Tränende Augen
Tränende Augen: die häufigste Ursache ist ein trockenes Auge
Das Auge läuft über — im Wind, in der Kälte, am Bildschirm, manchmal den ganzen Tag. Sie tupfen, die Sicht verschwimmt kurz, das Taschentuch ist immer dabei. Die häufigste Ursache für tränende Augen ist dabei ausgerechnet die, mit der niemand rechnet: ein zu trockenes Auge. Erst danach kommen ein Tränenweg, der den Abfluss nicht mehr schafft, und ein Lid, das nicht mehr richtig am Auge anliegt. Welche der drei Gruppen es ist, entscheidet die Untersuchung — nicht die Menge der Tränen.
Warum tränende Augen meist trockene Augen sind
Es klingt wie ein Widerspruch, und es ist der wichtigste Satz dieser Seite: In der Sprechstunde ist das überlaufende Auge am häufigsten ein zu trockenes Auge. Nicht «zu wenig Tränen» — sondern ein Tränenfilm, der die Oberfläche nicht mehr gleichmässig bedeckt.
Der Tränenfilm ist kein Wasser, sondern eine dünne Schichtung: aussen ein Fettfilm aus den Drüsen der Lidkante, der das Verdunsten bremst, darunter der wässrige Anteil, ganz innen eine Schleimschicht, mit der das Ganze auf der Hornhaut haftet. Fehlt der Fettfilm — weil die Drüsen am Lidrand verstopft sind —, verdunstet der wässrige Anteil zu schnell. Der Film reisst zwischen zwei Lidschlägen auf, und die Hornhaut liegt stellenweise frei.
Was dann passiert, ist ein Reflex und keine Krankheit für sich. Die Hornhaut ist das am dichtesten mit Nerven versorgte Gewebe des Körpers; eine trockene Stelle darauf meldet sich sofort. Die Tränendrüse antwortet mit einem Schwall dünner Reflextränen — zu viel auf einmal, zu wässrig, ohne den Fettanteil, der sie auf der Oberfläche halten würde. Sie laufen über die Lidkante ab, statt zu benetzen. Kurz darauf ist die Oberfläche wieder ungeschützt, und dasselbe beginnt von vorn.
Am Beschwerdebild lässt sich dieses Muster erstaunlich gut erkennen:
- Das Tränen kommt in Wellen, nicht als gleichmässiges Rinnen
- Es wird schlimmer bei Wind, Kälte, Zugluft, Klimaanlage und nach längerer Bildschirmarbeit
- Zwischen den Schüben bleibt ein Brennen, Kratzen oder Sandgefühl
- Meist sind beide Augen betroffen, oft ungleich stark
- Die Sehschärfe schwankt und bessert sich für einen Moment nach dem Blinzeln
- Befeuchtende Tropfen helfen — aber nur kurz, weil die Ursache am Lidrand liegt
Der medizinische Begriff für das überlaufende Auge lautet Epiphora. Er beschreibt das Symptom und sonst nichts: Er trifft auf das gereizte trockene Auge genauso zu wie auf einen verschlossenen Abfluss. Deshalb ist «Epiphora» eine Beschreibung und noch keine Diagnose.
Praktisch bedeutet das zweierlei. Erstens: Wer wegen tränender Augen kommt, wird bei uns zuerst auf den Tränenfilm und die Lidränder untersucht und nicht auf die Tränenwege. Zweitens: Die Behandlung sieht dann völlig anders aus, als die meisten erwarten — befeuchtende Tropfen, Lidrandpflege, Wärme, und je nach Befund mehr. Was dahintersteckt, wie es gemessen wird und welche Therapiestufen es gibt, steht ausführlich auf der Seite Trockene Augen: Ursachen, Messung und gezielte Therapie. Es ist der Umweg, der bei tränenden Augen am häufigsten der kürzeste Weg ist.
Die drei Ursachengruppen: Überproduktion, Abflussstörung, Lidfehlstellung
So unterschiedlich die Auslöser sind — am Ende landen sie in einer von drei Gruppen. Es wird zu viel Tränenflüssigkeit produziert, sie fliesst nicht ab, oder sie wird nicht mehr dorthin transportiert, wo der Abfluss beginnt. Für Betroffene fühlt sich alles drei gleich an: Das Auge ist nass. Für die Behandlung ist es der ganze Unterschied.
