Sehklinik

Hornhaut

Keratokonus — wenn die Brille jedes Jahr neu ist und trotzdem nicht mehr passt

Sie haben schon wieder eine neue Korrektur, und schärfer sehen Sie trotzdem nicht. Buchstaben ziehen Schatten nach, Scheinwerfer strahlen nachts in alle Richtungen, ein Auge ist deutlich schlechter als das andere. Hinter diesem Muster steckt manchmal ein Keratokonus: Die Hornhaut wölbt sich langsam kegelförmig vor. Wird er früh erkannt, geht es zuerst darum, das Fortschreiten aufzuhalten — dafür gibt es das Crosslinking. Verlorene Schärfe holt es allerdings nicht zurück, und genau deshalb zählt der Zeitpunkt.

Was ein Keratokonus ist

Die Hornhaut ist das klare Fenster ganz vorne am Auge: etwa so gross wie eine Fingerkuppe, rund einen halben Millimeter dünn — und für den grösseren Teil der Brechkraft des Auges verantwortlich. Damit ein Bild scharf auf der Netzhaut ankommt, muss diese Fläche gleichmässig gewölbt sein, wie ein sauber geschliffenes Uhrglas. Beim Keratokonus geht genau diese Gleichmässigkeit verloren: Die Hornhaut wird an einer umschriebenen Stelle — meist etwas unterhalb der Mitte — dünner und wölbt sich unter dem normalen Augeninnendruck kegelförmig nach vorne. Der Name sagt nichts anderes: «Kerato» für Hornhaut, «Konus» für Kegel.

Ein Keratokonus ist keine Entzündung und keine Infektion. Man steckt sich nicht an, man hat ihn sich nicht «geholt», und er ist nicht die Folge von zu viel Bildschirmarbeit oder zu wenig Vitaminen. Verändert ist die Struktur selbst: Das Fasergerüst der Hornhaut hält der Spannung an dieser Stelle weniger gut stand als anderswo. Was daraus folgt, ist keine Trübung, sondern eine Verzerrung. Das Licht wird nicht mehr in einem Punkt gebündelt, sondern über mehrere verteilt — deshalb beschreiben die meisten Betroffenen ihr Sehen nicht als «neblig», sondern als doppelt, verzogen, mit Schatten hinter den Buchstaben.

Der Beginn liegt typischerweise in der Pubertät oder im frühen Erwachsenenalter. Beide Augen sind fast immer betroffen, aber selten gleich stark — häufig ist ein Auge dem anderen um Jahre voraus, und manchmal fällt der Befund am zweiten Auge erst auf, wenn das erste längst auffällig war. Bei vielen Menschen kommt der Verlauf ab dem vierten Lebensjahrzehnt weitgehend zum Stillstand. Das ist ein Muster, keine Zusage: Es gibt Verläufe, die früher ruhig werden, und solche, die später noch einmal in Bewegung geraten.

Warum ausgerechnet Sie — darauf gibt es keine befriedigende Antwort. Bekannt sind Zusammenhänge, nicht ein einzelner Auslöser: eine familiäre Häufung; allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen, Neurodermitis und Asthma samt dem kräftigen Augenreiben, das dazugehört; einzelne genetische Syndrome. Der Zusammenhang mit dem Reiben ist der einzige in dieser Liste, an dem Sie selbst etwas ändern können — deshalb steht dazu weiter unten ein eigener Abschnitt.

Erste Anzeichen — und warum ein Keratokonus oft spät erkannt wird

Fast alle Betroffenen beschreiben dasselbe Muster, lange bevor jemand den Namen der Erkrankung ausspricht:

  • Die Brille stimmt nach kurzer Zeit nicht mehr — zwei, drei neue Korrekturen innerhalb weniger Jahre, jedes Mal mit dem Gefühl, dass es nicht wirklich besser wird
  • Die Hornhautverkrümmung nimmt zu, und ihre Achse wandert von Messung zu Messung — ein astigmatischer Wert, der nicht stillhält
  • Schattenbilder und Doppelkonturen, die bestehen bleiben, wenn Sie das andere Auge zuhalten — anders als beim Schielen, wo die Doppelbilder mit einem Auge verschwinden
  • Strahlenkränze und Halos um Lichtquellen, ausgeprägte Blendung bei Nachtfahrten, Lichtempfindlichkeit am Tag
  • Ein Auge sieht deutlich schlechter als das andere, oft ohne dass es dafür einen erkennbaren Grund gibt
  • Juckende, häufig geriebene Augen in der Vorgeschichte, meist im Zusammenhang mit einer Allergie

