Fehlsichtigkeit
Kurzsichtigkeit — warum die Ferne unscharf wird, und was sich beim Kind beeinflussen lässt
Die Tafel vorne verschwimmt, das Strassenschild wird erst spät lesbar, im Kino rutschen Sie zwei Reihen nach vorn — beim Lesen dagegen ist alles gestochen scharf. Das ist Kurzsichtigkeit. Bei Erwachsenen ist die Frage meist, womit korrigiert wird. Bei Kindern ist die wichtigere Frage eine andere: Wie schnell nimmt sie zu — und lässt sich das Tempo verringern?
Was bei Kurzsichtigkeit im Auge passiert
Ein Auge sieht dann scharf, wenn die einfallenden Lichtstrahlen genau auf der Netzhaut gebündelt werden — auf der lichtempfindlichen Schicht an der Innenseite der Rückwand. Bei Kurzsichtigkeit — einer der Formen der Fehlsichtigkeit — treffen sie sich schon davor, im Glaskörperraum, und erreichen die Netzhaut wieder auseinanderlaufend. Was dort ankommt, ist kein Punkt mehr, sondern ein Fleck. Genau so sieht die Welt in der Ferne dann auch aus.
Der medizinische Name dafür ist Myopie. Kurzsichtigkeit und Myopie meinen dasselbe; der eine Begriff steht auf dem Brillenpass und im Arztbericht, der andere fällt im Gespräch. Angegeben wird sie in Dioptrien mit einem Minuszeichen — minus 2,0 ist eine leichte, minus 8,0 eine hohe Kurzsichtigkeit.
In den allermeisten Fällen liegt es nicht daran, dass Hornhaut und Linse zu stark brechen, sondern daran, dass der Augapfel im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang ist. Man spricht von einer Achsenmyopie. Der Unterschied zwischen einem normalsichtigen und einem deutlich kurzsichtigen Auge beträgt oft nur wenige Millimeter Achsenlänge — und ungefähr ein Drittel Millimeter entspricht bereits rund einer Dioptrie. Das erklärt zweierlei: warum die Werte in der Wachstumsphase so zügig steigen können, und warum eine einmal erreichte Länge nicht wieder verschwindet.
Weil in der Nähe die Strahlen ohnehin auseinanderlaufend ins Auge fallen, passt genau dort die Brennweite: Kurzsichtige lesen ohne Brille oft mühelos, manche halten das Buch dafür sehr nah. «Kurzsichtig» heisst also nicht schlecht sehen, sondern in einer bestimmten Entfernung gut und darüber hinaus schlecht sehen. Das umgekehrte Bauverhältnis — ein Auge, das im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu kurz ist — beschreibt die Weitsichtigkeit, die sich zuerst als Anstrengung beim Lesen meldet und deshalb oft mit etwas anderem verwechselt wird.
Eine Randnotiz, die im Erwachsenenalter wichtig wird: Wenn eine bisher stabile Kurzsichtigkeit innerhalb weniger Monate deutlich zunimmt oder erstmals nach dem 50. Lebensjahr auftritt, steckt manchmal nicht das Augenwachstum dahinter, sondern eine Veränderung der Linse — etwa ein beginnender Grauer Star oder, bei rascher Verschiebung innerhalb von Tagen bis Wochen, ein entgleister Blutzucker. Auch das ist ein Grund, neue Werte nicht einfach beim Optiker in eine Brille zu übersetzen, sondern einmal augenärztlich anzuschauen.
Wie Kurzsichtigkeit entsteht — und was daran gesichert ist
Die ehrliche Antwort besteht aus einem gut belegten und einem weniger gut belegten Teil. Gut belegt ist die Veranlagung: Kinder kurzsichtiger Eltern werden häufiger kurzsichtig, und zwar umso häufiger, je mehr Elternteile betroffen sind. Ebenfalls gut belegt ist der zeitliche Verlauf. Die häufigste Form beginnt im Schulalter — deshalb der alte Ausdruck Schulmyopie —, nimmt während der Wachstums- und Jugendjahre zu und beruhigt sich bei den meisten im jungen Erwachsenenalter.