Überproduktion — das Auge weint, weil es gereizt ist
Die grösste Gruppe — und die, bei der die Ursache am ehesten übersehen wird. Die Tränendrüse arbeitet hier nicht «zu viel», sie reagiert korrekt auf eine gereizte Oberfläche. Auslöser sind neben dem gestörten Tränenfilm vor allem entzündliche und mechanische Reize:
- eine Lidrandentzündung, bei der die verstopften Drüsen der Lidkante den Fettanteil des Tränenfilms nicht mehr liefern — Lidrandentzündung (Blepharitis) — chronisch, aber gut kontrollierbar
- eine Bindehautentzündung — viral, bakteriell oder allergisch, bei der Rötung und Sekret im Vordergrund stehen
- Allergien auf Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Kosmetika, typischerweise mit Juckreiz und an beiden Augen
- ein Fremdkörper oder eine Oberflächenverletzung — dann kommen Schmerz und Lichtscheu dazu, und das gehört noch am selben Tag angeschaut: Hornhaut — wenn Schmerz und Lichtscheu im Vordergrund stehen
- nach innen gerichtete Wimpern, die bei jedem Lidschlag über die Hornhaut streichen
- eine unkorrigierte oder falsch korrigierte Fehlsichtigkeit, die zu angestrengtem, selteneren Blinzeln führt — Kurz-, Weit- und Alterssichtigkeit im Überblick
- Umwelt und Alltag: Wind, Kälte, Rauch, Chlorwasser, trockene Heizungsluft, Klimaanlagen, lange Bildschirmzeiten
Für diese Gruppe gilt eine einfache Regel: Behandelt wird der Reiz, nicht der Abfluss. Eine Operation an den Tränenwegen ändert an einem gereizten trockenen Auge nichts — ausser dass danach dieselben Beschwerden bestehen, nur mit einer Narbe mehr.
Abflussstörung — die Träne findet den Weg nicht
Der Weg der Träne ist kurz und eng. Vom äusseren Lidwinkel wird sie mit jedem Lidschlag nach innen geschoben, tritt dort durch die beiden Tränenpünktchen an der Ober- und Unterlidkante ein, läuft durch zwei feine Tränenkanälchen in den Tränensack neben der Nasenwurzel und von dort durch den Tränen-Nasen-Gang in die Nase. Deshalb läuft beim Weinen die Nase: Die Tränen kommen tatsächlich dort an.
Ist diese Strecke verengt (Stenose) oder verschlossen, staut sich die Träne zurück. Häufige Gründe sind eine altersbedingte Verengung, eine abgeheilte Entzündung, die den Kanal vernarbt zurücklässt, eine Verletzung im Bereich der Nasenwurzel, eine verengte Öffnung der Tränenpünktchen und — seltener — ein Tränenstein im Tränensack. Zwei weitere Ursachen werden regelmässig übersehen. Die eine ist die Entzündung eines Tränenkanälchens (Kanalikulitis): ein hartnäckig tränendes, immer dasselbe Auge mit klebrigem Sekret und einem vorgewölbten, geröteten Tränenpünktchen — sie wird nicht gespült, sondern ausgeräumt, und genau deshalb lohnt es sich, an sie zu denken. Die andere ist eine medikamentös bedingte Verengung der Tränenpünktchen und Kanälchen, etwa nach jahrelangen konservierten Augentropfen gegen den Grünen Star, unter einzelnen Chemotherapien oder nach einer Radiojodtherapie. Das Bild unterscheidet sich vom gereizten Auge deutlich:
- Das Auge ist dauerhaft nass, nicht in Wellen, und die Träne steht schon in Ruhe am Lidrand
- Meist ein Auge, oft seit Monaten bis Jahren langsam zunehmend
- Zwischen den Tränen fehlt das Brennen — es ist nass, aber nicht gereizt
- Morgens schleimige Absonderung im inneren Lidwinkel, weil das Sekret nicht abfliesst
- Wiederkehrende Bindehautentzündungen am immer gleichen Auge
Aus einem gestauten Tränensack kann eine Entzündung des Tränensacks (Dakryozystitis) entstehen: eine gerötete, geschwollene und deutlich druckschmerzhafte Stelle direkt neben der Nasenwurzel, manchmal mit Fieber. Das ist der eine Befund dieser Gruppe, der nicht warten sollte — melden Sie sich noch am selben Tag. Bleibt die Schwellung nach dem Abklingen der Entzündung bestehen oder kehrt sie am selben Ort wieder, ist sie kein Restbefund, den man weiter spült, sondern gehört bildgebend abgeklärt.
