Sehklinik

Augenuntersuchungen

Augenvorsorge: die Erkrankungen, die am Anfang nicht wehtun

«Ich sehe doch gut» — genau darum geht es bei der Augenvorsorge. Die häufige, chronische Form des Grünen Stars und die Makuladegeneration beginnen ohne Schmerz, ohne rotes Auge und ohne Unschärfe; bemerkt werden sie oft erst, wenn bereits etwas fehlt. Der seltene akute Glaukomanfall ist die Ausnahme — er tut sehr weh, macht das Auge rot und ist ein Notfall (siehe unten). Eine Vorsorgeuntersuchung fragt deshalb nicht, wie gut Sie sehen, sondern was am Augendruck, am Sehnerv und an der Netzhaut zu sehen ist. Sie ist kein Pflichttermin und kein Abonnement, sondern eine Standortbestimmung — aus der ein Intervall folgt oder die Auskunft, dass in Ihrem Fall vorerst nichts nötig ist.

Warum Augenvorsorge überhaupt etwas bringt

Die meisten Menschen kommen zum Augenarzt, weil etwas stört: Die Schrift wird unscharf, das Auge ist rot, das Fahren bei Nacht ist anstrengender geworden. Das ist völlig richtig so — und deckt genau die Erkrankungen nicht ab, die am Anfang nichts von sich merken lassen. Vorsorge setzt an dieser Lücke an. Sie ist der Termin für den Fall, dass Sie nichts spüren.

Zwei Erkrankungen erklären, warum sich das lohnt. Beide beginnen still, beide betreffen viele Menschen im zweiten Lebensabschnitt, und beide sind am Sehnerv oder an der Netzhaut zu sehen, lange bevor sie sich melden. Was die Früherkennung dabei bringt, ist allerdings nicht überall dasselbe — wir sagen unten, wo sie den Verlauf verändert und wo sie zunächst nur Wissen schafft.

Grüner Star: der Ausfall beginnt dort, wo Sie nicht hinschauen

Beim Grünen Star (Glaukom) und was dabei am Sehnerv geschieht gehen Nervenfasern verloren — schmerzlos, langsam und zuerst in einem Bogen ausserhalb der Blickmitte. Die zentrale Sehschärfe, also das, was eine Sehtafel misst, bleibt dabei oft über Jahre unauffällig. Dazu kommt, dass das Gehirn fehlende Bereiche mit der Umgebung auffüllt: Lücken im Gesichtsfeld fallen deshalb erstaunlich lange nicht auf, und wenn sie auffallen, sind sie bereits gross.

Der entscheidende Satz dazu ist unbequem und gehört an den Anfang: Verlorene Nervenfasern kommen nicht zurück. Was früh erkannt wird, lässt sich behandeln, um den Verlauf zu verlangsamen; was bereits fehlt, lässt sich nicht zurückholen. Genau darin liegt der ganze Sinn der Früherkennung — und nicht in einer Zahl, die man einmal gemessen haben sollte.

Makuladegeneration: zwei Formen, zwei verschiedene Zeitfenster

Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) betrifft die Stelle des schärfsten Sehens — und sie hat zwei Verlaufsformen, die man nicht in einen Satz packen darf, weil sie sich völlig unterschiedlich melden.

Die trockene Form ist die häufigere, und sie ist die Form, die eine Vorsorgeuntersuchung typischerweise findet: Sie beginnt in der Regel ohne jedes Symptom. Gerade Linien sind dabei gerade. Zu sehen ist sie zuerst am Augenhintergrund und in der Schichtaufnahme der Makula, nicht an dem, was Sie bemerken. Wenn sie sich irgendwann meldet, dann langsam: Das Auge braucht länger, um sich an Dunkelheit zu gewöhnen, Sie brauchen mehr Licht zum Lesen, Kontraste wirken flauer — und erst spät entsteht ein grauer Fleck in der Bildmitte. Der Gewinn der Vorsorge liegt hier nicht in einer sofortigen Behandlung, sondern in der Einordnung: Sie wissen danach, dass Sie zu einer Gruppe gehören, die auf Veränderungen achten sollte, und woran Sie eine Veränderung erkennen würden.