Weniger eindeutig ist alles, was mit dem Lebensstil zu tun hat. Zwei Beobachtungen wiederholen sich in vielen Untersuchungen weltweit: Kinder, die viel Zeit mit Naharbeit verbringen, und Kinder, die wenig Tageslicht draussen abbekommen, werden häufiger kurzsichtig. Für die Zeit im Freien geht die Evidenz am weitesten — mehrere Studien an Schulen haben gezeigt, dass mehr Aufenthalt draussen den Beginn einer Kurzsichtigkeit hinauszögern kann. Für die Naharbeit ist der Zusammenhang stabil beobachtet, aber als Ursache nicht in gleicher Weise bewiesen.
Und Bildschirme? Hier lohnt sich Zurückhaltung. Dass Tablets und Handys für sich genommen kurzsichtig machen, ist nicht belegt. Was sich belegen lässt, ist der Rahmen: Bildschirmzeit findet drinnen statt, meist auf sehr kurze Distanz und über lange Strecken ohne Blick in die Ferne. Wer sein Kind vom Bildschirm holt und vor den Fernseher setzt, hat wenig gewonnen — wer es nach draussen schickt, viel.
Nicht jede Unschärfe in der Ferne ist übrigens eine Kurzsichtigkeit. Eine Hornhautverkrümmung, die in der Nähe wie in der Ferne verzerrt, kann sich sehr ähnlich anfühlen, ebenso eine unpassende alte Brille, ein trockener Tränenfilm oder — deutlich seltener, aber wichtig — eine Erkrankung der Netzhaut. Welche der Möglichkeiten es ist, entscheidet die Messung, nicht das Gefühl. Einen Überblick über die verschiedenen Formen finden Sie unter Fehlsichtigkeit.
Myopie-Management bei Kindern
Lange galt für Kinder dasselbe wie für Erwachsene: messen, Brille verordnen, in einem Jahr wieder messen. Heute wissen wir, dass sich das Tempo der Zunahme bei vielen Kindern beeinflussen lässt — und dass sich das lohnt. Der Grund ist nicht die Brille selbst, sondern das, was die Achsenlänge über das ganze Leben bedeutet: Je länger ein Auge am Ende ist, desto höher ist das Risiko für Netzhautablösung, für Veränderungen an der Stelle des schärfsten Sehens, für einen Grünen Star und für einen früher auftretenden Grauen Star. Dieses Risiko steigt allmählich, nicht sprunghaft. Deshalb zählt jede Dioptrie, die ein Kind am Ende nicht hat.
Ebenso klar muss der zweite Satz sein: Keine dieser Massnahmen heilt. Ein kurzsichtiges Auge wird nicht wieder normalsichtig, und kein Verfahren stoppt das Wachstum vollständig. Worum es geht, ist eine Verlangsamung — im Mittel und über Jahre. Wie stark ein einzelnes Kind profitiert, lässt sich vorher nicht vorhersagen; man sieht es erst am gemessenen Verlauf. Alles Folgende gehört deshalb in fachärztliche Betreuung mit regelmässiger Kontrolle, nicht in die Selbstanwendung.
Niedrig dosiertes Atropin
Atropin ist ein alter Wirkstoff, der in sehr niedriger Konzentration abends ins Auge getropft wird. In mehreren kontrollierten Studien liess sich damit das Fortschreiten im Durchschnitt verlangsamen. Offen ist weiterhin, welche Konzentration das beste Verhältnis aus Wirkung und Nebenwirkung hat — die Ergebnisse verschiedener Studien gehen hier auseinander, und in der Schweiz stehen für diese Anwendung keine gewöhnlichen Fertigpräparate im Regal; die Tropfen werden eigens hergestellt und ärztlich verordnet. Rechtlich ist das eine Anwendung ausserhalb der zugelassenen Indikation — off label. Das ist bei dieser Behandlung der Normalfall und kein Warnzeichen, aber wir sagen es Ihnen, bevor Sie zustimmen.