Ein Punkt gehört auf einer Seite über Tränenwege ausdrücklich gesagt, weil er sonst unter wiederholten Spülungen verschwindet: Blutig tingierte Tränen, ein blutiger Rückfluss beim Spülen, eine derbe Schwellung, die oberhalb des inneren Lidbändchens liegt, oder eine Schwellung, die nach abgeklungener Entzündung bleibt oder wiederkehrt, gehören bildgebend abgeklärt und nicht wiederholt gespült. Dahinter kann — selten, aber folgenreich — eine Raumforderung im Tränensack stecken, und die wird durch Spülen nicht besser, sondern nur später erkannt.
Lidfehlstellung — die Pumpe arbeitet nicht mehr
Die Träne fliesst nicht von allein ab; sie wird gepumpt. Jeder Lidschlag drückt sie nach innen und saugt sie in die Tränenpünktchen. Diese Pumpe funktioniert nur, solange das Lid straff am Auge anliegt und das Tränenpünktchen im Tränensee steht.
Beim Ektropium kippt die Lidkante nach aussen, weg vom Auge. Das Tränenpünktchen hat dann keinen Kontakt mehr zur Träne, und die Flüssigkeit läuft über die Kante ab, obwohl die Tränenwege völlig offen sind. Beim Entropium rollt sich die Lidkante nach innen, die Wimpern scheuern auf der Hornhaut, und das Auge tränt aus Reizung. Auch ein unvollständiger Lidschluss, etwa nach einer Gesichtsnervenlähmung, führt zu einem ständig nassen Auge, weil die Pumpe leerläuft und die Oberfläche gleichzeitig austrocknet. Eine neu aufgetretene Gesichtsnervenlähmung ist dabei kein chronisches Lidthema: Die ungeschützte Hornhaut braucht sofort eine befeuchtende Salbe und über Nacht einen Uhrglasverband oder eine vergleichbare Abdeckung, das Auge gehört kurzfristig kontrolliert, und die Lähmung selbst gehört noch am selben Tag ärztlich beurteilt. Was diese Fehlstellungen sind, wie sie sich unterscheiden und wie sie korrigiert werden, steht unter Lidfehlstellungen: Ptosis, Entropium und Ektropium.
Diese Gruppe wird im Alltag am häufigsten übersehen — verständlicherweise, denn die Lidkante fällt im Spiegel kaum auf, und die Beschwerden klingen nach «trockenem Auge». Der Unterschied zeigt sich an der Spaltlampe in wenigen Sekunden: Wir schauen, wo die Lidkante liegt, ob das Tränenpünktchen sichtbar dem Auge zugewandt ist und wie schnell das Lid nach einem sanften Zug wieder anliegt.
Tränenwegsdiagnostik: was Spülung und Sondierung zeigen
Die Untersuchung beginnt nicht bei den Tränenwegen. Sie beginnt an der Spaltlampe, und in den meisten Fällen endet sie dort auch: Wir beurteilen, wie lange der Tränenfilm zwischen zwei Lidschlägen hält, wie die Lidkanten und ihre Drüsenöffnungen aussehen, ob die Hornhautoberfläche nach dem Anfärben feine Defekte zeigt, wo die Lidkante liegt, wie straff sie ist und ob das Tränenpünktchen offen und dem Auge zugewandt ist. Zusammen mit dem, was Sie über den Verlauf berichten — Wellen oder Dauerzustand, ein Auge oder beide, Brennen oder nur nass —, ist die Zuordnung damit meist getroffen.
Erst wenn dieser Befund die Frage nach dem Abfluss offen lässt, folgen die Verfahren, die den Weg der Träne selbst prüfen.
Die Tränenwegsspülung
Zuerst kommt ein betäubender Tropfen ins Auge. Dann wird eine feine, stumpfe Kanüle durch das Tränenpünktchen am inneren Lidrand eingeführt und Kochsalzlösung eingespritzt. Was Sie dabei spüren, ist der Befund: Läuft die Flüssigkeit frei ab, schmecken Sie sie im Rachen — der Weg ist offen, und die Ursache liegt woanders. Kommt sie am gegenüberliegenden Tränenpünktchen wieder heraus, sitzt ein Hindernis. Ob der Widerstand weich oder hart ist und ob dabei Schleim oder Eiter mitkommt, sagt zusätzlich etwas darüber, wo genau. Die Untersuchung dauert wenige Minuten, findet im Sprechzimmer statt und tut in der Regel nicht weh; die meisten beschreiben ein Druckgefühl am inneren Lidwinkel.
