Fehlsichtigkeit
Weitsichtigkeit — warum das Lesen anstrengt, obwohl die Ferne stimmt
Der Text rückt weg, gegen Abend brennen die Augen, und nach zwei Seiten meldet sich die Stirn. Das kann Weitsichtigkeit sein — es kann aber auch Alterssichtigkeit sein, und das sind zwei verschiedene Dinge mit derselben Klage. Diese Seite erklärt, was im Auge tatsächlich passiert, woran sich die beiden unterscheiden, und warum eine unerkannte Weitsichtigkeit bei Kindern etwas ganz anderes bedeutet als bei Erwachsenen.
Was Weitsichtigkeit ist
Ein Auge sieht dann scharf, wenn das einfallende Licht genau auf der Netzhaut gebündelt wird. Bei einer Weitsichtigkeit passt dieses Verhältnis nicht: Der Augapfel ist im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz, oder Hornhaut und Linse brechen das Licht zu schwach. Der Brennpunkt läge dann rechnerisch hinter der Netzhaut — und das Bild, das dort ankommt, ist unscharf. Damit zählt die Weitsichtigkeit zu den Fehlsichtigkeiten des Auges.
Der medizinische Name dafür ist Hyperopie; manche Berichte schreiben auch Hypermetropie. Weitsichtigkeit und Hyperopie meinen dasselbe: den Begriff aus dem Wartezimmer und den vom Brillenrezept. Erkennbar ist sie dort am Pluszeichen vor dem Wert — Sammellinsen bringen den Brennpunkt nach vorn, während Minusgläser bei Kurzsichtigkeit mit ihrem im Verhältnis zu langen Augapfel das Gegenteil tun.
Bis hierher wäre die Sache einfach. Kompliziert wird sie durch eine Fähigkeit, die das Auge mitbringt: die Akkommodation. Ein Ringmuskel im Auge kann die Linse wölben und damit ihre Brechkraft erhöhen — eigentlich dazu gedacht, das Sehen von der Ferne in die Nähe umzustellen. Ein weitsichtiges Auge setzt genau diese Reserve dafür ein, den eigenen Baufehler auszugleichen. Es tut das automatisch, ohne dass Sie es merken.
Deshalb sieht ein junger Mensch mit leichter bis mittlerer Weitsichtigkeit in der Regel scharf — in der Ferne und oft auch in der Nähe. Er sieht scharf, weil er dauernd Muskelarbeit leistet. Und weil die Nähe mehr Akkommodation verlangt als die Ferne, geht dem Auge dort zuerst die Reserve aus. Das erklärt beides: warum eine Weitsichtigkeit jahrzehntelang unentdeckt bleiben kann — und warum sie sich, wenn sie sich meldet, meist nicht als Unschärfe meldet, sondern als Anstrengung.
Fachlich unterscheidet man deshalb zwischen dem Anteil, den das Auge selbst ausgleicht (latente Weitsichtigkeit), und dem, der übrig bleibt und sich in der normalen Messung zeigt (manifeste Weitsichtigkeit). Für Sie hat das eine praktische Folge: Eine Messung ohne weitere Vorbereitung erfasst bei jungen Augen nicht zwingend den ganzen Wert. Wie wir damit umgehen, steht weiter unten im Abschnitt zur Abklärung.
Weitsichtigkeit oder Alterssichtigkeit?
Das ist die häufigste Verwechslung in diesem Themenfeld, und sie ist verständlich: Beide melden sich mit demselben Satz — «in der Nähe wird es unscharf». Die Ursachen haben aber nichts miteinander zu tun.
Weitsichtigkeit: ein Bauverhältnis des Auges
Sie entsteht aus der Länge des Augapfels und der Brechkraft von Hornhaut und Linse. Das ist von Geburt an angelegt, verändert sich im Wachstum und steht danach im Wesentlichen fest. Eine Weitsichtigkeit kann in jedem Alter bestehen — ein Zwanzigjähriger kann weitsichtig sein, ein Kind ebenso.
