Sehklinik

Augenentzündungen

Uveitis — die Entzündung, die man nicht selbst behandelt

Eine Uveitis ist eine Entzündung im Inneren des Auges. Sie sieht von aussen manchmal aus wie ein banal gerötetes Auge, verhält sich aber völlig anders: Sie geht nicht von selbst weg, sie kann bleibende Schäden hinterlassen, und sie reagiert auf rezeptfreie Augentropfen bestenfalls gar nicht. Bei diesem Verdacht gilt: heute untersuchen lassen.

Was eine Uveitis ist

Die Uvea ist die mittlere der drei Augenhäute — die gefässreiche Schicht zwischen der äusseren Lederhaut und der inneren Netzhaut. Sie besteht aus der Regenbogenhaut (Iris), dem Strahlenkörper (Corpus ciliare) und der Aderhaut (Choroidea). Entzündet sich eine dieser Strukturen, spricht man von einer Uveitis. Unter den Entzündungen am Auge ist sie die Form, die im Augeninneren liegt.

Das ist der entscheidende Unterschied zu einer Bindehautentzündung: Dort ist die Schleimhaut über dem Auge entzündet, bei einer Entzündung des Lidrandes (Blepharitis) der Lidrand selbst. Bei einer Uveitis ist die Entzündung im Auge — dort, wo Kammerwasser, Linse, Glaskörper und Netzhaut liegen und wo jede anhaltende Entzündung Struktur und Funktion dauerhaft verändern kann.

Eine Uveitis ist deutlich seltener als eine Bindehautentzündung. Und sie ist deutlich ernster.

Warnzeichen: wann es heute noch sein muss

  • Dumpfer, tiefer Schmerz im oder hinter dem Auge — anders als das oberflächliche Brennen bei einer Bindehautentzündung
  • Ausgeprägte Lichtempfindlichkeit, die Sie die Augen zukneifen lässt
  • Verschwommenes oder neblig verschleiertes Sehen
  • Rötung vor allem rund um die Hornhaut, nicht gleichmässig über das ganze Augweiss verteilt
  • Plötzlich viele neue Schwebeteilchen im Blickfeld
  • Meist ein Auge betroffen, Beginn über Stunden bis wenige Tage

Treffen diese Zeichen zu, gehört das Auge noch am selben Tag untersucht. Rufen Sie uns an: +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Ausserhalb dieser Zeiten wenden Sie sich an den augenärztlichen Notfalldienst oder an die Notfallstation einer Augenklinik. Es ist kein Befund zum Beobachten über das Wochenende.

Formen: vordere, intermediäre und hintere Uveitis

Eingeteilt wird nach dem Ort der Entzündung — und dieser Ort bestimmt sowohl die Beschwerden als auch die Behandlung.

Vordere Uveitis (Iritis, Iridozyklitis)

Die häufigste Form. Entzündet sind Regenbogenhaut und Strahlenkörper. Typisch ist die Kombination aus dumpfem Schmerz, starker Lichtscheu, Rötung um die Hornhaut und einer engen, träge reagierenden Pupille. Sie beginnt oft rasch und ist die Form, die Betroffene am ehesten zum Arzt bringt — weil sie deutlich unangenehm ist.

Intermediäre Uveitis

Die Entzündung liegt im Glaskörperraum. Sie tut häufig kaum weh und macht das Auge oft nicht einmal rot. Wahrgenommen wird sie als zunehmende Schwebeteilchen und als verschwommenes Sehen. Genau deshalb wird sie spät bemerkt — hier fehlt das Alarmsignal, das die vordere Form mitbringt.

Hintere Uveitis (Chorioretinitis)

Betroffen sind Aderhaut und Netzhaut. Schmerz und Rötung fehlen oft ganz, das Sehen nimmt aber ab, teils mit Ausfällen im Gesichtsfeld oder verzerrtem Sehen. Weil die Netzhaut direkt beteiligt ist, ist diese Form für das Sehvermögen besonders bedeutsam.

Panuveitis

Alle Abschnitte sind gleichzeitig entzündet. Diese Form verlangt in der Regel eine besonders sorgfältige Ursachensuche.

Zusätzlich unterscheiden wir nach dem Verlauf: eine akute Uveitis beginnt plötzlich und dauert begrenzt; eine chronische verläuft über Monate und neigt zu Rückfällen, oft ohne dass die Beschwerden dazwischen ganz verschwinden.

Ursachen und Zusammenhänge mit dem übrigen Körper

Bei einem Teil der Betroffenen bleibt die Ursache trotz gründlicher Abklärung unklar — das nennt sich idiopathisch und ist kein Versäumnis, sondern ein häufiges Ergebnis. Bei einem anderen Teil steht die Uveitis mit einer Erkrankung im übrigen Körper in Zusammenhang.

Entzündlich-rheumatische Zusammenhänge. Bekannt ist die Verbindung zur Gewebemerkmal-Konstellation HLA-B27, die mit Erkrankungen wie Morbus Bechterew und verwandten Formen einhergeht. Auch eine Sarkoidose, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder eine juvenile idiopathische Arthritis im Kindesalter können sich am Auge zeigen.

