Sehklinik

Schielen

Schielen (Strabismus) — wenn beide Augen nicht dasselbe Ziel treffen

«Auf den Ferienfotos schaut ein Auge irgendwohin.» So beginnen die meisten Gespräche über das Schielen — medizinisch Strabismus. Dahinter steht selten ein Schönheitsproblem und fast immer eine Frage an das beidäugige Sehen: Nur wenn beide Augen dasselbe Ziel treffen, kann das Gehirn aus zwei Bildern ein einziges mit Tiefe machen. Weicht ein Auge ab, fehlt diese Tiefe — und im Kindesalter kann das Gehirn das abweichende Auge dauerhaft übergehen.

Was Schielen ist — und warum es kein Schönheitsthema ist

Schielen bedeutet, dass die beiden Augen nicht gleichzeitig auf dasselbe Ziel gerichtet sind: Eines fixiert, das andere weicht ab — nach innen, nach aussen, seltener nach oben oder unten. Sechs äussere Augenmuskeln bewegen jeden Augapfel, und das Gehirn steuert alle zwölf so, dass beide Augen wie ein Paar arbeiten. Weicht ein Auge ab, ist entweder diese Steuerung gestört, ein Muskel oder sein Nerv geschädigt — oder das Auge liefert ein so unscharfes Bild, dass das Zusammenspiel gar nicht erst zustande kommt.

Der entscheidende Punkt ist, was dabei verloren geht. Zwei gerade stehende Augen liefern zwei minimal verschiedene Bilder, und aus dieser Differenz baut das Gehirn räumliches Sehen: Entfernungen, Tiefe, das sichere Greifen nach einem Glas, der Schritt auf eine Treppe. Diese Leistung heisst Binokularsehen, und sie ist der eigentliche Grund, weshalb ein Schielen abgeklärt gehört. Das Aussehen ist die Folge, die auffällt; das räumliche Sehen ist die Funktion, um die es geht.

Schielen ist deshalb auch keine Fehlsichtigkeit. Eine Fehlsichtigkeit beschreibt, wie stark ein einzelnes Auge das Licht bündelt; Schielen beschreibt, wohin die beiden Augen zeigen. Die beiden treffen sich trotzdem regelmässig, weil eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit eine der häufigsten Ursachen eines kindlichen Schielens ist — dazu weiter unten mehr.

Wie sich das anfühlt, hängt am Alter, und der Unterschied ist gross. Ein Kind sieht keine Doppelbilder: Sein Gehirn ist noch formbar genug, das störende zweite Bild einfach zu unterdrücken. Das ist bequem und gefährlich zugleich — die Beschwerden bleiben aus, die Sehentwicklung des abweichenden Auges nicht. Ein Erwachsener kann diese Unterdrückung nicht mehr aufbauen. Bei ihm meldet sich ein neu auftretendes Schielen sofort mit Doppelbildern, und genau deshalb ist es bei ihm ein Warnzeichen und kein Schönheitsfehler. Eine Ausnahme gehört dazugesagt: Wer schon als Kind geschielt hat oder auf einem Auge schlecht sieht, bemerkt eine neue Abweichung unter Umständen ohne Doppelbilder — auch dann gilt sie als neu und wird gleich abgeklärt.

Amblyopie: warum bei Kindern die frühe Behandlung entscheidet

Sehen ist keine fertige Fähigkeit bei der Geburt, sondern etwas, das das Gehirn in den ersten Lebensjahren lernt. Es lernt es an dem, was ankommt. Bekommt ein Auge über längere Zeit kein scharfes oder kein verwertbares Bild, wird die Verarbeitung dieses Auges nicht ausgebaut — das Auge bleibt sehschwach, obwohl es, sobald eine organische Ursache ausgeschlossen ist, gesund gebaut ist. Das ist die Amblyopie, im Alltag Schwachsichtigkeit genannt.

Beim Schielen entsteht sie über einen Umweg: Das abweichende Auge liefert ein Bild aus einer anderen Richtung, das nicht zum ersten passt. Um dem Doppelsehen zu entgehen, unterdrückt das kindliche Gehirn dieses zweite Bild dauerhaft. Es bleibt also nicht bei einer schiefen Stellung — das übergangene Auge verliert Sehleistung, oft ohne dass es jemandem auffällt, weil das führende Auge alles übernimmt.