Alterssichtigkeit: eine Alterung der Linse
Hier spielt der Bau des Auges keine Rolle — die Alterssichtigkeit kommt zu jeder Ausgangslage dazu. Was nachlässt, ist die Verformbarkeit der Augenlinse: Sie wird über die Jahre fester, und der Muskel kann sie immer weniger wölben. Damit schrumpft der Bereich, in dem scharfgestellt werden kann. Das ist kein Fehler und keine Krankheit, sondern ein Vorgang, der jeden Menschen betrifft — auch Kurzsichtige, auch Menschen, die ihr Leben lang keine Brille gebraucht haben. Bemerkbar macht er sich meist ab Mitte vierzig. Womit sich die nachlassende Scharfstellkraft ausgleichen lässt — von der Lesebrille über Gleitsicht- und Arbeitsplatzgläser bis zu Verfahren an der Linse —, steht auf der Seite zur Alterssichtigkeit und den Wegen, sie im Alltag auszugleichen.
| Merkmal | Weitsichtigkeit | Alterssichtigkeit |
|---|---|---|
| Ursache | Auge zu kurz oder Brechkraft zu schwach | Augenlinse verliert ihre Verformbarkeit |
| Beginn | Von Geburt an angelegt, oft lange unbemerkt | Schleichend, meist ab Mitte vierzig |
| Wen es betrifft | Einen Teil der Menschen | Alle Menschen, unabhängig von der Brille davor |
| Ferne | Bei höheren Werten ebenfalls betroffen | Bleibt unverändert |
| Bei Kindern möglich | Ja, und dort besonders bedeutsam | Nein |
Die Faustregel — und wo sie endet
Die ehrlichste Kurzfassung lautet: Wer schon in jungen Jahren beim Lesen ermüdete oder eine Plusbrille brauchte, ist weitsichtig; wer bis Mitte vierzig mühelos alles sah und nun den Arm ausstrecken muss, wird alterssichtig. Das trifft in den meisten Fällen zu und hilft beim Einordnen.
Es hilft nur nicht immer. Denn erstens kommt beides zusammen vor, und zwar häufig. Zweitens merken gerade Weitsichtige die Alterssichtigkeit früher als andere: Ihre Reserve war ja bereits zu einem Teil dafür verbraucht, den eigenen Baufehler auszugleichen — geht sie zur Neige, fehlt sie doppelt. Und drittens gibt es einige Ursachen für unscharfes Nahsehen, die mit beidem nichts zu tun haben, etwa einen beginnenden Grauen Star oder eine unruhige Augenoberfläche bei trockenen Augen.
Sauber trennen lässt sich das nur durch eine Messung — bei den meisten Erwachsenen in einem kurzen Termin, bei jungen Augen mit dem zusätzlichen Schritt der Tropfen. Und je nachdem, wie die Antwort ausfällt, braucht es eine ganz andere Korrektur. Eine Übersicht über die verschiedenen Formen der Fehlsichtigkeit finden Sie auf der Seite Fehlsichtigkeit.
Symptome bei Erwachsenen
Weitsichtigkeit meldet sich bei Erwachsenen selten mit «ich sehe schlecht». Sie meldet sich als Erschöpfung. Typisch ist:
- Naharbeit strengt an — Lesen, Nähen, Handwerk, Bildschirm. Der Text ist zunächst scharf und wird nach einiger Zeit unscharf, nicht umgekehrt.
- Kopfschmerzen, meist über den Augen, an der Stirn oder in den Schläfen, typischerweise gegen Ende eines Lesetages
- Müde, brennende, gerötete Augen am Abend, oft zusammen mit dem Bedürfnis, die Augen zu reiben
- Der Blick muss neu «einrasten», wenn Sie von der Nähe in die Ferne wechseln — sekundenlang verschwommen
- Der Leseabstand wächst: Das Buch, das Handy, die Speisekarte rücken weiter weg
- Konzentration lässt beim Lesen nach — bei Kindern und Jugendlichen manchmal das einzige Zeichen
- Später auch die Ferne: Schilder, Gesichter und Untertitel werden unschärfer, wenn die Reserve nicht mehr für beides reicht
Auffällig ist dabei der Verlauf über den Tag: morgens geht es, abends nicht mehr. Das liegt daran, dass hinter dem scharfen Bild eine Muskelleistung steckt, und Muskeln ermüden. Viele beschreiben es als «ich brauche länger, bis ich mich eingelesen habe» oder «nach einer halben Stunde muss ich aufhören».