Warum das trotzdem oft jahrelang unerkannt bleibt, hat einen einfachen Grund. Die Refraktion beim Optiker beantwortet die Frage «welches Glas macht das Bild am schärfsten» — und darauf gibt es fast immer eine Antwort, auch bei einem beginnenden Keratokonus. Was sie nicht beantwortet, ist die Frage dahinter: warum sich der Wert überhaupt ändert. Ein Brillenwert ist eine Zahl; die Form der Hornhaut ist eine Landkarte. Die eine lässt sich aus der anderen nicht ablesen.

Das ist ausdrücklich kein Vorwurf an die Optikerinnen und Optiker — im Gegenteil, ein grosser Teil der Keratokone wird dort zuerst vermutet, weil dort auffällt, dass die Werte nicht zur Ruhe kommen. Wer eine solche Beobachtung an uns weitergeben möchte, findet den Weg unter Zuweisende. Und wenn Sie sich zunächst allgemein über Kurz-, Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung orientieren wollen: Sie finden sie unter Fehlsichtigkeit — ein Keratokonus ist etwas anderes, auch wenn er sich anfangs als «zunehmender Astigmatismus» tarnt.

Diagnostik: Die Hornhauttopographie ist hier die ganze Geschichte

Die Diagnose stellt nicht der Sehtest, sondern das Bild der Hornhautoberfläche. Die Hornhauttopographie vermisst die Wölbung Punkt für Punkt und stellt sie als Farbkarte dar: kühle Farben für flache, warme Farben für steile Bereiche. Ein Keratokonus zeigt darauf eine umschriebene, meist aussermittig nach unten verlagerte Vorwölbung — ein Muster, das man auf einer Karte sofort sieht und in einem Brillenwert niemals. Moderne Geräte vermessen dabei nicht nur die Vorderfläche, sondern auch die Rückfläche der Hornhaut und die Dickenverteilung über die ganze Fläche — dort zeigt sich eine beginnende Form am frühesten, oft bevor die Vorderfläche auffällig wird. Die Messung dauert Sekunden, berührt das Auge nicht und braucht in der Regel keine Tropfen.

Dazu kommt die Pachymetrie, die Dickenmessung der Hornhaut: Wo liegt die dünnste Stelle, und wie dünn ist sie? Diese Zahl hat zwei Aufgaben. Sie stützt die Diagnose, und sie entscheidet mit darüber, ob ein Crosslinking überhaupt in Frage kommt — das Verfahren setzt eine ausreichende Hornhautdicke voraus. An der Spaltlampe suchen wir zusätzlich nach den Zeichen, die eine bereits deutlichere Ausprägung hinterlässt, etwa feine senkrechte Linien in den tiefen Schichten oder einen bräunlichen Ring um die Basis des Kegels.

Das Entscheidende kommt danach: die Verlaufskontrolle mit Vergleichsaufnahmen. Ein einzelnes Bild sagt, wie Ihre Hornhaut heute aussieht. Ob der Keratokonus fortschreitet, sagt erst der Vergleich mit der Aufnahme von vor sechs oder zwölf Monaten — möglichst auf demselben Gerät, weil Messwerte verschiedener Systeme nicht ohne Weiteres vergleichbar sind. Diese Dokumentation ist nicht Bürokratie: Sie ist die Grundlage jeder Behandlungsentscheidung und zugleich das, was die Krankenkasse für die Kostenübernahme eines Crosslinkings sehen will.

Alles Übrige gehört zur normalen augenärztlichen Untersuchung: Sehschärfe mit bestmöglicher Korrektur, Refraktion, Beurteilung des vorderen Augenabschnitts, bei Bedarf Augeninnendruck und Netzhaut. Was dabei jeweils gemessen wird, steht unter Augenuntersuchungen; einen Überblick über die weiteren Erkrankungen dieser Schicht finden Sie unter Hornhaut.

Stadien und Verlauf — wie schnell geht das?