Infektionen. Herpesviren, Toxoplasmose, Borreliose, Tuberkulose und Syphilis kommen als Auslöser in Betracht. Diese Unterscheidung ist keine akademische Übung: Eine infektiöse Uveitis wird anders behandelt als eine nicht-infektiöse — eine entzündungshemmende Therapie ohne Behandlung des Erregers kann die Lage verschlechtern.

Nach Verletzungen oder Eingriffen am Auge kann sich ebenfalls eine Uveitis entwickeln.

Ein wichtiger Sonderfall: Bei Kindern mit juveniler idiopathischer Arthritis kann die Uveitis völlig beschwerdefrei verlaufen — ohne Schmerz, ohne Rötung, ohne dass das Kind etwas bemerkt. Deshalb gehören diese Kinder in regelmässige augenärztliche Kontrollen, auch wenn es ihnen gut geht.

Wie wir abklären

Die Untersuchung an der Spaltlampe ist der entscheidende Schritt. Nur dort lassen sich Entzündungszellen im Kammerwasser sichtbar machen, Beschläge auf der Hornhautrückfläche erkennen und Verklebungen zwischen Regenbogenhaut und Linse (Synechien) beurteilen. Das ist der Befund, der eine Uveitis von einer Bindehautentzündung trennt — und er ist von aussen schlicht nicht zu erheben.

Dazu kommen je nach Situation:

  • Messung des Augeninnendrucks, weil eine Uveitis den Druck in beide Richtungen verändern kann
  • Untersuchung des Augenhintergrunds in Mydriasis, um Glaskörper, Netzhaut und Aderhaut zu beurteilen
  • OCT (optische Kohärenztomografie) zur Darstellung der Makula — ein entzündliches Makulaödem ist die häufigste Ursache für Sehverschlechterung bei Uveitis und lässt sich damit sichtbar machen und im Verlauf vergleichen
  • Laboruntersuchungen und internistische oder rheumatologische Abklärung, wenn der Befund, der Verlauf oder Beschwerden ausserhalb des Auges dafür sprechen

Diesen Weg nach aussen koordinieren wir für Sie, statt Ihnen eine Liste mitzugeben. Und wir sagen Ihnen auch, wenn eine breite Labordiagnostik in Ihrer Situation keinen Erkenntnisgewinn bringt — nicht jede erste, unkomplizierte vordere Uveitis muss durchgetestet werden.

Behandlung

Die Therapie richtet sich nach Ort, Schwere und Ursache. In der Regel gehören dazu:

  • Entzündungshemmende Augentropfen, meist kortisonhaltig, anfangs häufig und danach schrittweise reduziert. Das Ausschleichen ist Teil der Behandlung, nicht ein optionaler Schlussteil.
  • Pupillenerweiternde Tropfen, um Verklebungen zwischen Iris und Linse zu verhindern und den Schmerz durch den verkrampften Ziliarmuskel zu lindern.
  • Behandlung der Ursache, wenn eine gefunden wird — bei infektiöser Genese gezielt gegen den Erreger.
  • Systemische Therapie bei schweren, hinteren oder wiederkehrenden Verläufen, in Zusammenarbeit mit Rheumatologie oder Innerer Medizin.
  • Engmaschige Kontrollen, auch wenn die Beschwerden nachlassen. Eine Uveitis kann still weiterlaufen, während sich das Auge subjektiv beruhigt.

Behandelt wird dabei nicht nur die Entzündung, sondern auch das, was sie anrichten kann: erhöhter Augeninnendruck, Trübung der Linse, Schwellung der Makula, Verklebungen der Regenbogenhaut. Genau deshalb ist die Verlaufskontrolle kein Zusatz, sondern die eigentliche Therapie über die Zeit.

Abklärung und Behandlung sind medizinische Leistungen; die Kostenübernahme erfolgt bei medizinischer Indikation über die Grundversicherung. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch.

Warum Uveitis kein Fall für Selbstbehandlung ist

Rezeptfreie «Augentropfen gegen rote Augen» wirken über eine Verengung der Gefässe. Sie machen das Auge weisser, ohne die Entzündung zu beeinflussen — und nehmen damit ausgerechnet das Zeichen weg, an dem man den Verlauf beurteilt.

Noch heikler sind kortisonhaltige Präparate aus einer früheren Behandlung. Steckt hinter dem roten Auge eine Infektion der Hornhaut — etwa durch Herpesviren —, kann Kortison ohne gesicherte Diagnose erheblichen Schaden anrichten. Das ist der Grund, warum wir Kortison nicht «auf Verdacht» verschreiben und warum Restbestände im Medikamentenschrank hier gefährlich sind.

Und der praktische Punkt: Eine Uveitis, die zu spät oder zu kurz behandelt wird, hinterlässt Veränderungen, die sich nachträglich nicht zurücknehmen lassen. Zeit ist bei dieser Erkrankung ein Behandlungsfaktor.

Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann · Zuletzt geprüft am

Häufige Fragen

Bei diesem Verdacht zählt der heutige Tag.

Dumpfer Schmerz, Lichtscheu, verschwommenes Sehen: Rufen Sie an und beschreiben Sie uns die Beschwerden. Für solche Befunde halten wir kurzfristige Termine frei.