Der Punkt, an dem es unangenehm wird, ist häufig nicht der Beginn der Weitsichtigkeit, sondern das Nachlassen der Scharfstellkraft — meist zwischen vierzig und fünfzig. Was sich dann anfühlt wie eine rasche Verschlechterung, ist in Wirklichkeit das Sichtbarwerden von etwas, das schon lange bestand.
Diese Beschwerden sind unangenehm, aber sie sind kein Notfall und sprechen für sich genommen meist nicht für eine Augenerkrankung. Was dahintersteckt, zeigt die Untersuchung. Ein Termin für die Abklärung in den nächsten Wochen genügt. Anders ist es, wenn Ihr Sehen sich plötzlich verändert, wenn Lichtblitze, ein Schwarm schwarzer Punkte, ein Schatten von aussen, Doppelbilder oder ein schmerzhaftes rotes Auge dazukommen — dann rufen Sie bitte am selben Tag an.
Weitsichtigkeit bei Kindern
Bei Erwachsenen ist eine unkorrigierte Weitsichtigkeit vor allem lästig. Bei Kindern ist sie etwas anderes: Sie kann die Entwicklung des Sehens stören — und Kinder sagen nichts. Sie können es nicht sagen, weil sie keinen Vergleich haben. Ein Kind, das angestrengt sieht, hält das für den Normalzustand.
Warum Kinder ohnehin weitsichtig zur Welt kommen
Fast alle Neugeborenen sind leicht weitsichtig: Das Auge ist noch kurz. Während es wächst, gleicht sich das Verhältnis von Länge und Brechkraft in der Regel von selbst aus. Eine leichte Weitsichtigkeit im Kleinkindalter ist deshalb normal und kein Befund. Bedeutsam wird sie, wenn sie deutlich ausgeprägt ist, wenn sie zwischen den beiden Augen stark unterschiedlich ausfällt — oder wenn das Kind zu schielen beginnt.
Innenschielen: warum es gerade hier entsteht
Scharfstellen und Einwärtsdrehen der Augen sind im Gehirn miteinander gekoppelt: Wer in die Nähe schaut, stellt scharf und wendet beide Augen zueinander. Ein weitsichtiges Kind muss aber schon fürs normale Sehen kräftig scharfstellen — und nimmt das Einwärtsdrehen ungewollt mit. Daraus kann ein akkommodatives Innenschielen entstehen, das oft im Kleinkindalter auffällt, zunächst zeitweise, bei Müdigkeit oder beim Anschauen naher Dinge.
Das Bemerkenswerte an dieser Form: Eine korrekt verordnete Brille nimmt dem Kind die Anstrengung ab, und damit normalisiert sich die Augenstellung häufig ganz oder teilweise. Die Brille ist hier keine Sehhilfe im landläufigen Sinn, sondern die Behandlung — was zugleich erklärt, warum konsequentes Tragen so wichtig ist.
Schwachsichtigkeit — das eigentliche Risiko
Bekommt ein Auge über längere Zeit kein scharfes Bild, lernt das Gehirn nicht, es zu benutzen. Es unterdrückt das schlechtere Bild, und das Auge bleibt schwachsichtig — fachlich eine Amblyopie. Besonders tückisch ist die einseitige Weitsichtigkeit: Das gesunde Auge liefert ein einwandfreies Bild, das Kind sieht mit beiden Augen offen völlig normal, und niemandem fällt etwas auf. Genau deshalb wird jedes Auge einzeln geprüft.
Der Zeitfaktor ist hier das Entscheidende: Das Sehen reift in den ersten Lebensjahren. Was in dieser Phase nicht angelegt wird, lässt sich später nur noch begrenzt nachholen — deshalb ist eine Abklärung im Kindergartenalter keine Formalität.