Die feuchte Form ist die zeitkritische. Sie kündigt sich typischerweise damit an, dass gerade Linien wellig erscheinen: Fensterrahmen, Fliesenfugen, Zeilen im Text. Hier zählt der Zeitpunkt tatsächlich, weil das Zeitfenster für die Behandlung einer feuchten Makuladegeneration in Tagen bemessen ist und nicht in Monaten. Neu verzerrte oder wellige Linien, vor allem wenn Sie sie beim Abdecken eines Auges bemerken, sind kein Fall für den nächsten freien Vorsorgetermin: Melden Sie sich damit noch am selben Tag.

Zweierlei gilt für beide Formen. Frühe Veränderungen können vorhanden sein, während Sie die Sehtafel noch problemlos lesen — die Sehschärfe ist hier kein guter Wächter. Und solange beide Augen offen sind, gleicht das bessere Auge das schwächere aus; ein einseitiger Ausfall kann deshalb erst auffallen, wenn Sie ein Auge zudecken.

Was Sie selbst tun können: Decken Sie ab und zu abwechselnd ein Auge ab und schauen Sie mit dem anderen auf ein regelmässiges Muster — Fliesenfugen, einen Fensterrahmen, das Karo einer Tischdecke. Achten Sie darauf, ob Linien sich biegen, ob ein Stück fehlt oder ob ein Bereich grau erscheint. Die zweite Hälfte dieser Auskunft gehört dazu, sonst richtet sie Schaden an: Ein unauffälliger Selbsttest schliesst eine Veränderung der Netzhautmitte nicht aus und ersetzt die regelmässige augenärztliche Kontrolle nicht. Er taugt dazu, eine Veränderung zu bemerken — nicht dazu, eine auszuschliessen.

Und was Vorsorge nicht ist

Sie ist kein Freibrief. Eine unauffällige Untersuchung sagt, dass an diesem Tag nichts zu finden war — sie sagt nichts über die nächsten drei Jahre, und sie ersetzt nicht, dass Sie sich melden, wenn sich etwas ändert. Sie ist auch kein Ersatz für die Kontrollen, die eine bereits bekannte Diagnose verlangt: Wer wegen eines Befunds in Kontrolle ist, folgt diesem Intervall und nicht einer Vorsorgeregel. Und sie ist kein Wettbewerb der Geräte. Was gemessen wird, entscheidet die Fragestellung — welche Verfahren es überhaupt gibt und wie sie sich anfühlen, steht ausführlich unter die augenärztliche Untersuchung im Überblick.

Wer wann kommen sollte

Für die Augen gibt es in der Schweiz keinen verbindlichen Vorsorgeplan, wie ihn viele von der Zahnkontrolle kennen. Die folgenden Angaben sind deshalb Orientierungswerte für Menschen ohne Beschwerden — keine Vorschriften und keine Termine, die Sie versäumen können. Sobald ein Befund vorliegt, gibt er das Intervall vor, und dann ist es enger.

Nach Lebensalter

  • Vorschulalter: einmal augenärztlich kontrollieren, auch wenn nichts auffällt. Ein Kind vergleicht nicht und meldet ein schwächeres Auge deshalb nie selbst. Zwei Zeichen warten allerdings nicht auf diesen Termin: ein weisslicher oder fehlender roter Pupillenreflex — etwa auf einem Blitzlichtfoto — und ein Auge, das plötzlich schielt. Melden Sie sich damit noch am selben Tag, bei einem Säugling oder Kleinkind direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation.
  • Schulalter und Jugend: anlassbezogen. Bei rasch zunehmender Kurzsichtigkeit engmaschiger kontrollieren. Wer in dieser Lebensphase innerhalb weniger Jahre mehrfach neue Werte braucht — vor allem, wenn die Hornhautverkrümmung zunimmt —, sollte zusätzlich die Hornhaut vermessen lassen: Dahinter kann ein Keratokonus stecken, der sich früh nur auf der Hornhautkarte zeigt. Der Zeitpunkt zählt hier, weil verlorene Schärfe sich später nicht zurückholen lässt.
  • Etwa 20 bis 40 Jahre: ohne Risikofaktoren selten notwendig. Anlass genug sind Kontaktlinsen, Beschwerden am Bildschirm oder ein Formular für den Führerausweis — und mehrfach wechselnde Brillenwerte innerhalb weniger Jahre. Auch in diesem Alter gehört dann eine Vermessung der Hornhaut bei Verdacht auf einen Keratokonus dazu; an der Spaltlampe allein ist eine beginnende Form nicht zu sehen.
  • Ab etwa 40 Jahren: eine Basisuntersuchung inklusive Augendruck. Danach je nach Befund häufig alle zwei bis drei Jahre.
  • Ab etwa 60 Jahren: kürzere Abstände, weil Grauer Star, Grüner Star und Makuladegeneration in dieser Lebensphase häufiger werden.

