung der Augenstellung und Zuweisung in die Orthoptik | Grundversicherung bei Indikation | Eine begründete Fragestellung — Schielen, Doppelbilder, schiefe Kopfhaltung, Verdacht auf Schwachsichtigkeit — ist Krankenbehandlung. Die augenärztliche Vorabklärung machen wir; die orthoptische Untersuchung selbst findet in einer spezialisierten Sprechstunde statt, und die Zuweisung dorthin organisieren wir. |
Kontrolle im Vorschulalter ohne Auffälligkeiten | Eigene Regeln — nicht automatisch Selbstzahler | Für Kinder und Jugendliche gilt die Selbstzahler-Regel für Untersuchungen ohne Beschwerden nicht unbesehen. Wie ein Termin ohne konkreten Verdacht abgerechnet wird, hängt von der Fragestellung ab; wir klären das mit Ihnen, bevor Sie kommen. |
Franchise und Selbstbehalt bei Kindern | Eigene, tiefere Ansätze | Kinder haben im Standardmodell keine Franchise — eine gewählte Wahlfranchise bleibt vorbehalten —, der Selbstbehalt gilt und ist tiefer gedeckelt als bei Erwachsenen. Eine Leistung «auf Kassenkosten» ist deshalb auch bei Kindern selten ganz kostenlos. |
Brillengläser und Kontaktlinsen für Kinder | Gesetzliche Regelung mit begrenztem Beitrag | Für Kinder besteht eine gesetzliche Regelung mit einem begrenzten jährlichen Beitrag, bei bestimmten Augenerkrankungen darüber hinaus; die Fassung tragen Sie in der Regel selbst. Einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich — klären Sie das mit Ihrer Krankenkasse. |
Angeborene Augenerkrankungen (Geburtsgebrechen) | Andere Zuständigkeit — bitte vorher klären | Bestimmte angeborene Augenerkrankungen laufen bei Kindern nicht über die Krankenkasse, sondern über die Invalidenversicherung; welche das sind, ist gesetzlich abschliessend geregelt. Ob Ihr Fall darunterfällt, klären wir mit Ihnen und nicht Sie allein am Schalter — sagen Sie uns die Diagnose, bevor Sie irgendwo etwas einreichen. |
Abdeckpflaster und Material für die Amblyopiebehandlung | Bitte vorher klären | Wie Verbrauchsmaterial in Ihrem Fall abgerechnet wird, hängt von der Kasse und vom Modell ab. Wir sagen Ihnen, womit Sie rechnen müssen, und mit derselben Auskunft fragen Sie dort nach. |
Myopie-Management: Spezialgläser, Ortho-K-Linsen, Atropin-Rezeptur | Meist Selbstzahlerleistung | Untersuchung und Verlaufsmessung sind bei medizinischer Fragestellung Krankenbehandlung; die Massnahme selbst wird in der Regel nicht von der Grundversicherung übernommen, einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich. Näheres auf der Seite zur Kurzsichtigkeit. |
Unsicher, in welche Kategorie Ihr Anliegen fällt? Rufen Sie an — +41 44 500 69 00. Wir sagen Ihnen am Telefon, womit Sie rechnen müssen, und mit derselben Auskunft fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Eine Rechnung, die überrascht, ist ein vermeidbares Ärgernis.
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Medizinisch geprüft von Dr. med. Annette Schumann
Häufige Fragen von Eltern
- Zwei Antworten, und beide gelten gleichzeitig. Sobald etwas auffällt, sofort — unabhängig vom Alter: ein Auge, das nach innen oder aussen abweicht, eine schiefe Kopfhaltung, sehr naher Leseabstand, häufiges Zukneifen oder Augenreiben, Kopfschmerzen gegen Abend oder ein auffälliger Sehtest in der Schule. Fällt nichts auf, ist eine augenärztliche Kontrolle im Vorschulalter trotzdem sinnvoll, weil ein Kind ein schwächeres Auge selbst nicht bemerkt und niemandem etwas auffällt, solange beide Augen offen sind. Gibt es in der Familie starkes Schielen, eine hohe Fehlsichtigkeit oder eine Schwachsichtigkeit, kommen Sie früher. Wir untersuchen Kinder ab Kindergartenalter; bei Säuglingen und Kleinkindern klären wir am Telefon, ob eine auf Kinderaugenheilkunde spezialisierte Sprechstunde der bessere Ort ist, und helfen beim Weg dorthin.
- Leider nein, und das ist keine Kritik am Kind. Kinder vergleichen nicht: Wer von Anfang an mit einem Auge unscharf sieht, hält das für den Normalzustand und hat keinen Anlass, etwas zu melden. Dazu kommt, dass das stärkere Auge die Lücke im Alltag vollständig überdeckt — Ihr Kind spielt, liest und fängt den Ball, und es fällt niemandem etwas auf. Deshalb wird bei einer Augenuntersuchung jedes Auge einzeln geprüft, mit abgedecktem Partnerauge. Das ist der eigentliche Punkt der ganzen Untersuchung und der Grund, weshalb ein bestandener Sehtest in der Schulklasse eine augenärztliche Kontrolle nicht ersetzt.