Was Sie wissen sollten: In niedriger Dosierung sind Blendempfindlichkeit und leichte Unschärfe beim Lesen möglich, aber meist gering. Nach dem Absetzen kann die Zunahme wieder schneller werden, weshalb das Ende einer solchen Behandlung geplant und nicht spontan entschieden wird. Und: Ohne Verlaufsmessung ist die Behandlung wertlos — man merkt sonst schlicht nicht, ob sie etwas bewirkt.
Ortho-K-Linsen — formstabile Nachtlinsen
Diese Linsen werden über Nacht getragen und verändern die Form der Hornhaut so, dass das Kind tagsüber ohne Brille scharf sieht. Neben diesem praktischen Vorteil zeigen Studien auch hier eine Verlangsamung des Längenwachstums im Mittel. Der Effekt auf die Hornhaut ist umkehrbar: Werden die Linsen weggelassen, kehrt die alte Sehschärfe über Tage bis Wochen zurück; wie schnell, hängt von der Höhe der Korrektur ab.
Die Kehrseite ist die Hygiene, und sie ist nicht verhandelbar. Jede Kontaktlinse — Nachtlinsen eingeschlossen — trägt ein Risiko für eine Hornhautentzündung, und diese kann das Sehen dauerhaft beeinträchtigen. Ein rotes, schmerzendes oder lichtscheues Auge unter Ortho-K bedeutet: Linse heraus und noch am selben Tag anrufen. Familien, bei denen die abendliche Routine erfahrungsgemäss untergeht, beraten wir ehrlich in eine andere Richtung.
Spezielle Brillengläser und weiche Speziallinsen
Es gibt Brillengläser, die in der Mitte normal korrigieren und im Randbereich zusätzliche Zonen tragen, die den Fokus vor der peripheren Netzhaut verändern. Vergleichbar aufgebaute weiche Kontaktlinsen existieren ebenfalls. In den Studien zu diesen Gläsern war die Zunahme in den behandelten Gruppen geringer als mit gewöhnlichen Gläsern; die Streuung zwischen einzelnen Kindern ist allerdings gross.
Der wichtigste praktische Punkt wird oft übersehen: Diese Gläser wirken nur, wenn sie tatsächlich den ganzen Tag getragen werden. Eine Spezialbrille im Etui ist eine gewöhnliche Brille im Etui — nur teurer. Wir sprechen deshalb vor der Verordnung offen darüber, ob das Kind seine Brille zuverlässig trägt.
Was Sie selbst tun können
Zwei Stunden Tageslicht draussen pro Tag sind die Empfehlung, die aus den Schulstudien am ehesten übrig bleibt — für das Hinauszögern des Beginns ist sie am besten belegt, für das Bremsen einer bestehenden Kurzsichtigkeit weniger klar. Dazu kommen die unspektakulären Dinge: ausreichend Leseabstand statt Nase am Heft, gutes Licht, regelmässige Pausen mit Blick in die Ferne. Ob die Pausen für sich genommen den Verlauf ändern, ist nicht sicher belegt; schaden können sie nicht, und sie machen den Nachmittag angenehmer.
Kinderaugenheilkunde ist ein eigenes Feld. Wir untersuchen und begleiten Kinder ab Kindergartenalter; wenn zusätzlich ein Schielen, eine Schwachsichtigkeit oder eine Fragestellung bei sehr kleinen Kindern im Raum steht, arbeiten wir mit spezialisierten Kolleginnen und Kollegen zusammen, statt es selbst zu übernehmen. Auch das gehört zu einer ehrlichen Beratung.
Korrektur bei Erwachsenen
Am Anfang steht in jedem Fall eine genaue Messung — objektiv am Gerät und dann gemeinsam mit Ihnen abgeglichen. Wie das abläuft und was dabei herauskommt, steht unter Sehtest. Erst danach ist die Frage nach der Korrektur überhaupt sinnvoll zu stellen.
Brille
Meist die unkomplizierteste Lösung: schnell anpassbar und ohne Belastung der Augenoberfläche. Sie lässt sich jederzeit ändern und ist bei jeder Höhe der Kurzsichtigkeit möglich. Bei starken Werten werden die Gläser am Rand dicker und das Bild etwas kleiner; hochbrechende Materialien und eine gut gewählte, nicht zu grosse Fassung fangen das weitgehend auf. Wenn zusätzlich eine Hornhautverkrümmung vorliegt, wird sie im selben Glas mitkorrigiert.