Es gibt nummerierte Einteilungen des Keratokonus, und sie sind für Berichte und Verlaufsdokumentation nützlich. Für Sie als Betroffene oder Betroffener sagen sie wenig darüber aus, wie es weitergeht. Praktisch brauchbar ist die Beschreibung in Stufen:

  • Frühform — nur in der Topographie erkennbar, das Sehen ist mit Brille noch gut. Hier geht es ausschliesslich um Kontrolle.
  • Beginnender Keratokonus — die Brille genügt nicht mehr richtig, die Werte ändern sich, formstabile Linsen bringen einen deutlichen Gewinn.
  • Fortgeschrittener Keratokonus — ohne Speziallinse ist kein brauchbares Sehen möglich, die Verträglichkeit der Linse wird zum Hauptthema.
  • Spätstadium — Vernarbungen in der Hornhaut, keine Linse sitzt mehr zuverlässig. Erst hier wird eine Hornhauttransplantation zum Thema.

Über das Tempo entscheidet vor allem das Alter. Je jünger jemand bei der Diagnose ist, desto rascher verläuft es in der Regel — bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen können sich die Werte innerhalb weniger Monate verändern. Deshalb kontrollieren wir in dieser Altersgruppe anfangs engmaschig und nicht «einmal im Jahr». Mit den Jahren wird der Verlauf bei vielen Betroffenen ruhiger.

Zwei Situationen beschleunigen ihn erfahrungsgemäss. Die eine ist das Augenreiben — dazu unten mehr. Die andere ist die Schwangerschaft: Unter den hormonellen Veränderungen dieser Zeit und in der Stillzeit können Verläufe wieder in Bewegung geraten, die vorher stabil waren. Wer einen bekannten Keratokonus hat und schwanger ist, sollte das bei der Terminplanung erwähnen. Ein Crosslinking wird in Schwangerschaft und Stillzeit in der Regel nicht durchgeführt, sondern verschoben.

Wie sich Ihr Befund entwickelt, hängt also an mehreren Faktoren gleichzeitig: dem Alter bei der Diagnose, der in den Vergleichsaufnahmen gemessenen Veränderung, dem Ausgangsbefund und der Hornhautdicke, einer behandelten oder unbehandelten Allergie — und daran, ob das Reiben aufhört. Eine Zahl, die Ihnen Ihr persönliches Risiko angibt, gibt es nicht — seriös lässt sie sich aus einer einzelnen Aufnahme nicht ableiten.

Behandlung: was in welchem Stadium sinnvoll ist

Beim Keratokonus werden zwei Fragen oft vermischt, die getrennt beantwortet gehören. Die erste lautet: Wie sehen Sie heute besser? Darauf antworten Brille und Kontaktlinsen. Die zweite lautet: Wie verhindert man, dass es schlechter wird? Darauf antwortet das Crosslinking. Die Antwort auf die eine Frage ersetzt die andere nicht — eine perfekt sitzende Speziallinse hält den Verlauf nicht auf, und ein Crosslinking macht keine Sehhilfe überflüssig.

Brille und formstabile Speziallinsen

In der Frühform genügt eine Brille, und es spricht nichts dagegen, sie zu tragen, solange Sie damit gut zurechtkommen. Mit zunehmender Verformung stösst sie an eine Grenze, die nichts mit der Stärke zu tun hat: Ein Brillenglas kann eine regelmässige Verkrümmung ausgleichen, aber keine unregelmässige. Genau die erzeugt der Kegel.

Weiche Kontaktlinsen helfen aus demselben Grund wenig. Sie legen sich wie eine dünne Folie über die Hornhaut und übernehmen deren Form — die Unregelmässigkeit bleibt also bestehen, sie liegt nur unter einer neuen Schicht. Formstabile Linsen tun etwas anderes: Sie behalten ihre eigene Form, und der Tränenfilm füllt den Raum zwischen Linse und Hornhaut aus. Das Auge blickt dadurch durch eine neue, regelmässige Vorderfläche. Deshalb ist das Sehen mit einer angepassten formstabilen Linse oft deutlich besser als mit jeder Brille — für viele Betroffene ist das der eindrücklichste Moment der ganzen Behandlung.