Warum Kinderaugen Tropfen brauchen
Bei Kindern und jungen Erwachsenen ist die Scharfstellkraft so gross, dass die gewöhnliche Messung eine Weitsichtigkeit unterschätzt oder ganz verdeckt: Das Auge korrigiert sich während der Untersuchung selbst. Deshalb geben wir bei entsprechender Fragestellung Augentropfen, die diese Scharfstellung vorübergehend ausschalten. Erst danach zeigt die Messung den tatsächlichen Wert — das ist die sogenannte zykloplegische Refraktion.
Praktisch heisst das: Die Pupillen bleiben weit und das Nahsehen unscharf — bei Kindern häufig bis zum nächsten Tag, bei einzelnen Tropfen länger —, und Ihr Kind ist in dieser Zeit blendempfindlich. Planen Sie für den Termin Zeit ein, nehmen Sie eine Sonnenbrille oder eine Mütze mit, und rechnen Sie damit, dass Lesen und Hausaufgaben an diesem und oft auch am folgenden Tag nicht gut gehen. Das ist der Preis für eine Zahl, die stimmt — eine Brille auf Basis einer verdeckten Weitsichtigkeit wäre zu schwach.
Bitte kommen Sie mit Ihrem Kind, wenn ein Auge nach innen oder aussen abweicht, wenn der Kopf beim Schauen schief gehalten wird, wenn es häufig zukneift oder die Augen reibt, sehr nah an Buch und Bildschirm rückt, gegen Abend über Kopfschmerzen klagt — oder wenn ein Sehtest in der Schule auffällig war. Wir untersuchen Kinder ab Kindergartenalter; bei Säuglingen und Kleinkindern klären wir am Telefon, ob eine auf Kinderaugenheilkunde spezialisierte Sprechstunde der bessere Ort ist — rufen Sie in diesem Fall bitte trotzdem an, damit die Abklärung nicht wartet.
Weitsichtigkeit und der enge Kammerwinkel
Es gibt einen Zusammenhang, den kaum jemand kennt und der genau deshalb hierher gehört: Weitsichtige Augen haben ein etwas höheres Risiko für eine bestimmte Form des Grünen Stars — das Engwinkelglaukom.
Die Erklärung ist rein anatomisch. Ein weitsichtiges Auge ist ein kurzes Auge, und in einem kurzen Auge ist auch der vordere Abschnitt kleiner: Die Vorderkammer zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut ist flacher, und der Kammerwinkel — die Ecke, in der das Kammerwasser abfliesst — ist enger. Dazu kommt, dass die Augenlinse im Lauf des Lebens dicker wird und die Regenbogenhaut allmählich weiter nach vorn schiebt. Beides zusammen kann den engen Winkel weiter verengen.
Wird der Abfluss teilweise behindert, steigt der Augeninnendruck langsam an, meist ohne Beschwerden. Wird er plötzlich blockiert, entsteht ein akuter Glaukomanfall: heftige Schmerzen im Auge und im Kopf, ein rotes Auge, rasch schlechteres Sehen, Farbringe um Lichtquellen, ein steinhart wirkender Augapfel, häufig Übelkeit und Erbrechen. Diese Kombination ist ein Notfall — sie gehört innert Stunden behandelt, weil der hohe Druck den Sehnerv dauerhaft schädigen kann.
Bitte lesen Sie das nicht als Drohung. Die allermeisten weitsichtigen Menschen bekommen nie einen Glaukomanfall, und ein enger Winkel ist ein Risiko, kein Befund. Was daraus folgt, ist lediglich, dass sich ein Blick darauf lohnt — und dieser Blick ist unspektakulär: Wir beurteilen die Tiefe der Vorderkammer an der Spaltlampe und den Kammerwinkel mit einem Kontaktglas nach einem betäubenden Tropfen (Gonioskopie) oder berührungsfrei am Gerät, und messen den Augeninnendruck. Das dauert Minuten und tut nicht weh.