Kontaktlinsen
Sie liefern ein Bild in natürlicher Grösse, ein weites Gesichtsfeld und stören beim Sport nicht — das ist gerade bei höheren Werten ein spürbarer Unterschied. Der Preis dafür ist die Sorgfalt: saubere Hände, eingehaltene Tragezeiten, frische Pflegelösung, keine Linse über Nacht, die nicht dafür gemacht ist, und nie eine Linse in ein gereiztes Auge. Wer zu trockenen Augen neigt, verträgt Linsen abends oft schlechter als morgens; hier hilft eine ehrliche Bestandsaufnahme mehr als das nächste Linsenmodell. Rotes Auge mit Linse heisst immer: Linse heraus, am selben Tag anrufen.
Refraktive Eingriffe
Kurzsichtigkeit lässt sich auch operativ korrigieren, entweder durch eine Formveränderung der Hornhaut mit dem Laser oder durch eine Linse — eingesetzt zusätzlich zur eigenen Linse oder an deren Stelle. Welches Verfahren überhaupt infrage kommt und ob eines davon zu empfehlen ist, hängt von der Höhe der Fehlsichtigkeit, von Dicke und Form der Hornhaut, von der Tränenfilmqualität, vom Alter, von der Stabilität der Werte und vom Netzhautbefund ab. Manche dieser Punkte schliessen ein Verfahren aus. Wir untersuchen, ob die Voraussetzungen stimmen, und sagen es deutlich, wenn wir abraten.
Refraktive Laserchirurgie führen wir in der Sehklinik nicht selbst durch. Was bei uns stattfindet, ist die vollständige Voruntersuchung, die Einschätzung Ihrer Eignung — ohne wirtschaftliches Interesse im Rücken — und die augenärztliche Begleitung der Entscheidung, in welche Richtung sie auch ausfällt. Welche Verfahren es gibt und wo ihre Grenzen liegen, steht unter Fehlsichtigkeit.
Drei Dinge, die in der Werbung selten stehen: Ein Eingriff korrigiert die Brechkraft, nicht die Länge des Auges — ein langes, kurzsichtiges Auge bleibt eines, und die Netzhautkontrollen bleiben nötig. Die Alterssichtigkeit, die ab etwa Mitte vierzig jedes Auge erreicht, kommt trotzdem: Wer kurzsichtig ist, liest im mittleren Lebensalter oft noch ohne Lesebrille, weil die Kurzsichtigkeit das Nachlassen der Naheinstellung eine Weile ausgleicht. Wird sie wegkorrigiert, entfällt dieser Vorteil. Und ein dritter Punkt, gerade bei hoher Kurzsichtigkeit: Wird die eigene, klare Linse ersetzt, steigt das Risiko einer Netzhautablösung im ohnehin langen Auge zusätzlich an. Das ist kein Ausschlussgrund, aber ein Grund, diese Variante nicht als die bequemste zu behandeln.
Hohe Myopie als Risikofaktor
Ab etwa minus sechs Dioptrien — oder ab einer Achsenlänge von rund 26 Millimetern — spricht man von einer hohen Kurzsichtigkeit. Das ist eine Übereinkunft, keine Schwelle mit Alarmglocke: Das Risiko steigt allmählich mit der Länge des Auges. Der Grund ist anschaulich. Ein längeres Auge ist ein gedehntes Auge, und die Netzhaut, die seine Innenwand auskleidet, wird dabei dünner.
Daraus folgen mehrere Punkte, die eine hohe Myopie zu mehr machen als einer Brillenstärke:
- Netzhautablösung — deutlich häufiger als bei normalsichtigen Augen, und oft ausgehend von dünnen Stellen oder Löchern in der Netzhautperipherie. Warnzeichen sind Lichtblitze, ein plötzlicher Schwarm neuer schwarzer Punkte oder Russregen und ein Schatten, der von aussen ins Gesichtsfeld wandert. Diese Zeichen gehören noch am selben Tag untersucht — nicht am Wochenende danach.