Die Sondierung
Mit einer dünnen, abgerundeten Sonde lässt sich abtasten, an welcher Stelle der Weg endet — im Kanälchen, am Übergang zum Tränensack oder erst weiter unten. Bei Erwachsenen gehört sie zur selben Sitzung wie die Spülung und dient der Frage «wo», nachdem die Spülung «ob» beantwortet hat.
Für beide Untersuchungen gilt dieselbe Grenze: In einen akut entzündeten Tränensack wird weder gespült noch sondiert. Solange die Stelle neben der Nasenwurzel gerötet, geschwollen und druckschmerzhaft ist, wird zuerst die Entzündung behandelt; die Frage nach dem Abfluss stellt sich danach. Und wo eine derbe Schwellung oder blutig tingierte Tränen im Spiel sind, wird nicht erneut gespült, sondern bildgebend abgeklärt.
Bei Säuglingen ist das etwas anderes: Dort ist die Sondierung ein Eingriff in Narkose und keine Untersuchung im Sprechzimmer. Sie wird deshalb nur erwogen, wenn das Tränen anhält und einfachere Massnahmen ausgereizt sind — mehr dazu weiter unten.
Wann eine Bildgebung nötig ist — und wann nicht
Für das gewöhnliche tränende Auge braucht es keine Bildgebung. Spaltlampe, Lidbeurteilung und, wo angezeigt, eine Spülung beantworten die Frage. Eine bildgebende Darstellung der Tränenwege bleibt den wenigen Situationen vorbehalten, in denen die Anatomie unklar ist — nach Verletzungen im Bereich der Nasenwurzel, nach Voroperationen oder bei einem Befund, der nicht ins Bild passt. «Nicht ins Bild passt» heisst hier konkret: blutig tingierte Tränen oder ein blutiger Rückfluss beim Spülen, eine derbe Schwellung oberhalb des inneren Lidbändchens, oder eine Schwellung, die nach abgeklungener Entzündung bleibt oder wiederkehrt. Diese Befunde gehören abgebildet und nicht wiederholt gespült. Wo sie verlangt wird, organisieren wir die Untersuchung an einer geeigneten Stelle, statt sie zu improvisieren. Der Grundsatz ist derselbe wie bei jeder Zusatzdiagnostik hier: Sie wird gemacht, wenn ihr Ergebnis die Behandlung verändert.
Und was ebenfalls dazugehört: Wenn Sie mit der Erwartung kommen, dass «die Tränenwege durchgespült» werden, und die Untersuchung zeigt, dass sie offen sind, dann sagen wir Ihnen das — und behandeln das, was Ihr Auge tatsächlich tränen lässt. Eine Spülung ohne Fragestellung ist keine harmlose Zusatzleistung, sondern ein Eingriff in ein empfindliches Kanalsystem.
Tränenwegsstenose und die Operation am Tränensack
Stenose heisst Verengung, Verschluss heisst, dass gar nichts mehr durchgeht. Dazwischen liegen alle Abstufungen, und sie entscheiden über die Behandlung genauso wie darüber, ob überhaupt eine nötig ist. Ein Auge, das nur bei Wind ein wenig überläuft, wird nicht operiert, weil eine Verengung messbar ist. Operiert wird, wenn das Tränen den Alltag bestimmt, wenn die Sicht immer wieder verschwimmt oder wenn sich der gestaute Tränensack wiederholt entzündet.
Was zuerst versucht wird
Bei einer engen Öffnung der Tränenpünktchen genügt oft ein kleiner Eingriff an dieser Öffnung selbst. Liegt eine Entzündung der Lidränder oder der Bindehaut zugrunde, wird zuerst diese behandelt — eine abgeschwollene Schleimhaut lässt manchen Kanal wieder frei werden. Und wenn eine Lidfehlstellung die Tränenpumpe des Lids ausser Kraft setzt, ist die Korrektur des Lids die Behandlung des tränenden Auges: Die Tränenwege bleiben unangetastet, weil sie nie das Problem waren.