Sinnvoll ist eine solche Beurteilung, wenn eine stärkere Weitsichtigkeit besteht und Sie die Lebensmitte überschritten haben, wenn Grüner Star in Ihrer Familie vorkommt, wenn Sie abends Farbringe um Lampen sehen oder wiederkehrende dumpfe Augenschmerzen kennen — und bevor Sie Medikamente erhalten, die die Pupille erweitern. Zeigt sich ein sehr enger Winkel, gibt es vorbeugende Möglichkeiten, die wir dann in Ruhe mit Ihnen besprechen. Was Grüner Star ist, wie er entsteht und wie er behandelt wird, lesen Sie unter Grüner Star (Glaukom).
Wie sich Weitsichtigkeit korrigieren lässt
Korrigiert wird immer dasselbe: Es fehlt Brechkraft, und sie wird ergänzt. Die Wege dorthin unterscheiden sich in Aufwand, Kosten und Voraussetzungen — nicht im Prinzip.
Brille
Sammelnde Gläser mit Pluswerten sind der einfachste und mit Abstand günstigste Weg, und für Kinder sind sie die erste Wahl. Wie viel Sie tragen, richtet sich bei Erwachsenen nach den Beschwerden: Manche brauchen die Brille nur zum Lesen und am Bildschirm, andere den ganzen Tag. Kommt die Alterssichtigkeit dazu, wird die Nähe zusätzlich verstärkt — als Lesebrille, als Arbeitsplatzbrille für den Bildschirmabstand oder als Gleitsichtbrille, die mehrere Entfernungen abdeckt.
Kontaktlinsen
Weitsichtigkeit lässt sich auch mit Kontaktlinsen korrigieren, sphärisch wie multifokal. Ob sie für Sie in Frage kommen, hängt von der Augenoberfläche ab: Ein unruhiger Tränenfilm und trockene Augen vertragen sich schlecht mit Linsen, und wer am Bildschirm arbeitet, hat oft genau das. Wichtig ist die Hygiene — Linsen und ein rotes Auge sind immer ein Grund, die Linse herauszunehmen und uns anzurufen.
Refraktive Verfahren
Es gibt Verfahren, die die Brechkraft dauerhaft verändern: Behandlungen an der Hornhaut sowie Verfahren, bei denen zusätzlich eine Linse ins Auge eingesetzt wird. Für Weitsichtigkeit ist der sinnvoll korrigierbare Bereich enger als für Kurzsichtigkeit, und die Eignung entscheidet die Voruntersuchung: Wert, Dicke und Form der Hornhaut, Pupillenweite, Alter und Zustand der eigenen Linse. Was keines dieser Verfahren leistet, ist das Aufhalten der Alterssichtigkeit — eine Brille für die Nähe kann danach nötig werden oder nötig bleiben. Garantien auf ein brillenfreies Leben gibt es nicht, und wir stellen sie auch nicht in Aussicht: Wir ordnen ein, was in Ihrer Situation realistisch ist, und sagen es auch, wenn eine gut angepasste Brille das Vernünftigste bleibt.
Linsenverfahren ab der Lebensmitte
Mit den Jahren trübt die eigene Linse ein — das ist der Graue Star. Wird sie ersetzt, bestimmt die Stärke der neuen Kunstlinse, wie das Auge danach bricht: Die Weitsichtigkeit kann bei diesem Schritt mitkorrigiert werden. Das ist der Grund, warum bei Menschen jenseits der Lebensmitte die Frage nach dem Linsenzustand vor jeder Überlegung zu einer Hornhautbehandlung steht. Wie eine solche Operation abläuft, welche Linsentypen es gibt und was sie leisten, lesen Sie unter Behandlung des Grauen Stars. Auch hier gilt: Das Ziel wird vorher gemeinsam festgelegt, und eine Brille für einzelne Entfernungen bleibt je nach Linsenwahl Teil des Ergebnisses.
Was nicht hilft
Augentraining und Sehübungen verändern weder die Länge des Auges noch die Brechkraft von Hornhaut und Linse — eine Weitsichtigkeit lässt sich damit nicht abtrainieren. Nahrungsergänzungsmittel ebenso wenig. Und der hartnäckigste Ratschlag von allen ist der falscheste: eine bewusst zu schwache Brille zu tragen, «damit sich die Augen nicht daran gewöhnen». Eine Brille macht kein Auge faul; sie nimmt ihm Arbeit ab, die es sonst dauerhaft leistet. Bei Kindern kann eine absichtlich zu schwache Korrektur sogar schaden, weil sie genau die Anstrengung aufrechterhält, die zum Schielen führt.