- Veränderungen an der Stelle des schärfsten Sehens — die gedehnte Netzhaut kann in der Mitte Schaden nehmen, was das Lesen und das Erkennen von Gesichtern beeinträchtigt. Das Warnzeichen ist hier kein Blitz, sondern eine Verzerrung: Wenn gerade Linien plötzlich krumm erscheinen, ein Buchstabe fehlt oder in der Mitte ein grauer Fleck sitzt, gehört das rasch untersucht — nicht in vier Wochen. Ein Überblick über diesen Bereich findet sich unter Netzhaut und Glaskörper.
- Grüner Star (Glaukom) — bei hoher Kurzsichtigkeit häufiger, und zugleich schwieriger zu beurteilen, weil der Sehnervenkopf im langen Auge anders aussieht. Umso mehr zählt die Verlaufsbeobachtung mit denselben Messungen über die Jahre.
- Früherer Grauer Star — die Linsentrübung tritt bei hoher Myopie im Mittel etwas früher auf als sonst. Behandelbar ist sie wie sonst auch.
Die praktische Konsequenz ist unspektakulär und wichtig: regelmässige Netzhautkontrollen, in der Regel jährlich und mit erweiterter Pupille, damit auch die Peripherie beurteilbar ist. Kein Grund zur Beunruhigung — aber ein Grund, den Termin nicht dreimal zu verschieben. Welche Zeichen zwischen zwei Kontrollen keinen Aufschub vertragen und was danach geschieht, steht unter Netzhautablösung — die vier Warnsignale und die Behandlungswege.
Diagnostik und Verlaufskontrolle
Eine Kurzsichtigkeit festzustellen ist einfach. Ihren Verlauf zu beurteilen und alles auszuschliessen, was ähnlich aussieht, ist die eigentliche Arbeit. Dazu gehört:
- Refraktion — zuerst objektiv am Gerät, dann im Abgleich mit Ihnen. Bei Kindern und Jugendlichen messen wir häufig zusätzlich nach Gabe von Augentropfen, die die Naheinstellung vorübergehend ruhigstellen. Ohne diesen Schritt fällt der Wert bei jungen Augen leicht zu kurzsichtig aus, weil die Naheinstellung ständig mitarbeitet. Diese Tropfen wirken einige Stunden bis zum Folgetag nach: Ihr Kind ist in dieser Zeit blendempfindlich und sieht in der Nähe unscharf — Lesen und Hausaufgaben verschieben Sie besser, eine Sonnenbrille für den Heimweg ist hilfreich.
- Achsenlängenmessung bei Kindern — eine berührungslose Messung der Länge des Auges in Millimetern. Sie ist die aussagekräftigste Zahl im Myopie-Management, weil sie unabhängig von Tagesform und Naheinstellung zeigt, ob das Auge weiterwächst.
- Untersuchung des vorderen Augenabschnitts an der Spaltlampe — Hornhaut, Tränenfilm und Linse, gerade bei Kontaktlinsenträgern.
- Augeninnendruck und Sehnervenkopf — die Basiswerte, an denen sich später ein Glaukomverdacht beurteilen lässt.
- Netzhautkontrolle bei hoher Myopie — mit erweiterter Pupille, bei Bedarf ergänzt durch eine Schichtaufnahme der Netzhautmitte. Nach dem Erweiterungstropfen sind Sie für einige Stunden geblendet und unscharf in der Nähe; fahren Sie an diesem Tag nicht selbst Auto.
Wie oft kontrolliert wird, hängt vom Alter und vom Befund ab: bei Kindern mit steigenden Werten meist halbjährlich, bei Erwachsenen mit stabiler leichter Kurzsichtigkeit nach Bedarf, bei hoher Kurzsichtigkeit in der Regel jährlich. Welche Untersuchungen dabei zusammenkommen, ist unter Augenuntersuchungen beschrieben. Steht bei Ihnen oder Ihrem Kind die nächste Messung an, können Sie den Termin für die Verlaufskontrolle der Kurzsichtigkeit online vereinbaren.