Silikonschienung
Ist der Kanal verengt, aber nicht verschlossen, kann er über eine Zeit mit einem sehr dünnen Silikonschlauch offen gehalten werden. Der Schlauch liegt im Tränenkanal und wird nach einer im Voraus besprochenen Zeit wieder entfernt; sichtbar ist davon im Alltag höchstens ein feiner Faden im inneren Lidwinkel. Ob dieser Weg infrage kommt, hängt davon ab, wo die Enge sitzt und wie ausgeprägt sie ist.
Dakryozystorhinostomie — ein neuer Weg in die Nase
Ist der Tränen-Nasen-Gang vollständig verschlossen, hilft kein Offenhalten mehr, weil nichts mehr offen zu halten ist. Der etablierte Eingriff dafür heisst Dakryozystorhinostomie, abgekürzt DCR. Dabei wird der Tränensack direkt mit der Nasenhöhle verbunden — die verschlossene Strecke wird also nicht wiedereröffnet, sondern umgangen. Es gibt zwei etablierte Zugänge: von aussen über einen kleinen Hautschnitt seitlich der Nasenwurzel, oder von innen durch die Nase. Welcher der beiden geeignet ist, hängt vom Befund ab, nicht vom Wunsch.
Unser Teil ist zuerst der Befund: Wir untersuchen, sagen Ihnen, ob überhaupt operiert werden sollte, welcher der Wege für Ihren Befund infrage kommt und was realistisch dabei herauskommt. Wo der Eingriff stattfindet, besprechen wir am selben Termin — mit dem Befund vor uns und nicht als Absichtserklärung vorab. Wenn Ihr Befund in andere Hände gehört, sagen wir das beim ersten Termin und nicht beim dritten, und wir organisieren die Zuweisung, ohne dass Sie sich selbst darum kümmern müssen. Die Abklärung davor und die Kontrollen danach übernehmen wir wohnortnah in Zürich, Wetzikon oder Meilen. Zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die Angaben zur Anmeldung auf der Seite für Zuweiser.
Was wir nicht tun: eine Operation an den Tränenwegen anbieten, solange die Beschwerden zum trockenen Auge und nicht zum Abfluss passen. Das ist keine Zurückhaltung aus Prinzip, sondern die Konsequenz aus dem, was diese Seite oben beschreibt — und der Grund, weshalb die Untersuchung wichtiger ist als der Eingriff. Wie eng Lid und Auge dabei zusammenhängen und mit welchen Techniken die Lidkante wieder an ihren Platz kommt, zeigt die plastisch-rekonstruktive Lidchirurgie an der Sehklinik.
Tränende Augen bei Säuglingen
Ein Baby, dessen Auge seit den ersten Lebenswochen ständig feucht ist, morgens verklebt und dessen Träne über die Wange steht, hat fast immer dasselbe: eine angeborene Enge des Tränen-Nasen-Gangs. Das untere Ende des Gangs liegt vor der Geburt noch hinter einer dünnen Schleimhautmembran. Bei vielen Kindern öffnet sie sich mit den ersten Atemzügen, bei manchen erst später — und bis dahin steht die Träne im Weg.
Die wichtigste Nachricht dazu ist eine beruhigende: Das verwächst sich in den allermeisten Fällen von selbst, meist im Lauf des ersten Lebensjahres. Es ist keine Fehlbildung des Auges, es schadet dem Sehen nicht, und es ist nichts, wogegen zu Hause etwas versäumt werden könnte.
Was in dieser Zeit hilft:
- Sanfte Massage über dem Tränensack. Mit sauberem Finger von der Nasenwurzel her nach unten streichen, mehrmals täglich — sanft, aber mit spürbarem, gleichmässigem Druck: Die Massage wirkt über den Druck, den sie im Tränensack aufbaut, ein blosses Streicheln bewirkt nichts. Ihre Kinderärztin zeigt Ihnen die Bewegung einmal — beschrieben klingt sie komplizierter, als sie ist.
- Verkrustungen abwischen mit einem sauberen, mit abgekochtem Wasser oder steriler Kochsalzlösung angefeuchteten Tuch, sanft über das geschlossene Lid, für jedes Auge ein frisches Tuch.
- Beobachten statt behandeln. Solange das Auge feucht, aber weiss und reizfrei ist, braucht es keine Tropfen — und schon gar keine antibiotischen auf Vorrat.