Wie wir abklären
Der Ablauf ist unspektakulär und in einem Termin erledigt. Zuerst das Gespräch: was stört, in welcher Entfernung, seit wann, wie Sie arbeiten und lesen. Dann messen wir Ihre bisherige Brille aus, bestimmen die Werte am Gerät und stimmen sie anschliessend gemeinsam mit Ihnen ab — «besser so, oder so?». Das Nahsehen prüfen wir getrennt, bei Bildschirmarbeit auch im Abstand Ihres Monitors. Was dabei im Einzelnen gemessen wird, beschreibt die Seite Sehtest.
Bei jungen Augen und bei Kindern kommt der Schritt dazu, der oben beschrieben ist: Ohne Ausschalten der Scharfstellung ist der gemessene Wert bei einer Weitsichtigkeit nicht zwingend der richtige. Wir sagen Ihnen vorher, ob Tropfen nötig sind, damit Sie den Termin entsprechend planen können — nach weitstellenden Tropfen sollten Sie nicht selbst Auto fahren. Sehr selten steigt nach weitstellenden Tropfen der Augeninnendruck an — gerade bei sehr engem Kammerwinkel. Wenn Sie in den Stunden nach dem Termin starke Augenschmerzen, ein rotes Auge, Kopfschmerzen mit Übelkeit oder Farbringe um Lichtquellen bemerken, rufen Sie sofort an; ausserhalb der Sprechzeiten den augenärztlichen Notfalldienst.
Zur Refraktion gehört bei uns immer auch ein Blick auf das Auge selbst: Hornhaut, Linse, Vorderkammer und Kammerwinkel, Augeninnendruck und — je nach Fragestellung — Sehnerv und Netzhaut. Eine Brillenstärke sagt nichts darüber aus, ob das Auge gesund ist. Was eine vollständige augenärztliche Untersuchung umfasst, steht unter Augenuntersuchungen; das gesamte Fachgebiet finden Sie unter Augenheilkunde.
Untersucht wird an allen drei Standorten — in Zürich, in Wetzikon und in Meilen; Adressen, Öffnungszeiten und Anfahrtswege finden Sie unter Standorte. Sie erreichen uns unter +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30, oder schriftlich über das Kontaktformular. Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst. Zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die nötigen Angaben unter Zuweiser.
Kosten & Krankenkasse
Was bezahlt die Kasse — und was nicht?
Für die Kostenfrage zählt der Anlass, nicht das Gerät: Die Abklärung von Beschwerden ist eine Krankenbehandlung, das Hilfsmittel danach ist es in der Regel nicht. Wir sagen Ihnen vor der Untersuchung, was in Ihrem Fall gilt.
| Leistung | Vergütung | Das heisst für Sie |
|---|---|---|
Augenärztliche Abklärung bei Beschwerden | Grundversicherung | Kopfschmerzen bei Naharbeit, rasche Ermüdung beim Lesen, verändertes oder unscharfes Sehen sind eine medizinische Fragestellung. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch. |
Untersuchung von Kindern bei Verdacht auf Schielen oder Fehlsichtigkeit | Grundversicherung | Abklärung, zykloplegische Refraktion und Verlaufskontrollen sind bei dieser Fragestellung Krankenbehandlung. Für Kinder gelten bei Franchise und Selbstbehalt eigene, tiefere Ansätze. |
Brille: Gläser und Fassung | Selbstzahlerleistung | Bei Erwachsenen übernimmt die Grundversicherung die Sehhilfe in der Regel nicht; einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich. Für Kinder besteht eine gesetzliche Regelung mit einem begrenzten jährlichen Beitrag, bei bestimmten Augenerkrankungen darüber hinaus — klären Sie das mit Ihrer Krankenkasse. |
Kontaktlinsen und Anpassung | Selbstzahlerleistung | Linsen, Pflegemittel und die Anpassung tragen Sie in der Regel selbst. Für Kinder und Jugendliche sowie bei bestimmten Augenerkrankungen gilt dieselbe gesetzliche Regelung wie bei Brillengläsern — fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Kontrollen der Augenoberfläche bei Beschwerden sind demgegenüber eine ärztliche Leistung. |
Refraktiver Eingriff zur Brillenfreiheit | Selbstzahlerleistung | Ein Eingriff, der allein die Brille ersetzen soll, ist keine Krankenbehandlung. Anders die Operation des Grauen Stars bei medizinischer Indikation: Sie läuft über die Grundversicherung, während Zuschläge für Sonderlinsen selbst zu tragen sind. |
Unsicher, in welche Kategorie Ihr Anliegen fällt? Rufen Sie an — +41 44 500 69 00. Wir sagen Ihnen am Telefon, womit Sie rechnen müssen, und mit derselben Auskunft fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Krankenkasse nach. Eine Rechnung, die überrascht, ist ein vermeidbares Ärgernis.