Der Zusammenhang läuft aber auch in die andere Richtung, und diese Richtung ist die wichtigere: Ein Schielen kann die Folge einer Augenerkrankung sein. Liefert ein Auge kein verwertbares Bild — durch eine einseitige Trübung der Augenlinse, eine Erkrankung des Sehnervs oder, selten, einen Tumor der Netzhaut —, dann weicht es ab, weil ihm der Anlass zum Geradestehen fehlt. Deshalb gehört zur Abklärung eines kindlichen Schielens immer die Beurteilung des Augenhintergrunds bei erweiterter Pupille und die Prüfung des roten Reflexes, und nicht nur die Messung der Stellung. Ein weisslicher oder fehlender roter Reflex auf einem Blitzlichtfoto wird nicht beobachtet, sondern umgehend abgeklärt — bei einem Säugling oder Kleinkind direkt in einer Kinderaugenklinik oder einer augenärztlichen Notfallstation.

Zwei Dinge machen die Sache tückisch. Erstens meldet sich niemand: Kinder haben keinen Vergleich und halten ihr Sehen für normal, und mit beiden Augen offen sehen sie völlig unauffällig. Zweitens ist das Zeitfenster begrenzt. Was in den prägenden Jahren nicht angelegt wurde, lässt sich später nur noch teilweise nachholen — je jünger das Kind bei Behandlungsbeginn, desto besser stehen die Aussichten. Das ist keine Beschwörung, sondern der Grund, weshalb bei Kindern eine Untersuchung ohne Anlass ausnahmsweise wirklich etwas verändert.

Gefunden wird eine Amblyopie nicht am Aussehen, sondern an der Zahl: Erst wenn die Sehschärfe jedes Auges einzeln geprüft wird, zeigt sich der Unterschied zwischen den Seiten. Ein Kind, das «gut sieht», sieht gut mit dem besseren Auge — das sagt über das andere nichts aus. Deshalb prüfen wir die Sehschärfe seitengetrennt und decken dafür konsequent ab, auch wenn das Kind protestiert; das Protestieren selbst ist übrigens schon ein Befund, wenn es nur bei einer Seite auftritt.

Die Formen des Schielens

«Schielen» ist ein Sammelbegriff, und die Formen dahinter verlangen völlig verschiedene Behandlungen. Sie unterscheiden sich in der Richtung der Abweichung, in der Frage, ob sie ständig sichtbar ist, und vor allem darin, ob eine Steuerung aus dem Gleichgewicht geraten ist oder ein Nerv oder Muskel ausgefallen ist.

Innenschielen (Esotropie)

Ein Auge steht nach innen, zur Nase hin. Es ist die häufigste Form im Kindesalter und fällt Eltern meist zuerst beim Anschauen naher Dinge oder bei Müdigkeit auf. Eine wichtige Untergruppe ist das akkommodative Innenschielen: Scharfstellen und Einwärtsdrehen der Augen sind im Gehirn miteinander gekoppelt, und ein weitsichtiges Kind muss schon fürs gewöhnliche Sehen kräftig scharfstellen — das Einwärtsdrehen nimmt es dabei ungewollt mit. Der bemerkenswerte Teil daran: Eine korrekt verordnete Brille nimmt dem Kind genau diese Anstrengung ab, und die Augenstellung normalisiert sich häufig ganz oder teilweise. Warum eine Weitsichtigkeit bei Kindern ein Innenschielen auslösen kann, und weshalb die Brille dann Behandlung ist und nicht Komfort, steht ausführlich auf der Seite dazu.

Aussenschielen (Exotropie)

Ein Auge weicht nach aussen ab, zur Schläfe hin. Häufig beginnt diese Form zeitweise: Sie zeigt sich beim Blick in die Ferne, beim Träumen, bei Müdigkeit oder in hellem Licht, während die Augen beim Lesen gerade stehen. Genau diese Unstetigkeit führt dazu, dass Familien lange schwanken, ob sie überhaupt etwas gesehen haben. Ein seit Längerem bekanntes, zeitweiliges Aussenschielen ist kein Grund zur Eile am selben Tag, aber ein guter Grund für einen Termin — beurteilt wird, wie oft und wie lange die Abweichung auftritt und ob das räumliche Sehen dabei erhalten bleibt. Neu aufgetreten ist es etwas anderes und gehört wie jedes neu aufgetretene Schielen bei einem Kind gleich beurteilt: Auch ein zeitweiliges Auswärtsschielen kann die erste sichtbare Folge einer Augenerkrankung sein, wie im Abschnitt oben beschrieben.