Was gegen Kurzsichtigkeit nicht hilft
Rund um dieses Thema wird viel verkauft. Diese Dinge halten der Prüfung nicht stand, und wir sagen das lieber deutlich:
- Augentraining und Sehübungen. Sie können die Länge des Auges nicht verändern. Was Übungen bewirken können, ist eine bessere Gewöhnung an eine unscharfe Wahrnehmung — die gemessene Kurzsichtigkeit bleibt dieselbe.
- Absichtlich zu schwache Brillen. Die Unterkorrektur galt lange als Bremse und hat sich in Untersuchungen nicht als solche erwiesen.
- Nahrungsergänzungsmittel. Für kein Präparat ist belegt, dass es das Fortschreiten einer Kurzsichtigkeit aufhält.
- Ein reines Bildschirmverbot. Es ersetzt nicht das, worauf es ankommt: Zeit im Tageslicht und ein vernünftiger Leseabstand.
- Warten, bis das Kind älter ist. Gerade die Jahre, in denen die Werte am schnellsten steigen, sind die Jahre, in denen sich am ehesten etwas beeinflussen lässt.
Und eine Sorge, die wir häufig hören, dürfen wir Ihnen nehmen: Eine Brille «zu früh» gibt es nicht. Ein Kind, das schlecht sieht, gewöhnt sich nicht an die Brille — es gewöhnt sich an das schlechte Sehen.
Wo Sie uns finden
Untersuchung, Verlaufsmessung und Beratung zur Kurzsichtigkeit bieten wir an allen drei Standorten an. Eine Übersicht mit Anfahrt und Öffnungszeiten finden Sie unter Standorte.
Sehklinik Zürich
Hallenstrasse 8, 8008 Zürich
Telefon: +41 44 422 25 55
Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30
Tram 11/15 bis «Zürich, Kreuzplatz», drei Minuten zu Fuss — Anfahrt und Details
Sehklinik Wetzikon
Bahnhofstrasse 126, 8620 Wetzikon
Telefon: +41 44 930 61 00
Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30
Bus 850/851/852 bis «Wetzikon ZH, Schloss», eine Minute zu Fuss — Anfahrt und Details
Sehklinik Meilen
Dorfstrasse 94, 8706 Meilen
Telefon: +41 44 923 03 81
Mo, Di, Do, Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30; am Mittwoch variabel, bitte telefonisch erfragen
S6/S7 bis Bahnhof Meilen, zwei Minuten zu Fuss — Anfahrt und Details
Ausserhalb der Sprechzeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst. Wer lieber schreibt als telefoniert, erreicht uns über das Kontaktformular; zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die nötigen Angaben unter Zuweiser.
Kosten & Krankenkasse
Was bezahlt die Kasse — und was nicht?
Bei der Kurzsichtigkeit trennt die Grundversicherung recht klar zwischen zwei Dingen: Die ärztliche Abklärung und die Kontrolle eines Befundes sind Krankenbehandlung. Das Hilfsmittel, mit dem Sie anschliessend scharf sehen, ist es bei Erwachsenen in der Regel nicht. Was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen vor der Untersuchung — nicht mit der Rechnung.