Wann es doch eine Abklärung braucht: wenn das Tränen über das erste Lebensjahr hinaus bestehen bleibt oder wenn sich das Auge wiederholt entzündet — und sofort, nicht «demnächst», bei einer geröteten, geschwollenen, druckschmerzhaften Stelle am inneren Lidwinkel oder bei Fieber.
Eine Konstellation gehört ausdrücklich nicht in diese Liste, weil sie etwas ganz anderes bedeutet: Lichtscheu, ständiges Zukneifen und ein tränendes Auge zusammen, besonders wenn die Hornhaut trüb wirkt oder ein Auge grösser erscheint als das andere. Das ist kein verstopfter Tränenweg, sondern der Verdacht auf ein angeborenes Glaukom, und der gehört innerhalb weniger Tage abgeklärt — direkt in einer Kinderaugenklinik.
Bleibt die Enge bestehen, ist die Sondierung der nächste Schritt; sie erfolgt in diesem Alter in Narkose, und genau deshalb wird sie nicht vorschnell erwogen. Für all das gilt bei uns dieselbe Altersregel wie sonst auch: Wir untersuchen Kinder ab Kindergartenalter. Bei Säuglingen und Kleinkindern klären wir am Telefon, ob eine auf Kinderaugenheilkunde spezialisierte Sprechstunde der bessere Ort ist, und helfen beim Weg dorthin. Der Zeitpunkt der Sondierung und der Ort des Eingriffs werden folglich dort besprochen und nicht hier — das sagen wir lieber vor dem Termin als nach einer Stunde Wartezeit.
Ein rotes Auge in den ersten Lebenswochen ist nie eine Sache des Abwartens, unabhängig davon, ob es tränt. Rufen Sie dafür nicht zuerst uns an, sondern melden sich direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation. Wo eine Untersuchung ohne akuten Anlass sinnvoll ist und was dabei angeschaut wird, steht in der Übersicht unserer augenärztlichen Untersuchungen und Vorsorgetermine.
Kosten & Krankenkasse
Was die Grundversicherung übernimmt — und was nicht
Ein dauerhaft tränendes Auge ist eine medizinische Fragestellung. Bei medizinischer Indikation erfolgt die Kostenübernahme über die Grundversicherung; Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.
| Leistung | Vergütung | Das heisst für Sie |
|---|---|---|
Augenärztliche Untersuchung bei tränendem Auge | Grundversicherung | Ein Auge, das dauerhaft tränt, ist eine medizinische Indikation — auch dann, wenn sich am Ende «nur» ein gestörter Tränenfilm findet. Das gilt ebenso für den kurzfristigen Termin bei Schmerz, Lichtscheu oder Sehverschlechterung. |
Spaltlampenuntersuchung mit Beurteilung von Tränenfilm und Lidkanten | Grundversicherung | Teil der Untersuchung und nicht gesondert zu verhandeln. Sie ist der Schritt, der die drei Ursachengruppen überhaupt erst voneinander trennt. |
Spülung und Sondierung der Tränenwege | Grundversicherung bei Indikation | Übernommen, wenn der Verdacht auf eine Abflussstörung besteht. Als Routinemassnahme bei jedem tränenden Auge ist sie weder nötig noch angezeigt — wir machen sie, wenn ihr Ergebnis die Behandlung verändert. |
Bildgebende Darstellung der Tränenwege | Grundversicherung bei Indikation | Nur bei unklarer Anatomie, etwa nach Verletzungen oder Voroperationen. Wo sie nötig ist, organisieren wir die Untersuchung an einer geeigneten Stelle und sagen Ihnen vorher, was auf Sie zukommt. |
Silikonschienung oder Operation an den Tränenwegen | Grundversicherung bei Indikation | Die Indikation stellen wir nach der Abklärung. Findet der Eingriff nicht bei uns statt, laufen Zuweisung und die Kontrollen danach ebenfalls über die Grundversicherung; die Zuweisung selbst kostet Sie nichts extra. |
Korrektur einer Lidfehlstellung, die das Auge tränen lässt | Grundversicherung bei Indikation | Bei funktioneller Beeinträchtigung — Ektropium, Entropium, unvollständiger Lidschluss — in aller Regel gedeckt. Den Befund dokumentieren wir so, dass die Versicherungsfrage sauber geklärt werden kann; Näheres auf der Seite zu den Lidfehlstellungen. |
Tränenersatzmittel und Präparate zur Lidrandpflege | An Bedingungen geknüpft | Kassenpflichtige Präparate gemäss Spezialitätenliste sind gedeckt; viele Tränenersatzmittel bezahlen Sie selbst. Wir sagen es Ihnen vor dem Rezept und nicht in der Apotheke. |
Rein ästhetische Lidkorrektur ohne Funktionseinschränkung | Selbstzahlerleistung | Ein Eingriff ohne funktionellen Grund ist keine Pflichtleistung. Ob Ihr Befund in die eine oder die andere Kategorie fällt, sagen wir Ihnen nach der Untersuchung klar und schriftlich. |
Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch, auch bei einer kurzfristigen Konsultation. Was in Ihrem Fall über die Grundversicherung läuft und was nicht, besprechen wir vor der Behandlung — nicht danach.