Latentes Schielen (Heterophorie)

Ein latentes Schielen ist die Neigung der Augen, voneinander abzuweichen, die im Alltag durch die Zusammenarbeit beider Augen ausgeglichen wird. Es ist ausgesprochen verbreitet und in den allermeisten Fällen völlig ohne Krankheitswert. Bemerkbar wird es erst, wenn der Ausgleich Kraft kostet und die Kraft ausgeht: nach langer Bildschirmarbeit, bei Übermüdung, in der Erholungsphase nach einer Erkrankung. Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen gegen Abend, brennende Augen, Verschwimmen oder kurzzeitiges Doppeltsehen beim Lesen und der Eindruck, Zeilen zu verlieren. Ein latentes Schielen ohne Beschwerden wird nicht behandelt, nur weil es messbar ist — das gehört zu den Sätzen, die auf dieser Seite ausdrücklich stehen sollen. Ein Muster gehört hier allerdings ausdrücklich nicht her: Doppelbilder, die neu aufgetreten sind und im Tagesverlauf zunehmen, sind etwas anderes als ein dekompensierendes latentes Schielen — dazu der Abschnitt zu den Doppelbildern weiter unten.

Lähmungsschielen (paretisches Schielen)

Hier ist nicht das Gleichgewicht der Steuerung verschoben, sondern ein Augenmuskel oder der Nerv, der ihn versorgt, in seiner Funktion beeinträchtigt. Kennzeichnend ist, dass der Schielwinkel von der Blickrichtung abhängt: In eine Richtung stehen die Augen fast gerade, in die Gegenrichtung weichen sie deutlich ab, und dort sind die Doppelbilder am störendsten. Viele Betroffene halten den Kopf unwillkürlich gedreht oder geneigt, weil die Bilder in dieser Haltung zusammenfallen — eine schiefe Kopfhaltung ist deshalb ein ernst zu nehmender Befund und keine Angewohnheit. Ein Lähmungsschielen tritt meist plötzlich auf, hat eine Ursache ausserhalb der Augenstellung selbst und gehört rasch abgeklärt: Der nächste Abschnitt gilt genau dieser Situation.

Scheinschielen (Pseudostrabismus)

Nicht jedes Kind, das schielt, schielt wirklich. Bei Säuglingen und Kleinkindern ist die Nasenwurzel breit und die Lidfalte am inneren Lidwinkel ausgeprägt; dadurch wird vom weissen Augenweiss auf der Nasenseite weniger sichtbar, und die Augen wirken nach innen gestellt, obwohl sie gerade stehen. Dieses Scheinschielen ist harmlos und verwächst sich mit dem Gesicht. Es lässt sich allerdings nicht am Foto und nicht am Familienrat unterscheiden, sondern nur an der Untersuchung — deshalb lautet die Empfehlung nicht «abwarten», sondern «einmal anschauen lassen und dann beruhigt sein».

Plötzliches Schielen bei Erwachsenen ist ein Warnsignal

Ein Schielen, das bei einem Erwachsenen neu auftritt, ist etwas grundsätzlich anderes als ein Schielen, das seit der Kindheit besteht. Das reife Gehirn kann das zweite Bild nicht mehr unterdrücken — deshalb kommen die Doppelbilder sofort, und deshalb ist die Beschwerde so eindeutig. Die Ursache liegt dabei fast nie in der Augenstellung selbst, sondern in dem, was Muskel, Nerv oder deren Steuerung beeinträchtigt: eine Durchblutungsstörung, eine Entzündung — auch eine der Schläfenarterien —, eine Erkrankung der Schilddrüse, ein Druck von aussen auf einen Nerv, eine gestörte Signalübertragung vom Nerv auf den Muskel, seltener anderes. Welche davon vorliegt, entscheidet sich nicht am Schielwinkel, sondern an der Untersuchung und, wo nötig, an einer Bildgebung, die wir veranlassen.

Weil die Dringlichkeit nicht für alle Fälle gleich ist, trennen wir sie hier so deutlich wie möglich:

Sofort — rufen Sie den Rettungsdienst (144), nicht erst zum Augenarzt: Doppelbilder zusammen mit einer Sprach-, Sprech- oder Schluckstörung, einer Schwäche oder Gefühlsstörung einer Körperhälfte, einem hängenden Mundwinkel, Drehschwindel oder einem plötzlich einsetzenden, heftigen Kopfschmerz, wie Sie ihn so noch nicht hatten. Diese Zeichen sprechen für ein Ereignis im Gehirn, und dort zählen Minuten.