| Leistung | Vergütung | Das heisst für Sie |
|---|---|---|
Augenärztliche Abklärung bei verändertem Sehen | Grundversicherung | Bei medizinischer Indikation — unscharfe Ferne, rasch wechselnde Werte, Beschwerden oder ein auffälliger Befund. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch. Bei Kindern und Jugendlichen fällt in der Regel keine Franchise an; der Selbstbehalt ist niedriger gedeckelt als bei Erwachsenen. |
Netzhautkontrolle bei hoher Kurzsichtigkeit | Grundversicherung | Die Verlaufskontrolle eines bekannten Risikobefundes ist Krankenbehandlung, ebenso jede Abklärung bei Blitzen, Russregen oder einem Schatten im Gesichtsfeld. |
Brille: Gläser und Fassung | Selbstzahlerleistung | Bei Erwachsenen zahlt die Grundversicherung Brillen in der Regel nicht. Für Kinder und für bestimmte medizinische Situationen bestehen Sonderregelungen; einzelne Zusatzversicherungen leisten einen Beitrag. |
Kontaktlinsen und deren Anpassung | Selbstzahlerleistung | Wie bei der Brille — mit engen Ausnahmen für bestimmte medizinische Indikationen. Fragen Sie im Zweifel vorher bei Ihrer Krankenkasse nach, nicht nachher. |
Myopie-Management bei Kindern: Untersuchung und Verlaufsmessung | Grundversicherung | Die augenärztliche Untersuchung und die Refraktion sind bei medizinischer Fragestellung Krankenbehandlung. Wie die Achsenlängenmessung im Einzelfall abgerechnet wird, hängt von der Fragestellung ab — wir sagen es Ihnen vor dem Termin. |
Myopie-Management: Spezialgläser, Ortho-K-Linsen, Atropin-Rezeptur | Meist Selbstzahlerleistung | Die Massnahme selbst wird in der Regel nicht von der Grundversicherung übernommen; einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich. Wir sagen Ihnen offen, mit welchen laufenden Kosten Sie rechnen müssen, bevor Sie sich entscheiden. |
Refraktiver Eingriff (Laser oder Linse) | Selbstzahlerleistung | Eine Korrektur, die eine Brille ersetzen soll, ist keine Pflichtleistung der Grundversicherung. Diese Eingriffe führen wir nicht selbst durch; wir beraten und untersuchen. Die Voruntersuchung kann je nach Fragestellung anders eingeordnet werden — das klären wir vorher. |
Unsicher, in welche Kategorie Ihr Anliegen fällt? Rufen Sie an — +41 44 500 69 00. Wir sagen Ihnen am Telefon, womit Sie rechnen müssen, und mit derselben Auskunft fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Eine Rechnung, die überrascht, ist ein vermeidbares Ärgernis.
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Medizinisch geprüft von PD Dr. med. Andrea von Rückmann · Zuletzt geprüft am
Häufige Fragen
- Nein — und umgekehrt macht die Brille die Kurzsichtigkeit auch nicht schlimmer. Das Auge wächst nicht deshalb weiter, weil eine Korrektur davorsitzt; die Brille bündelt lediglich das Licht dort, wo die Netzhaut liegt. Wer ohne Brille durch den Tag geht, sieht schlechter, kneift die Augen zusammen und bekommt eher Kopfschmerzen, aber die Dioptrienzahl folgt daraus nicht. Bei Kindern ist eine bewusst zu schwach verordnete Brille sogar ausdrücklich nicht empfehlenswert: Untersuchungen zur sogenannten Unterkorrektur haben keinen bremsenden Effekt gezeigt. Die richtige Korrektur ist die volle Korrektur, es sei denn, es spricht im Einzelfall etwas dagegen.
- In aller Regel nicht. Eine Kurzsichtigkeit, die in der Schulzeit beginnt, entsteht dadurch, dass der Augapfel im Verhältnis zu seiner Brechkraft zu lang wird — und ein gewachsenes Auge wird nicht wieder kürzer. Was sich ändert, ist das Tempo: Die Zunahme ist in Kindheit und Jugend am stärksten und wird im jungen Erwachsenenalter meist langsamer, bei manchen Menschen aber erst deutlich später. Verwechselt wird das gelegentlich mit der Weitsichtigkeit kleiner Kinder, die sich tatsächlich häufig von selbst zurückbildet. Deshalb ist bei Kindern die Verlaufsmessung so wichtig: Sie zeigt, ob wir es mit einer ruhigen oder einer rasch fortschreitenden Entwicklung zu tun haben.
- Es ist die einfachste Massnahme mit der besten Begründung — und trotzdem kein Schutzschild. In Beobachtungsstudien und in mehreren Untersuchungen an Schulkindern war mehr Zeit im Freien damit verbunden, dass eine Kurzsichtigkeit später beginnt; als Grössenordnung werden rund zwei Stunden Tageslicht pro Tag genannt. Entscheidend scheint die Helligkeit draussen zu sein, nicht die Sportart. Für Kinder, die bereits kurzsichtig sind, ist die Datenlage schwächer: Dass Tageslicht eine bestehende Myopie ebenso deutlich bremst, ist nicht in gleicher Weise belegt. Wir empfehlen es trotzdem — es ist gratis, es schadet nicht, und es ist für die Kinder ohnehin gut.