Diese Kontrollen ohne Beschwerden sind in der Regel Selbstzahlerleistungen — was in welche Kategorie fällt, steht weiter unten im Abschnitt Kosten.

Nach Risikoprofil

Diese Konstellationen verschieben den Beginn nach vorne und die Abstände nach unten. Sie sind der eigentliche Grund, warum eine pauschale Altersregel nicht trägt — und der Grund, weshalb wir Sie bei der Anmeldung danach fragen:

  • Glaukom bei Eltern oder Geschwistern. Die familiäre Belastung ist einer der Gründe, die eine frühere und engere Kontrolle rechtfertigen. Augendruck, Sehnerv und Gesichtsfeld werden dann früher und regelmässig beurteilt; wie ein Grüner Star beginnt und wie er verläuft, lesen Sie auf der Seite dazu. Findet die Kontrolle einen erhöhten Wert, folgt daraus nicht automatisch eine Therapie: wann ein erhöhter Augendruck behandelt wird und wann Kontrollieren genügt, steht auf der Behandlungsseite.
  • Diabetes. Veränderungen der Netzhautgefässe entstehen ohne Schmerzen und ohne Sehverschlechterung. Deshalb gehört bei Diabetes eine regelmässige Kontrolle des Augenhintergrunds dazu — im Alltag meist als Jahreskontrolle organisiert, das Intervall selbst richtet sich nach Befund, Diabetesdauer und Einstellung. Zwei Einstiegspunkte gehen dabei oft vergessen: Bei Typ-2-Diabetes gehört der erste Blick auf den Augenhintergrund bereits zur Diagnosestellung, bei Typ-1-Diabetes spätestens fünf Jahre danach — und in der Schwangerschaft wird enger kontrolliert. Was dabei angeschaut wird, steht unter Diabetes am Auge: was die Jahreskontrolle untersucht. Diese Kontrolle ist medizinisch begründet und damit keine reine Vorsorge.
  • Hohe Kurzsichtigkeit. Ein stark kurzsichtiges Auge ist länger gebaut, seine Netzhaut dünner gespannt und anfälliger für Risse. Wer betroffen ist, sollte die Warnzeichen kennen und die Peripherie regelmässig beurteilen lassen — mehr dazu, was eine starke Kurzsichtigkeit für die Netzhaut bedeutet.
  • Makuladegeneration in der Familie. Wer eine AMD bei Eltern oder Geschwistern kennt, sollte die Netzhautmitte regelmässig beurteilen lassen. Neu aufgetretene wellige Linien oder verspringende Buchstaben gehören dagegen nicht in einen Vorsorgeplan: Damit melden Sie sich noch am selben Tag — siehe Was nicht auf den Vorsorgetermin wartet.
  • Bekannte Augendiagnose, frühere Augenverletzung oder Zustand nach einer Augenoperation. Bei Netzhautbefunden, nach einer Prellung oder Verletzung des Auges, unter Augentropfentherapie oder nach einem Eingriff ergibt sich das Intervall aus dem Verlauf — das ist Verlaufskontrolle und nicht Vorsorge.
  • Dauertherapie mit bestimmten Medikamenten. Zwei Gruppen sind für eine Augenkontrolle besonders relevant: eine längerfristige Kortison-Therapie, weil sie den Augeninnendruck steigen lassen kann, und Hydroxychloroquin, weil es Kontrollen der Netzhautmitte verlangt. Ob das für Sie gilt, sagt Ihnen die verordnende Ärztin — bringen Sie die Medikamentenliste mit.
  • Kontaktlinsen. Linsen sitzen ganztägig auf der Hornhaut. Eine jährliche Kontrolle von Hornhaut und Tränenfilm ist deshalb keine Formalität, besonders wenn die Augen abends brennen — siehe trockene Augen und ein instabiler Tränenfilm.