Wo ein Eingriff im Raum steht, halten wir die Kostenfolgen schriftlich fest, bevor Sie entscheiden. Und wenn die ehrlichste Empfehlung lautet, vorerst gar nichts zu tun, steht auch das in diesem Schreiben.
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Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann
Häufige Fragen
- Weil «trocken» nicht heisst, dass zu wenig Flüssigkeit da ist, sondern dass der Tränenfilm die Oberfläche nicht mehr gleichmässig bedeckt. Reisst er zwischen zwei Lidschlägen auf, liegt die Hornhaut stellenweise frei. Sie ist das am dichtesten mit Nerven versorgte Gewebe des Körpers und meldet das sofort — und die Tränendrüse antwortet mit einem Schwall dünner Reflextränen. Die laufen über das Lid ab, statt die Oberfläche zu benetzen, und wenige Minuten später beginnt dasselbe von vorn. Typisch für dieses Muster ist, dass es in Wellen kommt, dass es bei Wind, Kälte, Klimaanlage und Bildschirmarbeit schlimmer wird, dass zwischen den Schüben ein Brennen oder Sandgefühl bleibt und dass meist beide Augen betroffen sind. Behandelt wird in diesem Fall der Tränenfilm — nicht der Abfluss.
- Epiphora ist der medizinische Begriff für das überlaufende Auge: Tränenflüssigkeit, die über die Lidkante auf die Wange läuft, statt über die Tränenwege in die Nase abzufliessen. Der Begriff beschreibt nur das Symptom und sagt nichts über die Ursache — er trifft auf das gereizte trockene Auge genauso zu wie auf einen verschlossenen Tränenweg oder ein nach aussen gekipptes Lid. Genau deshalb ist «Epiphora» eine Beschreibung und noch keine Diagnose. Was dahintersteckt, zeigt sich an der Spaltlampe und, wo nötig, mit einer Spülung der Tränenwege.
- Ein tränendes Auge allein ist kein Notfall — auch dann nicht, wenn es seit Monaten stört. Drei Situationen sind davon ausgenommen und vertragen kein Abwarten. Erstens Chemikalien im Auge: Bei Säure, Lauge, Kalk oder Reinigungsmittel zählt jede Minute — nicht anrufen und abwarten, sondern sofort und mindestens 15 Minuten mit klarem Wasser spülen, bei Laugen, Kalk und Reinigungsmitteln deutlich länger, Kontaktlinsen dabei herausnehmen, nicht neutralisieren und das Spülen auf dem Weg in die Behandlung fortsetzen. Zweitens der Verdacht auf eine durchgreifende Verletzung, etwa beim Schleifen, Flexen, Hämmern oder durch einen scharfen Gegenstand: nicht spülen, nicht drücken, das Auge locker abdecken, ab diesem Moment nichts mehr essen und trinken und direkt eine Augenklinik aufsuchen. Drittens der Verdacht auf einen Glaukomanfall: heftige Augen- und Kopfschmerzen, ein rotes, hart wirkendes Auge, rasch schlechteres oder wie vernebeltes Sehen, Farbringe um Lichtquellen, Übelkeit oder Erbrechen — eines oder mehrere davon zusammen mit einem tränenden Auge gehören sofort und nicht «noch heute» in augenärztliche Behandlung. Noch am selben Tag anrufen sollten Sie dagegen, wenn Schmerzen oder ausgeprägte Lichtscheu dazukommen, wenn das Sehen plötzlich schlechter wird und sich durch Blinzeln nicht wieder klärt, wenn das Auge nach einer stumpfen Prellung ohne Sehstörung tränt, wenn Sie Kontaktlinsen tragen und das Auge rot ist, oder wenn am inneren Lidwinkel eine gerötete, druckschmerzhafte Schwellung entsteht, eventuell mit Fieber — das spricht für eine Entzündung des Tränensacks und gehört behandelt, nicht abgewartet.