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Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann · Zuletzt geprüft am
Häufige Fragen zur Weitsichtigkeit
- Weitsichtigkeit ist ein Bauverhältnis des Auges: Der Augapfel ist im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz, das scharfe Bild entstünde hinter der Netzhaut — das besteht meist von Kindheit an. Alterssichtigkeit ist etwas anderes: Die Augenlinse verliert im Lauf des Lebens ihre Verformbarkeit, sodass das Scharfstellen in die Nähe nachlässt; das betrifft ab etwa Mitte vierzig alle Menschen, auch Normal- und Kurzsichtige. Beide führen zur gleichen Klage «in der Nähe unscharf», haben aber verschiedene Ursachen. Als Faustregel: Wer schon als Kind oder junger Erwachsener eine Plusbrille brauchte oder beim Lesen rasch ermüdete, ist weitsichtig; wer bis Mitte vierzig alles mühelos sah und nun den Arm ausstrecken muss, wird alterssichtig. Sauber trennen lässt sich das nur mit einer Messung — und beides zusammen ist häufig.
- Das ist gut möglich. Um in der Nähe scharf zu sehen, muss ein weitsichtiges Kind kräftig scharfstellen, und das Scharfstellen ist im Gehirn mit dem Einwärtsdrehen der Augen gekoppelt — bei ausgeprägter Weitsichtigkeit kann daraus ein Innenschielen entstehen, das sogenannte akkommodative Schielen. Bei dieser Form normalisiert eine korrekt verordnete Brille die Augenstellung häufig ganz oder teilweise, weil sie dem Kind die Kraftanstrengung abnimmt. Wichtig ist der Zeitpunkt: Schielt ein Auge dauerhaft, wird es vom Gehirn zunehmend übergangen, und daraus kann eine Schwachsichtigkeit werden, die sich später nur noch begrenzt aufholen lässt. Bitte warten Sie damit nicht ab und lassen Sie Ihr Kind untersuchen — auch dann, wenn das Schielen nur zeitweise auffällt.
- Bei kleinen Kindern ja, in gewissem Rahmen: Fast alle Kinder kommen leicht weitsichtig zur Welt, und während das Auge wächst, gleicht sich das oft von selbst aus. Bei Erwachsenen verschwindet sie nicht — die Länge des Auges und die Brechkraft von Hornhaut und Linse ändern sich nicht mehr wesentlich. Erst wenn die eigene Linse eintrübt, kann sich der Wert wieder verschieben — manche lesen dann vorübergehend besser; das ist keine Heilung, sondern ein Befund, der angeschaut gehört. Was sich ändert, ist die Fähigkeit, sie zu überspielen: Mit nachlassender Scharfstellkraft wird eine bis dahin unbemerkte Weitsichtigkeit sichtbar, was viele als «plötzliche Verschlechterung» erleben. Sehübungen, Augentraining oder Nahrungsergänzung bauen eine Weitsichtigkeit nicht ab. Schwankt Ihr Sehen dagegen über Tage deutlich, steckt manchmal etwas anderes dahinter — etwa eine entgleiste Blutzuckerlage oder eine sehr trockene Augenoberfläche —, und das gehört angeschaut.