Sofort in eine Notfallstation: ein neu hängendes Oberlid zusammen mit Doppelbildern und einer weiten Pupille auf derselben Seite. Diese Kombination hat eine kleine Zahl möglicher Ursachen, von denen mindestens eine keinen Aufschub verträgt — sie gehört noch in derselben Nacht beurteilt und nicht am nächsten Morgen.

Ebenfalls sofort und nicht «noch heute»: neu aufgetretene Doppelbilder bei einem Erwachsenen ab dem mittleren Lebensalter zusammen mit neuartigen Kopf- oder Schläfenschmerzen, Schmerzen beim Kauen, druckempfindlicher Kopfhaut, Abgeschlagenheit oder kurzen Sehaussetzern. Dahinter kann eine Entzündung der Schläfenarterien stecken. Sie wird sofort behandelt, weil sonst innerhalb von Tagen eine bleibende Erblindung droht — und zwar auf beiden Augen.

Noch am selben Tag abklären lassen: neu aufgetretene Doppelbilder oder ein neu abweichendes Auge ohne die oben genannten Begleitzeichen; ebenso Doppelbilder, die nach einem Sturz oder einem Schlag auf den Kopf oder die Augenhöhle auftreten. Rufen Sie uns dafür an: +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Ausserhalb dieser Zeiten gilt der augenärztliche Notfalldienst.

Zeitnah, aber nicht als Notfall: ein seit Jahren bestehendes Schielen, das grösser geworden ist; eine Kopfzwangshaltung, die zunimmt; ein Auswärtsschielen, das immer häufiger auftritt. Hier geht es um den Verlauf, und der lässt sich in einem geplanten Termin besser beurteilen als zwischen Tür und Angel.

Ein Wort zum Steuer: Mit frisch aufgetretenen Doppelbildern fahren Sie nicht selbst. Das ist keine Vorsichtsmassnahme, sondern eine Frage der Fahreignung — und es ist einer der Punkte, die wir im Gespräch ansprechen, samt der Frage, unter welchen Bedingungen und ab wann das wieder geht.

Abklärung der Augenstellung: was wir messen — und was die Orthoptik misst

Die Untersuchung der Augenstellung heisst Orthoptik; im Alltag hat sich dafür der Name Sehschule eingebürgert, was etwas irreführend ist — geübt wird dort selten, gemessen fast immer. Sie beantwortet vier Fragen nacheinander, und keine davon lässt sich überspringen: Wie gut sieht jedes Auge für sich? Wie stehen die Augen zueinander? Wie beweglich sind sie in alle Richtungen? Und arbeiten sie zusammen? Eine eigene orthoptische Sprechstunde führen wir nicht. Bei uns findet die augenärztliche Vorabklärung statt — die Sehschärfe jedes Auges einzeln, der Abdecktest, die Beweglichkeit und bei Kindern die Brillenwerte unter Tropfen. Wo darüber hinaus eine vollständige orthoptische Abklärung nötig ist, sagen wir das und organisieren die Zuweisung an eine spezialisierte orthoptische oder strabologische Sprechstunde.

Sehschärfe jedes Auges einzeln

Der Anfang und der wichtigste Teil, besonders bei Kindern. Geprüft wird seitengetrennt, mit Bildern oder Symbolen, wenn ein Kind noch nicht liest. Ein deutlicher Unterschied zwischen den Augen ist der Befund, auf den es ankommt — er trennt ein Schielen mit gesunder Sehentwicklung von einem mit beginnender Schwachsichtigkeit, und er entscheidet über die gesamte weitere Behandlung.

Abdecktest und Messung des Schielwinkels

Beim Abdecktest wird abwechselnd ein Auge zugedeckt und beobachtet, ob das jeweils andere eine Einstellbewegung macht. Das klingt schlicht und ist die Prüfung, an der sich die Einordnung entscheidet: Sie unterscheidet ein manifestes von einem latenten Schielen und zeigt die Richtung der Abweichung. Mit vorgesetzten Prismen lässt sich der Winkel anschliessend beziffern — in der Ferne, in der Nähe und in verschiedenen Blickrichtungen, weil ein Winkel, der sich mit der Blickrichtung ändert, für ein Lähmungsschielen spricht.