- Zuerst kommt ein betäubender Tropfen ins Auge. Danach wird eine feine, stumpfe Kanüle durch das Tränenpünktchen am inneren Lidrand eingeführt und mit Kochsalzlösung gespült. Entscheidend ist, was Sie dabei spüren: Läuft die Flüssigkeit frei ab, schmecken Sie sie im Rachen — der Weg ist offen. Kommt sie am anderen Tränenpünktchen wieder heraus, sitzt weiter unten ein Hindernis. Die Untersuchung dauert wenige Minuten, findet im Sprechzimmer statt und tut in der Regel nicht weh; die meisten beschreiben ein Druckgefühl am inneren Lidwinkel. Nötig ist sie nicht bei jedem tränenden Auge — nur dann, wenn die Beurteilung von Tränenfilm und Lidern die Frage nach dem Abfluss offen gelassen hat.
- In den allermeisten Fällen nicht. Der Tränen-Nasen-Gang endet bei Neugeborenen häufig noch hinter einer dünnen Schleimhautmembran, die sich erst nach der Geburt öffnet — bis dahin steht die Träne im Weg und das Auge ist ständig feucht, morgens oft verklebt. Der Gang öffnet sich meist im Lauf des ersten Lebensjahres von selbst. Bis dahin helfen eine sanfte Massage über dem Tränensack und das Reinigen des Lids; die Bewegung zeigt Ihnen Ihre Kinderärztin. Kein Abwarten gilt jedoch, wenn am inneren Lidwinkel eine gerötete, geschwollene, druckschmerzhafte Stelle entsteht, wenn Fieber dazukommt, wenn das Kind sichtbar krank wirkt, bei jedem roten Auge in den ersten Lebenswochen — und wenn Lichtscheu, ständiges Zukneifen, eine trüb wirkende Hornhaut oder ein sichtbar grösseres Auge dazukommen, weil dahinter ein angeborenes Glaukom stecken kann. Melden Sie sich in diesen Fällen direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation und rufen Sie nicht zuerst uns an: Wir untersuchen Kinder ab Kindergartenalter, und bei Säuglingen und Kleinkindern klären wir am Telefon, ob eine auf Kinderaugenheilkunde spezialisierte Sprechstunde der bessere Ort ist, und helfen beim Weg dorthin.
- Wenn ein gestörter Tränenfilm die Ursache ist: ja, und zwar befeuchtende Tropfen ohne Wirkstoff — was viele zunächst unlogisch finden, weil das Auge ja bereits überläuft. Bei häufiger Anwendung werden konservierungsmittelfreie Präparate besser vertragen. Steckt eine Lidrandentzündung dahinter, gehört die Lidrandpflege dazu, sonst kehrt das Problem zurück. Was nicht hilft: antibiotische Tropfen ohne bakteriellen Befund, kortisonhaltige Tropfen ohne gesicherte Diagnose und Restbestände aus dem Schrank. Und wenn der Abfluss mechanisch blockiert ist, ändert kein Tropfen etwas daran — dann ist die Frage eine andere.
- Ein dauerhaft tränendes Auge ist eine medizinische Fragestellung; bei medizinischer Indikation erfolgt die Kostenübernahme über die Grundversicherung. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch. Das gilt für die Untersuchung, für die Spülung der Tränenwege bei entsprechendem Verdacht und für die Korrektur einer Lidfehlstellung, die das Auge tränen lässt. Nicht über die Grundversicherung laufen Eingriffe ohne funktionellen Grund — eine rein ästhetische Lidkorrektur etwa. Bei Tränenersatzmitteln entscheidet, ob das Präparat auf der Spezialitätenliste steht; viele Tränenersatzmittel bezahlen Sie selbst. Was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen vor der Behandlung.
Seit Wochen ein nasses Auge? Das lässt sich einordnen.
Beschreiben Sie uns am Telefon, wann das Auge tränt, ob es ein Auge oder beide betrifft und was zwischen den Schüben bleibt. Danach wissen wir, ob die Untersuchung beim Tränenfilm beginnt oder bei den Tränenwegen.
+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst. Oder Termin online vereinbaren.