- Üblicherweise spricht man ab etwa minus sechs Dioptrien von einer hohen Kurzsichtigkeit, teilweise wird zusätzlich eine Achsenlänge von rund 26 Millimetern als Grenze genannt. Diese Zahlen sind Übereinkünfte und keine Schwellen, an denen von einem Tag auf den anderen etwas passiert — das Risiko steigt allmählich mit der Länge des Auges. Wichtig ist der Unterschied im Alltag: Eine hohe Myopie ist kein reines Brillenthema mehr, sondern ein Grund für regelmässige Netzhautkontrollen. Wer in diesem Bereich liegt, sollte die Warnzeichen für eine Netzhautablösung kennen und nicht abwarten, wenn sie auftreten.
- Grundsätzlich lassen sich viele Kurzsichtigkeiten operativ korrigieren — mit Verfahren an der Hornhaut oder mit Linsen im Auge. Refraktive Laserchirurgie führen wir in der Sehklinik nicht selbst durch; was wir übernehmen, ist die vollständige Voruntersuchung und eine Einschätzung ohne wirtschaftliches Interesse im Rücken. Ob ein Eingriff in Ihrem Fall sinnvoll und technisch möglich ist, hängt von mehreren Dingen ab: von der Höhe der Fehlsichtigkeit, von Hornhautdicke und Hornhautform, von der Tränenfilmqualität, vom Alter und davon, ob die Werte seit längerem stabil sind. Es gibt Konstellationen, in denen wir davon abraten, und wir sagen das auch. Und einen Punkt möchten wir nicht weglassen: Ein Eingriff korrigiert die Brechkraft, nicht die Länge des Auges — die Netzhautkontrollen bei hoher Myopie bleiben danach genauso nötig wie vorher.
- Bei Kindern und Jugendlichen, deren Werte sich noch verändern, ist ein Abstand von etwa sechs Monaten üblich; läuft ein Myopie-Management, kann es enger sein. Erwachsene mit stabiler, leichter Kurzsichtigkeit brauchen keinen festen Rhythmus, sondern einen Termin, wenn sich das Sehen ändert. Bei hoher Kurzsichtigkeit empfehlen wir dagegen eine regelmässige Netzhautkontrolle, in der Regel jährlich, weil die Netzhaut dünner und der Glaskörper früher verändert ist. Unabhängig von jedem Rhythmus gilt: Blitze, ein plötzlicher Schwarm schwarzer Punkte oder ein Schatten am Rand des Gesichtsfeldes gehören noch am selben Tag untersucht.
- Die Veranlagung ist es. Sind beide Eltern kurzsichtig, ist die Wahrscheinlichkeit für das Kind deutlich höher als bei zwei nicht kurzsichtigen Eltern; ist ein Elternteil betroffen, liegt sie dazwischen. Vererbt wird aber keine feste Dioptrienzahl, sondern eine Neigung — wie stark sie sich zeigt, hängt auch davon ab, wie das Kind lebt, liest und wie viel Zeit es draussen verbringt. Praktisch heisst das: Kinder aus kurzsichtigen Familien sollten früher und regelmässiger untersucht werden, nicht ängstlicher behandelt. Wenn Sie selbst kurzsichtig sind, bringen Sie Ihr Kind am besten im Vorschul- oder frühen Schulalter einmal zur Kontrolle.
Eine Messung sagt mehr als eine Vermutung.
Ob bei Ihrem Kind die Werte schneller steigen als üblich oder ob Ihre eigene Kurzsichtigkeit eine Netzhautkontrolle braucht — beides lässt sich in einem Termin klären. Rufen Sie an, wir sagen Ihnen, was sinnvoll ist und was nicht.
+41 44 500 69 00 — Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Oder Termin online vereinbaren.