Wenn Sie unsicher sind, in welche Gruppe Sie gehören: Sagen Sie es am Telefon. Diese Einordnung dauert zwei Minuten und entscheidet darüber, wie viel Zeit wir für Sie einplanen — Sie können auch direkt einen Termin für Ihre Augenvorsorge online vereinbaren.

Was eine Vorsorgeuntersuchung bei uns umfasst

Kein Termin umfasst alles, was ein Auge untersuchen lässt. Was gemacht wird, entscheidet die Fragestellung — und wir sagen Ihnen jeweils, warum ein Gerät gerade jetzt sinnvoll ist. Der Rahmen einer Vorsorgeuntersuchung sieht in der Regel so aus:

  1. Das Gespräch zuerst. Ihr Alter, Ihre Augen in der Familie, Diabetes, Medikamente, frühere Befunde — daraus ergibt sich, was an diesem Termin überhaupt zur Frage steht.
  2. Sehschärfe und Korrektur als Ausgangswert, einzeln pro Auge. Nicht als Ziel des Termins, sondern als Bezugsgrösse für alles Weitere.
  3. Augeninnendruck. Kontaktlos mit einem kurzen Luftstoss oder, genauer, an der Spaltlampe nach einem betäubenden Tropfen.
  4. Vorderer Augenabschnitt an der Spaltlampe. Lidränder, Tränenfilm, Bindehaut, Hornhaut, Vorderkammer, Regenbogenhaut und Linse.
  5. Sehnervenkopf und Netzhaut — für die Peripherie mit weitgestellter Pupille, für Sehnerv und Makula oft auch ohne.
  6. Zusatzuntersuchungen nach Befund. Eine Schichtaufnahme, ein Gesichtsfeld oder die Messung der Hornhautdicke, wenn ein Wert oder ein Bild dazu Anlass gibt.
  7. Die Besprechung. Befund, Einordnung und ein konkreter Vorschlag für den nächsten Termin.

Augeninnendruck (Tonometrie)

Gemessen wird der Druck im Augeninneren, ein zentraler Wert in der Glaukomabklärung. Kontaktlos geschieht das mit einem kurzen Luftstoss — der Puff erschreckt beim ersten Mal, tut aber nicht weh. Genauer ist die Messung an der Spaltlampe nach einem betäubenden Tropfen: Sie spüren nichts und sehen für einen Moment ein blaues Licht. Solange der Tropfen wirkt, etwa eine halbe Stunde, reiben Sie bitte nicht am Auge; Sie würden eine Verletzung nicht spüren.

Zwei Dinge sagen wir dazu offen: Ein normaler Augendruck schliesst ein Glaukom nicht aus, und ein erhöhter Wert beweist keines. Deshalb gehören Sehnervenkopf und Gesichtsfeld zur Beurteilung dazu, und deshalb messen wir die Hornhautdicke, wenn der Wert grenzwertig ist. Wer Ihnen die Vorsorge auf eine einzelne Druckzahl reduziert, verkürzt sie an der falschen Stelle.

Sehnerv und Schichtaufnahme (OCT)

Der Sehnervenkopf wird direkt beurteilt: seine Form, die Ausdehnung der zentralen Aushöhlung, die Randbreite, Blutungen am Rand. Wo eine Frage offenbleibt, ergänzt eine optische Kohärenztomografie ein Schnittbild in mikroskopischer Auflösung — ohne Berührung, ohne Strahlung, ohne Spritze. Sie schauen wenige Sekunden auf einen Fixationspunkt, während das Gerät misst. Die Aufnahme zeigt die Dicke der Nervenfaserschicht am Sehnerv sowie Flüssigkeit, Schwellungen und Membranen an der Makula, und sie macht den Verlauf über Jahre vergleichbar. Genau darin liegt ihr Wert für die Vorsorge: Der zweite Termin ist aussagekräftiger als der erste.