Beweglichkeit und Doppelbilder

Beide Augen folgen einem Ziel in alle Blickrichtungen, während beurteilt wird, wo eine Bewegung zurückbleibt. Erwachsene mit Doppelbildern beschreiben zusätzlich, in welcher Blickrichtung die Bilder am weitesten auseinanderstehen und ob sie nebeneinander, übereinander oder verkippt erscheinen. Diese Angaben sind kein Nebenprotokoll — sie zeigen, welcher Muskel und damit welcher Nerv betroffen ist.

Beidäugiges und räumliches Sehen

Geprüft wird, ob das Gehirn die beiden Bilder überhaupt zu einem verschmilzt und wie fein es dabei Tiefe auflöst. Das Ergebnis verändert die Beratung erheblich: Ein räumliches Sehen, das noch vorhanden ist, will man erhalten; eines, das nie angelegt wurde, lässt sich durch keine Massnahme nachträglich erzeugen — und wer das vorher weiss, hat andere Erwartungen an eine Behandlung.

Brillenwerte unter Tropfen — bei Kindern die Regel

Bei Kindern ist die Scharfstellkraft so gross, dass die gewöhnliche Messung eine Weitsichtigkeit unterschätzt oder ganz verdeckt. Deshalb bestimmen wir die Brillenwerte bei dieser Fragestellung unter pupillenerweiternden und die Naheinstellung entspannenden Tropfen. Praktisch heisst das: weite Pupillen, unscharfes Nahsehen und Blendempfindlichkeit für einige Stunden, bei Kindern häufig bis zum nächsten Tag. Nehmen Sie eine Sonnenbrille oder eine Mütze mit Schirm mit und planen Sie den Rest des Tages ohne Hausaufgaben. Wie ein Untersuchungstermin bei uns sonst abläuft, was mitzubringen ist und wie lange er dauert, steht unter Augenuntersuchungen: Ablauf, Verfahren und Vorbereitung.

Ein Hinweis zur Organisation, weil er Wartezeit spart: Sagen Sie bei der Anmeldung, worum es geht — ob ein Kind neu schielt, ob ein Erwachsener doppelt sieht, ob es um eine Verlaufskontrolle geht. Dann planen wir für die augenärztliche Abklärung genug Zeit ein und sagen Ihnen vorher, ob getropft wird. Zeigt sich dabei, dass eine vollständige orthoptische Untersuchung nötig ist, melden wir Sie in einer spezialisierten Sprechstunde an — darum müssen Sie sich nicht selbst kümmern.

Behandlung: Brille, Okklusion, Prismen, Operation

Die Behandlung folgt dem Befund, nicht dem Anblick. Sie hat bei Kindern zwei Ziele, die nicht dasselbe sind: die Sehschärfe des schwächeren Auges entwickeln und, wo möglich, das Zusammenspiel beider Augen herstellen. Die gerade Stellung ist dabei Mittel und manchmal Ergebnis — sie ist nie der einzige Zweck. Bei Erwachsenen kommt ein drittes Ziel dazu, das im Alltag oft das wichtigste ist: Doppelbilder loswerden.

Die Brille — häufiger die Behandlung als die Sehhilfe

Am Anfang steht fast immer die vollständige Korrektur der Fehlsichtigkeit. Bei einem akkommodativen Innenschielen ist die Brille nicht Beiwerk, sondern die eigentliche Behandlung: Sie nimmt dem Kind die Scharfstellarbeit ab, an der das Einwärtsdrehen hängt, und die Augenstellung normalisiert sich häufig ganz oder teilweise. Das erklärt zugleich, weshalb konsequentes Tragen hier kein erzieherisches Thema ist, sondern ein medizinisches — und weshalb eine absichtlich zu schwach gewählte Brille «zum Trainieren» niemandem nützt.