Welche Bauart passt, entscheidet der Befund: kleinere formstabile Linsen, Hybridlinsen mit weichem Rand, das Tragen einer formstabilen Linse auf einer weichen Trägerlinse oder — bei empfindlichen, steilen oder unregelmässigen Hornhäuten — grössere Skleral- und Mini-Sklerallinsen, die auf der Lederhaut aufliegen und die Hornhaut überbrücken. Die Anpassung ist Spezialistenarbeit, braucht mehrere Termine mit Probelinsen und Nachjustierung, und eine Linse «von der Stange» gibt es hier nicht. Planen Sie Zeit dafür ein.

Zwei Dinge entscheiden über den Tragekomfort mehr, als die meisten erwarten: behandelte oder unbehandelte trockene Augen und der Zustand der Lidränder. Wer beides angeht, verträgt seine Linsen länger am Tag. Und ein Satz zur Hygiene, der so unspektakulär ist, wie er wichtig bleibt: Ein rotes, schmerzendes Auge mit einer Linse gehört noch am selben Tag angeschaut — die gefährlichste Verwechslung ist eine beginnende Hornhautentzündung.

Crosslinking (CXL)

Das Crosslinking ist heute das Verfahren, mit dem versucht wird, ein Fortschreiten aufzuhalten. Das Prinzip ist gut zu erklären: Auf die Hornhaut wird Riboflavin (Vitamin B2) getropft, anschliessend wird sie kontrolliert mit UV-A-Licht bestrahlt. In dieser Kombination entstehen zusätzliche Querverbindungen zwischen den Kollagenfasern — das Gewebe wird mechanisch widerstandsfähiger. «Crosslinking» beschreibt also wörtlich, was passiert: Quervernetzung.

Der Eingriff findet ambulant statt, in örtlicher Betäubung durch Tropfen. In der am längsten etablierten Variante wird die oberste Zellschicht der Hornhaut zuvor abgetragen, damit das Riboflavin eindringen kann; anschliessend folgen die Einwirkzeit und die Bestrahlung. Zum Schluss kommt eine Verbandlinse aufs Auge. Rechnen Sie danach mit einigen Tagen mit Schmerzen, Fremdkörpergefühl, Tränen und Lichtscheu, bis die Oberfläche wieder geschlossen ist — und damit, dass das Sehen zunächst schlechter ist und Wochen bis Monate braucht, um sich einzupendeln. Ihre eigene formstabile Linse bleibt in dieser Zeit draussen — wir sagen Ihnen bei der Kontrolle, ab wann Sie sie wieder tragen dürfen, und passen sie danach meist neu an. Wer ein paar arbeitsfreie Tage eingeplant hat, ist froh darum.

Vorausgesetzt werden eine dokumentierte Progression, eine ausreichende Hornhautdicke, keine ausgeprägten zentralen Narben und keine akute Entzündung; Schwangerschaft und Stillzeit sind Gründe, den Termin zu verschieben. Risiken gibt es wie bei jedem Eingriff: eine vorübergehende oder bleibende Trübung der Hornhaut, eine verzögerte Heilung der Oberfläche, selten eine Infektion, selten auch ein Verlust an bestkorrigierter Sehschärfe. Wir besprechen das vorher im Einzelnen, und Sie entscheiden danach.

Intrastromale Ringsegmente

Bei ausgewählten Befunden können kleine, bogenförmige Kunststoffsegmente in die mittlere Hornhautschicht eingesetzt werden. Sie flachen den Kegel ab und machen die Oberfläche regelmässiger. Das Ziel ist selten die Brillenfreiheit, sondern etwas Bescheideneres und Nützlicheres: dass eine Brille oder eine Kontaktlinse überhaupt wieder ein brauchbares Bild ergibt und besser vertragen wird.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ändern die Segmente die Form, nicht die Stabilität — ein Crosslinking ersetzen sie nicht, und bei nachgewiesener Progression werden beide Verfahren häufig kombiniert. Zweitens eignen sie sich nicht für jeden: Lage des Kegels, Hornhautdicke und Narbenfreiheit entscheiden. Das Ergebnis lässt sich weniger genau vorhersagen als bei einer Staroperation, und ehrlicherweise gehört dieser Satz dazu, bevor jemand zustimmt.