Wo Gesichtsfeldausfälle zur Frage stehen, kommt eine Perimetrie dazu. Ehrlicherweise ist das die anstrengendste Untersuchung des Tages — ein Auge abgedeckt, der Blick starr auf die Mitte, und bei jedem noch so schwachen Lichtpunkt drücken. Punkte zu verpassen ist normal und eingeplant, und die erste Messung fällt häufig schlechter aus als spätere, weil die Aufgabe ungewohnt ist. Deshalb beurteilen wir Verläufe und nicht Einzelwerte.

Netzhaut mit weitgestellter Pupille

Die Netzhautperipherie — dort, wo Risse und Löcher entstehen — lässt sich durch eine enge Pupille nicht zuverlässig einsehen. Für diesen Teil sind weitstellende Tropfen nötig; sie brauchen rund zwanzig bis dreissig Minuten, bis sie wirken, und klingen über mehrere Stunden ab. Angenehm ist die Untersuchung nicht: Das Licht ist sehr hell, und Sie sehen danach einige Minuten lang farbige Nachbilder. Weh tut sie nicht.

Vor dem Tropfen schauen wir uns den Kammerwinkel an. Das ist der Abflussbereich im vorderen Augenabschnitt, und wie eng er ist, beurteilen wir an der Spaltlampe — eben weil ein sehr enger Winkel das seltene Risiko eines Glaukomanfalls trägt. Ist er auffällig eng, tropfen wir nicht ohne Weiteres, sondern besprechen mit Ihnen vorher, wie wir vorgehen.

Was die weitgestellte Untersuchung leistet, hängt davon ab, wer vor uns sitzt. Bei Beschwerden — Lichtblitze, ein neuer Schwarm schwarzer Punkte, ein Schatten von der Seite — ist sie die Untersuchung, die einen Riss findet, bevor daraus eine Netzhautablösung wird. Ohne Beschwerden lohnt sie sich vor allem bei stark kurzsichtigen Augen und bei bekannten Netzhautbefunden. Und nicht jeder periphere Befund verlangt eine Massnahme: Vieles wird kontrolliert und nicht behandelt — was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen mit dem Befund.

Was nicht dazugehört: Wir tropfen nicht routinemässig. Steht die Peripherie nicht zur Frage, ist die Erweiterung nicht nötig, und wir sagen Ihnen vor dem Termin, was für Sie gilt — damit Sie wissen, ob Sie mit dem Auto kommen können.

Was ein normaler Sehtest nicht ausschliesst

Sehr viele kommen mit einer beruhigenden Zahl im Kopf: «Die Werte waren doch in Ordnung.» Eine gemessene Sehschärfe beschreibt aber nur, wie fein Ihr Auge an diesem Tag unter Prüfbedingungen auflöst — nicht, in welchem Zustand die Strukturen dahinter sind. Was dabei alles gemessen wird und wann die Kontrolle beim Optiker genügt, steht auf der eigenen Seite dazu: was ein Sehtest beim Augenarzt misst und was nicht. Hier geht es nur um die andere Hälfte — was danach offenbleibt:

  • Grüner Star. Beginnt ausserhalb der Blickmitte. Die Sehtafel prüft die Mitte. Erkennbar ist er an Augendruck, Sehnervenkopf und, wo nötig, an Gesichtsfeld und Schichtaufnahme — nicht am Buchstaben.
  • Makuladegeneration. Frühe Veränderungen bestehen, während die Tafel noch gelesen wird, und das bessere Auge deckt das schwächere zu, solange beide offen sind.
  • Diabetische Netzhautveränderungen. Entstehen ohne Schmerz und ohne Sehverschlechterung. Das Intervall richtet sich nach der Erkrankung, nicht nach dem Sehempfinden.
  • Netzhautrisse und Löcher in der Peripherie. Liegen ausserhalb von allem, was eine Sehtafel abbildet, und sind ohne weitgestellte Pupille nicht zuverlässig zu beurteilen.
  • Grauer Star (Katarakt) und seine ersten Zeichen. Die Trübung stört zuerst bei Blendung und in der Dämmerung — der Wert auf der Tafel kann dabei noch lange ordentlich aussehen.
  • Trockene Augenoberfläche. Schwankt die Schärfe im Tagesverlauf und passt keine Korrektur so recht, liegt es manchmal nicht an den Gläsern, sondern am Tränenfilm.