- Orthoptik ist das Fachgebiet, das sich mit der Augenstellung, der Beweglichkeit der Augen und dem Zusammenspiel beider Augen befasst — also mit der Frage, ob aus zwei Bildern ein einziges, räumliches Bild wird. «Sehschule» ist das Alltagswort für dieselbe Sache und leicht irreführend, denn geübt wird dort nicht das Erkennen von Buchstaben. Untersucht werden die Stellung der Augen in verschiedenen Blickrichtungen, der Schielwinkel, das räumliche Sehen und die Frage, ob ein Auge unterdrückt wird. Behandelt wird anschliessend vor allem mit einer genau bestimmten Brille und damit, das stärkere Auge zeitweise auszubremsen, damit das schwächere arbeiten muss. Eine eigene orthoptische Sprechstunde haben wir nicht: Bei uns findet die augenärztliche Vorabklärung statt — Sehschärfe jedes Auges einzeln, Abdecktest, Beweglichkeit und die Brillenwerte unter Tropfen —, und wo eine vollständige orthoptische Abklärung nötig ist, sagen wir das und organisieren die Zuweisung. Übungen im Internet, Trainingsprogramme und Nahrungsergänzungsmittel gehören ausdrücklich nicht dazu.
- Kinder können ihre Augenlinse so kräftig nachstellen, dass eine Weitsichtigkeit bei der gewöhnlichen Messung unterschätzt oder ganz verdeckt wird — das Auge korrigiert sich während der Untersuchung selbst. Deshalb geben wir bei entsprechender Fragestellung Tropfen, die diese Scharfstellung vorübergehend ausschalten; erst danach zeigt die Messung den tatsächlichen Wert. Praktisch heisst das: Die Pupillen bleiben weit, das Nahsehen ist unscharf, und Ihr Kind ist blendempfindlich — bei Kindern häufig bis zum nächsten Tag, je nach verwendetem Präparat auch deutlich länger. Womit Sie rechnen müssen, sagen wir Ihnen vorher und nicht hinterher. Planen Sie den Rest des Tages ohne Hausaufgaben und ohne Bildschirmarbeit und geben Sie eine Sonnenbrille oder eine Mütze mit Schirm mit. Sehr selten machen diese Tropfen ein Kind für ein paar Stunden rot im Gesicht, unruhig oder etwas fiebrig; das geht von selbst vorüber, und wenn es Sie beunruhigt, rufen Sie an. Etwas anderes sind ausgeprägte Schläfrigkeit, Verwirrtheit, hohes Fieber oder eine Unsicherheit beim Gehen: Das wird nicht abgewartet, sondern ärztlich beurteilt — innerhalb der Sprechzeiten bei uns, ausserhalb in einer Notfallstation.
- Das ist eines der wenigen Zeichen im Kindesalter, bei denen nicht beobachtet wird. Ein weisslicher oder fehlender roter Pupillenreflex bedeutet, dass etwas im Strahlengang das Licht zurückhält — die Ursachen reichen von einer angeborenen Linsentrübung bis zu seltenen, aber ernsten Befunden im Augeninneren. Die allermeisten Fotos mit einem seltsamen Reflex erklären sich am Ende durch den Blickwinkel oder den Blitz, und trotzdem gilt: Rufen Sie noch am selben Tag an. Bei einem Säugling oder Kleinkind rufen Sie dafür nicht zuerst uns an, sondern melden sich direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation; wir helfen beim Weg dorthin, wenn Sie uns erreichen. Bringen Sie das Foto mit, es ist ein brauchbarer Befund.
- Nur noch begrenzt, und genau darin liegt der ganze Zeitdruck dieses Fachgebiets. Das Sehen reift in den ersten Lebensjahren: Ein Auge, das in dieser Phase kein scharfes Bild bekommt, lernt das Sehen nicht vollständig, und das Gehirn gewöhnt sich daran, dieses Bild zu übergehen. Je früher eine Schwachsichtigkeit erkannt und behandelt wird, desto mehr lässt sich aufholen; nach Abschluss der Sehentwicklung im Schulalter wird es deutlich schwieriger. Schwieriger heisst aber nicht aussichtslos: Auch bei einem älteren Kind lohnt sich ein Versuch — der Gewinn fällt kleiner aus und braucht mehr Geduld, aber er ist keine Ausnahme, und niemand bekommt bei uns zu hören, dafür sei es jetzt zu spät. Das ist kein Grund für Panik und auch keine Aussage über ein einzelnes Kind — es ist der Grund, weshalb die Kontrolle im Vorschulalter keine Formalität ist und warum wir bitten, mit einem auffälligen Befund nicht bis nach den Ferien zu warten.
- Für Kinder und Jugendliche gilt die Selbstzahler-Regel für Untersuchungen ohne Beschwerden nicht unbesehen: Die Abklärung von Schielen, einseitiger Fehlsichtigkeit und Schwachsichtigkeit ist eine medizinische Fragestellung und wird in der Regel über die Grundversicherung abgerechnet. Kinder haben im Standardmodell keine Franchise — eine gewählte Wahlfranchise bleibt vorbehalten —, der Selbstbehalt gilt. Für Brillengläser und Kontaktlinsen bestehen bei Kindern eigene gesetzliche Regelungen mit einem begrenzten jährlichen Beitrag, bei bestimmten Augenerkrankungen darüber hinaus. Was in Ihrem Fall gilt, klären wir vor dem Termin mit Ihnen — nicht mit der Rechnung.
Unsicher, ob es ein Fall für uns ist? Fragen Sie, bevor Sie warten.
Beschreiben Sie uns am Telefon, was Ihnen an Ihrem Kind aufgefallen ist und seit wann. Wir sagen Ihnen, ob ein Termin nötig ist, wie dringend er ist — und wenn eine spezialisierte kinderaugenärztliche Sprechstunde der bessere Ort ist, sagen wir auch das.
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