Hornhauttransplantation (Keratoplastik)

Die Übertragung von Spendergewebe ist die letzte Stufe und heute seltener nötig als früher — weil Keratokone öfter früh erkannt und stabilisiert werden. Sie kommt in Frage, wenn zentrale Narben das Sehen unwiederbringlich stören oder wenn die Hornhaut so steil und unregelmässig geworden ist, dass keine Linse mehr sitzt.

Je nach Befund wird nur der vordere Teil der Hornhaut ersetzt und die eigene innerste Zellschicht belassen, oder die gesamte Dicke. Was in beiden Fällen gilt: Der Weg ist lang. Die Fäden bleiben über Monate, die Sehschärfe entwickelt sich über ein Jahr und länger, eine Abstossungsreaktion ist jederzeit möglich und macht lebenslange Kontrollen nötig. Und auch nach einer Transplantation tragen viele Betroffene wieder eine Kontaktlinse. Der Eingriff selbst wird an darauf spezialisierten Zentren durchgeführt; wir bereiten die Zuweisung vor und übernehmen die Kontrollen danach wieder wohnortnah.

Was Crosslinking leistet — und was nicht

Der wichtigste Satz auf dieser Seite ist ein einfacher, und er wird in der Beratung regelmässig überhört, weil er nicht die Antwort ist, die man sich wünscht: Das Crosslinking hält den Keratokonus in aller Regel auf. Es macht ihn nicht rückgängig. Behandlungsziel ist die Stabilität der Hornhaut — nicht die Sehschärfe.

Was es leisten soll: ein mechanisch widerstandsfähigeres Gewebe, damit die Werte dort bleiben, wo sie heute sind, und ein Verlauf, der sich nicht weiter verschlechtert. Für Menschen, bei denen die Progression gemessen wurde, ist das ein grosser Gewinn — in aller Regel behalten sie, was sie haben.

Was es nicht leistet: Es holt keine Sehschärfe zurück, die bereits verloren ist. Es macht Brille oder Kontaktlinse nicht überflüssig — nach dem Eingriff tragen Sie in aller Regel dieselbe Art von Sehhilfe wie vorher, die Linse wird danach oft neu angepasst. Es entfernt keine Narbe. Und es korrigiert die Verformung nicht: Der Kegel bleibt, er soll nur nicht grösser werden. Dass manche Augen mit der Zeit etwas abflachen und dadurch etwas besser sehen, kommt vor — das ist ein möglicher Nebeneffekt und kein Behandlungsziel. Eine Entscheidung darauf zu stützen, wäre falsch.

Daraus folgt alles Weitere. Der Zeitpunkt ist entscheidend: Je früher stabilisiert wird, desto besser ist die Sehschärfe, die erhalten bleibt. Ein Crosslinking an einem stark vernarbten Auge friert einen Zustand ein, mit dem niemand zufrieden ist. Umgekehrt ist ein Eingriff ohne dokumentierte Progression nicht «sicherheitshalber» sinnvoll, sondern nur ein Eingriff mit Risiken und ohne belegten Anlass. Bei einem jungen Menschen mit deutlich fortschreitendem Befund ist dagegen das Abwarten die riskantere Entscheidung.

Und weil die Frage regelmässig kommt: Ein Crosslinking kann in seltenen Fällen wiederholt werden, wenn nach Jahren erneut eine Progression gemessen wird. Es ist also keine Entscheidung, die alle weiteren Türen schliesst — aber auch keine, die die Kontrolltermine überflüssig macht. Nach dem Eingriff bleiben Sie in der Verlaufskontrolle, mit denselben Vergleichsaufnahmen wie vorher.

Keine Augenreibung: die wichtigste Selbstmassnahme

Es klingt zu einfach, um wichtig zu sein, und ist trotzdem der wirksamste Ratschlag auf dieser Seite. Kräftiges Reiben übt einen erheblichen mechanischen Druck auf die Hornhaut aus — wiederholt, oft täglich, über Jahre, und zwar genau auf jene Struktur, die beim Keratokonus zu wenig Halt bietet. Der Zusammenhang zwischen gewohnheitsmässigem, kräftigem Reiben und dem Keratokonus ist in der Augenheilkunde gut beschrieben. Besonders auffällig wird er bei Menschen, deren Augen unterschiedlich stark betroffen sind: Häufig ist das schlechtere Auge das, das mehr gerieben wird — oder die Seite, auf der jemand schläft.