Das ist keine Dramatik, sondern eine Arbeitsteilung: «Welche Brille?» und «ist mit meinen Augen alles in Ordnung?» sind zwei verschiedene Untersuchungen. Wenn Sie unsicher sind, welche der beiden Sie brauchen, sagen Sie es bei der Anmeldung — das klären wir am Telefon in zwei Minuten, und es entscheidet darüber, wie viel Zeit Ihr Termin braucht.

Was am Ende des Termins steht

Eine Vorsorgeuntersuchung ist erst dann etwas wert, wenn Sie mit einer Auskunft nach Hause gehen. Deshalb endet der Termin bei uns nicht mit einer Zahl, sondern mit einer von drei Antworten — und wir sagen Ihnen, welche es ist.

  • Kein Anhaltspunkt. Dann bekommen Sie ein Intervall genannt und sonst nichts. Keine Zusatzuntersuchung «zur Sicherheit», kein Paket, kein Nachtermin in drei Monaten. Die Werte dieses Termins bleiben als Vorwert dokumentiert — beim nächsten Mal ist genau das der Gewinn.
  • Grenzwertig oder unklar. Ein grenzwertiger Augendruck, eine auffällige Papille, ein Bild, das mehrdeutig ist. Dann folgt eine gezielte Zusatzuntersuchung oder eine Kontrolle in kurzem Abstand — und wir sagen Ihnen, was wir damit ausschliessen wollen. «Beobachten» ist eine Entscheidung, keine Verlegenheit, solange klar ist, worauf man wartet.
  • Befund. Ab hier ist es keine Vorsorge mehr, sondern eine Abklärung: Sie ist medizinisch indiziert, läuft über die Grundversicherung, und das weitere Vorgehen wird mit Ihnen besprochen. Zuweisende Ärztinnen und Ärzte erhalten den Bericht; die Angaben dazu stehen unter Angaben für zuweisende Ärztinnen und Ärzte.

Fragen Sie am Ende nach dem, was Sie wirklich wissen wollen — was der Wert bedeutet, was passiert, wenn Sie nichts tun, und woran Sie zu Hause merken würden, dass Sie früher kommen sollten. Schreiben Sie Ihre Fragen vorher auf. In der Sprechstunde fällt einem regelmässig genau die eine nicht ein.

Was nicht auf den Vorsorgetermin wartet

Vorsorge ist geplant. Einige Zeichen sind es nicht — und sie sind nicht gleich dringend, deshalb trennen wir sie hier.

Sofort, in den nächsten Stunden: ein plötzlicher, schmerzloser Sehverlust auf einem Auge — auch dann, wenn das Sehen nach Sekunden bis Minuten von selbst zurückkommt: Ein vorübergehender einseitiger Sehverlust ist ein Warnzeichen für eine Durchblutungsstörung und gehört am selben Tag notfallmässig abgeklärt, nicht abgewartet. Ebenfalls sofort: starke Augenschmerzen mit rotem Auge, Übelkeit und Farbringen um Lichtquellen; plötzliche Doppelbilder zusammen mit Kopfschmerz, einem hängenden Lid, ungleich weiten Pupillen oder anderen neurologischen Ausfällen; ab etwa sechzig Jahren neu aufgetretene Schläfenkopfschmerzen, Schmerzen beim Kauen oder eine druckempfindliche Schläfe zusammen mit Sehstörungen; und jede Verätzung mit Chemikalien — dabei zuerst das Auge mindestens 15 Minuten ausgiebig mit Wasser spülen. Nehmen Sie in diesen Fällen einen Weg, der nicht davon abhängt, ob wir offen haben: die Notfallstation einer Augenklinik oder der augenärztliche Notfalldienst; bei bedrohlichem Allgemeinzustand rufen Sie den Rettungsdienst (144). Nicht auf einen Rückruf warten.