- Weil das Auge sich selbst korrigiert. Die Augenlinse kann sich wölben und damit die fehlende Brechkraft ausgleichen — Akkommodation heisst dieser Vorgang, und in jungen Jahren steht davon so viel zur Verfügung, dass eine leichte bis mittlere Weitsichtigkeit im Alltag gar nicht auffällt. Die Nähe verlangt mehr davon als die Ferne, deshalb macht sich die Nähe zuerst bemerkbar, und zwar oft nicht als Unschärfe, sondern als Anstrengung. Lässt die Verformbarkeit der Linse mit den Jahren nach, reicht die Reserve zuerst für die Nähe nicht mehr und später auch für die Ferne nicht. Dann ist nicht das Auge plötzlich schlechter geworden — die Weitsichtigkeit war die ganze Zeit da und wird jetzt nur nicht mehr verdeckt.
- Grundsätzlich lässt sich Weitsichtigkeit sowohl mit Verfahren an der Hornhaut als auch mit Linsenverfahren korrigieren. Der sinnvoll korrigierbare Bereich ist dabei enger als bei Kurzsichtigkeit, und ob Sie überhaupt geeignet sind, hängt von Ihrem Wert, von Dicke und Form der Hornhaut, von der Pupillenweite, vom Alter und vom Zustand der eigenen Linse ab — das entscheidet die Voruntersuchung, nicht der Wunsch. Kein Verfahren hält die Alterssichtigkeit auf: Eine Brille für die Nähe kann auch nach einer Korrektur nötig werden oder nötig bleiben. Garantien auf Brillenfreiheit gibt es nicht, und wir stellen sie auch nicht in Aussicht. Wir ordnen ergebnisoffen ein, welche Wege für Sie realistisch sind — und sagen es auch, wenn eine gut angepasste Brille das Vernünftigste ist.
- Nein. Eine Brille verändert weder die Länge des Auges noch die Brechkraft von Hornhaut und Linse; sie nimmt lediglich die Dauerarbeit ab, die das Auge sonst leistet. Bei Erwachsenen entscheidet der Alltag über die Tragezeit: Wer ohne Brille beschwerdefrei ist, muss sie nicht tragen, und wer abends Kopfschmerzen bekommt, spürt den Unterschied sofort. Bei Kindern ist das anders — dort ist eine verordnete Brille Behandlung und nicht Komfort: Bei Innenschielen oder drohender Schwachsichtigkeit ist konsequentes Tragen der entscheidende Teil der Therapie. Eine absichtlich zu schwach gewählte Brille «zum Trainieren» bringt niemandem etwas und kann bei Kindern schaden.
- Bei jeder Auffälligkeit sofort: ein Auge, das nach innen oder aussen abweicht, eine schiefe Kopfhaltung, häufiges Zukneifen oder Augenreiben, sehr nahes Herangehen an Buch und Bildschirm, Kopfschmerzen gegen Abend oder ein auffälliger Sehtest in der Schule. Ohne Auffälligkeiten ist eine augenärztliche Kontrolle vor dem Schuleintritt sinnvoll; gibt es in der Familie starke Fehlsichtigkeit oder Schielen, entsprechend früher. Der Grund für die Eile ist nicht die Brille, sondern die Entwicklung: Das Sehen reift in den ersten Lebensjahren, und ein Auge, das in dieser Phase kein scharfes Bild bekommt, lernt das Sehen nicht vollständig. Kinder melden das nie von selbst, weil sie nichts anderes kennen. Untersuchungen bei uns sind ab Kindergartenalter möglich; geht es um ein Baby oder ein Kleinkind, besprechen wir telefonisch, ob eine kinderaugenärztliche Sprechstunde der passendere Ort ist — melden Sie sich also in jedem Fall, damit die Abklärung nicht liegen bleibt.
Unschärfe in der Nähe hat mehrere Ursachen. Welche es ist, zeigt die Messung.
Ob Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit oder beides zusammen — die Unterscheidung braucht eine Messung und entscheidet darüber, welche Korrektur Ihnen tatsächlich hilft. Für Kinder mit auffälliger Augenstellung halten wir kurzfristige Termine frei.
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