Fast nie reibt jemand ohne Grund. Der häufigste Grund ist Juckreiz, und der kommt meist von einer Allergie: Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, dazu Neurodermitis und Asthma. Wer den Juckreiz behandelt, entzieht dem Reiben den Anlass — das ist der eigentliche Hebel, nicht der gute Vorsatz allein. Ebenfalls unterschätzt als Reibe-Anlass: trockene Augen und entzündete Lidränder, die ein dauerndes Fremdkörpergefühl erzeugen.

Was stattdessen hilft:

  1. Kühlen statt reiben. Ein kalter, feuchter Waschlappen oder eine Kühlkompresse für ein bis zwei Minuten auf die geschlossenen Lider nimmt den Juckreiz zuverlässiger als jedes Reiben — und richtet keinen Schaden an.
  2. Befeuchtende Augentropfen bereithalten, konservierungsmittelfrei bei häufiger Anwendung: im Auto, am Arbeitsplatz, auf dem Nachttisch. Griffbereit sein ist der halbe Erfolg.
  3. Die Allergie behandeln lassen, statt sie jedes Frühjahr auszuhalten. Antiallergische Augentropfen wirken gut; welche geeignet sind, besprechen wir mit Ihnen oder Ihrer Hausärztin.
  4. Trockene Augen und Lidrandentzündung mitbehandeln — Lidhygiene, Wärme, Tränenersatzmittel. Das nimmt den Reiz, der die Hand zum Auge führt.
  5. Auf die Schlafposition achten. Wer mit dem Gesicht ins Kissen oder mit der Faust am Auge schläft, übt stundenlang Druck aus, ohne es zu merken. Eine andere Position ist eine ernsthafte Massnahme, keine Marotte.
  6. Kindern und Jugendlichen den Grund erklären. Ein Verbot hält nicht; das Verständnis, warum gerade ihre Augen das nicht vertragen, hält deutlich besser — besonders bei Neurodermitis in der Familie.

Und dazu die ehrliche Einordnung: Niemand hört von heute auf morgen vollständig damit auf. Es geht nicht um Perfektion, sondern darum, aus einem kräftigen, gewohnheitsmässigen Reiben ein seltenes, sanftes Tupfen zu machen. Wenn Sie sich dabei ertappen, ist das kein Rückfall, sondern der Moment, in dem die Kühlkompresse ihre Aufgabe hat.

Wann Sie nicht zuwarten sollten

Ein Keratokonus ist im Alltag eine Sache von Kontrollterminen, nicht von Notfällen. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein paar Tage einen Unterschied machen. Rufen Sie uns noch am selben Tag an, wenn eines davon zutrifft:

  • Plötzliche, deutliche Sehverschlechterung an einem Auge innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen — besonders zusammen mit Schmerzen, starkem Tränen, Lichtscheu und einer milchig-trüb wirkenden Hornhaut. Dahinter kann ein Einriss der innersten Hornhautschicht stecken, durch den Flüssigkeit ins Gewebe eintritt. Das sieht dramatisch aus und ist behandelbar, gehört aber rasch beurteilt und nicht nächste Woche.
  • Rotes, schmerzendes Auge beim Tragen einer Kontaktlinse — Linse sofort heraus, nicht weitertragen, anrufen. Eine Hornhautentzündung sieht anfangs harmlos aus und verzeiht Verzögerung schlecht.
  • Nach einem Crosslinking: zunehmende statt abnehmende Schmerzen ab dem dritten Tag, zunehmende Rötung, gelbliche Absonderung oder ein rascher Abfall der Sehschärfe.
  • Nach einer Hornhauttransplantation: neu aufgetretene Rötung, Lichtscheu und Sehverschlechterung — mögliche Zeichen einer Abstossungsreaktion. Diese Kombination ist immer ein Fall für denselben Tag.
  • Bei bekanntem Keratokonus in der Schwangerschaft, wenn sich das Sehen spürbar verändert. Kein Notfall, aber ein Grund, den nächsten Kontrolltermin vorzuziehen.