Noch am selben Tag abklären lassen: Lichtblitze zusammen mit vielen neuen schwarzen Punkten; ein Schatten oder Vorhang, der von der Seite ins Blickfeld wandert; plötzliche Doppelbilder ohne die eben genannten Begleitzeichen; neu verzerrte oder wellige Linien; ein grauer Fleck in der Bildmitte; jede Verletzung und jeder Fremdkörper. Bei Kindern gehören zwei Zeichen dazu, die genauso wenig warten: ein weisslicher oder fehlender roter Pupillenreflex — etwa auf einem Blitzlichtfoto — und ein Auge, das plötzlich schielt; bei einem Säugling oder Kleinkind melden Sie sich damit direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation. Sonst rufen Sie uns an: +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Ausserhalb dieser Zeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst.

Und das Gegenstück dazu, weil es genauso oft gefragt wird: Nicht jede Veränderung ist ein Notfall. Eine Lesebrille, die nicht mehr passt, ein einzelner, seit Jahren unveränderter Glaskörperfaden, müde Augen nach einem langen Bildschirmtag — das gehört auf einen regulären Termin und nicht in die Nacht. Neu aufgetretene Punkte oder Fäden gehören dagegen ausdrücklich nicht in diese Liste: Sie sind erst dann harmlos, wenn die Netzhaut bei erweiterter Pupille rundum kontrolliert wurde. Bis dahin ist ein neuer Schwarm schwarzer Punkte ein Fall für denselben Tag, nicht für den nächsten freien Vorsorgetermin.

Ihr Termin: Vorbereitung, Dauer und Standorte

Ein gut vorbereiteter Termin spart Ihnen einen zweiten. Bringen Sie mit: Versichertenkarte und, falls vorhanden, das Zuweisungsschreiben; alle Brillen, die Sie benutzen, auch die alten; Kontaktlinsen samt Behälter; die Medikamentenliste inklusive Augentropfen; frühere Befunde, Arztberichte und Operationsausweise; eine Sonnenbrille und, wenn getropft wird, eine Begleitperson oder ein Billett.

Zur Dauer: Rechnen Sie mit fünfundvierzig bis neunzig Minuten, wenn die Pupille erweitert wird — der grösste Teil davon ist Wartezeit, bis die Tropfen wirken. Eine gezielte Kontrolle ohne Tropfen dauert deutlich kürzer. Kommen Gesichtsfeld oder eine Schichtaufnahme dazu, verlängert sich der Termin. Wir planen realistisch und nennen Ihnen die zu erwartende Dauer bei der Anmeldung.

Die Vorsorgeuntersuchung führen wir an allen drei Standorten durch. Sie können Ihren Vorsorgetermin online vereinbaren oder direkt bei der Klinik anrufen, die Ihnen am nächsten liegt; alle Adressen und Anfahrtswege stehen unter alle drei Standorte mit Anfahrt und Parkmöglichkeiten.

Sehklinik Zürich

Hallenstrasse 8, 8008 Zürich
Telefon: +41 44 422 25 55
Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30
Tram 11/15 oder Bus 912/916 bis «Zürich, Kreuzplatz», drei Minuten zu Fuss — Anfahrt und Details zum Standort Zürich

Sehklinik Wetzikon

Bahnhofstrasse 126, 8620 Wetzikon
Telefon: +41 44 930 61 00
Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30
Bus 850/851/852 bis «Wetzikon ZH, Schloss», eine Minute zu Fuss — Anfahrt und Details zum Standort Wetzikon

Sehklinik Meilen

Dorfstrasse 94, 8706 Meilen
Telefon: +41 44 923 03 81
Mo, Di, Do, Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30; am Mittwoch variabel, bitte telefonisch erfragen
S6/S7 bis Bahnhof Meilen, zwei Minuten zu Fuss — Anfahrt und Details zum Standort Meilen

Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst. Wer lieber schreibt als telefoniert, erreicht uns schriftlich über das Kontaktformular; einen Überblick über unsere übrigen augenärztlichen Sprechstunden finden Sie im Fachbereich.

Kosten & Krankenkasse

Was bezahlt die Kasse — und was nicht?