Okklusion — das bessere Auge abkleben

Liegt eine Schwachsichtigkeit vor, genügt die Brille nicht: Das Gehirn muss gezwungen werden, das übergangene Auge zu benutzen. Dafür wird das bessere Auge zeitweise abgeklebt — für viele Familien der überraschendste Teil der Behandlung, weil man intuitiv das schlechtere Auge schützen möchte. Umfang und Dauer richten sich nach Alter und Sehschärfendifferenz und werden im Verlauf angepasst; kontrolliert wird regelmässig, weil auch das abgeklebte Auge unter der Behandlung nicht nachlassen darf. Ehrlich dazugehört, dass die schwierigste Seite dieser Behandlung nicht die medizinische ist: Ein Kind, dem man das gute Auge zuklebt, sieht in dieser Zeit schlechter — und das merkt es. Wir besprechen den Alltag deshalb mit, nicht nur den Plan. Und wenn das Pflaster im Alltag nicht trägt — weil die Haut nicht mitmacht oder weil das Kind es abnimmt, sobald niemand hinschaut —, ist das kein Scheitern der Behandlung: Es gibt einen zweiten Weg, bei dem das bessere Auge mit Tropfen für das Nahsehen unscharf gestellt und damit ebenfalls zurückgestellt wird. Was in Ihrem Fall besser passt, entscheiden wir mit Ihnen und nicht nach Schema.

Prismen — Bilder zusammenrücken statt Muskeln bewegen

Prismen lenken das Licht so ab, dass beide Bilder wieder aufeinandertreffen, ohne dass sich am Auge selbst etwas ändert. Sie kommen vor allem bei kleineren Schielwinkeln in Frage und bei Doppelbildern, die man überbrücken will — als aufgeklebte Folie solange sich der Winkel noch verändert, als eingeschliffenes Prisma, wenn er stabil ist. Sie sind keine Behandlung der Ursache und richten kein Auge gerade; sie machen das Sehen brauchbar. Ob eine Prismenkorrektur bei Ihnen infrage kommt, ergibt sich aus der gemessenen Augenstellung und nicht aus der Stärke der Beschwerden; die dafür nötige orthoptische Messung veranlassen wir in einer spezialisierten Sprechstunde.

Die Operation — wann sie zur Frage wird

Eine Schieloperation verändert Ansatz oder Länge einzelner äusserer Augenmuskeln und damit die Stellung des Auges. Sie kommt zur Sprache, wenn Brille, Behandlung einer Schwachsichtigkeit und, wo sinnvoll, Prismen den Schielwinkel nicht ausreichend beeinflussen und die Abweichung stört: durch Doppelbilder, durch eine Zwangshaltung des Kopfes, oder weil das beidäugige Sehen anders nicht zu entwickeln oder wiederherzustellen ist. Was sie leistet und was nicht, gehört vorher gesagt: Sie korrigiert die Stellung. Sie stellt keine Sehschärfe her, die im Kindesalter nicht angelegt wurde, sie macht keine Brille überflüssig, die weiterhin gebraucht wird, und manchmal ist mehr als ein Eingriff nötig. Zu diesen Grenzen gehören auch die Risiken, und die sagen wir vorher: Der Winkel kann über- oder unterkorrigiert bleiben, und bei einem Erwachsenen können Doppelbilder nach dem Eingriff neu auftreten oder bestehen bleiben. Wer darüber vorher gesprochen hat, erlebt es hinterher nicht als Rückschlag.

Wie wir dabei vorgehen, sagen wir gerne vorher: Wir klären ab, beurteilen, ob ein Eingriff überhaupt zur Frage steht, und besprechen das mit Ihnen. Die operative Indikation stellt das Zentrum, das den Eingriff durchführt; wir organisieren die Zuweisung an ein Zentrum mit eigener Schielsprechstunde, ohne dass Sie sich selbst darum kümmern müssen. Ob Vor- und Nachkontrollen wohnortnah bei uns in Zürich, Wetzikon oder Meilen stattfinden können, klären wir mit Ihnen und der operierenden Klinik ab — und sagen es Ihnen, bevor Sie sich entscheiden. Zuweisende Kolleginnen und Kollegen finden die Angaben zur Anmeldung unter Zuweiser.

Und der praktische Teil: Wenn Ihnen an Ihrem Kind oder an sich selbst etwas aufgefallen ist, ist der nächste Schritt kein grosser. Beschreiben Sie uns am Telefon, was Sie beobachtet haben und seit wann, oder vereinbaren Sie den Termin für die Abklärung online. Bei einem neu aufgetretenen Schielen und bei frischen Doppelbildern rufen Sie bitte an, statt online zu buchen. Wir sagen Ihnen am Telefon, wie schnell wir Sie sehen: während der Sprechzeiten in der Regel noch am selben Tag, ausserhalb davon sagen wir Ihnen, wohin Sie gehen. +41 44 500 69 00.