Unsere zentrale Nummer: +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Beschreiben Sie am Telefon, was sich verändert hat — wir sagen Ihnen, ob es bis morgen Zeit hat. Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst.

Für alles Übrige gilt der ruhigere Weg: einen Termin vereinbaren, die Aufnahmen machen lassen, den Verlauf dokumentieren. Wer Sie bei uns betreut, sehen Sie unter Team; die Übersicht unseres Fachgebiets finden Sie unter Augenheilkunde.

Kosten & Krankenkasse

Was bezahlt die Kasse — und was nicht?

Beim Keratokonus trennt die Grundversicherung recht klar zwischen dem, was der Behandlung der Erkrankung dient, und dem, was zur Sehhilfe gehört. Das Erste ist gedeckt, das Zweite nur teilweise. Was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen vor der Behandlung — nicht auf der Rechnung.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Abklärung mit Hornhauttopographie und Pachymetrie

Grundversicherung

Bei begründetem Verdacht oder bekanntem Keratokonus ist die Untersuchung eine Krankenbehandlung — einschliesslich der Verlaufsaufnahmen, die das Fortschreiten belegen. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Crosslinking bei nachgewiesener Progression

Grundversicherung

Voraussetzung ist die dokumentierte Verschlechterung im Vergleich mehrerer Aufnahmen. Ohne diesen Nachweis wird der Eingriff nicht übernommen — und aus medizinischer Sicht auch nicht empfohlen. Die Kostengutsprache klären wir vor dem Termin.

Formstabile Speziallinsen, Skleral- und Hybridlinsen

Beitrag, begrenzt

Bei medizinisch begründeter Indikation — der Keratokonus gehört dazu — leistet die Grundversicherung nach den geltenden Ansätzen einen begrenzten jährlichen Beitrag an die Linsen. Die tatsächlichen Kosten liegen in der Regel darüber; der Rest bleibt bei Ihnen oder bei einer Zusatzversicherung.

Anpassung der Speziallinsen und Nachkontrollen

Je nach Leistung

Die augenärztliche Kontrolle läuft über die Grundversicherung. Die eigentliche Linsenanpassung mit Probelinsen und mehreren Terminen wird je nach Anbieter separat verrechnet — fragen Sie dort vorab nach dem Preis für die gesamte Anpassung, nicht nur für die Linse.

Hornhauttransplantation

Grundversicherung bei Indikation

Ein Eingriff zur Behandlung der Erkrankung und bei entsprechender Indikation gedeckt. Der Ablauf mit Kostengutsprache, Zuweisung und Nachkontrollen wird vorher schriftlich festgehalten, damit niemand überrascht wird.

Intrastromale Ringsegmente

Übernahme im Einzelfall

Anders als bei der Transplantation ist die Leistungspflicht hier nicht in gleicher Weise etabliert: Die Kasse prüft den Einzelfall und lehnt auch ab. Wir holen die Kostengutsprache vorgängig ein und sagen Ihnen den Entscheid, bevor ein Termin vereinbart wird.

Refraktive Laserkorrektur (LASIK und Verwandte)

Keine Leistung

Eine refraktive Laserkorrektur führen wir generell nicht selbst durch — bei Keratokonus kommt sie ohnehin nicht in Frage, weil sie die Hornhaut zusätzlich schwächt. Das Crosslinking ist etwas völlig anderes: Es trägt kein Gewebe ab.

Unsicher, was auf Sie zukommt? Rufen Sie an — +41 44 500 69 00. Wir sagen Ihnen am Telefon, mit welchen Schritten zu rechnen ist, und mit derselben Auskunft fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Krankenkasse nach. Für die Beiträge an Kontaktlinsen lohnt sich dieser Anruf besonders: Die Ansätze ändern sich, und Ihre Kasse kennt Ihren Stand.

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Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Dietlind Friedrich · Zuletzt geprüft am

Häufige Fragen zum Keratokonus

Zwei Aufnahmen im Abstand von Monaten sagen mehr als jedes Gefühl.

Wenn Ihre Korrektur immer wieder ändert oder ein Auge deutlich abfällt, lohnt sich eine Hornhauttopographie — einmal als Ausgangsbefund und einmal als Vergleich. Alles Weitere entscheidet sich daran.

Termin zur Hornhaut-Abklärung

+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Oder Termin online vereinbaren.