Über die Kostenübernahme entscheidet nicht das Gerät, sondern der Grund Ihres Besuchs. Vorsorge ohne Symptom ist keine Krankenbehandlung; sobald ein Symptom, ein Verdacht oder eine bekannte Diagnose dahintersteht, ist sie eine. Wir sagen Ihnen das vor der Untersuchung, nicht mit der Rechnung.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Vorsorgeuntersuchung ohne Beschwerden und ohne Risikofaktor

Selbstzahlerleistung

Wer sich ohne Symptom und ohne Grunderkrankung einmal kontrollieren lassen möchte, hat keine medizinische Indikation im Sinne der Grundversicherung. Diese Untersuchung stellen wir Ihnen privat in Rechnung; einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich daran — fragen Sie dort vorher nach. Eine familiäre Belastung kann als Indikation gelten, automatisch ist sie es nicht: Das hängt vom Einzelfall und von Ihrem Versicherer ab, und wir klären es mit Ihnen vor dem Termin.

Untersuchung bei Beschwerden oder konkretem Verdacht

Grundversicherung

Wer mit einem Symptom kommt — schlechteres Sehen, Lichtblitze, verzerrte Linien, Doppelbilder, Schmerzen —, hat eine medizinische Indikation. Die Untersuchung und die dafür nötigen Zusatzuntersuchungen werden über die Grundversicherung abgerechnet. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Kontrolle bei bekannter Diagnose oder bei Diabetes

Grundversicherung

Glaukom, Makuladegeneration, Netzhautbefunde, Diabetes, Zustand nach einer Augenoperation: Die Kontrolle ist medizinisch begründet, auch wenn Sie sich gut fühlen und gut sehen. Das ist Verlaufskontrolle und nicht Vorsorge — das Intervall ergibt sich aus dem Befund.

Befund während einer selbst bezahlten Vorsorge

Je nach Anlass

Ergibt sich bei einer Vorsorge ohne Symptom ein krankhafter Befund, ändert sich die Beurteilung für den weiteren Abklärungsteil: Dieser ist ab dann medizinisch indiziert. Der Vorsorgeteil selbst bleibt Selbstzahlerleistung. Wir halten das im Bericht auseinander, damit die Rechnung nachvollziehbar bleibt.

Zusatzuntersuchungen: Schichtaufnahme, Gesichtsfeld, Hornhautdicke

Je nach Anlass

Diese Verfahren sind keine Extras, die man dazubucht, sondern Untersuchungen, die eine Fragestellung verlangt. Liegt eine solche vor, laufen sie über die Grundversicherung; im reinen Screening ohne Indikation nicht. Deshalb machen wir sie gezielt und nicht als Paket.

Untersuchung auf Verlangen Dritter (Führerausweis, Arbeitgeber)

Selbstzahlerleistung

Eine Untersuchung, die jemand anderes verlangt, ist keine Krankheitsbehandlung. Sie bezahlen sie selbst, unabhängig vom Ergebnis. Manche Arbeitgeber übernehmen die Kosten auf Beleg — fragen Sie dort nach, bevor Sie kommen.

Franchise und Selbstbehalt. Von den Kosten, die über die Grundversicherung laufen, tragen Sie zuerst Ihre gewählte Franchise vollständig selbst, danach den Selbstbehalt von zehn Prozent bis zum gesetzlichen Höchstbetrag pro Jahr. Eine Untersuchung «auf Kassenkosten» ist deshalb für Sie selten kostenlos. Das ist keine Besonderheit unserer Klinik, sondern die Systematik der Schweizer Grundversicherung.

Im Zweifel fragen Sie vorher. Der häufigste Grund für Ärger über eine Augenarztrechnung ist nicht ihre Höhe, sondern die Überraschung. Sagen Sie bei der Terminvereinbarung, weshalb Sie kommen; dann sagen wir Ihnen, in welche Kategorie Ihr Termin fällt. Rufen Sie an — +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30.

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann

Häufige Fragen zur Augenvorsorge

Vorsorge ist ein Termin, kein Projekt.

Sagen Sie bei der Anmeldung, dass es um eine Vorsorgeuntersuchung geht und ob es in Ihrer Familie ein Glaukom oder eine Makuladegeneration gibt. Dann planen wir die richtige Zeit ein, sagen Ihnen vorher, ob getropft wird — und ob Sie das Auto besser stehen lassen.