Doppelbilder bei Erwachsenen

Doppelbilder sind die Beschwerde, mit der Erwachsene beim Thema Schielen am häufigsten kommen — und sie sind nicht alle gleich. Die erste Unterscheidung können Sie selbst treffen, noch bevor Sie den Hörer abnehmen: Halten Sie ein Auge zu. Verschwinden die Doppelbilder, sobald ein Auge abgedeckt ist, stammen sie aus dem Zusammenspiel beider Augen — dann klären wir augenärztlich ab und veranlassen, wo nötig, die orthoptische Untersuchung in einer spezialisierten Sprechstunde. Bleiben sie bestehen, obwohl nur ein Auge offen ist, liegt die Ursache in diesem Auge selbst; dahinter steckt häufig etwas an Hornhaut oder Linse, etwa eine fortgeschrittene Trübung der Augenlinse, und die Behandlung ist eine ganz andere.

Die zweite Frage ist die nach dem Zeitverlauf. Frisch aufgetretene Doppelbilder gehören noch am selben Tag beurteilt — mit den Ausnahmen weiter oben, die sofort in eine Notfallstation gehören. Doppelbilder, die über Wochen langsam zunehmen, sprechen für etwas anderes als solche, die von einem Tag auf den nächsten da waren, und Doppelbilder, die nur abends oder nur bei Müdigkeit auftreten, sind wieder eine dritte Situation. Sie passen zu einem latenten Schielen, das dekompensiert — aber dasselbe Muster hat einen zweiten, ernsteren Urheber: Ist die Signalübertragung vom Nerv auf den Muskel gestört, nehmen Doppelbilder im Tagesverlauf zu, bessern sich nach einer Ruhepause und gehen häufig mit einem gegen Abend hängenden Oberlid einher. Neu aufgetretene, im Tagesverlauf schwankende Doppelbilder deuten wir deshalb nicht als «nur müde», sondern klären sie ab — auch dann, wenn sie am nächsten Morgen wieder verschwunden sind. Kommen Schluck-, Sprech- oder Atembeschwerden dazu, ist das ein Notfall und kein Augenthema: rufen Sie den Rettungsdienst (144).

Was dann hilft, richtet sich nach der Ursache und nicht nach der Beschwerde. Ein Teil der Lähmungen bildet sich über Wochen bis Monate von selbst zurück; in dieser Zeit geht es darum, den Alltag erträglich zu machen — mit einer aufgeklebten Prismenfolie, die sich anpassen lässt, solange sich der Winkel noch ändert, oder, wenn das nicht trägt, mit einer zeitweisen Abdeckung eines Auges, die die Doppelbilder ausschaltet. Erst wenn der Befund über Monate stabil geblieben ist, wird über eine dauerhafte Lösung entschieden: eingeschliffene Prismen oder ein Eingriff an den Augenmuskeln. Diese Reihenfolge ist kein Hinhalten, sondern der Grund, weshalb man am Ende nicht zweimal korrigiert.

Zwei Dinge sagen wir dabei von selbst, weil sie im Gespräch sonst untergehen. Erstens gehört zu jeder neuen Augenmuskelstörung die Frage nach dem Grund ausserhalb des Auges — Blutdruck, Zuckerkrankheit, Schilddrüse, und je nach Konstellation eine Bildgebung oder die Mitbeurteilung durch die Neurologie, die wir veranlassen und nicht Ihnen überlassen. Zweitens die Fahreignung: Solange Sie doppelt sehen, fahren Sie nicht. Wir sagen Ihnen, was sich daran wann ändert.

Kosten & Krankenkasse

Was die Grundversicherung übernimmt — und was nicht

Für die Kostenfrage zählt der Anlass, nicht das Gerät. Die Abklärung eines Schielens ist bei Kindern wie bei Erwachsenen eine Krankenbehandlung — auch dann, wenn am Ende Entwarnung steht. Beim Hilfsmittel danach wird es differenzierter, und genau dort entstehen die Missverständnisse.

LeistungVergütungDas heisst für Sie

Augenärztliche Abklärung bei Schielen oder Verdacht auf Schielen

Grundversicherung

Ein abweichendes Auge, eine schiefe Kopfhaltung, neue Doppelbilder oder ein auffälliger Sehtest sind eine medizinische Fragestellung. Franchise und Selbstbehalt gelten wie bei jedem Arztbesuch; Kinder haben im Standardmodell keine Franchise (eine gewählte Wahlfranchise bleibt vorbehalten), der Selbstbehalt gilt.

Orthoptische Untersuchung in einer spezialisierten Sprechstunde

Grundversicherung bei Indikation

Diese Untersuchung findet nicht bei uns statt. Wir klären augenärztlich vor, stellen die Zuweisung aus und übernehmen die Verlaufskontrollen, die eine begonnene Behandlung verlangt; bei einem Befund oder einem begründeten Verdacht ist beides Teil der Krankenbehandlung und nicht gesondert zu verhandeln.

Bestimmung der Brillenwerte unter Tropfen bei Kindern

Grundversicherung

Die zykloplegische Refraktion ist bei dieser Fragestellung keine Zusatzleistung, sondern in der Regel die einzige Messung, die bei einem Kind einen verlässlichen Wert liefert.

Brillengläser und Fassung

Begrenzter Beitrag

Für Kinder besteht eine gesetzliche Regelung mit einem begrenzten jährlichen Beitrag, bei bestimmten Augenerkrankungen darüber hinaus. Bei Erwachsenen übernimmt die Grundversicherung die Sehhilfe in der Regel nicht; einzelne Zusatzversicherungen beteiligen sich.

Okklusionsbehandlung bei Schwachsichtigkeit

An Bedingungen geknüpft

Die ärztlichen Kontrollen während der Behandlung sind Krankenbehandlung. Ob und in welchem Umfang das Material selbst vergütet wird, hängt von der Kasse und vom Befund ab — wir klären das vor Beginn ab, damit Sie nicht auf der Rechnung davon erfahren.

Prismenfolie oder eingeschliffene Prismen bei Doppelbildern

An Bedingungen geknüpft

Die Verordnung setzt eine dokumentierte Indikation voraus; die Vergütung folgt den Regeln für Sehhilfen und ist bei Erwachsenen begrenzt. Was in Ihrem Fall gilt, sagen wir Ihnen vor der Anpassung — im Zweifel schriftlich, siehe Kontakt.

Schieloperation bei medizinischer Indikation

Grundversicherung bei Indikation

Doppelbilder, eine Kopfzwangshaltung oder ein nicht anders herstellbares beidäugiges Sehen begründen die Indikation. Wir klären ab und besprechen mit Ihnen, ob ein Eingriff zur Frage steht; die operative Indikation stellt das Zentrum, das ihn durchführt. Die Zuweisung organisieren wir, und sie kostet Sie nichts extra.

Eingriff allein wegen des Aussehens, ohne medizinische Indikation

Selbstzahlerleistung

Ein Eingriff ohne funktionelle Begründung ist keine Pflichtleistung und wird selbst getragen. Wir sagen Ihnen vorher, in welche Kategorie Ihr Anliegen fällt — und wir sagen es auch dann, wenn die Antwort unbequem ist.

Franchise und Selbstbehalt. Von den Kosten, die über die Grundversicherung laufen, tragen Sie zuerst Ihre gewählte Franchise vollständig selbst, danach den Selbstbehalt bis zum gesetzlichen Höchstbetrag pro Jahr. Kinder haben im Standardmodell keine Franchise — eine gewählte Wahlfranchise bleibt vorbehalten —, der Selbstbehalt gilt auch für sie. Eine Behandlung «auf Kassenkosten» ist deshalb selten kostenlos — das ist keine Besonderheit unserer Klinik, sondern die Systematik der Schweizer Grundversicherung.

Unsicher, in welche Kategorie Ihr Anliegen fällt? Sagen Sie es bei der Terminvereinbarung, dann sagen wir es Ihnen vor dem Termin und nicht danach: +41 44 500 69 00, Mo–Fr 08:00–12:00 / 13:00–17:30. Einen Überblick über unsere übrigen Sprechstunden finden Sie unter Augenheilkunde.

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Medizinisch geprüft von Dr. med. Annette Schumann

Häufige Fragen

Ein Auge, das abweicht, gehört einmal richtig angeschaut.

Sagen Sie uns am Telefon, was Ihnen aufgefallen ist und seit wann — bei einem Kind auch, ob es dauernd oder nur zeitweise auftritt. Dann planen wir die richtige Untersuchungszeit ein und sagen Ihnen vorher, ob getropft wird.